Lieber Gott,
Danke für die Suppen und Eintöpfe.
Deine Isa
Habe das neulich verkündete radikal neue Blogkonzept irgendwie wieder aus den Augen verloren. Gelobe Besserung. Vielleicht.
Gibt es in Hamburg heute Nacht eigentlich irgendwo ein Wahl-Gucken?
Ich bin so knallvergnügt erwacht
Ich klatsche meine Hüften.
Das Wasser lockt. Die Seife lacht.
Es dürstet mich nach Lüften.
Ein schmuckes Laken macht einen Knicks
Und gratuliert mir zum Baden.
Zwei schwarze Schuhe in blankem Wichs
Betiteln mich "euer Gnaden".
Aus meiner tiefsten Seele zieht
mit Nasenflügelbeben
Ein ungeheurer Appetit
Nach Frühstück und nach Leben.
(Joachim Ringelnatz)
(Bearbeitung in den Kommentaren)

Richard Grant: Bandit Roads. In das gesetzlose Herz Mexikos.
Eine großartige Reisereportage durch die Sierra Madre. Sehr spannend und interessant, kann man auch gut lesen, wenn man sich sonst nicht brennend für Sierra-Madre-Reisereportagen interessiert. Echt! Tolles Buch! Kaufen! Mit super Flüchen drin!
- Oieau-massaj-tag?
- Guten Tag, isabo hier, ich würde gern einen Massagetermin ausmachen.
- Bann?
- Ich bin ziemlich flexibel, wann …
- Oide?
- Heute? Äh, ja, warum nicht, gerne.
- Bann?
- Wann - äh, fünfzehn Uhr?
- Bessa fiase?
- Okay, vierzehn Uhr. Bis gleich.
Als ich ankomme, strahlt die chinesische Masseurin mich an, ruft freudig „Ha-o!“ und führt mich in den Massageraum. „A-es auzieh, nur ni wunahos, Bau lege“, weist sie mich an und verschwindet. Ich versuche es mit: alles ausziehen, nur nicht Unterhose, Socken und Uhr, und auf den Bauch legen. Fast richtig; Socken und Uhr hätten auch ausgemusst.
Sie wickelt mich erstmal von Kopf bis Fuß in Handtücher ein und massiert mich sanft ein bisschen durch die Handtücher durch, Nacken, Rücken, Po, Beine, Füße. „Deutse so swee-a!“ verkündet sie dabei, mehrfach, ja, denke ich, das höre ich, dass Deutsch schwer ist, Sprache schwer, Aussprache schwer. Sie nimmt das Handtuch von meinem Rücken, legt mir ein anderes über den Hinterkopf und reibt mir den Rücken mit Öl ein. Und massiert. Und knetet. Ihre Hände sind plötzlich aus Stahlbeton, meine Nackenmuskulatur leider auch, vor allem rechts, der Mausarm, und Stahlbeton auf Stahlbeton ist nicht so richtig angenehm, aua, aua, aua. „Deutse so swee-a!“- ruft sie. Das hält sie allerdings nicht davon ab, sehr viel zu sprechen, „immer dea und das, so swee-a“, erklärt sie, „ja“, sage ich, auch nur noch in Wörtern sprechend, statt in Sätzen, „die Artikel, sehr schwer“. Ich glaube, sie erzählt mir, was sie gestern in der Schule Schweres besprochen haben, „so swee-a, Zeht!“ – „Zeht?“, frage ich? „Zeht!“, ruft sie und probiert dann ein bisschen mit Vokalen und Erklärungen herum: „Zehte! Ze-ute? Kan-pin!“ ("Kambun" denke ich, so heißt auf Japanisch die klassische chinesische Schrift und Literatur, aber mein Japanisch hilft mir leider gerade kein bisschen), „Zette!“ –„Zettel?“, frage ich hoffnungsfroh, „Zeite!“, ruft sie, und endlich verstehe ich: „Die Zeiten! Ja, die sind auch sehr schwer im Deutschen! Verben! Haha, ja, die Zeiten!“ Sie amüsiert sich prächtig, „nein“, lacht sie, „ja, au so swee-a“, aber was sie meint, ist doch „Ze-te, Kan-pin-praße!“ Irgendwann verstehe ich. Zelten. Campingplatz. Wir sind beide total erleichtert, Zelten! Haha, ja! Campingplatz! Zelten, klar! So schwer!
Derweil hat sie den ersten Liter Öl in meinen Rücken massiert, und ich habe mehrfach gestöhnt, „tu weh?“, fragt sie dann und lacht und tut mir noch mehr weh. „Swei Tage Muskakata“, kündigt sie an, na meinetwegen, immer her damit, aua. Rechte Rückenhälfte, linke Rückenhälfte, plötzlich klettert sie auf die Liege und hockt sich auf mich, knetet weiter, dann wieder runter. Sie geht an meinen Hals, da bin ich empfindlich, ich kriege Gänsehaut und sage „uh, da kriege ich Gänsehaut“ - „was?“, fragt sie, „tu weh?“ - „nein“, sage ich, „aber das läuft mir durch den ganzen Körper“, woraufhin sie sich gar nicht mehr einkriegen will vor Lachen. „Das gut“, sagt sie, „löft ganse Köpa, hahaha.“ Sie arbeitet sich meinen Rücken hinunter, an manchen Stellen tut es höllisch weh, sie massiert mir den Po, „ni gut, imma sitze“, diagnostiziert sie, „ni gut füa Lücke, ni gut füa Po“, dann deckt sie meinen Rücken mit einem Handtuch zu und arbeitet sich weiter meine Beine hinunter, der nächste Liter Öl wird eingeknetet, ich fühle mich wie Kuchenteig (Quark-Öl-Teig). Schließlich die Füße, Gott, ist das wundervoll. Und sie ist deutlich stiller geworden. Nachdem sie mit meinen Füßen fertig ist, kommt sie wieder an meinen Kopf, dreht mir die Arme auf den Rücken, erst den einen, dann den anderen, drückt einmal drauf, „tu weh?“, ja, sehr, fasst mir unters Schulterblatt, dahin, wo es noch mehr weh tut, massiert mir dann den Arm und die Hand, dann die andere Seite. Und wieder an die schlimme Stelle, die rechte Schulter, ich stöhne auf, „tu weh?“, fragt sie und geht weg. Es rumpelt und pumpelt vor der Tür herum, dann höre ich sie wieder reinkommen, ich sehe sie nicht, ich gucke ja die ganze Zeit durch das Loch im Tisch auf den Boden, wo ich außer dem Parkett nur manchmal ihre sonderbaren Hausschlappen sehe, so eine Art mit Teddybärfell bezogene Gesundheitslatschen in billig, aber herrje, wer wird noch was über Asiaten und ihre Hausschlappen sagen wollen. Ohne jede Vorwarnung legt sie mir ein knallheißes, nasses Handtuch auf den Rücken, dann noch eins und noch eins. „Hei?“, fragt sie, „nee, super“, sage ich, sie packt auch meine Arme darin ein, ich weiß nicht, wie viele heiße, nasse Handtücher sie auf mir stapelt, wunderbar, „swee-a?“, fragt sie, „nee, super“, sage ich. Dann knetet sie mir wieder die Beine. „Tu weh?“ Ich habe jedes Zeitgefühl verloren, eine Stunde soll es insgesamt gehen, wie viel Zeit mag vergangen sein? Kann das bitte nie aufhören? Sie ist wahrhaftig nicht zimperlich, plötzlich tun mir sogar die Beine weh, obwohl ich da nie was hatte, aber wenn man fest genug knetet, tut irgendwann alles weh. Aua. Weitermachen. Sie schlägt mir auch die Beine in knallheiße Tücher ein, woah. Plötzlich kniet sie auf mir, drückt mir durch die heißen Handtücher die Knie in den Rücken, aua, ist. das. großartig.
Alles hat ein Ende. Sie packt mich aus den heißen Handtüchern aus und befiehlt „um-deh“. Ich drehe mich um, dafür muss ich mich ein bisschen mit den Armen abstützen, nicht zu fassen, ich habe den Muskelkater jetzt schon, meine Schultern schmerzen, unglaublich. „Tu weh?", fragt sie und prognostiziert „swei Tage Muskakata“. Is recht. Für die Gesichtsmassage zum Schluss ist leider kaum noch Zeit, halbe Minute vielleicht, schade.
Ich bin fix und fertig.
Also, das Wichtigste, was ich jetzt erstmal tun muss, ist, mir überlegen, in welcher Reihenfolge ich die Dinge tun will, die ich tun will und muss. Das Wetter ist längst nicht so schlecht wie angekündigt, man könnte also raus, entweder laufen oder Fotos machen, wenn letzteres, dann müsste ich vorher duschen und mir die Haare waschen, also vielleicht doch erstmal laufen, dann duschen, und dann, wenn es dann immer noch nicht regnet, noch mal raus, fotografieren. Im Moment finde ich es allerdings viel spannender, die Bilder vom Kaffee.Satz.Lesen gestern zu sichten, zu sortieren, in schwarz-weiß umzuwandeln, umzusortieren und es mir anders zu überlegen, und dann will ich sie hochladen. Ich sollte auch vielleicht mal was essen, beim Laufen noch irgendwas anderes außer Kaffee im Magen zu haben, wäre sicher auch nicht schlecht. Außerdem gibt es ja noch hunderterlei, was erledigt werden müsste, so was wie bei Verlagen anrufen und Arzttermine ausmachen und Schreibtisch aufräumen, putzen sowieso, das sieht wieder aus hier, will uns nicht mal einer besuchen kommen, damit wir einen Grund zum Putzen haben? Auf die Liste setzen: über Putzfrau nachdenken. Erstmal schreibe ich jetzt die eine Mail und dann stelle ich ne Maschine Wäsche an, außerdem mache ich weiter mit den Fotos rum, wahrscheinlich sollte ich lieber schnell laufen, bevor es doch anfängt zu regnen. Ich muss auch noch bei Dings anrufen, das könnte ich auch einfach mal erledigen. Mannmannmann, aufraffen, los: erst laufen, dann duschen, die Bilder fertigmachen, dann mal sehen, ob das Wetter noch schön genug ist zum Fotografieren, und was, zum Teufel, ist eigentlich mit Übersetzen, hm? Okay, ich habe am Wochenende was Kleines fertiggemacht, aber der dicke Roman liegt hier ja auch und guckt mitleidheischend. Aber erstmal Schreibtisch aufräumen. Usw. ad infinitum.
Meine Bilder sind jetzt doch wieder bei Flickr. Weil es einfach schöner aussieht. Achtung: mein Name dort ist isabo_ mit Unterstrich hintendran. Ging nicht anders.
Zwei ältere Muttis stehen mit ihren Hunden auf dem Weg im Park und plaudern, ich komme angelaufen, einer der Hunde, ein puscheliger, frischgewaschener, hysterischer kleiner Kläffer, springt auf mich zu und kläfft hysterisch. Ich kriege einen gehörigen Schrecken, bleibe abrupt stehen, er spannt seine Leine quer über den Weg, um mich anzukläffen, ich komme nicht an ihm vorbei. Frauchen rührt sich nicht, sondern plaudert weiter.
Ich, wütend: Können Sie mal Ihren Hund da wegnehmen?
Sie: Der tut nichts.
Ich: Doch, er hat mich erschreckt! Außerdem steht er im Weg.
Sie zupft zögerlich an der Leine.
Ich, den Köter umkurvend: Blödes Vieh.
Sie: Blöde Kuh.
Zurückgegoogelt (sein und haben):
Die Menschen sind verrückt,
Die Menschen sind komplex,
Die Menschen sind geborgen,
Die Menschen sind so herzlich,
Die Menschen sind meine Bilder,
Die Menschen sind fortschrittlich,
Die Menschen sind sehr verängstigt,
Die Menschen sind dankbar für jede Hilfe,
Die Menschen sind hier nicht so neugierig,
Die Menschen sind moderner als man glaubt.
Die Menschen haben Autos erfunden,
Die Menschen haben uns angezündet,
Die Menschen haben das nicht verdient,
Die Menschen haben ein Recht auf Stadt,
Die Menschen haben sich zurückgezogen,
Die Menschen haben weniger in der Tasche,
Die Menschen haben das Vertrauen verloren,
Die Menschen haben etwas vom Aufschwung,
Die Menschen haben schon immer Sternbilder gesehen,
Die Menschen haben uns auch oftmals als zu kalt empfunden.
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