Bücherstöckchen
von Cem. Danke!
Liest Du gerne?
Hey, ich bin Literaturübersetzerin! Mit Leidenschaft!
Wenn ja, welches Genre?
Belletristik. Tatsächlich kann ich mich gar nicht erinnern, wann ich zuletzt ein Sachbuch gelesen hätte. Innerhalb der Belletristik eher aktuelle Sachen, hin und wieder schiebe ich einen Klassiker ein und stopfe Bildungslücken. Und ich lese so gut wie ausschließlich auf Deutsch, zum einen, weil ich immer das Gefühl habe, Deutsch tanken zu müssen (und zu wollen), und weil ich wissen will, was deutsche Autoren so machen mit der Sprache, und was die Kollegen so machen (es nämlich zum Großteil gut), und zum anderen weil ich, wenn ich Englisch lese, immer im Kopf die Übersetzung mitlaufen habe, und das nervt und hält auf.
Was ich nicht lese, sind Science Fiction, Fantasy und Mittelalterschinken.
Dein letztes Buch hieß wie?
„Böse Schafe“ von Katja Lange-Müller.
Würdest Du es weiterempfehlen?
Unbedingt. Es ist kein „schönes“ Buch, es geht um eine Beziehung zwischen einer Ich-Erzählerin und einem HIV-positiven Junkie, als eine Art Rede von ihr an ihn, Jahre später. Sehr intensiv.
Warum hast Du Dir genau dieses Buch zugelegt?
Weil ich vor anderthalb Jahren ein Übersetzerseminar besucht habe, das von einer Kollegin und Katja Lange-Müller zusammen geleitet wurde. Ich habe einen Moment gebraucht, um mich an Katjas etwas schnoddrige Art zu gewöhnen, zudem habe ich immer ein kleines Problem mit Dialektsprechern: wenn mir jemand in breitestem Berlinerisch etwas über den Konjunktiv 2 erzählt, dann nehme ich ihm das erstmal nur so halb ab. Aber dann. Dann habe ich doch schnell gemerkt, dass sie nicht nur ihr Handwerkszeug bestens im Griff hat, sondern außerdem ein unglaublich feines Gespür für Texte. Und sowieso sehr super ist.
Und weil sie jetzt mit diesem Roman für den Deutschen Buchpreis nominiert ist und ich wissen wollte, warum ich ihr die Daumen drücke. Und weil sie neulich in Hamburg daraus gelesen hat.
Welches war das miserabelste Buch, dass Du je in der Hand hattest?
Ach herrje, keine Ahnung. Immer diese Superlative. Sehr ärgerlich fand ich „Tod eines Kritikers“ von Martin Walser. Ich hab’s damals gelesen, um mitreden zu können, jeder hatte eine Meinung dazu, jetzt habe ich auch eine, nämlich: was für ein bescheuerter Grund, ein Buch zu lesen. Das Buch ist Dreck, bzw. der Autor wirft darin mit Dreck, weil er sauer ist, verletzt, gekränkte Eitelkeit, was weiß ich. Höchst unsouverän. Und er tut nicht mal so, als wollte er verbergen, wen er da mit Dreck bewirft. Er erzählt keine Geschichte, lässt nur Wut ab; man merkt hier und da, dass da ein routinierter Autor am Werk ist, aber er hat sich beim Schreiben nicht mal Mühe gegeben, war mein Eindruck. Ärgerlich, wirklich.
Bist Du ein Bücherquäler? Entsorgst Du z.B. die Schutzumschläge, machst Eselsohren oder besudelst die Seiten?
Nein, nein, nein! Meine Bücher werden liebevoll behandelt, Schutzumschläge bleiben drum und werden ebenfalls sorgsam behandelt. Es lasse sich niemand dabei erwischen, wie er ein Buch von mir auf die Nase legt! Eselsohren und Sudeln gehen gar nicht. Ich lese auch am liebsten neue Bücher, jungfräuliche. Und die Bücher sind das einzige, was in unserer Wohnung immer aufgeräumt ist. Schön alphabetisch sortiert, hach, das liebe ich.
Was machst Du mit den Büchern, wenn Du sie gelesen hast?
Wegräumen, an ihren Platz im Regal. Das ist mir immer eine besondere, stille Freude, ein frisch gelesenes Buch an seinen Platz zu sortieren. Jetzt ergibt sich gerade mal wieder das Problem, dass das Regal voll ist, man wird in absehbarer Zeit über eine Lösung nachdenken müssen. Es ist kaum noch was drin, was man wegwerfen könnte oder wollte, das haben wir vor ein paar Jahren schon gemacht und seither nichts Wegwerfenswertes mehr gekauft. (vgl. dazu auch Martina.)
Stöckchen weiterreichen: Großbloggbaumeister, Martina, Nicwest und Percanta. Und natürlich wer will. Mir ist, als hätten die meisten, inklusive mir, sowas schon öfter beantwortet.