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Mittwoch, 25. Januar 2006
Burns Day

Am 25.01.1759 wurde Robert Burns geboren, und das wird in Schottland bis heute mit Burns Suppers gefeiert. Zu essen gibt es natürlich Haggis, einen gefüllten Schafsmagen mit – ach, man will es gar nicht so genau wissen. Innereien und so, glaube ich. Dazu isst man Neeps ’n’ Tatties (Turnips and Potatoes) und zum Nachtisch lecker Trifle. Selbstverständlich alles mit reichlich Whisky.
Ein Dudelsackspieler begleitet den Koch, der den Haggis feierlich in den Saal trägt (Piping the Haggis in) und ihn auf den Tisch stellt. Jemand deklamiert Burns’ „Address to a Haggis“, wobei dem Haggis im richtigen Moment mit dem Messer der Garaus gemacht wird („An' cut you up wi' ready sleight“). Nach dem Essen werden Reden gehalten: „The immortal memory“, eine Rede über Robert Burns. Dann die „Address to the Lassies“, ein Loblied auf die anwesenden Damen. Und schließlich die „Answer on behalf of the Lassies“, die normalerweise etwas schnippische Antwort der Damen. Und natürlich werden Burns-Gedichte rezitiert und Burns-Lieder gesungen. Das ganze wäre fürchterlich kitschig, wären nicht die Schotten Meister der Selbstironie.

Vor drei Jahren brachten wir Haggis aus Schottland mit und luden Ende Januar fünf Freunde ein. Einen aus Coesfeld, vier aus Münster. Die Münsteraner riefen aus dem Auto an, etwa zehn Minuten bevor sie hätten ankommen sollen – die Straßen seien so spiegelglatt, dass sie wieder umdrehen müssten. Wir hatten nun aber zwei Haggisse im Ofen und jede Menge Neeps ’n’ Tatties auf dem Herd stehen. „Ich hab da“, sprach der lustige Mann, „drei neue Kollegen. Kann sein, dass die ein bisschen langweilig sind, aber das wollte ich immer mal ausprobieren. Ich ruf sie mal an.“ Die Kollegen bekamen mächtig Pluspunkte dafür, dass sie alle drei spontan kamen, als Ersatzgäste zu einem Essen, von dem niemand wusste, wie es schmeckt, und von dem wir schon vorher angekündigt hatten, dass es möglicherweise eklig sein könnte.
Wir gaben alles. Keine Reden zwar, aber wir haben den Haggis ingepiped. Der lustige Mann mit dem Dudelsack vorweg, ich mit dem Haggis hinterher. Der lustige Mann spielt ziemlich schlecht Dudelsack. Beziehungsweise eigentlich gar nicht so richtig. Und schon gar nicht im Gehen. Wir marschierten einmal um den Tisch herum, stellten den Haggis ab und addresseten ihn, zwei oder drei Strophen auf Englisch, den Rest auf Deutsch. Ich weiß nicht mehr, welches Lachen schwieriger zu unterdrücken war, das über unsere Show oder das über die betretenen Gesichter unserer Gäste. Die schauten nämlich stumm auf dem ganzen Tisch herum und wussten so überhaupt nichts damit anzufangen. Unsere Erklärung („Das muss so!“) schien sie nicht recht zu befriedigen. Es war sehr schnell sehr klar, das unsere Humöre einfach nicht kompatibel waren – so wurde ich im Laufe des Abends beispielsweise noch darüber aufgeklärt, dass DLRG die Abkürzung für „Den lass ruhig gluckern“ sei. Haha. Wusste ich schon. Fand ich auch total witzig. Als ich zwölf war.
Der Haggis hat übrigens wirklich fies geschmeckt. Dafür waren die Rüben und Kartoffeln aber auch völlig verkocht.
Immerhin haben wir es geschafft, nachdem wir die Tür hinter unseren Gästen geschlossen hatten, erstmal geräuschlos loszulachen, sodass sie es im Treppenhaus nicht hörten. Darauf bin ich einigermaßen stolz.

Dieses Jahr haben wir übrigens Haggis aus Schottland mitgebracht. Mal sehen.

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