Bücherauswahl
Eine Freundin ist zu Besuch, sie fragt, was sie denn mal lesen könnte. Wir stellen uns vors Bücherregal, ich ziehe dies und das heraus – Tilman Rammstedt, sage ich, musst Du unbedingt lesen, Erledigungen vor der Feier und Wir bleiben in der Nähe. Und Thomas Pletzinger natürlich, Bestattung eines Hundes, und hier, Annette Pehnt, Insel 34! Ich ziehe Bücher aus dem Regal, lege sie auf den Tisch, eins nach dem anderen, kennst Du Jorge Edwards, Der Ursprung der Welt, total toll. Und hast Du schon Middlesex gelesen? Ich staple alles auf dem Tisch auf und stelle am Ende fest: Alles blau. Alle Schutzumschläge sind mehr oder weniger blau, in unterschiedlichen Tönen, der Stapel sieht aus, als hätte ich die Bücher nach Farbe zusammengestellt.
Seitdem frage ich mich, ob ich nur an diesem Abend auf blau gepolt war, oder ob das Zufall war, oder ob ich womöglich Büchern mit blauen Schutzumschlägen grundsätzlich wohlgesonnen bin und sie deswegen gut finde. Ob man mein literarisches Urteil womöglich in der Pfeife rauchen kann, denn in Wahrheit finde ich blaue Bücher gut. Oder ob vielleicht die hellblau karierte Tischdecke schuld war, auf die ich die Bücher gelegt habe, vielleicht habe ich zur Tischdecke passende Bücher ausgewählt, unbewusst natürlich. Oder ob es umgekehrt ist, vielleicht neigen Coverdesigner dazu, der Sorte Bücher, die ich gut finde, blaue Umschläge zu verpassen. Vielleicht ist das auch alles ein großer Quark.
Ich ziehe meine blaue Strickjacke über und koche mir einen Kakao, mit dem Superduperkakao aus Therealstiefs Fresspaket, und gebe einen Schuss Whisky mit rein. Nur einen kleinen, damit ich nicht … Sie verstehen schon.