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Montag, 23. März 2009
Lieber Mek,

da kommt man ja gleich doppelt gern nach Hause, wenn einen dort so ein langer Brief erwartet. Danke!
Schottland war wie immer, und gerade deswegen fahren wir ja immer wieder hin: weil es immer so ist wie immer. Sonst sind Reisen ja auch stets mit kleinen Unsicherheiten verbunden, nichts Schlimmes, aber doch. Wie ist die Unterbringung, wo finde ich etwas zu essen, wie komme ich mit der Sprache zurecht usw, man muss sich immer erst kurz eingewöhnen. Aber nach Schottland fahren wir immer wieder zu unseren Freunden, seit der lustige Mann für ein Jahr als Fremdsprachenassistent dort war. Das war 1991, unglaublich. Und so ist es immer ein Nachhausekommen. Ich habe Dir ja schon mal ein paar Bilder gezeigt und ein bisschen erzählt.
Ich hatte mal wieder, oh Mann. Dass ich das nicht lerne! Mal wieder mein Buch morgens um halb sechs weggemailt, dann meine Sachen gepackt und wir fuhren los. Wir nehmen immer die Fähre von IJmuiden nach Newcastle, das ist sehr praktisch, sie fährt über Nacht. Dann kommt man morgens ausgeschlafen in Newcastle an, normalerweise jedenfalls, ich diesmal natürlich nicht, denn ich hatte ja die Nacht davor gar nicht geschlafen. Und von Newcastle sind es nur noch vier Stunden bis Glen Prosen. Diesmal sind wir von der Fähre aus allerdings erstmal zu einem Gitarrenbauer in Penrith in Nordengland gefahren, seitdem strahlt der Mann von einem Ohr bis zum anderen, wenn man ihn auf sein neues Instrument anspricht, eine Cittern. Er ist sehr in sie verliebt und hat sie gleich auf zwei Sessions ausprobiert. Ich habe an dem Tag noch gekränkelt und war etwas schwach auf den Beinen und wäre beim Gitarrenbauer fast vom Stuhl gekippt, aber das hörte dann in Glen Prosen schnell auf. Sofortige Erholung und Gesundung, es war herrlichstes Wetter, der Frühling brach gerade aus, blauer Himmel und ganze Teppiche von Schneeglöckchen unter den Bäumen und Scharen von Fröschen auf der Wiese. Mit den Fotos bin ich noch nicht fertig, die sind dann aber demnächst bei Flickr. Wir haben auch wieder getan, was wir dort immer tun: nichts. Lesen, spazierengehen und mit J. in der Küche hocken und reden, das war es schon ungefähr. J. hat vor kurzem ein neues Kniegelenk bekommen und war nur so halb mobil, aber es ging zusehends besser. Ach ja, und abends in den Hot Tub, das ist auch immer wieder herrlich. Frierend im Bademantel über die große Wiese stapfen (mit Taschenlampe, damit man nicht auf Frösche tritt), frierend den Deckel von der Wanne klappen und dann ins heiße Wasser legen, einen Flachmann mit Whisky dabei, die Blubberblasen machen wir nie an, es ist viel schöner, nur den Bach rauschen zu hören. Und dann schön durchgewärmt ins Bett und noch ein bisschen lesen. Gelesen habe ich wirklich viel, zwei Kurzeindrücke stehen hier ja schon, ein weiterer ist fertig und kommt morgen. (Ich weiß gar nicht, ob die hier wirklich von Interesse sind und gelesen werden, aber ich habe mir nun mal vorgenommen, alle gelesenen Bücher kurz vorzustellen. Und für mich ist das sehr gut, weil ich dadurch gezwungen bin, mir wenigstens einzwei strukturierte Gedanken dazu machen und die Bücher nicht mit nur "so einem Gefühl" wieder ins Regal zu stellen.)
Leider erreichte uns schon am dritten Tag die Nachricht, dass die Schwiegeroma gestorben ist. Das ist eigentlich gar keine schlechte Nachricht; natürlich ist es traurig, aber sie war 98 und hat sich seit Jahren gewünscht, endlich sterben zu dürfen. Es ging ihr nicht mehr gut, und man kann wirklich sagen: sie hat es geschafft. Aber es ist traurig. Und so haben wir den Urlaub etwas verkürzt, um zur Beerdigung zu Hause zu sein.

Aber was für eine wunderbare Nachricht, dass Du frisch verliebt bist! Da gratuliere ich ganz herzlich! Es gab dieses Jahr schon so viele große und kleine Katastrophenmeldungen, erschreckend, da freue ich mich über die guten Nachrichten umso mehr. Hurra! Und umso mehr musst Du, müsst Ihr bald nach Hamburg kommen, weil, na ja, ich kann natürlich nicht behaupten, ich wäre nicht neugierig. Lustig, wie falsch Du mich einschätzt, wie kommst Du darauf, dass ich nicht fragen würde, ob ich bei Dir übernachten kann? Klar würde ich das fragen.

Inzwischen hat uns der Alltag wieder. Für den Mann fängt heute die Schule wieder an, und ich bin demnächst fast so was ähnliches wie arbeitslos. Ein paar Kleinaufträge und natürlich immer alles mögliche zu erledigen, es ist nicht so, dass ich nichts zu tun hätte, aber ich habe noch kein neues Buch auf dem Tisch. Im Moment macht mir das noch keine Sorgen, vielleicht kann ich die Zeit für ein bisschen Selbstfindung nutzen und einen Töpferkurs mit Urschreitherapie an der Volkshochschule belegen. Oder mir halt mal überlegen, was ich eigentlich will, und wie ich dahinkomme.

Jetzt habe ich wieder furchtbar viel von mir geschrieben, tut mir leid. Ich freue mich immer sehr, von Dir zu hören,

Küsse,
Isa

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Last modified: 09.12.13 22:30
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