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Sonntag, 22. März 2009
Is a book

Jan Böttcher: Nachglühen

Der Roman beginnt so:
„Sie selbst sind es, die das Ende zum Anfang machen. Sobald man im Morgengrauen die eigene Hand vor Augen sehen kann, kommen sie auf dem Deich zusammen und greifen sich die über Nacht liegenlassenen Bolzenschneider.
Da sind die Väter, bilden noch einmal ein Komitee, einen Stoßtrupp, der sich mit getaner Arbeit langsam von der rechten Ortshälfte nach links schiebt. Da ist die Elbe, mit jeder Streckmetallplatte, mit jeder Streckmetallplatte, die sie zwischen den Betonsäulen herausreißen, wird die Sicht frei auf den Fluss. Und da knattert der Roller ins Bild, Jo fährt auf der Schwalbe scharf am Zaun entlang, das heißt, Arne Hinrichs fährt, während Jo Brüggemann auf dem hinteren Teil des Sitzes steht, sich an Arnes linker Schulter festhält und mit der anderen Hand die Fahne wehen lässt. Die Fahne mit dem großen Loch in der Mitte.“

Der Polizist Jo Brüggemann kehrt aus Hamburg immer wieder zurück in sein Heimatdorf an der Elbe, im ehemaligen Sperrgebiet der DDR an der Grenze zur Bundesrepublik, um seinen Großvater zu pflegen. Der Journalist Jens Lewin kommt gleich ganz zurück, zusammen mit seiner Frau Anne, um den Gasthof der Eltern zu übernehmen. Die beiden Männer gehen sich aus dem Weg; Jens’ Frau weiß nicht, was vorgefallen ist, das ganze Dorf weiß Bescheid und schweigt. Sehr, sehr gute Geschichte, auch gut erzählt. So ganz zufrieden war ich trotzdem nicht. Zum einen war mir die Auflösung ein bisschen zu schwach, zum anderen mag ich es nicht, wenn „hastu“ und „musstu“ und „nich“ geschrieben werden, das empfinde ich als ebenso anbiedernd wie bevormundend. Ich weiß auch so, dass man das T in „nicht“ in gesprochener Sprache meist nicht hört. Hier und da einen Satz auf Platt, meinetwegen, um es gelegentlich zu markieren, aber ansonsten bin ich vehement der Meinung, dass sich Umgangssprache besser durch Wortwahl und Grammatik markieren lässt als durch Orthografie. Aber da bin ich wohl auch besonders empfindlich. Aber: gutes Buch, auf jeden Fall eine Empfehlung.

Ich stelle Jan Böttcher jetzt zwischen Heinrich Böll und Bogdan Bogdanovic.

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