Anruf beim Krebspatienten
Als erstes frage ich natürlich, wie es ihm geht. Wir haben ewig nicht miteinander gesprochen. Gut geht’s, sagt er, und ich muss kurz lachen. Und seit heute gehe es ihm sogar noch besser, er habe nämlich jetzt Schmerzen. Der Professor habe ihm heute Morgen dazu gratuliert. Dass er Schmerzen hat, bedeutet irgendetwas, das mit den Stammzellen zu tun hat, ich habe es nicht ganz verstanden, jedenfalls ist es was Gutes. Jetzt kommt er dann in ein paar Tagen an die Zentrifuge, da werden die Stammzellen aus seinem Blut gefiltert, dann bekommt er zwei oder drei Schübe Chemo (hochdosiert) und irgendwann kriegt er dann seine Stammzellen zurück. Und dann wird neues Leben sprossen aus den Ruinen, sagt er. Ach so, und dann eventuell noch Bestrahlungen. Och ja, das sei ein bisschen lästig, aber er habe das ja schon mal hinter sich gebracht, das geht schon. Da habe er nicht mal Schmerzmittel gebraucht. Und es hat ja auch alles sein Gutes, die Kinder kommen öfter nach Hause, alte Freunde kommen, seine Geschwister haben ihn alle besucht, vor einem halben Jahr, als er schon mal Krebs hatte. Damals wurde er geheilt. Hat aber nur zwei Wochen gehalten. Sicher, natürlich habe die Chemo Nebenwirkungen, auch unangenehme, aber es gibt nun wirklich Schlimmeres im Leben.
Und dann fragt er, wie es uns geht, und was ich gerade übersetze. Er hat den Artikel über Foers Buch in der Süddeutschen am Wochenende gelesen und ist total gespannt darauf. Ich soll ihm Bescheid sagen, wenn es erscheint, dann kauft er es. Ich sage ihm, dass ich ihm eins schicke. Au ja, sagt er, dann bitte mit Widmung. Bis es erscheint, geht es ihm bestimmt schon wieder gut.