Kuchenbacken
(Angeregt von der Kaltmamsell.)
Mireille war eine französische Mathematiklehrerin, die für die Zeit des Schüleraustauschs bei uns wohnte. Beim Schokoladenkuchenbacken ergab sich nun folgendes Problem, ich fingiere die Zahlen: dass in Frankreich nämlich die Schokoladentafeln eine andere Größe haben als hier. Sagen wir mal, sie brauchte 200 gr Schokolade, stellte aber plötzlich fest, dass sie schon 300 gr in den Teig gegeben hatte. Also musste sie den Rest des Teigs ebenfalls aufstocken, damit das Mischungsverhältnis wieder stimmte. Erwähnte ich schon, dass sie Mathelehrerin war? Sie rechnete also aus, dass sie, wenn sie 300 statt 200 gr Schokolade genommen hatte, einfach statt 300 gr Mehl 500 gr nehmen musste und statt 200 ml Milch 400 ml. Meine Mutter korrigierte anfangs vorsichtig, ging aber, als Mireilles Berechnungen immer wirrer wurden, irgendwann einfach aus der Küche raus und überließ sie ihrem Schicksal. Natürlich wusste auch Mireille schnell nicht mehr, was nun in dem Teig drin war und was nicht, und schob ihn schließlich einfach auf gut Glück in den Ofen. Heraus kam ein sehr leckerer Kuchen.
Ein Jahr später wünschte mein Bruder sich zum Geburtstag Mireillekuchen, und meine Mutter hatte ein Problem. Und weil sie eine kluge Frau ist, schmiss sie nach Gutdünken irgendwas zusammen, schrieb sich auf, was sie da zusammenschmiss, schob es in den Ofen, und es funktionierte. Ich weiß nicht, ob Mireille weiß, dass es seither bei uns Mireillekuchen gab.
Ich hingegen bin nicht klug und schrieb nichts auf. Ich wollte einst in der WG einen Kuchen backen, einfachen Marmorkuchen, ich dachte, das kann so schwer nicht sein, auch ohne Rezept. Backpulver war leider keins vorrätig, na ja, egal, ich verrührte so lange die üblichen Zutaten (außer Backpulver), bis mir die Konsistenz plausibel erschien. Bis dahin hatte ich ein ganzes Kilo Mehl verarbeitet, entsprechend viele Eier und ordentlich Butter. Ich gab die Hälfte des Teigs in eine runde Springform, für die übliche Kranzform war es ja zu viel Teig geworden, legte Dosenbirnen drauf, vermischte die andere Hälfte mit Kakao und gab sie obendrauf.
Auch dieser Kuchen war sehr lecker. Und tonnenschwer. Normalerweise ist so ein Kuchen in einer WG ja ruckzuck weg, an diesem allerdings aßen wir mehrere Tage, denn man war von einem kleinen Stück für den Rest des Tages satt. Der Kuchen ging als „Isas Birnenbombe“ in die WG-Geschichte ein und wurde nie wieder gebacken. Ich bezweifle allerdings, ob Aufschreiben etwas daran geändert hätte.