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Fit und Well (8): Reiki

Ich probiere ja alles aus. Nicht, dass ich den Eindruck hätte, mit dem Energiefluss in meinem Körper würde etwas nicht stimmen, aber wenn ich schon eine Reiki-Therapeutin kenne, dann will ich natürlich auch wissen, was sie eigentlich macht.
Reiki ist universelle Energie. Ki ist die Energie, wisst Ihr wahrscheinlich, das ist dasselbe Ki oder Chi oder Qi, das auch in Qi Gong, Tai Chi und so weiter vorkommt. Beim Reiki wird mittels Handauflegen universelle Energie auf den Reiki-Empfänger übertragen. Die Energie stammt also nicht vom Reikigeber (was auch blöd wäre, denn das würde ihn auf die Dauer auslaugen), sondern der Reikigeber bildet sozusagen den Kanal für die universelle Energie. Er legt seine Hände auf bestimmte Punkte am Körper des Reikiempfängers, Punkte, die irgendwas mit den Meridianen und Chakren zu tun haben, lässt sie eine Weile dort liegen und führt ihnen Energie zu. So lösen sich Blockaden, und die Energie im Körper kann wieder frei fließen.
Soweit die Theorie. Und bevor hier Fragen aufkommen: dochdoch, ich bin noch bei Verstand. Und ich glaube durchaus nicht an universelle Energie, die durch ein kanalisierendes Medium auf mich übertragen würde. Aber ich glaube an Psychologie. Und an Physik. Nämlich: Wenn mir jemand eine Hand irgendwohin legt, dann wird es dort warm, das ist wohl unbestritten. Und Wärme ist Energie – ob die jetzt aus dem Universum kommt oder von der Physik, ist mir einigermaßen wurscht. Wenn mir jemand die Hand auflegt, wird es warm, und warm ist gut, alte Regel. Und Psychologie: Na, aber hallo ist das entspannend, wenn man eine Stunde lang ganz still da liegt, nicht schläft, aber auch nichts anderes tun kann als sich die Hände auflegen zu lassen. Eine ganze Stunde lang beschäftigt sich jemand mit mir und meinem Körper (ohne dass es mit Sex zu tun hätte), berührt mich sanft, spendet Wärme – meinetwegen auch kosmische Energie, letztlich ist das ja nur eine Frage der Terminologie – und ist ganz auf mich konzentriert. Das ist aber voll Psychologie! Es ist, anders gesagt, einfach unglaublich angenehm.
Da liege ich also, voll bekleidet und mit einer Decke zugedeckt. Sie fängt am Kopf an, das ist schon mal wunderbar, denn am Kopf angefasst zu werden, ist immer toll. Ich habe die Augen geschlossen, sie legt mir die Hände irgendwohin, und ich denke, ich hätte sie bitten sollen, die Meditationsmusik auszumachen, die finde ich nämlich doof, aber jetzt ist es zu spät. Und auch eigentlich egal. Ganz langsam arbeitet sie sich an meinem Körper hinunter bis zu den Füßen, an manchen Stellen fühlen sich ihre Hände viel schwerer an als an anderen. Ich hole tief Luft, mache zwischendurch kurz die Augen auf und schaue die Reikigeberin an, sie hat die Augen geschlossen und sieht konzentriert aus. Nein, ich muss nicht lachen. Ich liege auf der Klappliege, höre doofe Meditationsmusik, lasse mir die Hände auflegen und finde das nicht besonders spannend, aber tatsächlich sehr, sehr entspannend. Ich brauche ja nicht mal drüber nachzudenken, ob ich nicht vielleicht kurz in die Mails … nö, eine Stunde Stillliegen ist dran, ohne irgendwohin zu gucken, ohne zu schlafen, lesen, reden, sogar ohne zu denken. Nur liegen und Hände auflegen lassen. Physik und Psychologie. Oder universelle Energie.
Plötzlich ist die Stunde rum. Erstaunlich, wie schnell das geht, wo es doch gerade so angenehm war. Ich stehe von der Liege auf, lege die Decke ab, und urplötzlich wird mir ziemlich kalt. Die Reikigeberin sagt, ihr wird jetzt endlich wieder warm, sie habe nämlich an jeder Handposition einen Schwall Kälte von mir abgekriegt. Das erschreckt mich, ich habe nur Wärme gespürt; wie jetzt, Kälte? Von mir? Bin ich so kalt? Das, äh, wollte ich nicht so gerne hören. Neinnein, sagt sie, das bedeute nur, dass zwischen uns Energie geflossen sei, das sei ganz normal. Nicht ganz so normal sei, dass es bei wirklich sämtlichen Handpositionen so war, normalerweise sei es überall unterschiedlich. Wenn ich es schon interpretieren wolle, dann solle ich es so sehen, dass mein Energiehaushalt besonders ausgeglichen sei, denn es war überall gleich kalt.
Seitdem versuche ich, mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass ich eben ein eiskalter Typ bin. Die Vorstellung macht mich ein bisschen unentspannt.

Link  *  08.02.10 17:25  *  comment

 

strandfynd, 8. Februar 2010 17:38:39 MEZ
Das eiskalte Händchen...oder wie war das...?

Irgendwann vor hundert Jahren hatte ich son Reiki dingens auch mal, aber ich glaube im stehen und nicht im liegen...ich erinnere mich nur dunkel, Grundschulzeitalter.

Aber: Warm ist gut. Das meine ich aber auch!

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suseganz, 8. Februar 2010 18:40:41 MEZ
Ach ja, die nervige Meditationsmusik....aber auch mir ist es schon gelungen, sie zu ignorieren. Man kann sich nämlich auch reinsteigern und dann liegt man da und denkt Scheiß-Eso-Kacke, auditive Belästigung, Ohrenschmalz, Menno. Man kann natürlich auch höflich bitten, einfach auszuschalten.
Mit ordentlich Ärger im Bauch ist der Energiehaushalt wahrscheinlich nicht so schön ausgeglichen wie bei unserer Eisprinzessin...

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isabo, 8. Februar 2010 18:47:20 MEZ
Ach was, war ja nicht schlimm, ich habs ignoriert. Kam mir weniger störend vor, als die ganze Sache zu unterbrechen, nur um die Musik auszumachen.

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seelenlinien, 8. Februar 2010 20:44:11 MEZ
*Schmunzel* ich sag ja... Dein Halschakra, Energiepunkt persönlicher Bedürfnisse und deren Ausdruck, freut sich immer über Energiezuwendung :-)

Mit Psychologie und Physik als Teile des Ganzen liegst Du übrigens gar nicht so falsch. Ich kenne keinen, der das Ganze in seiner Unfassbarkeit besser erklären könnte, als Dr. Deepak Chopra. Sein Vortrag "Quantenbewusstsein" ist äusserst lesenwert: www.verlag-hierundjetzt.de

Danke für den schönen Beitrag, ich freue mich darüber :-)
Liebe Grüße
Andrea

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therealstief, 8. Februar 2010 23:03:18 MEZ
Oh, oh, wie wünschte ich mir, Sie würden gelegentlich zur Kaltmamsell herübertunneln und dort ein wenig kommentieren, liebe Andrea.

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isabo, 8. Februar 2010 23:07:51 MEZ
Hilfe, Andrea mag ja ein bisschen esoterisch sein, aber doch nicht lebensmüde.

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Lakritz und Schokolade, 9. Februar 2010 13:34:29 MEZ
Nach meiner Erfahrung - ich bin auch Reiki-Anwenderin - sind Kältezonen einfach ein Zeichen dafür, dass die Energie es sich gerade in Bereichen gemütlich macht, die vorher mehr oder weniger unterversorgt waren.

Bei Personen, die zum ersten Mal Reiki bekommen, ist das nicht ungewöhnlich, es ist auch sehr oft so bei vernarbtem Gewebe.

Freut mich, dass du es als angenehm und entspannend empfunden hast - und zu deiner verständlichen Skepsis: mir persönlich sind skeptische Klienten, die Fragen stellen, wesentlich lieber als die weichgespülten Eso-Anhänger, die mit rosa Wattebäuschchen werfen (Klischee, ich weiß ;))

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Hannsens, 10. Februar 2010 07:58:02 MEZ
"Kanal für die universelle Energie" das klingt gut! Sollte man sich - vor der Behandlung - dem auch bewusst sein um bessere Wirkung zu erzielen?
Das wäre dann wieder eine Packung Psychologie.

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