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Totalzusammenbruch der Grundversorgung! Abenteuer!

Komme ich gestern aus dem Büro nach Hause: helle Aufregung im Treppenhaus! „Ham Sie schon gehört?“ – „Nee, was?“ – „Ja, ham Sie nicht gesehen?“ Draußen stehen ein paar beleuchtete Warnbaken am Straßenrand. „Was ist denn nun?“ – „Wir haben kein Wasser. Wasserrohrbruch!“
Drama! Es ist nicht viel Kohärentes aus den beiden Nachbarinnen herauszukriegen. Offenbar tut sich schon etwas, denn es ist ja schon abgesperrt. Aber man weiß noch nicht, wie lange es dauert! Wir haben kein Wasser! Wir können nicht aufs Klo! Wieso, sag ich, wir können nur nicht spülen. Es soll ein Wassertank vor die Tür gestellt werden, da können wir uns was holen. Aber wer weiß, wann der kommt! Nach einer Weile kriege ich raus: das Ganze ist erst vor einer halben Stunde passiert. Ich mahne zum Abregen und Lockermachen. Wird schon was gemacht werden, warten wir doch erstmal ab.
Auftritt der nächsten Nachbarin. Sie habe da jetzt mal angerufen. Das sei ja hier wie in der Dritten Welt. Die Bürger würden ja gar nicht informiert, da müsste doch mal einer mit einem Megaphon kommen und das durchsagen. Sie sehe ja ein, dass es ein bisschen viel sei, überall zu klingeln und Bescheid zu sagen, aber dann müsse man eben jemanden mit einem Megaphon schicken. Es sei überhaupt ein Problem, speziell in Hamburg, dass die Bürger nie informiert werden, neulich sei in der U-Bahn-Station … Andere Geschichte. Ich mahne zum Abregen und Lockermachen.
Zehn Minuten später fährt der erste Bagger vor, dann der zweite und der Tank mit der Trinkwasser-Notversorgung. Wir haben inzwischen schlankerhand beschlossen, uns bei Freunden zum Abendbrot einzuladen. Es klingelt: Jetzt! Wasser holen! Jaja, schon gut. Ich gehe mit einem Eimer runter. Meinen Sie, das reicht für die ganze Nacht? Nein, meine ich nicht. Wir haben aber nur einen Eimer. Und der Tank soll die ganze Nacht stehenbleiben und immer neu befüllt werden, wenn er leer ist. Alles also überhaupt kein Problem, ich mahne zum Abregen und Lockermachen.
Menschen kommen mit allen Plastikbehältern, die sie finden können, und zapfen Wasser, als stünde eine Dürre bevor. Gleichzeitig mit mir kommt der Nachbar die Treppe wieder rauf, er hat in einer Spülschüssel Wasser geholt, seine fünfjährige Tochter ist dabei. Die alte Dame von gegenüber fragt: Na, kann der Papa denn da drin baden? Der Papa antwortete an ihrer Stelle: Nee, da kann der Papa nicht drin baden, das ist ja viel zu kalt. Da muss die Mama erst den Tauchsieder reintun! Also, ich find’s super, wenn Männer so selbständig sind.
Wir gehen zu unseren Freunden, lesen den Kindern Geschichten vor, bringen sie ins Bett, bekommen lecker Abendbrot und lecker Wein und sind um kurz nach elf wieder zu Hause. Bagger und Notversorgungstank sind weg, aus all unseren Wasserhähnen kommt Wasser.
Jetzt hatte ich immerhin endlich mal die Gelegenheit, das sehr hübsche Wort "schlankerhand" zu benutzen.

Link  *  15.11.06 10:39  *  comment

 

comma, 15. November 2006 10:58:06 MEZ
... finde ich auch viel schöner als kurzerhand!

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bov, 15. November 2006 11:45:18 MEZ
Apokalypse in Hamburg, mein lieber Scholli! Vor zehn Jahren ist mal in weiten Teilen Berlins für zwei Stunden der Strom ausgefallen, das war auch ein ziemliches Drama. Ich hab es aber erst bemerkt, als ein Freund, der mich besuchen kam, nicht geklingelt hat sondern geklopft.

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gerdbrunzema, 15. November 2006 12:04:37 MEZ
1979/80
Ach. Mich erinnert das an den Winter 1979/80. Da lag über Nacht drei Meter Schnee, wo sonst sehr schüchtern Schnee zu liegen pflegt und alle rannten Brot kaufen. Das verwirrte Gesicht unseres Lieblingsbäckers in seinem leeren Laden werde ich nicht vergessen.
Es kamen ein paar Tage später sogar Panzer von der Bundeswehr. In den Straßengesprächen wurde dann darauf mit besonderem Stolz verwiesen.

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kid37, 15. November 2006 13:04:56 MEZ
Puh, was habe ich bei Ihrer Geschichte mitgezittert. Scheint noch einmal gut ausgegangen zu sein, kalt geduschte ungewaschene Väter hin oder her. Ich hoffe, es gibt wenigstens diesmal einen echten Riesenbericht im Abendblatt. Sollte man nicht einen Reservetank im Keller aufstellen? Oder eine Regenwassertonne auf dem Balkon? Ich bin doch jetzt sehr ins Grübeln geraten.
(Manche Nachbarn erleben auch nix. Passen Sie auf, das kann zum Problem werden!)

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undundund, 15. November 2006 14:32:27 MEZ
bei mir im viertel gab es letztens auch einen wasserschaden - ich fand das sehr spannend. also, die ganzen menschen, die man da beim wasserholen getroffen hat und sonst noch nie gesehen hatte, das hat mir gut gefallen. und: man bekommt wieder eine wertschätzung für´s wasser. überhaupt: ich fände es irgendwie schön, so eine zentrale wasserholstelle zu haben, eine art dorfanger quasi.

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comma, 15. November 2006 14:48:29 MEZ
Sie meinen eine bassena ?

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undundund, 15. November 2006 15:03:35 MEZ
yep. das wäre wohl mein höchstes glück: zur bassena am dorfanger zu schlendern.

(ich wollte schon immer mal dorfanger schreiben)

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hugo11, 15. November 2006 15:52:42 MEZ
Hierhier, ich auch!
Hatten letztens auch Totalausfall der Frischwasserversorgung (Rohrbruch im EG), über Nacht natürlich.
Zum Spülen reichte ein Eimer Wasser aus dem Tank, zum Zähneputzen ausnahmsweise Mineralwasser.
Am nächsten Morgen dann zum Sport, dort geduscht (spart auch Seife und Handtuch).
Und abends war bis auf einen rülpsenden Wasserhahn alles wieder wie früher.
Ging also doch.

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beh, 15. November 2006 21:57:32 MEZ
Und in mehreren...
...Hamburger Blogs, die man nur leider nicht kennt, steht jetzt:

Katastrophe! [...] Und dann kam die Frau bo aus dem Dritten. Und meinte, waere doch alles nicht so schlimm. Ich riet _dringend_ zu Panik und Hyperventilation. [...] Welt-un-ter-gang [...] Stunden spaeter dann der Tankwagen. Frau bo meinte, mit nur einem Eimer ihre Gelassenheit demonstrieren zu muessen. Ich riet ihr dringend zu, langsam mal in Wallung zu kommen. Und zumindest deftig auf die Stadt zu schimpfen. [...] Die ist dann bis ca. 23 irgendwo hinverschwunden - wahrscheinlich zum Abreagieren, wollte uns das nur nicht sehen lassen. Pah! Nicht so schlimm. [...] Ich hab' foermlich gespuert, wie ich von Minute zu Minute ausgetrocknet bin. [...]

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wasweissich, 16. November 2006 10:33:33 MEZ
Komisch, diese Reaktion. Muss mit den stéts aristokroatischen Hamburgern zu tun haben! Bei uns fallen nämlich ständig Heizung und Warmwasser aus, letzten Winter zog sich das durch die ganzen Wintermonate, anscheinend ist kein Geld da, ein neues Gerät anzuschaffen (das Haus befindet sich in Treuhand und soll irgendwann zwangsversteigert werden), also wird immer nur das alte Gerät geflickt, und fällt immer wieder aus, aber kein Mensch regt sich darüber auf, alle schreiben nur auf, wann es Ausfälle gab und wie lange sie dauerten und dann tauschen wir uns die Listen gegenseitig aus (man ist ja nicht immer zuhause), damit wir alle berechnen können, um wie viel wir die Miete für den jeweiligen Monat mindern können. So ist das im Wedding.

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fabe, 2. Dezember 2011 22:27:08 MEZ
hier war ja neulich stromausfall. menschen sind merkwürdig.

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isabo, 2. Dezember 2011 22:30:39 MEZ
Das hier ist ja schon eine Weile her. Hihi.

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fabe, 3. Dezember 2011 21:19:19 MEZ
das ist ein hobby von mir. antizyklisches kommentieren ;)

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