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Mittwoch, 15. April 2009
Is a book

Thomas Pletzinger: Bestattung eines Hundes

Der Roman beginnt so:

Lugano, 10. August 2005
Meine liebe Elisabeth,
Du willst wissen, wo ich gewesen bin? Ich schicke Dir sieben Postkarten und einen Stapel Papier, 345 Seiten. Dieser Stapel handelt von mir. Und von der Erinnerung und der Zukunft. Ich habe den ganzen Nachmittag gelesen und geordnet. Du hattest Recht, Elisabeth: Svensson ist ein seltsamer Mann, und: ja, es gibt hier eine Geschichte, Svenssons Kinderbuch ist davon nur das letzte Kapitel. Er hat einen ganzen Geschichtenkoffer mit sich herumgetragen, einen Koffer voll …
[Motiv: Volksparkstadion Hamburg, Luftaufnahme, 1999]

Jaaah! Was für ein Buch! Der Journalist Daniel Mandelkern fährt an den Luganer See, um ein Portrait des dort lebenden Kinderbuchautors Svensson zu schreiben. Mit ihm treffen die schöne Finnin Tuuli und ihr kleiner Sohn dort ein. Svensson hat seine Geschichte, Mandelkern seine eigene.
Hier wird nicht gekleckert. Hier wird geklotzt; es wird geraucht, gesoffen, gefickt, geschlachtet, geblutet, wir sind am Luganer See, in New York, Brasilien, Deutschland, Finnland, es wird geliebt und gehadert und eigentlich erstaunlich wenig verzweifelt, es wird intensiv gelebt und auch ein bisschen gestorben, und in keinem Moment zuviel von all dem. Die Geschichte ist von zwingender Üppigkeit, die Bilder sehr groß, die Figuren alle gerade so ein bisschen seltsam, dass sie eigentlich ganz normal sind, was ist schon normal. Was für eine Wucht, es haut einen um, im besten Sinne.
Sprachlich sind die beiden ineinander verwobenen Geschichten brillant gespiegelt, Mandelkerns Hadern mit sich selbst und seiner Ehe auch stilistisch ein Zögern (seine stichwortartigen Ergänzungen in Klammern), Svenssons rasantes Leben dagegen viel temporeicher, man liest tatsächlich die Svensson-Passagen schneller. Ich bin geradezu überwältigt, mir fehlen die Formulierungen für einen angemessenen Kniefall. Herr Pletzinger: meine Verehrung.
Unglaublich gutes Buch, lesen! Ach ja, und was man natürlich auch gut lesen kann, ist sein Blog, das ich gerade jetzt erst entdeckt habe.
Pletzinger kommt im Regal zwischen Floridor Perez und Theodor Plievier.

PS: Schrieb ich im letzten Eintrag etwas über mein schlechtes Gedächtnis? Thomas Pletzinger war vor einem Jahr bei Kaffee.Satz.Lesen, da habe ich das Buch gekauft und signieren lassen, er schrieb:

Was genau bedeutet Jaaah?

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