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Geständnis

Guten Tag. Mein Name ist Isabo. Ich bin 41 Jahre alt, und ich bin lakritzsüchtig. Ich weiß nicht mehr, wie alt ich war, als ich zum ersten Mal Lakritz aß. Ich weiß nicht mal, ob es mir geschmeckt hat. Wahrscheinlich schon, denn sonst hätte ich es ja nicht weiterhin gegessen.
Jedenfalls gab es in meiner Kindheit ab und zu Lakritz. Keine großen Mengen, nur gelegentlich, im Wechsel mit anderen Süßigkeiten. Einmal am Tag konnten wir zu unserer Mutter gehen und fragen, ob wir etwas Süßes bekommen. Das bekamen wir, und zwar genau einmal am Tag. Danach war Schluss, das wussten wir, wir brauchten gar nicht erst noch mal zu fragen. Einmal am Tag ein Riegel Schokolade oder etwas Vergleichbares. Manchmal gab es Lakritz. Später habe ich mir auch manchmal von meinem Taschengeld etwas gekauft, aber nicht oft, meist habe ich auf Reitstunden gespart. Auch zu Unizeiten habe ich nicht andauernd Lakritz gegessen, nur ab und zu. Ich weiß nicht, wann es angefangen hat, dass ich nicht mehr aufhören konnte. Es wurde einfach langsam immer mehr. Dabei essen nicht mal alle meine Freunde Lakritz, manche mögen es nicht. Viele essen es wahrscheinlich, ohne dass ich es weiß, aber es besteht da kein Gruppenzwang oder so was. Nicht mal mein Mann isst Lakritz, er mag das gar nicht. (Er isst Erdnussflips, aber das ist natürlich ein anderes Thema.) Ich bin ganz alleine selberschuld, dass ich mir schon wieder eine Tüte gekauft habe.
Immer, wenn ich Lakritz esse, muss ich an meinen einen Deutschschüler in Tokyo denken. Er konnte schon sehr, sehr gut Deutsch und las selbständig deutsche Bücher. Wenn er etwas darin nicht verstand, fragte er mich in der nächsten Stunde. Einmal fragte er, was „Süßholz raspeln“ bedeutet. Ich erklärte es ihm. Und ich sagte ihm, dass ich aber keine Ahnung habe, was Süßholz eigentlich ist, ob das ein Baum ist oder was, ich wisse nur, dass man Lakritz daraus macht.
Er wusste nicht, was Lakritz ist. Und jetzt erklärt mal jemandem, der nicht weiß, was Lakritz ist, was Lakritz ist! „Eine Süßigkeit, die aber gar nicht richtig süß ist, sondern eher so … schwer zu beschreiben, und es ist schwarz und in der Konsistenz ein bisschen wie Weingummi, aber anders, und das gibt es in ganz hart und ganz weich und alles dazwischen.“
Dass man davon süchtig werden kann, war mir damals noch nicht klar. Die Tüte, die ich gestern gekauft habe, ist schon wieder leer. Ich weiß noch nicht mal, wie gefährlich Lakritzvergiftung ist. Ich schäme mich. Wenn ich das nächste Mal einkaufen gehe, will ich versuchen, kein Lakritz zu kaufen. Ich kann stark sein. Ich weiß es. Tschakka.

Link  *  21.03.10 10:41  *  comment

 

textundblog, 21. März 2010 12:59:54 MEZ
Guten Tag, mein Name ist Markus Trapp. Ich bin 44 Jahre alt und ich mag kein Lakritz. Aber ich vermisse Dich auf Twitter.

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Britta, 21. März 2010 13:25:20 MEZ
Gestern Morgen auf dem Markt bin ich auch schwach geworden und hab mir Lakritze gekauft, und schon gestern Abend war die Tüte leer :-(

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albertsen, 21. März 2010 16:37:09 MEZ
Ein Umzug nach München hilft gegen Lakritzsucht. Aus irgend einem Grund hassen die meisten Bayern Lakritz, und das höchste der Gefühle sind diese ekligen Schnecken von Haribo. Aber mittlerweile habe ich meine Bezugsquellen aufgetan, also ist das auf lange Sicht wohl auch keine Lösung.

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bettina.w, 21. März 2010 17:01:10 MEZ
Vielleicht solltest du mal in der Fastenzeit auf Lakritz verzichten. So wie ich auf Schokolade und Alkohol. Das ist super. Ich merke dabei, dass ich durchaus sieben Wochen ohne diese Dinge leben kann. Ok, ich muss dafür jede Woche Kuchen backen, aber hey, trotzdem kann ich mir extem tugendhaft vorkommen.
Übrigens ist meine Freundin Anne in empirischen Studien zu dem Schluss gekommen, dass es bei Lakritz eine Nord-Süd und eine Ost-West-Grenze gibt, jenseits der die meisten Leute das Zeug nicht mögen. Hochinteressant.

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isabo, 21. März 2010 17:05:06 MEZ
Ich wohne ja in der schönsten Stadt der Welt. Wegen Lakritz ziehe ich hier nicht weg! Eher ersetze ich es durch Kuchen, das scheint mir ein vernünftiger Vorschlag.

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handfeger, 21. März 2010 21:26:38 MEZ
Guten Tag, mein Name ist Handfeger und ich bin 50% älter als Sie und habe (mindestens) 50% mehr Lakritze als Sie gegessen. Die harten, die weichen, die salzigen, die sauren die schwarzen und die bunt eingehüllten, wenn ich nur daran denke (so wie jetzt) muss ich aufpassen, nicht in die Tastatur zu sabbern. Es ist nicht heilbar. Lakritzesser haben diese besondere Disposition. Es liegt in den Genen. Wir können nichts dafür. Und jetzt: Kein Laden mehr geöffnet. Verdammt. Sie machen Sachen mit Ihren Lesern, Frau Isabo, das ist total unfair!

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mariong, 29. März 2010 23:19:28 MESZ
guten tag, ich bin mariong und habe leider durch eine holländische freundin den Geschmack gefunden. Ich will nach Holland, richtigen Lakritz kaufen. Sofort.

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z-i-w-o, 21. März 2010 21:28:14 MEZ
mag keine lakrize
nur fleisch

wenn ich zu meine mutta gegangen bin und nach süßem nachgefragt habe gabs was auf die schnauze

das weiß ich genau
das kann ich bestätigen

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therealstief, 21. März 2010 23:36:22 MEZ
So verkaufsoffen war der Sonntag hier in Berlin dann doch nicht ... twitter.com

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isabo, 21. März 2010 23:40:54 MEZ
Oh, das ist aber ein hübscher Laden. Danke!

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klausf, 22. März 2010 10:23:13 MEZ
Übersetzte einfach ein Buch, in dem es um die brutale und rücksichtslose Welt hinter der Lakritze geht. Um die Arbeitsbedingungen der Süßholzbauern, die Schadstoffe, die Verletzungsgefahr beim Süßholz raspeln. Über die globale Lakritzmafia, die sich auch auf Deine Kosten goldene Wasserhähne kauft.

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isabo, 22. März 2010 10:40:34 MEZ
Mein Gott, das wusste ich nicht. Das ist ja furchtbar! Werdet bitte sofort alle mit mir Lakritzovegetarier!

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gerdbrunzema, 22. März 2010 12:49:42 MEZ
Was Markus sagt. Außer, dass ich Lakritz mag.

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Anke5, 22. März 2010 16:29:49 MEZ
Man könnte ja auch mal wieder Lamm machen: www.mankannsessen.de

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isabo, 22. März 2010 16:32:44 MEZ
Au ja, machst Du das, wenn wir demnächst kommen? Danke, ganz lieb!

(Boah, jetzt fang ich hier an zu sabbern.)

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Anke5, 22. März 2010 17:38:15 MEZ
In meine Töpfe kommt KEIN LAKRITZ! (Bliäch.)

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Wildgans, 22. März 2010 20:30:06 MEZ
Lakritze
auf jeden fall darf man es nicht in unmengen essen, wenn man erhöhten blutdruck hat, denn es erhöht denselbigen:-)

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Ruebenkraut, 22. März 2010 22:42:33 MEZ
Lakritze sind bei uns (also meiner Liebsten und mir) auch total beliebt. Es traf sich, dass in B gleich hundert Meter von uns eines der weltbesten Lakritzfachgeschäfte öffnete. Dann sind wir nach Bayren umgezogen. Aber das "kado" (so der name des ladens) hat seit ein paar jahren auch einen internetversand.
www.kado.de
Als wir Kinder waren erzählte man uns, Lakritze seien aus Ochsenblut gemacht, keine ahnung, wer sich das ausgedacht hat...
Grüße von Ruebe

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isabo, 22. März 2010 22:48:14 MEZ
Rübe! Welch Glanz in meiner Hütte. Guck mal hinter den Twitter-Link von Therealstief etwas weiter oben, hihi.
(Ich ess ja schnödes Haribo.)

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ichichich, 25. März 2010 19:19:58 MEZ
Guten Tag, mein Name tut nichts zur Sache und ich bin süchtig nach Fleisch. Seit Wochen nehme ich mir täglich vor, in der Kantine das vegetarische Gericht zu wählen, aber ich kann es nicht. Ich schaffe es nicht. Ich bin schwach.

Aber was ich eigentlich fragen wollte: Das Lakritz-Depot in Wandsbek kennst du doch sicher, oder?

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jennie, 4. April 2010 12:29:54 MESZ
mal eine lakritzunabhängige frage - ich fand den aspekt, dass du früher nur 1x am tag was süßes haben durftest, sehr interessant und dachte mir, das würde mir für meine zukünftigen kinder im prinzip auch gut gefallen, dass die nur 1x am tag süßes essen. mein mann meinte, ok, aber die sollen uns nicht dafür fragen müssen, sonst kommen die jeden tag an und fragen nach was süßem, denken sich "oh, heute war ich ja noch gar nicht bei mama und hab danach gefragt" usw. es soll ja auch noch tage ohne süßkram geben, es soll halt nicht zu nem täglichen ritual werden. soweit mein mann. nun frag ich mich: war das bei dir so? hast du jeden einzelnen tag danach gefragt?

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isabo, 4. April 2010 12:55:28 MESZ
Ja, das war ein Ritual, wie die anderen drei Mahlzeiten am Tag auch. Eher ein Alltagsritual: Schule, Mittagessen, Hausaufgaben, Spielen, und beim Spielen irgendwann ankommen und um etwas Süßes bitten. Feiertage etc. waren natürlich etwas anderes, aber da war eh alles anders.
Finde ich auch gar nicht schlimm, wenn Kinder darum bitten müssen. Und "einmal am Tag" war eine so feste Institution, dass wir z.B. nie im Supermarkt gebettelt haben (da durften wir dann mit aussuchen, aber es gab erst zu Hause etwas, das war völlig klar), und wir wussten: das eine Mal gibt es immer was. Und dann nicht mehr. Punkt.
Hätte ich Kinder, ich hätte das übernommen.

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jennie, 4. April 2010 13:53:16 MESZ
danke für die antwort!! regt mich zum nachdenken an; ich finde, es klingt traumhaft ;), dass ihr damit klargekommen seid, dass es eben 1x am tag was gab, und dann auch sonst nicht "gebettelt" habt etc.; und 1x am tag reicht ja auch bzw. ist am besten für zähne, körper usw. aber irgendwie gefällt mir nicht so richtig, dass es dann eine art institution ist, und eben auch kein tag vergeht, an dem man nicht nach was süßem fragt. auf einen längeren zeitraum betrachtet, ist der süßigkeiten intake dann natürlich perfekt, weil ausgeglichen und alles in allem auch ziemlich gering, aber ich hätte so gern, dass das nicht zum tagesablauf dazu gehört. andererseits ist zucker ja auch nicht per se evil, und der körper sagt einem ja auch meistens, was man grad an nährstoffen braucht, von daher ist es vielleicht auch normal, mind. 1x pro tag was süßes zu wollen... da muss ich wohl noch mal drüber nachdenken. aber nochmals vielen dank für deine antwort! und frohe ostern. :)

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