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T Cooper (Brigitte Jakobeit): Beaufort

Das Buch beginnt so:
Wenn ihr die Geschichte wirklich hören wollt, dann wollt ihr wahrscheinlich als erstes wissen, wo ich herkomme und was ich für Eltern hatte und den ganzen Scheiß aus den Inuit-Legenden, wie manche von uns ihr Fell abwerfen, den aufrechten Gang lernen und Menschen werden. Aber eigentlich ist mir nicht danach, auf irgendwas davon einzugehen, denn es ist sterbenslangweilig, und wenn es mich schon langweilt, dann euch allemal.*

Der Eisbär Beaufort lebt mit seiner Mutter in der Beaufortsee. Es gibt kaum noch Robben zu fressen, die Polkappen schmelzen, und eines Tages bricht die Eisscholle, auf der Beaufort sitzt, ab. Er treibt ab, landet in Alaska und heuert als Hilfskraft auf einem Fischkutter an. Dort arbeitet er eine Saison lang, dann kauft er sich von dem verdienten Geld eine Busfahrkarte nach Los Angeles. Er findet einen Job als Kellner und bedient eines Tages Leo DiCaprio, der für seinen neuen Film zufällig gerade einen Eisbären sucht. Beaufort bekommt die Hauptrolle. Es folgt das übliche, man kennt das: Startum, Haus mit Swimmingpool, magersüchtige Models, Sex, schnelle Autos, Alkohol, Koks, Wick Medinait, Scientology. Beaufort schreibt ein Drehbuch und dreht seinen eigenen Film, der aber floppt, es folgt der unvermeidliche Absturz. Er ist pleite, Hollywood lässt ihn fallen, er ist am Ende und geht nach New York. Wo es neue Drogen gibt und neue falsche Freunde und mehr Absturz.
Aber weil das ein Märchen ist, wird am Ende doch noch alles gut. Und zwar so was von. Womit wir dann spätestens merken, dass es sich um eine Satire handelt.

Das ganze ist von Alex Petrowsky großartig illustriert mit einer Collagetechnik aus Fotos mit aufgeklebten Zeichnungen und drübergestrichenen Pinselstrichen. Leo DiCaprio sieht tatsächlich aus wie Leo DiCaprio. Die Geschichte ist irgendwie sonderbar, man meint dauernd, sie wäre mal deutlich länger gewesen und gekürzt worden, an solchen Stellen wie Gisele kam mit jemandem vorbei, den sie mir vorstellen wollte, obwohl man weder vorher noch hinterher je etwas von einer Gisele gehört hat. Aber das kann man ja machen. Wenn man die Geschichte von Aufstieg und Fall eines Bären in Hollywood auf 40 Seiten erzählen will, muss man kürzen, ist klar.
Wunderschönes Buch mit einer sonderbaren Geschichte.

T Cooper steht zwischen J.M. Coetzee und Bora Cosic.

Link  *  02.01.10 11:29  *  comment

 

therealstief, 2. Januar 2010 11:39:35 MEZ
Auf Gisele kann ich mir einen Reim machen (das Buch ist schon ein bißchen älter, gell? aktuell ist doch wohl irgendein Quarterback), aber warum Wick Medinait??

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isabo, 2. Januar 2010 11:42:33 MEZ
Du hast natürlich recht, Leo war mal mit Gisele Bündchen zusammen. (Copyright im Original 2009, scheints. Aber kann ja längst vorher geschrieben sein.)
Warum Wick Medinait, weiß ich nicht. Eisbärendroge, scheints. Ich habe auch nicht verstanden, was er am Ende meint, wo er sagt, eigentlich habe er eine ganz andere Geschichte erzählen wollen. Brett vorm Kopf vielleicht.

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desideria, 6. Januar 2010 12:26:30 MEZ
Wick Medinait
ist eine beliebte Droge in Amiland. Ein Fläschchen und ein paar Biere drauf und ab gehts ... sehr beliebt bei Countrymusikern.

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apriori, 2. Januar 2010 12:06:50 MEZ
Sonderbar scheint mir doch auch zu sein, dass Herr oder Frau Cooper den Anfang entspannt und fast wortgenau bei einem gewissen j.d. Salinger abgespickt hat. Dieser Fänger im Dings. Nicht die schlechteste Wahl, aber trotzdem.

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isabo, 2. Januar 2010 12:09:45 MEZ
Och, das Zitat finde ich witzig, nicht sonderbar. Ich hab mich gefreut. (Für wer's nicht weiß, ist da ein anklickbares, kleines Sternchen hinter dem Anfangszitat.)
Frau T Cooper nennt sich absichtlich geschlechtsneutral nur T. Demnächst wird er dann Herr Cooper sein.

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