Umbau
Mag sein, dass es vollkommen egal ist, wo Schlaf- und Arbeitszimmer sich befinden, mag aber auch sein, dass es so besser ist, wie es jetzt ist. Gestern haben wir den ganzen Tag gewühlt, alle Bücher aus den Regalen im Arbeitszimmer genommen, das Bett abgebaut, so weit es ging, leider sind die Verbinder an dem teuren Bett so billig, dass sie sich nicht mehr lösen lassen, also den Bettrahmen als Ganzes ins Arbeitszimmer manövriert und hochkant abgestellt, dann Regale rüber ins Schlafzimmer, und so weiter, es stellten sich da einige logistische Herausforderungen, dieses Regal muss erst leer sein, damit wir den Kleiderschrank dahinschieben können, damit das Regal dann dorthin kann, wo der Schrank war, und alles, was in dem Regal drin ist, muss so lange irgendwo zwischengelagert werden, Bücher in Kisten und in hohen Stapeln auf der Fensterbank und allen verfügbaren geraden Flächen, wie um alles in der Welt sollen diese ganzen Bücher jemals in die paar jämmerlichen Regale gepasst haben, und wenn wir dann den Schrank verschieben, muss die Zwischenlager-Ablagefläche wieder frei sein, weil die Sachen aus dem Kleiderschrank auch irgendwo zwischengelagert werden müssen, also erst das Regal wieder einräumen, und dann hat es erstaunlich gut funktioniert, den Kleiderschrank auf sechs Handtücher zu stellen und einfach rüberzuschieben, zum Glück passt er aufrecht durch die Tür. Die Schreibtische kommen natürlich vors Fenster, durch das Fenster kann man aber leider kaum gucken, also erstmal auch das noch. Das Experiment „Zen in der Kunst des Fensterputzens“ muss als gescheitert betrachtet werden, ich fand keine Entspannung und keine Erleuchtung, aber dafür kann man jetzt von drinnen aus sehen, was draußen für Wetter ist, krasse Erfahrung. Das alles ist körperliche Arbeit, vor allem, weil ich immer weniger Luft kriege, die Stauballergie. Staubsauger, mon amour, und außerdem ist es viel weniger schlimm als früher mal. Alle Bücher absaugen, Regal feucht abwischen, Regale rübertragen, teilweise einräumen, Kleiderschrank ausräumen, Schrank rüberschieben, wieder einräumen, das letzte Regal anhängen, passt nicht. Um einen Zentimeter. Nicht, dass wir das nicht hundertmal ausgemessen hätten. Fußleiste abfrickeln, passt immer noch nicht, bisschen Gewalt, passt, hurra.
Mittags bestellen wir Pizza, schmeckt scheiße, lauwarm und trocken, um kurz nach vier machen wir das erste Bier auf, abends sind wir total erschöpft. Erstaunlicherweise tun uns beiden die Füße weh, ham wir was geschafft! Heute Morgen dann nur noch das alte Küchenbuffet rüberstellen, das wir damals in Heidelberg vom Sperrmüll geholt haben, also ausräumen, zwischenstapeln, Aufsatz runternehmen, Kommode rübertragen, Klötze wieder drunterlegen, Aufsatz drauf, einräumen, fertig, dann schnell meinen Schreibtisch, und: hier sitze ich, am neuen Schreibtischstandort, Computer aufgebaut, und tippe meinen ersten Blogeintrag.
Was ich sagen wollte: vielleicht ist es egal, wo Schlaf- und Arbeitszimmer sind, vielleicht ist es jetzt auch besser als vorher; natürlich ist es besser als vorher, das neue Arbeitszimmer ist größer, heller und wärmer, das Schlafzimmer braucht nicht groß, hell und warm zu sein, beziehungsweise es ist immer noch groß, hell und warm genug. Aber vor allem ist es gut, es mal wieder anders zu haben, es ist keine wirklich neue Arbeitsumgebung, nur ein anderes Zimmer, aber es fühlt sich ganz anders an und das ist schön, weil sich die Arbeit auch gerade ganz anders anfühlt und anfühlen soll. Frühling, Popühling.
