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08
Feb

Schwirr

Ich weiß nicht, wo ich mein Ei hinlegen soll, so würde es jedenfalls meine Mutter ausdrücken. Ich habe Halsschmerzen und die Nase zu, diesen Druck auf den Augen, vielleicht ein bisschen Temperatur. Auch so ein Ausdruck, ich hab Temperatur, das Auto hat Klima, hoffentlich kriege ich nicht Magen-Darm. Also, vielleicht habe ich ein bisschen erhöhte Temperatur. Ich weiß nichts mit mir anzufangen, bin aufgestanden, habe nicht geduscht, mich nur so halb angezogen, Jogginghose, Strickjacke. Lungere im Internet herum, überlege, wieder ins Bett zu gehen, aber gleich kommt schon der Mann aus der Schule und bringt Brötchen mit, wobei, bis dahin könnte ich auch noch ein Stündchen lesen, wenn mir nicht der Blick wegrutscht. Im Bett ist es wenigstens warm, mir ist kalt. Ich weiß gar nicht, ob ich frühstücken will, ich weiß auch nicht wegen der Verabredung heute Abend, verschoben auf viertel vor zehn, ob mir das zu spät sei? Woher soll ich das denn wissen? Woher soll ich wissen, was ich trinken will, Kaffee, Tee, Apfelschorle? Woher soll ich wissen, ob ich ein Frühstücksei möchte?
Wenn ich jetzt ins Bett gehe, kommt bestimmt gleich der Paketbote und bringt mir Bücher, nicht, dass ich keine mehr hätte, der Stapel auf dem Nachttisch ist schon wieder hoch genug.
Wie liest man eigentlich Lyrik? Ich glaube, ich kann Gedichte nur einzeln rezipieren, neulich hat Percanta zweidrei Gedichte von Robert Gernhardt zitiert, die habe ich mir sofort gemerkt, natürlich nicht komplett, aber „das nennt man nicht eigentlich schlafen“ ist ein Halbsatz, der mir nicht so schnell aus dem Kopf gehen wird. Wenn ich aber Gedichte mit ins Bett nehme und acht oder zehn lese, und dabei fünf mal denke, oh, wie schön, dann habe ich sofort danach alles wieder vergessen. Das nennt man nicht eigentlich behalten, wenn das Gelesene gleich wieder weg ist, und das ist ja dann auch schade. Vielleicht sollte ich jede Woche ein Gedicht bloggen, denn wenn ich es einmal abgetippt habe, bleibt es vielleicht besser haften. Andererseits, Urheberrecht.
Oder in die Badewanne? Mit Wolf Haas ins Bett, bis der Mann kommt, dann frühstücken, dann mit dem Mann wieder ins Bett (Lehrerkoma), dann in die Wanne, dann schlagartig gesund und voller Tatendrang sein und um viertel vor zehn zu der Verabredung gehen? Viertel vor zehn. Die jungen Leute. Das nennt man nicht wirklich "abends". Allerdings kommt es meinem Rhythmus ja eigentlich entgegen, und überhaupt, das ist ja keine Verabredung zum Vergnügen, das ist sozusagen ein Arbeitstreffen und wird bestimmt trotzdem vergnügt.
Was wollte ich sagen?

isabo · 11:36h · comment · ·

 

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