Zeitschriften
Alle lesen Zeitschriften, alle wissen Bescheid, ich kenne sogar Leute, die für Zeitschriften schreiben oder dort gar fest angestellt sind, und so kriege ich gelegentlich Anfälle von „muss ich mir doch mal angucken“. Das Ergebnis ist immer dasselbe. Also, Frauenzeitschriften jetzt.
Zum Beispiel auf der Internetseite einer solchen. Da stolpere ich schon auf der Startseite über den Teaser zu einem Artikel über Fußpflege: „Fußpflege ist nur was für alte Menschen? Von wegen, schöne gepflegte Füße sind absolut in, gerade im Frenchlook“, steht da. Ich habe natürlich keine Ahnung, was „Frenchlook“ ist, reime mir aber zusammen, dass es sich um offene Schuhe handeln muss, verstehe allerdings nicht, warum man nicht einfach „offene Schuhe“ sagt, wenn man offene Schuhe meint. Vielleicht ist es doch was anderes, immerhin weiß ich, dass es für Fingernägel diese Mode gibt, die sich „French Nails“ nennt, man wird das theoretisch auch mit Fußnägeln machen können, aber das würde lange Fußnägel bedeuten, und daran mag ich nicht mal denken. Ich nehme also vorsichtshalber lieber an, es handle sich einfach um offene Schuhe. In denen schöne gepflegte Füße also absolut in sind. Wisst ihr. Ich glaube ja, das ist nur so eine Modeerscheinung, wartet mal noch zweidrei Jahre, dann kommen Hornhaut und Dreckränder unter abgeknibbelten Zehennägeln wieder ganz groß raus. (Oder wenigstens hässliche gepflegte Füße, um hier auch noch einen kleinen Klugschiss zum Thema fehlende Kommas loszuwerden.)
Anderes Beispiel, andere Zeitschrift, auf Papier, Thema: Wie man in einer Beziehung die Sache mit dem Geld regelt. Der Artikel ist voll mit „Sie müssen unbedingt“ und „Sie dürfen auf keinen Fall“ und gipfelt in dem Satz: „Er wird sowieso nie verstehen, wieso Sie noch das fünfte Paar schwarze Stiefeletten brauchen.“ Ich verstehe auch nicht, wieso jemand fünf Paar schwarze Stiefeletten braucht, ich verstehe nicht, wieso man, wenn man das fünfte Paar schwarze Stiefeletten trotzdem gerne hätte, sich nicht sagen kann: „natürlich brauche ich das nicht, ich möchte aber trotzdem“ und das dem Partner auch vermitteln, dafür braucht man ja nicht mal groß Selbstironie oder so was, und ich verstehe vor allem nicht, wieso diese Sorte Witzchen über Männer und Frauen nicht schon lange tot ist. Die war doch schon in den sechziger Jahren nicht witzig, schickt sie doch bitte ans Schlechte-Witze-Endlager Mario Barth und werft ihn mit Beton an den Füßen in einen tiefen See. Ehrlich, so was macht mich fassungslos, nicht mal in einer Männer-, sondern in einer Frauenzeitschrift, ich war im Ernst der Meinung, darüber wären wir längst hinaus.
Zwei Beispiele aus zwei Zeitschriften, pars pro toto, so geht es mir immer, ich blättere eine Zeitschrift durch, stelle fest, dass ich das alles entweder uninteressant oder zum Aufregen dumm finde, und werfe das Heft in die Ecke. Vielleicht bin ich auch einfach zu uninteressiert. Prominente interessieren mich nicht, es ist mir herzlich wurscht, ob Cameron Diaz sich die Nase hat richten lassen und wer mit wem wo gesehen wurde und was dabei anhatte; mein Modeinteresse kann ich befriedigen, indem ich auf der Straße die Augen aufmache, für mein Kosmetikinteresse reicht mir meist der nächstbeste Drogeriemarkt, und die Psychologie meiner Beziehung lasse ich mir auch nicht gern von einer mir unbekannten Journalistin erklären. Bleibt nicht viel übrig, ich bin wohl schlicht nicht die Zielgruppe. Kann ich mit leben.
Die einzige Zeitschrift, in der ich je mehrere Artikel mit Interesse zu Ende gelesen habe, war Brand Eins. Was natürlich keine Frauenzeitschrift ist. Vielleicht kaufe ich die noch mal. Jetzt habe ich mir erstmal eine Vanity Fair gekauft, probeweise, ich hab mich aber noch nicht getraut reinzugucken.