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Shoppen

Wir wollen ein Geburtstagsgeschenk für die Schwägerin kaufen, sie hat sich ein Strandhandtuch gewünscht. Da geht man kurz zu Karstadt und sucht das schönste aus, fertig, das ist einfach. Theoretisch. Praktisch kommen wir erst an der Abteilung mit den Kochtöpfen vorbei, Kochtöpfe wollen wir schon seit einer Ewigkeit kaufen, es ist allerdings immer wieder daran gescheitert, dass man eine Wissenschaft daraus machen kann, und dass Verkäufer das auch tun, sie drängen einem Ihr ganzes Topfwissen auf, obwohl man gesagt hat, dass man das nicht will, dass man eigentlich einfach nur Töpfe kaufen möchte. Aber. Ein Glasdeckel ist hübsch, kann man in den Topf gucken, allerdings haben die so einen Rand, unter dem sich leicht der Dreck festsetzt. Ich hätte gern einen Stieltopf dabei, ohne das wirklich begründen zu können, manche Topfsets haben aber keinen. Und dann sind die einen etwas günstiger, haben dafür aber keinen doppelt gemufften Federkernboden und sind nicht so gut für Induktionsherde, und das dritte Set hat diese neuartige Beschichtung, allerdings keinen Stieltopf dabei, es ist endlos, immer wieder sind wir unverrichteter Dinge gegangen. Dass wir damals nach nur dreimal Gucken eine Waschmaschine gekauft haben, lag nur daran, dass die alte wirklich kaputt war und wir dringend eine brauchten, Töpfe hingegen können wir auch weiterhin die alten nehmen. Heute haben wir Glück, wir stehen vor einem Sonderangebot, vier Töpfe in vier Größen, davon ein Stieltopf. Ein Verkäufer fragt, ob er helfen kann, ich sage, wir brauchen Töpfe, haben aber keine Lust, eine Wissenschaft daraus zu machen, da sagt er: dann nehmen Sie die. Preis-Leistung spitzenmäßig, sonst auch alles super, Alternativen: keine, wenn Sie nicht Profiköche sind. Ich frage, ob er WMF-Verkäufer sei oder Karstadt-Verkäufer, da lacht er und sagt, WMF-Verkäufer, aber das ist uns dann doch egal. Wir kaufen die Töpfe, es wird nicht Abend, es wird nicht Morgen, zehn Minuten, der erste Kauf.
Unglaublich! Wir schleppen das schwere Topfset zu den Handtüchern, und uns packt das Grauen. Auf Dreivierteln der übergroßen Handtücher steht das Wort „Sauna“. Warum, um alles in der Welt? Auf keinem steht „Strand“ oder „Freibad“ oder „Badezimmer“. Der Rest ist scheußlich oder einfarbig, wir wollen bunt, da fällt der Strandschmuddel nicht so auf.

Wir befinden uns seit zwanzig Minuten in diesem Kaufhaus, also quasi gar nichts für ein Kaufhaus, und ich bin trotz des erstaunlichen Erfolgserlebnisses mit den Töpfen kurz vor Vollkrise. Die Luft ist schlecht, wie immer, es ist voll, wie immer, es läuft irgendeine Musik, das ist mir das größte Rätsel, wie kann man auf die Idee kommen, Musik würde Leute zum Bleiben und Kaufen animieren, mich jedenfalls katapultiert sie oft gleich wieder raus, unerträglich, und dann auch noch meistens zu laut. Außerdem kriege ich vom Shoppen schlagartig Rückenschmerzen und Durst, ich will raus. Der arme Mann schleppt das Topfset.
Im Erdgeschoss hat er eine Eingebung und fragt am Infoschalter, ob wir das Topfset hierlassen können. Es gibt Schließfächer, dritter Stock, also wieder hoch, Rücken, Durst, quengel. Wir gehen ohne Topfset noch in vier oder fünf andere Geschäfte, kaufen schließlich doch das Handtuch, das wir im Dritten gesehen haben, und müssen dann nur noch zu Karstadt zurück, in den dritten Stock, das Topfset abholen. Macht drei anstrengende Stunden für ein Handtuch, inklusive Kaffeepause und Kollateralerfolg Topfset, Rückenschmerzen und Durst. Die schlechte Laune weicht langsam der Erleichterung, dass es vorbei ist und wir Töpfe und ein Handtuch haben. Ich bin total erschöpft. Dass Menschen freiwillig „bummeln“ gehen, ja, das Shoppen gar als eine Art Hobby betrachten, wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben.
Und ich habe hier nichtmal von Hosen gesprochen.

Link  *  16. Jul, 11:43  *  comment

 

mediumflow, 16. Juli 2008, 11:50
Mh, schön beschrieben.

Einkaufen ist eben doch ein Vollzeitjob.

Für Freizeiteinkäufer ist das nix: das muss man wohl schon professionell & ausschließlich betreiben, dann scheint's wohl auch Spaß zu machen.

(Disclaimer: ich bin auch eher ein fauler Produktkonsument; dagegen ein Freund des genußreichen Essen- & Trinken-Goutierens & -Kaufens!)

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mariong, 16. Juli 2008, 11:59
das ist das schönste Verkaufsgespräch aller Zeiten:
K: ich habe keine Lust
V: nimm einfach das hier.

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isabo, 16. Juli 2008, 12:44
Ja, großartig, so hätte ich das gern immer.
(vgl. Waschmaschine)

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mariong, 16. Juli 2008, 12:52
bei mir geht es so aus, dass ich dann zu Hause denke "was soll ich jetzt damit?

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desideria, 16. Juli 2008, 13:29
Strandtuch-Kauf ...
kann sehr anstrengend sein, aber beim "Strandanzug"-Kauf schwindet bei mir nicht nur die Geduld, sondern im Handumdrehen ist auch noch das komplette Selbstwertgefühl perdu. Du kannst wirklich dankbar für das Topfset sein ;)

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isabo, 16. Juli 2008, 17:47
Oh, ich habe viel Grund zur Dankbarkeit. Für das Topfset, das eine prima Hühnersuppe kocht. Und für, tatsächlich, den Bikini, den ich kürzlich im Vorbeigehen erwarb, als ich eigentlich was ganz anderes kaufen wollte.
Ich! habe! einen! Bikini! gekauft! Der passt! Und gut aussieht! Ich kann mich schon gar nicht mehr erinnern, wie mein letzter schöner Bikini aussah, so lange ist das her. Das olle blaue Ding, das ich aus reiner Verzweiflung irgendwann gekauft habe, obwohl es nicht richtig passt, ist jedenfalls ungefähr acht Jahre alt und in Auflösung begriffen.
Leider war seitdem kein Wetter für Bikini, und im Urlaub fahren wir nach Schottland. Irgendwas ist immer.

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desideria, 16. Juli 2008, 17:53
Im Vorbeigehen einen Bikini kaufen??? Das nenne ich: Die hohe Kunst des Shoppens!

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isabo, 16. Juli 2008, 18:09
Oder blindes Huhn.
Das ist mein Trick: Klamotten kaufe ich nur noch im Vorbeigehen, um nur ja nicht loszumüssen, weil ich irgendwas brauche. Ich kaufe Kleidung, wenn ich zufällig was sehe. Oder ich gehe mal, wenn noch eine halbe Stunde Zeit ist, in EINEN Laden. Und schnell wieder raus.

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fishy_, 17. Juli 2008, 10:48
Isa, oh Isa, wie hast Du mir aus der Seele gesprochen!

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groyne, 18. Juli 2008, 16:41
Gerade im Radio: Dies hier gehört. An Isa gedacht, Isa Blog aufgeschlagen. Und dann hinterrücks: Das Einkaufsthema, von dem man jezt Schreiben könnte, dass das genau so war, mit den Messern und dem Stickgarn als ich und die Meine im gleichen Karstadt waren und dann noch die Vorhänge und die Hitze. Aber das beste waren die Verkäuferinnen, die zwischen Eintippen, Falten und Eintüten ihre Zipperlein besprachen.

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