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06
Feb

Alstereis rettet die Welt

So eine zugefrorene Alster erhöht die Naherholungsfläche der Stadt ja beträchtlich. So groß wie Monaco sei die Alster, erzählen sie einem bei Alsterrundfahrten im Sommer, und im Winter gibt es jetzt also zusätzliche Spazierfläche in der Größe Monacos. Das ist nicht nichts, im Gegenteil, das ist ganz schön viel, für etwas, das da sonst nicht ist. So viel Platz plötzlich! Mitten in der Stadt! Einfach so zum Rumlaufen! Als wäre da plötzlich ein riesiger Park, nur ohne Bäume. Und ohne Wege, alle laufen einfach durcheinander, laufen Schlittschuhe oder Langlaufski, fahren sogar mit dem Fahrrad rüber, lassen sich auf dem Schlitten ziehen, bauen Schneemänner, herrlich. Urlaub mitten in der City, von überall aus prima zu erreichen.
Das ist so schön, dass man es am liebsten immer hätte. Warum eigentlich nicht? Man könnte die Alster doch einfach dauerhaft kühlen. Kann ja so schwierig nicht sein, ordentlich Kühlschränke reinwerfen, im übertragenen Sinne jetzt, da gibt es ja Möglichkeiten, und zack, die Alster ganzjährig auf minus vier Grad kühlen. Wunderschön! Man könnte das ganze Jahr über Schlittschuh laufen. Eine Ecke abtrennen für Eishockey, ansonsten einfach so lassen. Da wird sogar Hundekacke egal, die friert einfach fest, es macht gar nichts, wenn man reintritt. Wenn es im Sommer richtig heiß ist, wäre das zudem eine herrliche Abkühlung. Gut, wahrscheinlich müsste man die Leute davor warnen, sich nackt aufs Eis zu legen, weil sie dann festfrieren, man müsste sich schon mindestens auf ein Handtuch oder so was legen. Aber das kriegen die Hamburger bestimmt schnell raus, wir sind ja nicht doof. Es würde auch den Handtücher- und Picknickdeckenverkauf ankurbeln, das darf man ja auch nicht außer Betracht lassen. In regelmäßigen Abständen Picknickdeckenverkaufsstände um die Alster zu platzieren, dürfte ja kein Problem sein. Zack, Umsatz angekurbelt, Wirtschaftskrise behoben. Und für das sommerliche Stadtklima wäre so eine riesige Eisfläche großartig, sie würde ja die gesamte Stadt ein bisschen abkühlen – denn mal ehrlich, wer jetzt über die Kälte schimpft, schimpft doch im Sommer eh wieder über die Hitze. Mit einer gefrorenen Alster kein Problem mehr.
Wenn man eine Fläche, die so groß ist wie Monaco, dauerhaft tieffrieren würde, würde das wahrscheinlich auch weit über die Stadtgrenzen Hamburgs hinaus die Temperaturen senken. Man muss ja auch mal global denken: Die Welt würde ein kühlerer Ort, und Hamburg wäre die Stadt, die endlich und als einzige wirklich etwas gegen die globale Erwärmung tut! Hanseaten gegen den Klimawandel! Die Augen der gesamten Welt würden sich auf Hamburg richten, man könnte kleine Alstereisstückchen als Devotionalien verkaufen (gegen Aufpreis auch zum Selberhacken), andere Städte würden ebenfalls ihre Seen tieffrieren, aber so ein Masch- oder Chiemsee kommt natürlich gegen die Alster nicht an. Hamburgs Platz in der Weltklimageschichte wäre unanfechtbar. Und wenn erstmal andere Städte und Gewässer folgen, würden von der ganzen verströmten Kälte die Polkappen wieder einfrieren, die Eisbären hätten wieder genügend Platz, die ganze Nahrungskettentragödie würde rückwärts laufen. Hamburg könnte die Welt retten, wenn wir nur die Alster tiefkühlen würden.

isabo · 11:18h · comment · ·

 

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