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Wow! Der Romananfang! War ganz einfach!

Also, ich hab das jetzt einfach mal gemacht! Ich bin über meinen Schatten ins kalte Wasser gesprungen! Ich bin rausgegangen und habe was erlebt und das einfach aufgeschrieben! Es sind allerdings nicht ganz zwanzig Seiten geworden.

Das Büro geht nach Norden raus, sprich: hier ist es im Moment kühler als draußen. Draußen scheint die Sonne, zwitschern die Vögel, außerdem habe ich keinen Saft mehr.
Ich ziehe die dicken Socken aus und Schuhe an, lasse den Computer laufen, nehme meine Tasche mit und mein Buch und gehe raus.
Als erstes gehe ich um die Ecke zum Kiosk, der eigentlich von einem lesbischen Paar betrieben wird, in dem aber neuerdings meist ein südosteuropäisch oder arabisch aussehender Mann verkauft. Meine Vorurteile melden „klassischer Macho“ und „passt nicht in Lesbenkiosk“, und ich sage zu meinen Vorurteilen: „Ach, haltet die Klappe.“ Ich kaufe eine Literflasche naturtrüben Direkt-Apfelsaft von Bio-Streuobstwiesen fürs Büro und eine kleine Flasche Lift-Apfelschorle, denn heute ist Donnerstag, ich gehe gleich steppen, da muss ich was zu trinken mitnehmen.
Dann gehe ich ein paar Meter wieder zurück zu den zwei Cafés gegenüber von meinem Büro. Wenn ich mich mit Leuten zum Kaffee verabredet hatte, war ich ein paar Mal im „Unter den Linden“, aber das liegt jetzt bereits im Schatten, ich entscheide mich für den „Berliner Betrüger“, für die Sonne. Setze mich draußen hin und denke „Kaffee, so ein Quatsch, es ist eine Affenhitze. Saft. Schorle.“ Es stehen tolle Säfte auf der Karte, die Kellnerin kommt und ich sage: „Ich hätte gern eine Pflaumenschorle“, da sagt sie: „Tut mir Leid, wir haben keinen Pflaumensaft.“ - „Dann Ananas.“ – „Groß oder klein?“ – „Groß, bitte.“
Ich zünde mir eine Zigarette an und schlage mein Buch auf, ich rauche und lese. Die Ananasschorle wird gebracht, schön kalt. Es ist sehr heiß in der Sonne, im Büro merkt man gar nicht, wie heiß es draußen ist. Schön. Also, dass es draußen so warm ist.
Ich lese. Zwischendurch schaue ich hoch. Ich sehe eine schöne, schwarze Frau mit zwei Kindern von unterschiedlichfarbigen Vätern. Vielleicht sind es auch gar nicht ihre Kinder, weiß ich natürlich nicht. Dann geht ein stattlicher Mann mit einem irgendwie lächerlichen Hund vorbei. Eine junge Frau schreit in ihr Handy: „Dann musst Du ihr das saaaa-gen!“ Zwei Fahrräder: ein vielleicht dreizehnjähriges Mädchen mit Fahrradkörbchen auf dem Gepäckträger, und ein erwachsener Mann mit Kindersitz auf dem Gepäckträger. In dem Körbchen sitzt ein vielleicht achtjähriger Junge, in dem Kindersitz hängt ein Balkontisch, Plastik, Monoblock.
Es ist sehr heiß. Wieder kommt ein stattlicher Mann vorbei, diesmal mit einem ebenso stattlichen Hund. Der Mann ist stark tätowiert und bittet mich um eine Zigarette. Ich gebe ihm eine.
Mein Mann ruft an, nur so, wie geht’s, gibt’s was Neues. Wir halten ein kurzes Schwätzchen, aber es gibt nichts Neues, weder hier noch da.
Insgesamt lese ich zehn Seiten, ein ganzes Kapitel. Die beiden Polizisten haben einen Jugendlichen befragt und sind dann in die Pathologie gefahren, wo man ihnen aber auch noch nichts Neues sagen konnte. In der Zeit trinke ich meine Ananasschorle aus, rauche noch eine Zigarette und bezahle schließlich. Ich gehe zurück ins Büro und schreibe auf, was ich erlebt habe.


Glaubt ihr, das wird ein gutes Buch? Bitte seid ehrlich.

Link  *  26.04.07 17:25  *  comment

 

undundund, 26. April 2007 18:39:42 MESZ
sehr geehrte frau isabo,

mit großem interesse haben wir den von ihnen veröffentlichten romananfang gelesen. zweifelsfrei beherrschen sie ihr handwerk: die dialoge sind gekonnt in szene gesetzt, ihre "schreibe" ist flüssig und melodiös, die wesentlichen charakterzüge der dargestellten personen und säfte gelingt ihnen mittels weniger worte.

unsere vertragsabteilung wird sich mit ihnen in verbindung setzen.

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zeichensatz, 26. April 2007 18:41:51 MESZ
Ehrlich: eher nicht. Ich kann das bei Gelegenheit gerne begründen, muß mich jetzt aber beeilen, da ich einem Vortrag lauschen möchte, der um sieben anfangen soll.

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bettina.w, 26. April 2007 19:19:26 MESZ
Doch, sehr vielversprechend, besonders die schonungslose Offenheit (Socken, Apfelsaftschorle, Zigaretten) überzeugt, und natürlich der Mut, einfach in die Kohlenstoffwelt hinauszugehen. Wenn sie die Handlungsstränge "lesbisches Paar-arabischer Macho" und "Pathologie" noch etwas ausarbeiten, könnte vielleicht auch ein breiterer Markt angesprochen werden.

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klausf, 26. April 2007 21:59:16 MESZ
Pathologie ist zu abgegriffen, völlig out.

Was wir noch nicht wissen, aber im nächsten Kapitel erfahren:
- der tätowierte stattliche Mann ist auf der Suche nach dem arabischen Macho. Nur warum?
- das dreizehnjährige Mädchen schmuggelt Kaffee für den Galao und ist grad auf dem Weg zum geheimen Kaffeelager.
- der scheinbar achtjährige Junge ist in Wahrheit Lilliputanerpolizist, der ihn fahrende Mann sein Partner. Ihr Ziel - die Galao-Kaffeeschmugglerbande zu fassen.
- Der Satz "Dann musst Du ihr das saaaa-gen!" wird später noch eine zentrale Rolle spielen! Wichtig! Merken!

Sehr schön, wie diese spannenden und widersprüchlichen Figuren in einer scheinbar so banalen Szene eingefangen werden.
Wir brennen auf das nächste Kapitel.

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simmel, 26. April 2007 22:03:35 MESZ
Und vor allem: welches Buch las die Autorin? Unbedingt fortsetzen !

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isabo, 26. April 2007 23:12:00 MESZ
Die Autorin las "Naked to the Hangman" von Andrew Taylor, darin kamen auch die Polizisten und der Pathologe vor, deswegen kann ich den auch nicht streichen. Ich denk mir ja hier nichts aus, ich erlebe was! Jawoll!

Liliputanerpolizist, Herr Klausf, ich muss doch sehr bitten. Ich glaube, Ihnen fehlt die sittliche Reife.

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percanta, 26. April 2007 23:21:12 MESZ
Die schon in den ersten Zeilen eingeführten Motive Hitze -- Frauen ohne Männer (aber mit Frauen / mit Kindern / mit Handy) -- Männer ohne Frauen (aber mit Kindern / Tischen / Kiosken)-- Saft -- (missglückte) Kommunikation deuten auf einiges hin.
Ich glaube auch, dass der Mann im Fahrradkorb ein Liliputanerpolizist ist. Die einzig logische Erklärung. Und für einen echten Irving fehlt dann eigentlich nur noch der Tanzbär.
Stilüberlegung: Ich-Perspektive durchhalten oder aufbrechen?
Obwohl: durchhalten. Sonst ist das mit dem Erleben ja nicht zu machen, ich vergaß.

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klausf, 27. April 2007 00:57:28 MESZ
Mir fehlt die sittliche Reife? Da solltense mal schauen, was der Liliputanerpolizist so abends nach Dienstschluß macht ....

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mutant, 29. April 2007 06:58:20 MESZ
ah, meine rugbykollegen ;-)

ich sag erstmal ja, wenn es sich auch liest, wie ich es schreiben wuerde.

haben englaender ananasbrause? hier heisst die ja anjola und ist leckeer, wenn die son gefaehrliches zeug aus dem ueberseeladen ist, sollte man das auch darstellen, sonst macht sich ein falsches bild fest, das zeug ist so wie parfum. billiges.
ich bin gespannt.

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textundblog, 26. April 2007 22:22:29 MESZ
Enttäuscht
Ich bin enttäuscht. Enttäuscht, weil das gut ist, was du schreibst. Richtig gut.

Und ich hatte gedacht, wenn du nicht übersetzt, sondern "Eigenes" publizierst, dann wird das nix.

"Ich lese. Zwischendurch schaue ich hoch." - Ganz groß! Ja, das wird ein gutes Buch.

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mark793, 26. April 2007 23:32:32 MESZ
Es kann ja durchaus noch werden, aber ehrlich gesagt zieht der Anfang mich nicht wirklich mit Macht hinein in die Geschichte.

Dass Sie handwerklich gesehen schreiben und präzise beobachten können, steht wohl außer Frage. Aber was mir so ein bisschen fehlt: Es deutet sich in diesem Anfang (zumindest nach meinem subjektiven Eindruck) noch überhaupt nichts an, warum es lohnen sollte, dem Dahingeplätscher der Hauptfigur weiter in die Geschichte zu folgen. Da lockt kein Versprechen, keine Drohung, kein Grundkonflikt, nichts. Und wenns dumm läuft, fährt diese Person am Ende ihres Arbeitstags nach dem Konsum von 3,5 Litern Erfrischungsgetränken und 23 Zigaretten nach Hause zu ihrem Mann, und es ist immer noch nichts passiert - aber der Roman zu Ende, weil auf 327 Seiten fast nur beobachtet wird und für den Fortgang der Geschichte an sich nicht wesentliche Details referiert werden.

Sorry für meine subjektive und unmaßgebliche Kritik. Es ist nur die Einzelmeinung von jemand, der es bestimmt nicht besser kann, nur weil er vor Urzeiten mal ein paar Lit-Wiss-Seminare von innen gesehen hat.

Nichts für ungut!

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albertsen, 27. April 2007 01:05:06 MESZ
Der Roman deiner Generation. Mindestens.

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kaltmamsell, 27. April 2007 06:53:40 MESZ
Die einzigartige Handschrift ist unübersehbar, es ist aber nicht klar, ob der Anfangsimpuls für den großen Bogen reicht. Wissen Sie: Es muss ja nicht gleich ein ganzer Roman sein. Vielleicht wollen Sie es erst mal mit Bloggen versuchen?

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nicwest, 27. April 2007 10:37:07 MESZ
Das pralle Leben, hautnah, ungefiltert und garantiert nicht erfunden. Darauf hat die Welt gewartet. Weiter so!

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schmerles, 27. April 2007 10:40:39 MESZ
das muß zu twitter

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saxanasnotizen.blogspot.com, 27. April 2007 13:09:29 MESZ
Man merkt, Sie und die Kommentatoren sind vom Fach. Ich nicht. Habe den Text gelesen. Hatte nie das Bedürfnis wegzuklicken. Sehr interessant. Warte auf das Buch.

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schmerles, 27. April 2007 13:54:33 MESZ
Ich hoffe ja nur, Frau isabo hat eine sensiblere Auflösung was mein Lob für sie betrifft, als Sie gemerkt haben wollen.

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isabo, 27. April 2007 15:27:51 MESZ
Meine Auflösung ist sogar so sensibel, dass sie Ihren Kommentar nicht mal als Lob verstanden hat. Nicht sensibel genug ist sie für Marks Kommentar: keine Ahnung, wer von uns im Ironieseminar gefehlt hat, er oder ich.

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mark793, 27. April 2007 15:54:23 MESZ
Definitiv ich, und nicht Sie. Vielleicht war ich gestern spät abend auch nicht mehr feinstofflich genug unterwegs. Ich bin Ihnen jedenfalls tatsächlich auf den Leim gegangen, dass Sie ernsthaft vorhaben könnten, diesem Appetithappen einen ganzen Roman in der Machart folgen zu lassen. ;-)

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kid37, 27. April 2007 13:32:10 MESZ
"Die Stimme einer Generation". Ja! Die meistzitierte Stelle, z.B. für den Buchrücken, wird werden: "...aber es gibt nichts Neues, weder hier noch da."

Mit Gertrude Stein möchte ich hinzufügen: Und jetzt streichen Sie alles überflüssige weg.

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isabo, 27. April 2007 15:32:56 MESZ
Ich bin total gerührt, danke für Eure Kommentare, für die schonungslose Kritik, das Lob und die Anregungen. Ich werde Euch dereinst in meiner Büchnerpreis-Dankesrede entsprechend würdigen.

@Kaltmamsell: ach, wissen Sie, Bloggen, das ist ja auch wieder nichts Richtiges, da wird man doch bestimmt auch wieder nur gefragt, warum man kein Buch schreibt.

@Kid: Ist nicht gerade der Sinn für Überflüsses das wahre Herz der Literatur? Nicht? Bitte?

@undundund: Danke! Ich freu mich!

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chick, 29. April 2007 09:12:07 MESZ
Das Buch wird sicher voll toll, wenn Du noch folgende Dinge beherzigst:

1.: Ein schwuler bester Freund, der Dich in Mode- und Liebesfragen berät fehlt noch
2.: Du hast noch keine patente beste Freundin erwähnt
3.: What about your Problemzonen? Die dürfen nicht unerwähnt bleiben. Denk Dir ruhig was Originelles aus: Deine Füße z.B.
4.: Kokettiere bite noch mit Deiner eigenen Schusseligkeit, um nicht zu sagen Doofheit. Du könntest z.B. nicht Einparken können, zu doof für die 08/15-Steuererklärung sein etc.

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