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Montag, 2. Februar 2009
Is a book

Aravind Adiga (Ingo Herzke): Der weiße Tiger

Seltsames Buch. Also, gutes Buch. Seltsam deswegen, weil man sich ja mit einem Ich-Erzähler gern identifiziert, und dieser Erzähler hier will einem so gar nicht sympathisch werden. Respektlos und amoralisch, sagt der Klappentext, und das stimmt auch, die Moral dieses Menschen ist jedenfalls nicht die des üblichen Helden. Balram stammt aus einer armen Kaste, aus einem Dorf, schafft es aber, als Fahrer einer Grundbesitzerfamilie eingestellt zu werden und schließlich mit einem Familienmitglied nach Delhi zu ziehen. So steigt er langsam auf, lernt etwas über das Leben der Reichen, über das Verhältnis zwischen Arm und Reich und das Funktionieren des großen indischen Hühnerkäfigs, und begeht schließlich einen Mord. Als Leser fragt man sich (also ich), ob man Balrams Art, sein Verhalten, seine Rechtfertigungen nicht doch nachvollziehen oder gar entschuldigen kann oder sollte oder müsste, weil für ihn das Leben eben so ist, wie es ist, oder gerade eben nicht; ich bin da zu keinem Schluss gekommen, aber das braucht man wohl auch nicht. So einfach ist es halt nicht, und es macht die besondere Qualität dieses Buches aus, dass es einen so beschäftigt. Und: es entromantisiert die Vorstellung von Indien. Meine persönliche Indienvorstellung ist nämlich – öh, nicht vorhanden, bzw. beschämend schlicht. Gut erzählt und übersetzt ist es auch. Die Notwendigkeit der gewählten Form, nämlich die ganze Geschichte in Briefen an den chinesischen Ministerpräsidenten zu erzählen, hat sich mir nicht erschlossen, aber die kann man auch einfach ignorieren.

Ich stelle es jetzt ins Regal zwischen Douglas Adams und Tschingis Aitmatov.

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