Alstereis 2

SMS: Seid Ihr zufällig auch auf der Alster?
Antwort: Ja, bin ich, allerdings allein. Treffen?

Wie findet man sich im Gewühl, auf der riesigen Fläche unter tausenden von Leuten? Ich habe eine ziemlich grüne Jacke an, kid37 sagt, er hat seinen toten Bären umgelegt. Wir sehen uns sofort. Wir haben keinen Plan, nichts Bestimmtes vor, sondern laufen einfach los, über die Alster, über den festgetretenen Schnee auf der Eisdecke. Auf Schlitten werden Kinder herumgezogen oder Picknickkörbe und Glühweinkanonen, an vielen Stellen sind Schlidderbahnen freigefegt, die Kinder rutschen auf den Knien. Manche Leute haben tatsächlich Schneeschaufeln dabei, um den Schnee vom Eis zu schippen, damit sie schliddern können oder Schlittschuhlaufen, immer in derselben Acht. Ich erzähle Kid, dass ich irgendwo im Internet gelesen habe, es seien sogar Leute mit Fahrrädern über die Alster gefahren. Wir bewundern einige Schneemänner, eine Schneefrau auch, mit großen Brüsten, die Männer lassen sich mit ihr fotografieren. Wir gehen einfach weiter, zwischendurch schneit es immer wieder, es ist überhaupt grau, deswegen werden auch die Fotos nichts, aber es ist so herrlich, ganz Hamburg ist da und vergnügt sich, wer braucht schon ein Alstereisvergnügen mit Buden und so einem Quatsch, die würden das Vergnügen nun wirklich nicht erhöhen. Da, sagt Kid, Fahrrad! Ich weiß nicht, was es ist, warum das alles so zauberhaft ist, der Perspektivwechsel allein kann es nicht sein, denn auch im Sommer kann man mit allerhand Booten auf der Alster herumschippern und hat denselben Blick auf die Stadt, nur in wärmer. So kalt ist es übrigens gar nicht, man gewöhnt sich ja, außerdem habe ich tolle Schuhe und eine tolle Jacke, mir ist nicht kalt. Wir gehen weiter, und am anderen Ende der Alster verlassen wir das Eis und gehen ein Stück Straße und am Ufer entlang wieder zurück, weil wir nicht genau wissen, wo wir sind und wo wir Bus oder Bahn nach Hause kriegen, also gehen wir doch wieder aufs Eis und einfach den ganzen Weg zurück. Am Ende waren wir drei Stunden auf der Alster und sind glücklich und nassgeschneit und haben rote Wangen und Schniefnasen und finden, es braucht noch gar nicht Frühling zu werden, sondern vielleicht noch mal schönes Wetter und Sonne und mehr kalt, um noch länger etwas von dieser Zauberhaftigkeit zu haben.
Liebe Stadt Hamburg, bitte keine Buden auf die Aster, das ist doch albern. Budenvergnügen gibt’s in Hamburg genug. Und so eine Alster hat doch auch ihren Stolz.
