Chrrr.
Dann wird man langsam müde und immer müder, und wenn es so weit ist, zieht man sich einen Schlafanzug an oder auch nicht und putzt sich die Zähne und freut sich aufs Bett und aufs Schlafen und legt sich hin. Man deckt sich zu und wird warm und immer wärmer und weicher und schwerer und denkt noch an dies und das, und dann vermischen sich die Gedanken mit etwas schon halb Geträumtem, und schon ist man weg.
Da liegt man dann, wie ein Stein, kriegt nichts mit, hört nichts, sieht nichts, oder man hört doch was und wacht auf und schläft dann weiter, man dreht sich um, ohne es zu merken, man träumt Dinge, die man hinterher nicht mehr weiß, und irgendwann wacht man wieder auf und ist noch wärmer und weicher und ausgeschlafen oder unausgeschlafen, je nachdem.
Schlafen ist wunderbar, glaube ich, bestimmt, aber das kann ich nur glauben, ich weiß es eigentlich gar nicht, und das ist einer der wirklich tragischen Aspekte des Lebens: dass man nicht weiß, wie Schlafen ist, dass man nie wissen wird, wie sich das Schlafen eigentlich anfühlt und wie wundervoll es sicher ist. Man weiß, wie herrlich es im Bett ist, wie herrlich dieses Warm- und Weichwerden und das langsame Wegsacken sich anfühlen, wie herrlich es ist, später aufzuwachen und ausgeschlafen zu sein. Aber wie das Schlafen selbst ist, weiß man nicht.
Manches kann man erstaunlicherweise im Schlaf, zum Beispiel Geräusche sortieren, ich wache nicht auf, wenn der Wecker des Gatten klingelt und wenn er aufsteht und sich anzieht und all das, ich werde erst wach, wenn er losgeht zur Schule und sich von mir verabschiedet. Ich wache auch auf, wenn im Nachbarzimmer ein geliehenes Baby weint, das ist viel leiser als der Wecker, aber ich wache auf, weil ich dann muss, weil ich gebraucht werde, mein Unterbewusstsein sortiert das im Schlaf. Zeit hingegen kann ich nicht im Schlaf. Wenn der Mann mich fünfmal weckt, dann weiß ich nicht, ob das fünf mal in zwei Stunden geschieht oder fünf mal in zehn Minuten, weil ich immer gleich wieder weg bin und keine Ahnung habe, ob ich zwischendurch zwei oder zwanzig Minuten geschlafen habe, woher auch.
Ich möchte gern wissen, wie schlafen ist.
Vielleicht könnten die Schlaflosen besser schlafen, wenn sie wüssten, wie wundervoll das Schlafen ist, vielleicht könnte auch umgekehrt ich nicht mehr schlafen, wenn ich wüsste, wie schrecklich es ist, wer weiß das schon. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Schlafen schrecklich ist. Schlafen ist bestimmt toll. Schade, dass man es nie erleben kann.
Warm werden
Weich werden
Wegsacken.
Weg.
Warm sein
Weich sein
Wach sein.