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New York

Laut ist die Stadt, immer und überall laut, und voll. Das stimmt natürlich gar nicht, es gibt auch ruhigere Ecken, in die man sich flüchten kann, aber wenn man da unterwegs ist, wo man als Tourist eben unterwegs ist, dann ist es laut. Und voll. Und toll.
Wir haben in Schlangen gestanden, bei der Einreise, vor der Met, vorm Musical, vorm MoMA, vorm Empire State Building. Wir haben Choreographie und Logistik der Warteschlangen bewundert, und wir haben in Schlangen Menschen kennengelernt. Einen reizenden Jesuiten etwa, einen älteren Herrn, der uns pubertäre Spielchen beibrachte. Wir haben Bagels gegessen und Burger und reichlich Muffins. Wir sind unglaublich viel gelaufen. Wir haben mit Harvey Keitel zusammen in einer Kneipe Folkmusik gehört und mit anderen Leuten in anderen Kneipen Country und Bluegrass und etwas, das ich vielleicht Country-Punk oder angecountryten High-Speed-Ska nennen würde. Wir haben in der Met eine ganz grässliche La Gioconda gehört und uns dafür im Musical am Broadway prächtig amüsiert. Ehrlich. Und, oh ja, wir haben eingekauft. Es hat uns den Atem geraubt, als wir unter strahlend blauem Himmel oben auf dem Empire State Building ins Freie traten und sich vor uns der Blick auf die Stadt auftat. Ich zumindest habe tatsächlich kurz mit den Tränen gekämpft, so ergriffen war ich. Niemand hat Honey oder Sweety zu mir gesagt, wie es mir versprochen wurde, sondern höchstens Miss. Wildfremde Menschen waren unglaublich nett. Wir haben auf Bänken und Treppen gesessen und unseren Stadtplan zerfleddert, wir haben Kunst bestaunt und das arme und das reiche und das hippe New York. Wir sind an der Freiheitsstatue vorbeigefahren und haben zwei Mädchen sagen hören „Look! It’s tiny!“ Wir saßen im T-Shirt im Central Park und sind bei eisigem Wind auf der Brooklyn Bridge fast erfroren. Wir haben im Washington Square Park jemanden auf drei umgedrehten Plastikeimern sensationell gut Schlagzeug spielen hören. Wir sind durch Soho und Greenwich Village und das East Village und Chinatown und Little Italy gelaufen und durch den ganzen Rest auch. Der Broadway ist sehr, sehr lang. Wir haben einen Schwarzen sich am Handy mit „Peace, Brother“ melden hören, und jemand hat die U-Bahn-Durchsage gerappt. Wir saßen im Pink Pony und haben ausgerechnet die Kinks gehört (nicht live) und waren sehr verliebt in die beste New-York-Tipps-Geberin der Welt. Wir waren glücklich und erschöpft bis zur Albernheit, und abends fühlten sich die Füße plattgelaufen an, wie wenn man Schaumstoff zusammendrückt und er noch eine Weile braucht, um wieder seine ursprüngliche Form anzunehmen.

Link  *  26. Okt, 23:08  *  comment

 

chick, 27. Oktober 2006, 08:15
Sehr schöne, interessante Reise offenbar. Sehr schöner, interessanter Bericht jedenfalls. Danke!

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die tine, 27. Oktober 2006, 09:19
Es klingt sehr gut und sehr erschöpft und sehr voll an Eindrücken. Also so wie ein guter Stadtbesuch sein muss!!
Schön, dass Du wieder da bist.
Gruss, Tine

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blue sky, 27. Oktober 2006, 09:36
Genau so habe ich es erlebt. Der Superlativ von Stadt. Und irgendwas dort ist mit dem Licht, schwer auszudrücken, aber es blieb als ganz eigenartige, wunderbare Stimmung in mir hängen.

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comma, 27. Oktober 2006, 09:51
toll !!!
. . . und hier ging alles einfach nur seinen gewohnten gang. welcome back!

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casino, 27. Oktober 2006, 14:08
Hei, das war aber ein echtes 24/7-Programm, habt ihr überhaupt geschlafen?

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therealstief, 27. Oktober 2006, 14:36
Toller Text mit hohem Metoo-Faktor.

Aber eine grosse Frage bleibt unbeantwortet (hint: Was reimt sich auf Senator Andolini?)

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aziza, 27. Oktober 2006, 15:13
Welcome back to good old Germany! das hört sich ja alles soo schön an! Eins verwundert mich übrigens nicht ... "its tiny" habe ich auch beim Anblick der Sphinx vor den Pyramiden in Gizeh gedacht ... ist wohl so mit diesen weltweit bekannten Wundern, daß sie letztendlich viel kleiner sind als wir die uns vorgestellt haben.

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isabo, 27. Oktober 2006, 16:36
Ja, das war alles sehr toll und sehr beeindruckend und interessant und anstrengend. Geschlafen haben wir gelegentlich auch, manchmal nachmittags ein Stündchen, um dann Abends wieder loszuziehen. Trotzdem war's ein 25/79-Programm. Deswegen war's auch nicht zu kurz, denn noch länger hätten wir das eh nicht durchgehalten. Mehr schafft man wahrscheinlich nur in mehreren Besuchen oder wenn man dort wohnt.

@Stief: ich hatte Dich schon verstanden :-).Das mit dem Mandolineneintrag war so: der hat sich ein bisschen verselbständigt und war dem Mann dann richtig unangenehm. Es ging ja nicht um irgendeine Mandoline - das Trauminstrument ist wirklich zu teuer, wir haben immerhin noch in Erfahrung gebracht, dass die nur auf Bestellung angefertigt werden und es ziemlich wenige gibt. Und dann hat der Verkäufer uns all die Kneipen empfohlen, in denen Folk oder Bluegrass gespielt wird. Und das geheime, naja, zumindest unangekündigte Konzert des "besten Mandolinenspielers der Welt", wie er sagte, Chris Thile, der wirklich sensationell war. Ebenso wie der Rest seiner Band. Im Frühjahr spielen sie in der Carnegie Hall, und wir waren gleich am ersten Abend auf diesem kuscheligen Kneipenkonzert, von dem kaum jemand wusste. Großartig.

@ Aziza: Die Tiny-Überraschung ist auch von der Mona Lisa immer wieder überliefert. Nur, die Freiheitsstatue würde ich dann doch eher als huge bezeichnen.

(Zu "toller Text" - ähm, danke, aber das war nur sozusagen der Versuch eines literarischen Zitats. Herr Foster Wallace hat's vorgemacht.)

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mutant, 28. Oktober 2006, 02:37
waren sie auf staten island, oder haben sie nur die liberty tour gemacht?
wo haben sie gegessen?

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isabo, 28. Oktober 2006, 11:17
Ja, nein, also beides, wir sind mit der Fähre einmal rüber und gleich wieder zurückgefahren, um bei der Liberty vorbeizukommen. Sind also weder wirklich auf Staten Island gewesen, noch direkt bei der Dame.

Gegessen haben wir immer da, wo wir gerade Hunger bekommen haben. Delis, Diners, Restaurants, Supermarkt, was gerade zur Hand war.

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