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Schlüsse

[Achtung, hier werden die Schlüsse folgender Bücher ansatzweise oder ganz ausgeplaudert: Fräulein Smillas Gespür für Schnee, Effi Briest, Ravelstein, Frl. Ursula. Ist aber nicht so schlimm, man kann die Bücher trotzdem noch lesen.]

Schlüsse von Büchern, fällt mir wieder ein, weil ich mich so über den Schluss des Ursprungs der Welt gefreut habe, Schlüsse enttäuschen mich oft, und natürlich fallen mir jetzt kaum Beispiele ein, einer war damals in Fräulein Smillas Gespür für Schnee, schon ewig her, und wenn ich mich recht erinnere, fand ich das Buch ganz spannend und okay und dann den Schluss komplett hanebüchen, die Auflösung, auf die eigentlich alles zusteuerte, vollkommen an den Haaren herbeigezogen, und habe mich mächtig geärgert. Das zweite, was mir einfällt, ist Effi Briest, da wird über ein paar Hundert Seiten ein Dilemma aufgebaut, toll übrigens, großartige Sprache, sehr schön zu lesen, und dann? Fällt Fontane keine Lösung für seinen Konflikt ein und er lässt Effi einfach sterben, vor Kummer und Gram. Nein, nein, das ist billig, rausgeschlichen aus der Verantwortung, da fühle ich mich betrogen. Und nicht, weil ich ein Happy End wöllte, nein. Will ich gar nicht. Es kann happy sein oder traurig oder offen, gelöst oder ungelöst, darum geht es nicht, ich will nur nicht das Gefühl haben, dem Autor sei am Ende nichts mehr eingefallen, er habe nicht auf ein Ziel hingeschrieben, sondern einfach mal losgelegt und am Ende genauso blöd dagestanden wie seine Protagonisten und nicht gewusst, wie er aus seinem selbstgemachten Schlamassel wieder rauskommt, sowas kann mir das ganze Buch kaputtmachen. Gut, die Effi nicht, die ist trotzdem toll, aber manchmal macht so ein danebengegangenes Ende mich richtig wütend und ich mag das ganze Buch nicht mehr.
Viele Schlüsse vergesse ich, es bleibt eher ein Gesamteindruck des Buches hängen, ein paar wenige Enden bleiben in Erinnerung. Saul Bellows Ravelstein zum Beispiel stirbt, das weiß man lange vorher, und sein Freund und Biograph, der Ich-Erzähler, erzählt halt sein eigenes Leben noch ein bisschen weiter und kommt am Ende darauf, wie sein Freund Ravelstein immer noch durch seine Gedanken spukt, denn, letzter Satz: „Ein Geschöpf wie Ravelstein überlässt man nicht so ohne weiteres dem Tod.“ Das ist ein Schluss!
Ein weiterer Lieblingsschlusssatz, der mir gerade einfällt, ist der von Heiner Links Frl. Ursula: „Wir haben dann miteinander geschlafen. Es war unheimlich schön.“

Link  *  17.02.06 11:31  *  comment

 

isabo, 17. Februar 2006 12:32:46 MEZ
Und wo ich schon dabei bin: Klappentexte sind ja auch so eine Sache. Ich möchte bitte nicht schon vorher wissen, was ich dann im Buch erst nach hundert Seiten erfahre. Sehr über den Klappentext geärgert bei "Hitze" von Ralf Rothmann, sensationelles Buch, unbedingt lesen, Klappentext nicht vorher lesen. Es ist erstens Mist, vorher zu viel zu wissen, zweitens bin ich mir nicht mal sicher, ob es stimmt, was da steht, ich glaube, man konnte es auch anders verstehen.
Auch bei meinem eigenen Krimi, da schreiben sie in den Klappentext rein, wer ermordet wird, das hätten sie ebenso gut weglassen können, der Leser erfährt es nämlich erst nach einem Drittel des Buches. Ist doch nix, wenn man es dann schon weiß.
Vorbildlich: "Der menschliche Makel", Philip Roth, da steht nicht im Klappentext, was der Clou an der Sache ist, und ich hatte glücklicher- und zufälligerweise vorher nur Rezensionen gelesen, die es ebenfalls nicht ausplauderten. Hatte also überhaupt keine Ahnung, und es hat mich voll erwischt. So soll es sein, großartig.

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jochenausberlin, 17. Februar 2006 23:06:15 MEZ
schön auch:

"Als sie gegangen war, lag ich da wie ein Toter und atmete ganz flach, aber regelmäßig, als brauchte ich meinen Restodem für einen Augenblick, der sowieso niemals käme."

Kieseritzky / Der Frauenplan.

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_martini, 17. Februar 2006 23:16:30 MEZ
ich hab grad keinen schluss (duh), dafür den king of anfang: 'IF YOU REALLY want to hear about it, the first thing you'll probably want to know is where I was born, and what my lousy childhood was like, and how my parents were occupied and all before they had me, and all that David Copperfield kind of crap, but I don't feel like going into it, if you want to know the truth.'
Abgedroschen, kennt jeder, ja, will always kick ass.

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isabo, 17. Februar 2006 23:19:01 MEZ
Nee, kenne ich nicht, was ist das?

Du wirst übrigens drüben bei Herrn Reinecke erwartet.

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_martini, 17. Februar 2006 23:26:19 MEZ
schatzi, das kennst du natürlich schon, denn das ist herr holden caulfield, der im roggen spielt, aber halt am anfang. komm du mir nach münchen.
reinicke, echt? ich geh ma kucken.

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isabo, 17. Februar 2006 23:31:58 MEZ
Siehste, voll erwischt. Ich bin nämlich gar nicht so gebildet, wie ich immer tue. Habe ich nicht gelesen.

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talakallea thymon, 23. März 2007 11:10:08 MEZ
"At last, Midori's quiet voice broke the silence: 'Where are you now?'
Where was I now?
Gripping the receiver, I raised my head and turned to see what lay beyond the phone box. Where was I now? I had no idea. No idea at all. Where was this place? All that flashed into my eyes were the countless shapes of people walking by to nowhere. Again and again I called out for Midori from the dead center of this place that was no place."

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isabo, 23. März 2007 11:46:23 MEZ
Muss ich jetzt raten? Murakami?
Naokos Lächeln?

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netmarie, 24. März 2007 17:01:37 MEZ
Zum Thema Klappentexte: In Ben Eltons "Dead Famous" erfährt man im englischen Original nach ca. 3/4 des Buches erst, wer eigentlich gestorben ist. Man ann sich's auch leichter machen und einfach den deutschen Klappentext lesen...

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netmarie, 24. März 2007 17:03:30 MEZ
ah, scusa, System nicht verstanden...

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talakallea thymon, 28. März 2007 11:16:37 MESZ
Murakami ist richtig. "Naokos Lächeln" auch.

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