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Bauernhof

Irgendwie haben wir doch alle dieses romantische Bild vom Bauernhof im Kopf, mit glücklichen Kühen, Schweinen, Hühnern und Pferden, vielleicht ist vor dem Hof ein kleiner Teich mit Enten drauf, und abends quaken die Frösche. Wahrscheinlich ist Frühling, Schmetterlinge tanzen in der Luft, auf den Feldern ringsumher blühen Kornblumen und Klatschmohn, und wenn die Bauernfamilie mit den gesunden roten Bäckchen in aller Herrgottsfrühe aufsteht, um von Hand ein paar Kühe zu melken, sind über Nacht vielleicht auch wieder ein paar süße, kleine Lämmchen geboren. Abends toben die Kinder mit ihren Freunden von den umliegenden Höfen noch ein bisschen im Heu herum. Sicher, wir wissen auch, dass Oma sonntags einem Huhn den Kopf abschlägt. Das ist dann nicht so schön, aber es gehört nun mal dazu, und wir essen auch gern einen schönen Braten.

Warum ist das so? Ich glaube, weil unsere Kinderbücher voll damit sind. Die für die ganz Kleinen, die Bilderbücher. Danach hört das auf, oder? Wie kommt das? Warum sind unsere Bilderbücher voll mit etwas, das weder mit der Lebenswirklichkeit der Kinder zu tun hat, noch in irgendeiner Weise mit der Realität verwandt ist? Die paar Biohöfe sind ja wirklich die Ausnahme. In anderen Lebensbereichen gaukeln wir den Kindern doch auch nicht den Zustand von vor hundert Jahren vor. Man könnte glatt glauben, Bilderbücher würden von der Fleischindustrie in Auftrag gegeben (außer denen, die von der Baufahrzeugeindustrie in Auftrag gegeben werden). Zwar sagt man den Kindern im Bilderbuch noch nicht so direkt, dass die süßen Tierbabys später gegessen werden, aber man legt ein Samenkorn in ihre Seele, die dieses idyllische Bauernhofbild auch Jahre später noch produziert, wenn sie ihr Fleisch selber kaufen. Die Sehnsucht der Bilderbuchzeichner nach heiler Welt in allen Ehren, aber gibt es eigentlich auch etwas realistischere Bücher darüber, wo das Fleisch herkommt? Ja, schon gut, das will niemand sehen, aber warum bringen wir unseren Kindern sowas Falsches bei?

Link  *  19.03.10 18:57  *  comment

 

strandfynd, 19. März 2010 19:44:15 MEZ
Ich glaube man möchte das sein Kind so behütet von allem bösen wie möglich aufwächst, und verschweigt daher (mit besten Intentionen) billigend Tatsachen. Es gibt ja auch keine Kinderbilderbücher in denen Vati das Kind missbraucht, es gibt aber wohl Bücher in denen dann der Fremde auftaucht der mit Hundewelpen und Bonbons Kinder gelockt werden sollen....
(Ja, es ist mir klar das das ein krasser Vergleich ist. Aber ein realistisches Kinderbuch übers schlachten wäre auch nicht weniger schön, denk ich.)

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isabo, 19. März 2010 19:48:17 MEZ
Ja, aber man könnte es ja auch einfach verschweigen. Die Welt ist ja auch nicht voll mit Kinderbüchern darüber, dass Mama und Papa alle Kleider selbernähen. Wo die Kleider herkommen, oder die Spielsachen, ist einfach kein Thema in Kinderbüchern.
(Und ja, auch klar: sie sollen die Tiere überhaupt erstmal kennenlernen. Trotzdem. Mir kommt es vor, als würde da etwas als Tatsache verkauft, was keine ist. Es läuft ja nicht unter "Märchen".)

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strandfynd, 19. März 2010 19:54:52 MEZ
Ist es nicht in den meisten Büchern (wenn sie nicht grade "Meine Freundin arbeitet im Supermarkt" von Pi*i heissen) generell kein Thema wo die Dinge eigentlich herkommen?

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isabo, 19. März 2010 20:08:13 MEZ
Das Thema der Bauernhofbücher ist ja auch nicht direkt "wo das Fleisch herkommt". Ich wunder mich nur, dass das Thema Bauernhof so hartnäckig und verbreitet ist.

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z-i-w-o, 19. März 2010 20:16:45 MEZ
also ich kaufe mein fleisch so
und tatsächlich is da ein 1,5 jähriges rind was geschlachtet werden muß total süß

es gibt ja diese bauernhöfe wirklich
meist nebenerwerbsbetriebe

bei die schafen isses genauso
original wie im kinderbuch

liegt es nich eher an den eltern und nich an die kinderbücher weil die ihr fleisch da kaufen wo alles so fertich abgepackt is mit som schönen zeichen drauf
"alles toll alles super"?

3 minuten steak
3 minuten hähnchenbrust
suppenhuhn für 1,98

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isabo, 19. März 2010 20:33:20 MEZ
Ja, klar gibt es diese Höfe (wieder), aber sie sind eben die Ausnahme. Die meisten Menschen denken nicht wirklich darüber nach, woher ihr Fleisch kommt, und ich glaube, das hängt möglicherweise damit zusammen, dass wir im Hinterkopf dieses idyllische Kinderbücherbild haben.

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z-i-w-o, 19. März 2010 20:52:55 MEZ
nein die meisten menschen denken fleisch wär eine ware
und die wird befriedicht von die industrie weil die verkaufen wollen

die leute wollen in 4 minuten kochen
die pappschachtel wechwerfen
und dann ruhe haben

die industrie macht nur was die leute wollen

die leute wollen kein geschlachtetes tier sehen
die wollen portionen wo sie verarbeiten können

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Maximilian Buddenbohm, 19. März 2010 20:53:57 MEZ
Kinderbücher sind nicht nur Heile Welt, wenn man etwa an Umweltthemen denkt, fängt die Aufklärung da sehr, sehr früh an. Ebenso gibt es Bilderbücher über Streit, Neid, andere schwierige Themen etc. Sogar über Obdachlose.Alles mögliche. Über die wahre Herkunft des Fleisches aber meines Wissens nicht.

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z-i-w-o, 19. März 2010 20:57:40 MEZ
wenn die leute leber kaufen is das ein völlich vom tier losgelöstes etwas
es is ein produkt was in die pfanne geschmissen wird

der zusammenhang tiermorden und fressen is das schlimmste was du denen antun kannst

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Schilftroete, 20. März 2010 12:31:28 MEZ
Als ich neulich für die Kleine einer Freundin ein Geschenk kaufen wollte, hatte ich genau so ein leicht pädagogisch angehauchtes Bilderbuch zum Thema Bauernhof in der Hand. In wunderbar gezeichneten Bildern wurde die Entwicklung eines Kükens im Ei beschrieben: wie es wächst, gedeiht und anschließend mit großem Kraftaufwand von innen die Schale aufpickt. "Willkommen auf der Welt, kleines Küken", lautete der letzte Satz. Ich habe das Buch weggelegt und mich für eins zu einem anderen Thema entschieden.

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