Menno

Der neue Brockhaus ist da, und prompt nagt ein fieses, kleines Habenwollen an mir. Er ist SO schön. Und neu. Überarbeitet. Dreißig Bände, mit Lederrücken und Goldschnitt, in schwarz und rot. Und er kostet 2500,- €, wo soll ich 2500,- € hernehmen? Außerdem braucht das heutzutage kein Mensch mehr, ich habe einen alten fünfzehnbändigen auf CD-ROM, und was da nicht drinsteht, steht im Internet, man muss sich nun wirklich nicht für ein Schweinegeld drei Meter Leder und Gold ins Regal stellen. Zumal, wenn man immer noch kein gescheites Regal hat.
Andererseits. Ich bin Übersetzerin. Der lustige Mann ist Lehrer. Und so ein Übersetzerin-Lehrer-Haushalt ohne Brockhaus geht ja irgendwie auch nicht. Ist doch wahr! Und diese CD-ROM, nee, das ist nicht dasselbe. Meinetwegen mag man Leder und Gold und dreißig Bände auch spießig finden, na und? Spießig is the new punk. Schick wär’s schon. Hach.
(Und dann kommt La Gröner daher und zeigt mir auch noch das hier. Grmbl.)
Ich verfolge das bei Ihnen nun schon eine ganze Weile & kann das Verlangen oder gar Begehren nach & von Nachschlagewerken sehr gut nachvollziehen.
Auch ich bin ein "wehe"mentaler Nachschläger & liebe - trotz der immer wieder mit Erfolg eingesetzten elektonischen Medien - das erklärungsschwer Haptische eines Lexikons in der Hand und das Stehen am Schreibpult mit dem Blick auf wunderbar gedruckte Lettern.
So besitze ich denn: den 21 bändigen Brockhaus 1928 bis 1933, den Großen Partridge für den engl. Slang, den großen, zweibändigen Muret/Sanders für alles andere Englische; den Thesaurus Roget's zum Sinn verwand(t)eln im Englischen; den Wehrle /Eggers fürs Deutsche; 2 Bornemänner fürs Sexuelle; 2 Kindlers (elect. & gebunden); den Großen Digitalen Grimm; den Hederich für die Mythologie & den Kluge für die Etymologie dazu dann noch verschiedene Ausgaben für alles "Geflügelte" & natürlich die Zettelkästen, die ich nach Schmidtscher Manier mir während des Studiums erstellt habe!! Dazu elektonisch den Brockhaus & die Encarta; Duden Sinnverwandte Wörter & aus der "Digitalen Bibliothek" des Herrn Kilian all das, was man für den Rechner günstig bekommen konnte & natürlich Wiki ..
Und warum das Ganze: 1. weil ich's sehr, sehr mag, das Nachschlagen & Lesen in Lexika ... und zweitens, um Zettels Traum & Finnegans Wake (mir) er...lesen zu können.
Ich hoffe, Sie verstehen meine Listung jenseits von Angabe mit "Bildungstümelei". Ich wollte Ihnen nur dokuMENTeren: Sie stehen nicht alleine mit Ihrer Lieben Lust am Lesen & Nachschlagen!! Genau so geht's mir mit Registern in Büchern, die ich regelmäßig selbst anfertige, um Prägnantes wiederfinden zu können ... A. Schmidt meinte einmal: "Ein Buch ohne Register, ist wie'ne Frau ohne Clitoris!" Hatta .. da Recht ... Frau ISA??
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isabo,
11. Oktober 2005, 20:18
Nein, das ist ausgemachter Bockmist und ekelhaft.
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therealstief,
11. Oktober 2005, 23:04
VerDRUGSter Bargfelder Blödsinn !
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Wenn ich mich recht erinnere, hatten Sie vor einiger Zeit Aspekte des "Literarischen Übersetzens" diskutieren wollen. Auch wenn Sie, was ich sehr gut verstehen kann, die von mir zitierte Äußerung des Arno Schmidt bezüglich der Register von Büchern geschmacklos finden, sollte Sie dies nicht daran hindern, vielleicht einmal bei ihm darüber nachzulesen, was das Übersetzen als ein "traducere & tradicere" für den, der da von einer Sprache in die andere den Leser führt & treidelt, bedeuten kann & muss.
Schmidt hat sich zusammen mit Wollschläger intensivst Gedanken über die adäquate Form des Übersetzens gemacht. Nicht zuletzt, weil er ja plante das Joyce'sche MammutWerk ins Deutsche zu bringen.
Darüber hinaus übersetzte er den Poe, Bulwer-Lytton, Faulkner, Joyce, Wilkie Collins, Lewis Carroll etc. Und - was für Sie von hoher Relevanz sein mag - er hat sich stets dafür eingesetzt, dass die Übersetzer endlich für ihre Leistungen angemessen entlohnt werden. Ich habe selbst Freunde in Freiburg, die schon seit mehr als 25 Jahren vom Übersetzen leben & mittlerweile nicht mehr ums Honorar kämpfen müssen. Aber auch diese sagen immer wieder, dass die Übersetzer auch heute noch im Geflecht 'Buch-Verlag-Autor' minder privilegiert sind. Ich wünsche Ihnen viel Glück & gutes Gelingen bei Ihrer Übersetzung des "Israel-Buchs".
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es kommt immer drauf an, wie man das sieht. kauf dir den brockhaus und wenn das schlechte gewissen sich meldet und fragt, was das denn jetzt sollte, cd-rom und so, du weisst schon, dann sag einfach:
i'm intellectually accessorising. which is the new punk. so there. dein schlechtes gewissen wird es verstehen.
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Anke5,
12. Oktober 2005, 08:18
Oh, das "intellectually accessorizing" kommt sofort auf den geistigen Merkzettel.
(PS: Amazon hat gestern den Calvin losgeschickt. Ich flickr später ein Foto meines feisten Grinsens :-)
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peterlu,
12. Oktober 2005, 23:25
irgendwie mag ich den bargfelder zausel ja, einige bücher haben mir echtes vergnügen gemacht und vom übersetzen versteht er bestimmt eine menge. aber darum gehts nicht, sondern um den brockhaus.
heute hörte ich, bei einer der letzten millionärssendungen mit günter jauch sei ein kandidat bei der 500.000 euro-frage ausgestiegen, weil er die antwort nicht wusste. die richtige antwort auf die frage nach einem nobelpreisträger der auch olympiasportler war, wäre "niels bohr" gewesen. das wiederum, zeigte sich im nachhinein, wäre auch falsch gewesen: niels bohr war physik-nobelpreisträger, der olympionike jedoch war sein bruder. die verheerende falschinformation hatte jauchs redaktionsteam aus - anschwellende orgelmusik, tusch - dem brockhaus.
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peterlu,
13. Oktober 2005, 00:06
aaargh, jetzt sehe ich, es steht in spiegel online. naja, man kann ja nicht den ganzen tag lang in vorderster front rumstehen, ab und zu hat man ja auch mal was anderes zu tun. ansonsten, fürs haptische und alles aus grauer vorzeit steht bei mir zuhause dennerts conversationslexicon von 1875, für alles, was danach war, gibts das internet. aber, vorsicht, auch in der wikipedia steht blödsinn.
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isabo,
13. Oktober 2005, 11:58
Nun ja, das würde ich mal unter echt blöd gelaufen verbuchen. Man kann, finde ich, der Jauch-Redaktion keinen Vorwurf draus machen, dass sie sich auf den Brockhaus verlässt. Täte ich auch. Und andererseits kann man auch nicht davon ausgehen, dass wirklich ALLES, was in dreißig Bänden steht, auch stimmt. Das darf nicht passieren, weder dem Brockhaus, noch den Jauchs, passiert aber nun mal.
(Dass es für "alles danach" das Internet gibt, weiß ich ja. Aber das Internet ist nicht in Leder gebunden und fühlt sich nicht so schön an, bzw. nur mental schön, aber nicht haptisch, und es riecht nicht so gut.)
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