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22
Nov

Harald Martenstein



Mehr bei Flickr.

isabo · 12:10h · comment · ·

 

21
Nov

Verlosung verboten

Die Wettbewerbszentrale hat also einem Celler Diskothekenbesitzer die Verlosung einer Brustvergrößerung untersagt. Im ersten Moment dachte ich, wie außerordentlich vernünftig und im Sinne des Verbraucherschutzes das doch ist. Denn man darf ja nicht vergessen, dass so eine Brustvergrößerung enorme Folgekosten nach sich zieht; wer sich schon die Brustvergrößerung nicht leisten kann, wie soll der hinterher auf einen Schlag seine komplette BH- und Blusenkollektion ersetzen, außerdem zumindest einen Teil der T-Shirts, Pullover, Strickjacken, Jacken, Mäntel, das sind ja alles Dinge, die man im Laufe mehrerer Jahre ansammelt und nicht alle auf einmal kauft. Jedenfalls wenn man so arm ist, dass man nicht mal eine Brustvergrößerung selbst bezahlen kann. Dann kann man auch nicht auf einen Schlag den kompletten Kleiderschrank ersetzen. Hier muss die kleinbrüstige Verbraucherin also quasi vor sich selbst geschützt werden, weil sie womöglich vor lauter Aufregung, dicke Dinger gewinnen zu können, gar nicht an die Folgekosten denkt.
Aber dann ging mir auf, dass ich da wohl ebenfalls nicht bis zu Ende gedacht hatte. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass es ausgerechnet die Wettbewerbszentrale ist, die diese Verlosung verbietet. Frauen brauchen die dicken Dinger ja im Allgemeinen nicht, weil sie sie selbst so toll fänden, sondern wegen der Männer. Die Hupen würden der Gewinnerin der Verlosung im Wettbewerb um das kräftigste Männchen einen deutlichen Vorteil verschaffen, Männer sind da ja einigermaßen berechenbar. Und deswegen braucht man auch erstmal keine neuen Klamotten, denn dieser Wettbewerbsvorteil kommt ja in zu engen Sachen erst richtig zur Geltung. Erst wenn ordentlich Fleisch aus dem BH quillt und die Bluse spannt, kann man sicher sein, dass das Männchen entsprechend reagiert. Gut, es ist ein bisschen unbequem, aber das nehmen wir gern in Kauf. Für Euch. Ihr Alphatiere. Rrrrr. Auf diese Weise hat das brustvergrößerte Weibchen die Auswahl aus den strammsten oder reichsten Kerlen und kann sich einen suchen, der ihr den Kleiderschrank neu bestückt. Mit schön bequemen, weiten Schlabbersachen. Klarer Wettbewerbsvorteil also, so was kann man nicht einfach verlosen. Völlig korrekt abgemahnt.
Und ich dachte schon, es ginge um Verbraucherschutz.

isabo · 17:18h · comment · 0 ·

 

20
Nov

Seminarausklang

Das Seminar endet mit dem Mittagessen. Ein Teilnehmer nach dem anderen verschwindet, eine Handvoll Leute geht noch einen Kaffee trinken. Manche nehmen den früheren Zug, die Autofahrer machen sich auf den Weg, am Ende sind wir nur noch zu dritt, die drei, die den späteren Zug nehmen. Auf dem Weg zum Bahnhof kommen wir noch einmal am Jägermeister-Fanshop vorbei, als nächstes passieren wir den Friseursalon Jäger, in dessen Schaufenster steht: „Was Jägermeister unter den Likören, ist Meister Jäger unter den Frisören.“ Es muss sich um einen Wolfenbütteler Running Gag handeln, denn auf dem Marktplatz befindet sich eine Wurstbude, die wirbt mit „Was Bismarck unter den Fürsten, ist Mecky’s Wurst unter den Würsten.“ Ich bin voraussichtlich im Juni das nächste Mal in Wolfenbüttel und werde die Augen nach weiteren Exemplaren dieser Gedichtgattung Ausschau halten, versprochen. Chronistenpflicht.



Meister Jäger jedenfalls sorgt dafür, dass uns siedendheiß etwas einfällt. Wir haben drei Tage in Wolfenbüttel verbracht, wir haben über alles mögliche gesprochen, auch über Jägermeister, wir haben gegessen, getrunken, geschrieben, geredet, wir haben nach Kräften getan, was man von einer Seminargruppe in Wolfenbüttel erwarten darf, nur eins haben wir nicht getan, keiner von uns, und wir wissen selbst nicht, wie das passieren konnte: wir haben keinen Jägermeister getrunken.
Aber noch ist es nicht zu spät, wir sind ja noch da, und mag Wolfenbüttel auch sonst nicht irre viel zu bieten haben, einen Bahnhofskiosk hat es. Und so stehen wir am Dienstagmittag zu dritt mit unseren Rollkoffern auf dem zugigen Bahnhof, trinken Jägermeister aus kleinen Fläschchen und stellen fest: schmeckt scheiße, macht aber Spaß. Wir erinnern uns an das alte Trinkspiel, auf dem Flaschenboden ist immer eine Nummer eingeprägt, und wer die höchste hat, muss die nächste Runde holen. Ich habe die 22, uneinholbar, dagegen haben die anderen keine Chance. Ich gehe zum Kiosk und hole die nächste Runde, die Stimmung steigt, es schmeckt nicht mehr ganz so scheiße, man trinkt sich ein. Als der Zug kommt, stellen wir fest, dass man auf zwei Beinen zwar auch nicht stehen kann, aber leider keine Zeit mehr ist, eine dritte Runde zu holen. Aber bis Braunschweig kommen wir noch mit dem zweiten Fläschchen aus, und da müssen wir eh alle umsteigen. T sagt, „wisst Ihr, was das Beste ist“, hebt den Deckel des kleinen Metallmülleimers im Zug an und lässt die Flasche hineinfallen. Es scheppert ordentlich, wir lachen uns kaputt. Die Umsitzenden finden das nicht ganz so lustig wie wir.
Das dritte Fläschchen Jägermeister nehmen wir auf dem Bahnsteig in Braunschweig zu uns, es schmeckt gar nicht schlecht. Wir kichern nur noch, es kommt zu spontanen Verbrüderungsszenen zwischen Leuten, die sich erst seit zwei Tagen kennen, T muss dann leider in einen anderen Zug. Ich fahre mit K zusammen noch bis Hannover, inzwischen sind wir vollends zu Lachsäcken geworden, ich weiß selbst nicht mehr, was eigentlich so lustig ist, jedenfalls ist es so lustig, dass der schöne junge Mann uns gegenüber ein bisschen mitkichern muss. Als ich in Hannover aufstehe und mich von K verabschiede, kommt von hinten eine ältere Dame und bedankt sich. Es sei so schön gewesen mit uns, das hätte man ja selten, dass Menschen so viel Spaß haben, die meisten seien ja eher schlecht gelaunt. Sie habe jetzt richtig Freude an uns gehabt.

Danke. Hatten wir auch. Und danke, K und T.
Soll keiner sagen, wir hätten nicht alles gegeben.

isabo · 09:53h · comment · 1 ·

 

19
Nov

Zur Erinnerung



(Bild: Merlix)

isabo · 20:53h · comment · 0 ·

 

Neu im Kleiderschrank



Von Rumpfkluft. Geht hin und kauft.

isabo · 12:58h · comment · ·

 

17
Nov

Horst und Horst

„Nein“, sagt die Mutter im Zug sehr freundlich, aber bestimmt zu ihrem vielleicht zweijährigen Sohn, „wir nehmen Horst nicht mit aufs Klo. Horst bleibt hier. Lass ihn doch bei Horst.“
Der Sohn sieht ein wenig traurig erst seine Mutter an, dann das Kuscheltier in seiner Hand. Und dann ein identisches Kuscheltier auf dem Sitz. Zwei Hasen mit dickem, weichem Kopf und einem dreieckigen, braunen Plüschbeutel als Körper, beide gleichermaßen angeschmuddelt und abgeliebt. Horst und Horst. „Horst kann doch bei Horst bleiben, die beiden können ja hier auf uns warten“, bittet die Mutter. „Auf dem Klo wird er nur schmutzig.“ - „Mutzi“, bestätigt der Junge, legt Horst zu Horst auf den Sitz und folgt seiner Mutter auf die Toilette.

Kurze Zeit später stehe ich in Wolfenbüttel im Jägermeister-Fanshop und staune. Alles ist schwarz und orange, alles trägt das Jägermeisterlogo, einiges zudem den Schriftzug „Achtung, Wild“. Aschenbecher, Müslischalen, jede Menge Kleidung, Christbaumkugeln, Handschuhe, Mützen. Alles sieht gleich aus, alles ist im Corporate Design gehalten, alles, mit Ausnahme des einzigen wirklich wilden Artikels: einem Bikinioberteil aus braunem Fell. Ein Kuscheltier-BH. Zwei erstaunlich kleine, identische braune Plüschdreiecke, in denen man vielleicht seinen Kerl zum Hirsch machen will, und sich dabei nur selbst zum Horst macht.

isabo · 18:09h · comment · ·

 

16
Nov

"Schreiben ist wahnsinnig einfach. Man hat das ja alles in in sich, man muss nur das Türchen aufmachen und es rauslassen." (Harald Martenstein)

Nee, is klar.

isabo · 23:59h · comment · ·

 

15
Nov

Und nein,

ich möchte keine Ratschläge. Danke.

isabo · 17:53h · comment · ·

 

14
Nov

Nein,

ich möchte kein Traktat über die Frage, ob Gott womöglich das Interesse am Menschen verloren hat, in den Briefkasten geworfen bekommen, Frau Schulz, und nein, auch nicht, wenn Sie nochmal fragen! Ich teile auch Ihre Erheiterung darüber, dass sie jetzt versehentlich zweimal geklingelt haben, nur bedingt! Tschüss, Frau Schulz!

isabo · 15:55h · comment · ·

 

13
Nov

"Entschuldigung, ich wollte Dir nicht auf den Zahn treten."

isabo · 23:19h · comment · 0 ·

 

Post!

Kommt gerade per Mail:

"mir ist so fad.
heitere mich auf, bitte."

Kann jemand helfen?

isabo · 14:19h · comment · ·

 

Die Hamburger Förderpreise für Literatur und literarische Übersetzung

gehen dieses Jahr an die Autoren Sven Amtsberg, Robert Cohn, Nils Mohl, Hartmut Pospiech, Katrin Seddig und Charlotte Richter-Peil, und an die Übersetzer Brigitte Jakobeit, Andreas Löhrer und Miriam Mandelkow.

Herzlichen Glückwunsch, ich freu mich für Euch! Für manche sogar doll!

isabo · 10:28h · comment · 0 ·

 

12
Nov

Interview mit Julia Franck, die 2007 für „Die Mittagsfrau“ den Deutschen Buchpreis erhielt

In: Deutscher Buchpreis 2008, Longlist-Leseproben. Hg. vom Börsenblatt.

[…]

Das Buch wird derzeit in 28 Sprachen übersetzt, weitere Lizenzverhandlungen laufen. Wie ist das, zu wissen, dass man in Brasilien, China, Japan gelesen wird?

Es ist schön. Und dass es eine Wertschätzung des Buches gibt, die dazu führt, dass jemand Wochen und Monate damit zubringt, das ist etwas ganz Besonderes. Kürzlich hatte ich das Vergnügen, eine ganze Woche in Straelen mit 18 der Übersetzer zusammen an meinem Roman zu arbeiten und Übersetzungsschwierigkeiten zu erörtern. Es war die ernsthafteste und intensivste Auseinandersetzung, die ich bislang mit meinem Buch und meiner Muttersprache erfahren habe. Die Arbeit mit den Übersetzern ist die wertvollste und auch die ergiebigste für einen Schriftsteller, weil man selten so genaue Fragen zur deutschen Sprache, zum Assoziationsraum eines Wortes, zum Sinn einer bestimmten Syntax gestellt bekommt. Stellen Sie sich vor, als wir bei der öffentlichen Veranstaltung am Ende der Woche unsere Arbeit leibhaftig vorstellten und die französische Übersetzerin sich versicherte, ah, hier werde also im Nebensatz fast unkenntlich ein Lied zitiert? Was für ein Lied das genau sei: „Zwischen Berg und tiefem, tiefem Tal, saßen einst zwei Hasen …“ – da begann das Publikum von über 100 erwachsenen Menschen, spontan begeistert und angesteckt von unserer Darbietung, im Chor dieses alte Volkslied zu singen. Jeder Übersetzer wusste danach, dass und wie stark, in welcher Melodie und mit welchem Inhalt dieses Lied in unserem kollektiven Sprachgedächtnis vorhanden ist.

[…]

isabo · 19:53h · comment · 1 ·

 

Na, wo brennt der Schuh?

isabo · 18:10h · comment · ·

 

Ich bin so ein Klugscheißer. Unerträglich. Ich möchte mich hiermit bei allen entschuldigen, die ich je beklugschissen habe. Außer bei denen, die es wollten, natürlich.

isabo · 17:13h · comment · 0 ·