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16
Jul

Shoppen

Wir wollen ein Geburtstagsgeschenk für die Schwägerin kaufen, sie hat sich ein Strandhandtuch gewünscht. Da geht man kurz zu Karstadt und sucht das schönste aus, fertig, das ist einfach. Theoretisch. Praktisch kommen wir erst an der Abteilung mit den Kochtöpfen vorbei, Kochtöpfe wollen wir schon seit einer Ewigkeit kaufen, es ist allerdings immer wieder daran gescheitert, dass man eine Wissenschaft daraus machen kann, und dass Verkäufer das auch tun, sie drängen einem Ihr ganzes Topfwissen auf, obwohl man gesagt hat, dass man das nicht will, dass man eigentlich einfach nur Töpfe kaufen möchte. Aber. Ein Glasdeckel ist hübsch, kann man in den Topf gucken, allerdings haben die so einen Rand, unter dem sich leicht der Dreck festsetzt. Ich hätte gern einen Stieltopf dabei, ohne das wirklich begründen zu können, manche Topfsets haben aber keinen. Und dann sind die einen etwas günstiger, haben dafür aber keinen doppelt gemufften Federkernboden und sind nicht so gut für Induktionsherde, und das dritte Set hat diese neuartige Beschichtung, allerdings keinen Stieltopf dabei, es ist endlos, immer wieder sind wir unverrichteter Dinge gegangen. Dass wir damals nach nur dreimal Gucken eine Waschmaschine gekauft haben, lag nur daran, dass die alte wirklich kaputt war und wir dringend eine brauchten, Töpfe hingegen können wir auch weiterhin die alten nehmen. Heute haben wir Glück, wir stehen vor einem Sonderangebot, vier Töpfe in vier Größen, davon ein Stieltopf. Ein Verkäufer fragt, ob er helfen kann, ich sage, wir brauchen Töpfe, haben aber keine Lust, eine Wissenschaft daraus zu machen, da sagt er: dann nehmen Sie die. Preis-Leistung spitzenmäßig, sonst auch alles super, Alternativen: keine, wenn Sie nicht Profiköche sind. Ich frage, ob er WMF-Verkäufer sei oder Karstadt-Verkäufer, da lacht er und sagt, WMF-Verkäufer, aber das ist uns dann doch egal. Wir kaufen die Töpfe, es wird nicht Abend, es wird nicht Morgen, zehn Minuten, der erste Kauf.
Unglaublich! Wir schleppen das schwere Topfset zu den Handtüchern, und uns packt das Grauen. Auf Dreivierteln der übergroßen Handtücher steht das Wort „Sauna“. Warum, um alles in der Welt? Auf keinem steht „Strand“ oder „Freibad“ oder „Badezimmer“. Der Rest ist scheußlich oder einfarbig, wir wollen bunt, da fällt der Strandschmuddel nicht so auf.

Wir befinden uns seit zwanzig Minuten in diesem Kaufhaus, also quasi gar nichts für ein Kaufhaus, und ich bin trotz des erstaunlichen Erfolgserlebnisses mit den Töpfen kurz vor Vollkrise. Die Luft ist schlecht, wie immer, es ist voll, wie immer, es läuft irgendeine Musik, das ist mir das größte Rätsel, wie kann man auf die Idee kommen, Musik würde Leute zum Bleiben und Kaufen animieren, mich jedenfalls katapultiert sie oft gleich wieder raus, unerträglich, und dann auch noch meistens zu laut. Außerdem kriege ich vom Shoppen schlagartig Rückenschmerzen und Durst, ich will raus. Der arme Mann schleppt das Topfset.
Im Erdgeschoss hat er eine Eingebung und fragt am Infoschalter, ob wir das Topfset hierlassen können. Es gibt Schließfächer, dritter Stock, also wieder hoch, Rücken, Durst, quengel. Wir gehen ohne Topfset noch in vier oder fünf andere Geschäfte, kaufen schließlich doch das Handtuch, das wir im Dritten gesehen haben, und müssen dann nur noch zu Karstadt zurück, in den dritten Stock, das Topfset abholen. Macht drei anstrengende Stunden für ein Handtuch, inklusive Kaffeepause und Kollateralerfolg Topfset, Rückenschmerzen und Durst. Die schlechte Laune weicht langsam der Erleichterung, dass es vorbei ist und wir Töpfe und ein Handtuch haben. Ich bin total erschöpft. Dass Menschen freiwillig „bummeln“ gehen, ja, das Shoppen gar als eine Art Hobby betrachten, wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben.
Und ich habe hier nichtmal von Hosen gesprochen.

isabo · 11:43h · comment · 10  ·

 

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