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Aus für Übersetzerkollegien?

Die EU gibt sich alle Mühe, noch die letzten hartnäckigen Anhänger der euopäischen Idee zu verprellen. Wie heute bekannt wurde, hat die Brüsseler Kommission für Kultur, Bildung und Sport letzte Woche den Förderungsantrag einer Gruppe von sieben europäischen Übersetzerzentren abgelehnt. Dazu der Verbund der europäischen Literaturübersetzerverbände, CEATL (Conseil Européen des Associations de Traducteurs Littéraires):

Presseerklärung

Kulturpolitik in Europa: Ein Umschlag ohne Buch
Europäische Union stellt Literaturübersetzer ins Abseits

Seit vielen Jahren ermöglichen die europäischen Übersetzerzentren Literaturübersetzern aus der ganzen Welt den Aufenthalt im Land ihrer Autoren, die Vertiefung ihrer Sprach- und Landeskenntnisse, die Teilnahme an Fortbildungsseminaren sowie konzentriertes Arbeiten an anspruchsvoller Literatur jenseits aller Alltagssorgen. Letzte Woche nun hat die Europäische Union (die sich ihre internen Übersetzungen schätzungsweise eine Milliarde Euro pro Jahr kosten lässt) entschieden, die europäischen Übersetzerzentren nicht mehr zu fördern. Zugleich gibt die Union im Rahmen des Programms “Kultur 2007-2013” mehr als 400 Millionen Euro für die Förderung der europäischen Kultur aus, vor allem für Großprojekte wie internationale Filmproduktionen.

Der Europäische Rat der Literaturübersetzerverbände CEATL ist empört über diese Entscheidung, die im krassen Widerspruch zur Idee eines vielsprachigen und multikulturellen Europas steht, in dem die Arbeit von Literaturübersetzern eine grundlegende Voraussetzung für das gegenseitige Verständnis ist, und zwar nicht nur in der Literatur, sondern auch in Philosophie, Wissenschaft, Kunst, Kino und Theater.

Dabei hat die Europäische Union 2008 zum „Jahr des interkulturellen Dialogs“ erklärt und will dem Literaturübersetzen als bedeutendstem Ausdruck dieses Dialogs Anfang 2009 ein internationales Symposium widmen. Der CEATL besteht darauf, daß die Internationalen Übersetzerzentren – vor dreißig Jahren vom berühmten Beckett-Übersetzer Elmar Tophoven nach dem Modell des mittelalterlichen Toledo erfunden – im Mittelpunkt des „interkulturellen Dialogs“ stehen und als Leuchtturmprojekte der Europäischen Kultur die Unterstützung und Förderung seitens der Europäische Union verdienen. Sonst bleibt die Idee einer Europäischen Kultur und des interkulturellen Dialogs leer wie ein Umschlag ohne Buch.

(via VfLL-Blog)

Link  *  19. Jul, 13:24  *  comment

 

juebe, 16. August 2008, 17:53
Lobby
Das macht doch sehr deutlich, wer die bessere Lobby hat, nämlich diejenigen, die Großfilmprojekte machen.

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