Das Berufsstöckchen
Das Dienstagskind Strandfynd hat mir ein Stöckchen zugeworfen mit lauter Berufsfragen. (Dabei habe ich sie schon mal anderthalb Stunden lang über meinen Beruf vollgequasselt, hihi). Nehmt es Euch einfach mit, wenn Ihr möchtet.
1. Was machst du beruflich?
Ich bin Literatur-Übersetzerin.
2. Was ist gut – was ist nicht so gut daran?
Die Arbeit selbst ist toll. Ich übersetze gern. Ich suche gern nach dem richtigen Wort und der passenden Formulierung, und ich freue mich, wenn ein Satz, ein Text, plötzlich einen guten Klang und einen Rhythmus haben. Und ich bin stolz, wenn ich schließlich ein Buch in der Hand halte, in dem mein Name steht. In Buchhandlungen gucke ich manchmal, welche meiner Bücher da sind, und ob sie schön präsentiert werden.
Nicht so gut: man wird grottig bezahlt und meist auch noch übersehen. Man hat unauffällig zu sein, nichts zu wollen und die Klappe zu halten. (Das ist weniger ein Vorwurf an die Verlage als ans Feuilleton.) An der eigentlichen Arbeit ist für mich auch die Einsamkeit schwierig. Ich bin zu kommunikativ, um den ganzen Tag allein zu Hause am Schreibtisch zu sitzen. Damit hängt ein weiteres Problem zusammen: die Selbstdisziplin. Ich entkomme der Einsamkeit ins Web 2.0, und statt also zu Hause konzentriert und schnell zu arbeiten und dann rauszugehen und Leute zu treffen, hänge ich im Internet herum und schaffe nichts und kann nicht raus. Überspitzt ausgedrückt. Überhaupt: Verlottern ist auch immer so ein Thema. Morgens nicht aus dem Bett kommen, dann erstmal im Schlafanzug die ersten Mails … und schwupps, ist es Mittag.
3. Was wäre dein absoluter Traumberuf?
Bisher war es Übersetzerin. Da arbeite ich mit Worten, mit Text, brauche mir aber nichts auszudenken. Und ich muss nicht früh aufstehen. Perfekt.
Inzwischen würde ich aber gern ein bisschen diversifizieren, noch etwas anderes dazu machen. Schreiben. Das scheitert an zwei Dingen: erstens fällt mir nicht recht etwas ein, oder wenn mir etwas einfällt, halte ich es für nicht toll genug, und zweitens habe ich keinen Druck. Ohne Druck funktioniere ich nicht.
Dass mir nichts einfällt, ist natürlich Unfug, denn wenn ich 1. genug Druck und 2. kein Internet hätte, würde mir schon was einfallen. Liest ein Verlag mit? Kann bitte jemand einen Roman in Auftrag geben, oder eine Kurzgeschichtensammlung, mit Abgabetermin und allem? Danke. Es würde bestimmt toll. Echt!
Desweiteren würde ich gern Kolumnen oder Reportagen schreiben. Damit habe ich jetzt fürs Titelmagazin angefangen, zwei Übersetzerkolumnen sind erschienen, und das soll auch noch eine Weile so weitergehen. Ideen habe ich nämlich reichlich. (Na also. Von wegen.)
Die andere Kolumnenidee ist: ich würde gern lustige Sportarten ausprobieren. Es gibt in jeder beliebigen Muckibude die abgedrehtesten Angebote (Bollywood-Dancing! PNF-Gymnastik! Ich hätte auch keinerlei Hemmungen, mich unter lauter 14-jährigen beim Hip Hop zum Affen zu machen). Wenn jemand weiß, wie man das an den Mann (bzw. an die Zeitschrift) bringt, sagt Bescheid. Leseproben gibt’s hier.
4. Warum gerade dieser?
Weil ich Lust drauf habe. Weil ich – tatsächlich durchs Bloggen – dann doch irgendwann zu der Erkenntnis gelangt bin, dass meine Überzeugung „ich kann nicht schreiben“ irgendwie Quark ist. Und weil ich Lust drauf habe. Und weil Schreiben und Übersetzen sich sehr gut ergänzen. Und weil es mir in den Fingern juckt. Und weil ich es schon so gewohnt bin, schlecht bezahlt zu werden. Und weil ich nicht immer nur das gleiche machen will. Und weil ich Lust drauf habe.
strandfynd,
29. März 2010 15:00:37 MESZ
Oh danke fürs beantworten!
(Dabei habe ich sie schon mal anderthalb Stunden lang über meinen Beruf vollgequasselt, hihi)
Ja! Und es war toll, und ich wollte fast den Job wechseln. Blöd das man da besser Germanistik oder sowas studiert haben muss. (Muss man?) Ich fands jedenfalls prima :) Solltest du weiterhin machen, nur solange es Spaß macht, natürlich.
Mit der Einsamkeit, hätte ich warscheinlich auf die Dauer auch ein Problem, andererseits man kann sich doch bestimmt auch mit seinem Obst in ein Cafe setzen und da an Worten feilen, oder? Würden dir dann Nachschlagewerke (in Buchform) fehlen? Immerhin hättest du direkten "Draht" zum Kunden, und könntest gleich nachfragen (so wie hier) "Sagen Sie mal...was würden sie lieber lesen "Ersatzschlächter" oder verstehen Sie auch "Backup Killer"?". Thihi.
Meine Vorschläge für deine nächsten Sportexperimente:
-"Britischer Humor, wie es besser kaum geht: Mit Schnorchel und Flossen ausgerüstet treffen sich jedes Jahr Schlammtaucher aus aller Welt in Wales, um den Weltmeister im Sumpfschnorcheln zu ermitteln."
-"Das Spielzeugauto „Bobby Car“ wird zum Funsport-Fetzer. Das meistverkaufte Kinderauto der Welt macht Karriere als Mini-Raser. Mit aufgemotzten Bobby Cars brettern gestandene Männer über die Straßen."
;)
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isabo,
29. März 2010 15:23:36 MESZ
Zur Erklärung für alle anderen:
der lustige Mann ist Lehrer an einer Berufsschule, unter anderem für Buchhändler. Einmal im Jahr gehe mit ihm in die Schule, zu den Buchhandelsazubis, und erzähle ihnen etwas vom Übersetzen. Madame Strandfynd musste das über sich ergehen lassen. Hey, danke für das Kompliment! Freut mich natürlich, wenn das ankommt.
Im Café habe ich genau einmal gearbeitet, das war gut, aber ich habs trotzdem noch nicht wieder gemacht. In den Phasen, in denen ich viel recherchieren muss, nützt es mir ja auch nix, kein Internet zu haben. Wenn ich nur Strecke machen und Text produzieren muss, ist das ganz gut. Allerdings sitzt man da natürlich auch allein mit seinem Computer. Papiernachschlagewerke brauche ich meistens nicht, ich hab das Wichtigste eh alles auf dem Rechner.
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isabo,
29. März 2010 16:33:20 MESZ
Ach so: nein, man muss gar nix studiert haben. Die Berufsbezeichnung "Übersetzer" ist nicht geschützt, jeder kann einfach behaupten, er sei Übersetzer. Man muss halt eine Fremdsprache ziemlich gut und Deutsch sehr gut können.
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strandfynd,
29. März 2010 17:48:12 MESZ
Das ist aber ganz schön gefährlich...finde ich. Weil das natürlich auch viele Schwachmaten anziehen kann...
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isabo,
29. März 2010 17:52:51 MESZ
Tja. Man wird, wenn man keine Veröffentlichungsliste vorzuweisen hat (und selbst dann oft genug), in den meisten Fällen erstmal eine Probeübersetzung anfertigen müssen. Darüber regen sich viele auf (man lässt einen Maler schließlich auch nicht erstmal eine Wand probestreichen), aber aus Verlagssicht ist das natürlich verständlich und vernünftig. Und dann muss man sich beweisen.
(Und dann gibt es natürlich Lektoren, die es auch nicht besser können, und dann kommen schlecht übersetzte Bücher dabei raus. Gibts ja auch.)
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strandfynd,
29. März 2010 21:59:00 MESZ
Der Vergleich mit dem Maler hinkt. Denn Maler müssen doch mindestens ne Ausbildung, wenn nicht sogar nen Meister haben, bevor die malen dürfen, oder?
Und einen Maler ohne Ausbildung würd ich warscheinlich auch Probestreichen lassen ^^
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mareike,
30. März 2010 14:02:43 MESZ
Also, wenn ich ein Verlag wäre bzw. bei einem arbeitete, würd ich sofort mit einem Angebot und Deadline um die Ecke kommen. Bin ich nicht, tu ich nicht. Aber kaufen (und lesen) würd ich's, Ihr Buch!
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isabo,
30. März 2010 14:24:38 MESZ
Oh, danke.
Hallo, Verlage, habt Ihr das gesehen?
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