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Tiere essen

Wo ich jetzt an diesem Buch übers Tiereessen arbeite, muss ich immer wieder daran denken, wie wir letztes Jahr im Sommerurlaub in England so viele Weiden mit Schweinen gesehen haben. Überall Schweine im Freien, auf großen Koppeln, sagt man Koppel? Weide eher nicht, denn da war kein Gras, es waren große Matschfelder, Schweine graben ja alles um. Auf den Matschfeldern waren reichlich Koben, man sagt Koben, oder? So runde Wellblechhütten, in die die Schweine sich zurückziehen können, wenn sie niemanden sehen möchten, oder wenn es regnet, nehme ich an. Oder mögen Schweine Regen? Ich habe keine Ahnung von Schweinen, ich weiß nicht mal, wie ihre Wohnungen heißen, und bei jeder Schweinekoppel oder -weide fiel mir auf, dass man in Deutschland nie Schweine sieht, niemals nicht, nirgends, und wenn doch, dann ist das wirklich ein Ereignis und eine große Ausnahme. Dabei essen wir doch so unglaubliche Mengen von Schweinefleisch, wo sind all die Schweine? Ich meine, wir sehen auch nicht so viele Kühe, wie wir essen, und bei Hühnern haben wir zumindest eine Ahnung, wo sie sind und wie es ihnen geht. Aber es muss doch auch Bioschweine geben, wo sind die? Auch alle im Stall?

Ich hoffe übrigens, Ihr rechnet es mir an, dass ich Euch nicht mit lauter Einträgen über das Thema beglücke. Ich könnte nämlich viel mehr. Soll ich? Ich könnte zum Beispiel gelegentlich ein paar Zahlen bloggen. Sowas wie: für ein Pfund Schrimps werden bis zu 13 Kilo Beifang tot wieder ins Meer gekippt. Das ist schon beeindruckend, und man fragt sich, ob man wirklich so dringend Shrimps essen muss.
So sieht’s aus: ich esse furchtbar gerne Fleisch. Und ich bin jetzt 40 Jahre lang prima mit der Einstellung "will ich gar nicht wissen" zurechtgekommen. Aber wenn man das alles so liest – oder schon vorher, nämlich sobald man seinen Kopf einschaltet – müsste man eigentlich sofort damit aufhören. Zumindest radikal reduzieren und den Rest nur noch Bio. Ich sollte endlich meine Petition Biomarkt für Borgfelde einreichen.

Link  *  11.03.10 13:51  *  comment

 

groyne, 11. März 2010 14:21:55 MEZ
Radikal reduzieren ist sicher eine gute Idee. Das mit dem Biogetier ist so eine Sache. Ich finde eine ganz gute Einführung zum Thema Tierhaltung hat mein Autorenfreund Sven Jaax neulich für den NDR zusammgefummelt: www3.ndr.de Da gehen aber die Meinungen sicher auseinander.

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isabo, 11. März 2010 14:49:38 MEZ
Das ist ja zauberhaft: die Küken im Massenstall sind also Stadtkinder, die wollen gar kein Landleben. Is klar.
Darum geht es übrigens auch in dem Buch: wie man sich solche Dinge zurechtlügt (er drückt das allerdings etwas vornehmer aus), weil man im Grunde doch weiß, dass es nicht richtig ist.

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isabo, 11. März 2010 15:15:40 MEZ
Auch so'n Thema: mit welcher Selbstverständlichkeit davon ausgegangen wird, dass die Welt mit Fleisch versorgt werden muss. "Mit Bio-Hähnchen kriegt man die Welt nicht satt", janee, klar. Aber mit Reis doch vielleicht. Wenn man sich ein bisschen Mühe gibt. Und wieso überhaupt "Hähnchen"? Ich dachte, die Hähne werden alle geschreddert.

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therealstief, 11. März 2010 15:29:23 MEZ
Ja. Reis. Obwohl es in den 50er, 60er Jahren mW nicht klar war, ob die Flächenerträge der Landwirtschaft mit dem weltweiten Bevölkerungswachstum würden mithalten können. Stichwort "Grüne Revolution".

Ich erinnere mich an eine Sonntags-FAZ-Doppelseite im Wissenschaftsteil, auf der eine Reissorte dafür gefeiert wurde, alleine halb Asien vor dem Verhungern gerettet zu haben.

Die konventionelle Landwirtschaft hat Ihre perversen Auswüchse, aber eben nicht nur.

So, Ihr Schweinehirten, ab zum Basitsch!

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isabo, 11. März 2010 15:30:38 MEZ
So, zu Ende geguckt, vielen Dank für den Link!
Botschaft am Schluss: "Bio oder Konventionell - das ist nicht entscheidend. Das Wohlergehen der Tiere steht und fällt mit dem Landwirt, der sie betreut."

Was den Verbraucher, der diesen Film sieht, natürlich einerseits noch ratloser macht als er ohnehin schon ist, und andererseits - äh, ich finde das alles so hübsch. So, als könnte man mit einigermaßen ruhigem Gewissen jedwedes Fleisch essen.

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groyne, 11. März 2010 21:15:57 MEZ
Hab' ich gern verlinkt.

"[...] - äh, ich finde das alles so hübsch. So, als könnte man mit einigermaßen ruhigem Gewissen jedwedes Fleisch essen."

Ja das hab' ich auch so gesehen. Zum Glück bekehrt er mich nicht: ich esse wirklich gaanz wenig Tier (und wenn bio). Schweine sind irgendwie bei mir ganz out. Neulich gab es mal eine Hirschsalami.

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Schilftroete, 11. März 2010 14:31:45 MEZ
Biofleisch (und natürlich sehr viel weniger!) ist immerhin ein Schritt in die richtige Richtung, genau wie Eier aus Freiland- oder Biohaltung, auch wenn die männlichen Küken da genauso geschreddert oder vergast werden. ("Erzeugt" werden die Küken alle in denselben Fabriken, bloß vegetieren die einen hinterher in Legebatterien, oder wie es seit neuestem heißt, in KLeingruppenhaltung vor sich hin und die anderen haben ein klein wenig mehr Platz und sehen in ihrem Leben vielleicht mal einen Grashalm.)
Und ich finde, du darfst ruhig noch mehr über dieses Thema bloggen, liebe Isa.

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Zeilensturm, 11. März 2010 15:07:57 MEZ
"Ich sollte endlich meine Petition Biomarkt für Borgfelde einreichen."
... und zwar hier: www.nexthamburg.de.
Danichfür.

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Maximilian Buddenbohm, 11. März 2010 15:54:31 MEZ
Wenn Du in Deutschland ein Schwein siehst, bevor es verschnitzelt ist, dann ist es ein Bioschwein. Oder Insasse eines Streichelzoos.

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isabo, 11. März 2010 16:01:33 MEZ
Das war ja gar nicht die Frage, die Frage war: warum sehe ich keins?

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isabo, 11. März 2010 16:04:40 MEZ
@Zeilensturm: Naja, es gibt einen großen Biosupermarkt in der langen Reihe und einen kleinen Bioladen am Hammer Park. Da wäre meine Petition wohl lächerlich. Ich bin nur so grässlich faul, dass ich doch immer wieder nebenan bei Penny und Aldi kaufe.

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cats, 11. März 2010 17:41:51 MEZ
Mitte der 90er, als ich noch zugezogene Schleswigerin war, kam dort der Trend auf, Schweine im Freien zu halten. Riesige Wiesen, die sich innerhalb weniger Wochen in Suhlen und graue Ödnis verwandelten, aber den Schweinen hat's sicher gefallen. Von der olfaktorischen Belästigung Vorbeifahrender fange ich mal gar nicht an. :) Ob es diese Koppeln noch gibt - keine Ahnung. Hier unten hab ich jedenfalls noch kein Hausschwein freilaufend gesehen. Aber Wildschweine, zu hauf.
Shrimps ist ja auch so eine Sache, wußte ich bis vor kurzem nicht: Die frisch gefangenen Nordseekrabben werden gebrüht, tiefgefroren, mit dem Lkw nach Marokko gefahren, dort von Hand gepuhlt, verpackt und mit dem Lkw wieder nach Deutschland gefahren und auf die Supermärkte verteilt. Ich weiß schon, warum ich die seit Jahr und Tag nur frisch vom Kutter kaufe und selber puhle. Diese Handarbeit ist in Deutschland nicht zu bezahlen.

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isabo, 11. März 2010 17:45:07 MEZ
Ja, da simmer doch froh, dass wir die 13 kg Beifang nicht auch noch mitbezahlen müssen. (Ein Teil wird, glaube ich, auch in Polen gepult.)

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isabo, 11. März 2010 17:45:47 MEZ
Titelschutzanzeige: Hiermit beantrage ich Titelschutz auf den Romantitel "Pulen in Polen" in allen Darreichungsformen und Packungsgrößen.

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kid37, 11. März 2010 17:56:57 MEZ
Für Snuten un Poten kommen Sie jedenfalls zu spät.

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Irene, 11. März 2010 17:48:49 MEZ
Ein Onkel von mir hatte Schweine, ich hab das immer Schweinefabrik genannt, weil man die Tiere (ganz anders als die Rindviecher meines Cousins) nie zu Gesicht bekam.

Es ist die Angst vor Seuchen. Mein Onkel ließ keinen rein außer seinem Sohn und den Tierarzt, vor der Tür stand eine Desinfektionswanne.

Vielleicht gibt es bei der Schweinehaltung nur Entweder-Oder: Draußen suhlen oder hinter Schloss und Riegel.

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strandfynd, 11. März 2010 20:31:53 MEZ
Ich esse so gute wie nie fleisch. Einmal alle sechs Monate, vielleicht. Aber du hast Recht...bio-Schweine habe ich bisher nur im Garten von Freunden an der Nordsee gesehen...die sie halten, weil sie einen Kinder-Ferienhof betreiben,

Hier, sehe ich Schweine nur in diesen LKWs auf der Autobahn. *schnüff*

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texas-jim, 12. März 2010 13:29:16 MEZ
Ich kenne zumindest einen Betrieb, im Alten Land bei Buxtehude, der Schweine in Freilandhaltung aufzieht. Das Gut Daudieck.

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isabo, 12. März 2010 14:32:02 MEZ
Oh, sehr schön, danke! Da kann man auch gleich ein paar Vokabeln lernen. Nix Koben, die Dinger heißen offenbar "Hütten". Hihi.

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