Letzte Züge
Wieder seit Wochen in der Versenkung, wieder geärgert, dass ich nicht früher angefangen habe, wieder klappts mal so gerade auf den letzten Drücker doch noch, wieder am Ende kurze Nächte, alles wie immer.
Als es das letzte Mal so war, konnte ich das Buch nicht leiden, konnte es sekündlich weniger leiden, und wenn das nicht so ein starkes Wort wäre, würde ich sagen: ich habe es gehasst. Die letzten Tage, Wochen, waren grauenhaft, ich war unglaublich genervt, ich wollte nie wieder übersetzen.
Diesmal ist es anders. Diesmal habe ich halt viel zu tun, na und, tue ich halt viel. Sitze ich halt am Schreibtisch. Okay, ich würde auch lieber rausgehen, ich habe im Internet gelesen, es soll ganz warm sein, aber ich bin ja selbst schuld, und das Buch ist toll. Unglaublich interessant und spannend, immer noch, immer wieder, faszinierend. Arbeite ich halt, macht nichts.
Vor einer Weile jaulte ich einer Kollegin vor, ob ich nicht vielleicht mal erwachsen werden und meine Zeitplanung in den Griff kriegen könnte. Sie sagte, erwachsen werden habe nichts damit zu tun, dass man seine Zeitplanung im Griff hat, sondern damit, endlich zu akzeptieren, dass man eben so arbeitet. Nun gut: so arbeite ich eben. Ist ja auch wahr. Der Gedanke hilft. Etwas. Also, ein bisschen.
Ob ich heute Nacht fertig werde? Oder brauche ich morgen noch den ganzen Tag? Frei haben wär schon auch schön.
(Morgen Abend ist Bonnie Prince Billy in der Fabrik. Das wär doch zum Beispiel was.)