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Jury
(Und damit ist dann auch Schluss mit dem aufregenden September)
Es ist nicht einfach. Fast 250 Bewerber, ich muss erstmal nur 50 lesen und die besten acht raussuchen. Morgen stellen alle Jurymitglieder einander ihre Favoriten vor, dann muss ich noch mal so viel lesen, alle Favoriten der anderen Juroren. Dann irgendwann die zweite Jurysitzung mit Entscheidungsfindung.
Stelle fest: ich weiß fast immer sofort, oder glaube zu wissen, ob ein Text von einem Mann oder einer Frau stammt. Ich kenne die Namen der Autoren nicht, habe nur anonyme Nummern und kann meine Urteile nicht überprüfen. Stelle außerdem fest: dass ich so meine Schwierigkeiten mit Lyrik habe, das ist allerdings nichts Neues, und dass bei Lyrik verdammt noch mal der Rhythmus alles entscheidet, auch das ist natürlich nichts Neues. Weitere Feststellungen: die Qualität der eingereichten Bewerbungen ist erstaunlich hoch – man hatte mir prophezeit, die Hälfte der Leute schicke ihre Geburtstagsvierzeiler zu Ommas Achtzigstem ein und das sei schnell aussortiert: stimmt nicht. Was nicht heißt, dass sich nicht der eine oder andere Autor ein wenig überschätzt hätte. Und ich stelle fest, was ich von einem preiswürdigen Text erwarte: dass er was Eigenes hat, einen Stil, eine individuelle Sprache eines Autors, der zweitens sein Handwerkszeug beherrschen muss, sonst werde ich ungehalten. Wenn das alles stimmt, dann ist die Geschichte halbwegs wurscht. Natürlich nicht. Aber fast. Ich will nicht lesen „…fügte sie gedankenverloren hinzu“ und „seine Augen verengten sich zu Schlitzen“. Neulich irgendwo den Begriff Fügte-er-hinzu-Literatur gelesen, sofort für gut befunden.
Ich werde sicher irgendwem Unrecht tun, davor habe ich Angst. Aber „gerecht“ kann es am Ende wahrscheinlich sowieso nicht sein.
Dem gedankenverlorenem Hinzufügen folgt oft das verschmitzte Lachen.
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saoirse,
2. Oktober 2007 01:39:17 MESZ
"Da denkt man doch höchstens an einen Fernsehkoch, oder lese ich die falschen Bücher?", fügte Saoirse sich angestrengt auf den Inhalt ihrer Aussage konzentrierend hinzu.
"Keineswegs", lachte der Koch gehässig in die Kamera und salzte die Suppe mit seinen Freudentränen.
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Wer nie ein Buch mit Tränen las,
Wer nie in kummervollen Nächten
Eine Schokolade weinend aß,
Der kennt sie nicht, die trivialen Mächte.
(mehlschwitzend ab)
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saoirse,
2. Oktober 2007 01:52:25 MESZ
war das jetzt der vierzeiler zu ommas achzichstem?
(versteckt sich hinter dem buchrücken)
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dr. fabian frank,
2. Oktober 2007 01:56:47 MESZ
Ich finde das ganz wunderbar.
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saoirse,
2. Oktober 2007 02:00:09 MESZ
ich auch. ich hatte nur gerade keinen kochlöffel parat, um mit ebenbürtiger literarischer wucht zurückzuhauen.
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isabo,
2. Oktober 2007 09:57:55 MESZ
Ja, wunderbar, vielen Dank! Preis für undundund, für was Wunderbares und - äh, naja, "Eigenes" …
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Ich glaube, bei Dir sind die Bewerber in guten Händen. Wenn ich mir jemanden in einer Jury wünschen dürfte, dann jemand wie Dich (ehrlich jetzt:).
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isabo,
2. Oktober 2007 21:58:31 MESZ
Danke!
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tu ich dem schweizer vom sonntag unrecht, wenn ich ihn wegen allzuviel hinzufügens nicht gut fand? es war jedenfalls bei mir völlig schluss bei dem nachsatz "Es waren immer zwei." nach "Sie legte zwei Holzscheite in den Ofen."
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isabo,
2. Oktober 2007 21:58:02 MESZ
Aber den Satz brauchte es doch, um zu sagen, dass sie nicht nur diesmal zwei genommen hat, sondern immer, dass sie immer alles genau gleich macht, das Ritual war doch wichtig. Mir ist nicht aufgefallen, dass da so viel fügte er hinzu dringewesen wäre, aber ich höre auch ganz anders zu als ich lese und nehme es da vielleicht nicht so wahr.
Ich fand die Filmuntermalung - äh, sagen wir: überflüssig. Und ich habe ihn stellenweise nicht gut verstanden, akustisch. Ansonsten schien mir das ganz spannend, aber das ist ja sowieso auch Geschmackssache.
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Ich bin vielleicht einfach bissel empfindlich mit diesem in der deutschsprachigen literatur grade viel zu hippen stilmittel, bedeutungsvolle kurzsätze zu bilden. von denen hatte er für meinen geschmack einfach echt zu viele (das meinte ich mit "hinzufügen" in assoziation zu deiner "hinzufügeliteratur", nicht etwa, daß er das wort so oft benutzt hat), gebe aber gerne zu, daß es eventuell auch nochmals unterschiedlich rüberkommt, wenn man sowas vorgelesen bekommt oder selbst liest.
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dorotopic,
2. Oktober 2007 14:39:47 MESZ
um was für einen preis handelt es sich denn? sehr aufregend stellic ich mir das vor, ein jurysitz. kann man denn schon was an tendenzen von 2007 feststellen - aktuelle themen oder andere gemeinsamkeiten? das interssiert mich sehr.
übrigens finde ich deine kriterien sehr vernüftig unterbaut.
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isabo,
2. Oktober 2007 21:55:40 MESZ
Ach, was soll's, ist ja wahrscheinlich kein Geheimnis. Es geht um die Hamburger Förderpreise für Literatur und literarische Übersetzung. Eine Jurorin sagt, sie habe sehr viel "persönliches Erleben" dabei gehabt - war bei mir nicht so. Thematisch fand ich es sehr breit gestreut, keine besonderen Schwerpunkte. Ansonsten möchte ich jetzt nicht viel dazu sagen; ich weiß ja weder genau, wer hier mitliest, noch, wer sich beworben hat, daher kann ich nichts dazu sagen, womit sich beispielsweise meine Favoriten beschäftigen. Außerdem kriege ich ja jetzt noch die Favoriten der anderen, da kann sich alles wieder ändern.
Ein spannende Aufgabe ist es auf jeden Fall.
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roland,
3. Oktober 2007 17:35:53 MESZ
Als 17jähriger begann ich mit einem Freund einen phantastischen Roman (phantastisch meint hier eine Gattung). Etwa 10 Jahre später lasen wir die ca. 20 Seiten, die's nur wurden, was sehr amüsant war, Brüller war z. B. folgender von mir erzeugter Satz: "Die Angst vor den Schlägen ihres Mannes machten sie nervös."
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das ist ja witzig: als 16-jähriger begann ich mit einem Freund einen phantastischen Roman (phantastisch meint hier eine Gattung). im januar wird er rauskommen :)
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roland,
4. Oktober 2007 00:06:43 MESZ
Wenn das nicht geradezu phantastisch klingt. Na, aber Bescheid geben.
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