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Donnerstag, 9. Februar 2006
Burns Supper

Wie ein Burns Supper abläuft und wie unser erster Versuch war, steht hier.

Gestern also der zweite Anlauf, wir hatten wieder Haggis aus Schottland mitgebracht, allerdings keinen, wie es eigentlich sein soll, gefüllten Magen, sondern eine gefüllte Plastikpelle. Und wieder wussten wir nicht so recht, was damit zu thun sey und wie es schmecken würde – vorsichtshalber hatten wir Würstchen im Kühlschrank.
Was zu thun sey, entschieden Herr Paulsen und die aufgedruckte Anleitung gemeinsam. Leider haben wir unsere Gäste dann furchtbar enttäuscht. Es war eine Katastrophe! Alle hatten damit gerechnet, dass es eklig würde, ja, hatten sich geradezu auf etwas Ekliges gefreut, und dann? Lecker war das! Saugeil sozusagen! Großartig!

Ich habe gerade so absurd viel zu tun, dass ich jetzt keine launige Beschreibung des Abends verfassen kann. Stattdessen gibt’s nur fix die Speisenfolge:

  1. Scottish Broth

Speckwürfel anbraten, aus dem Topf nehmen. Im gleichen Topf ordentlich Lauch, Kartoffeln, ein paar Möhren und Knoblauch in Brühe (kann auch noch bisschen Weißwein rein) totkochen und pürieren. Würzen mit Pfeffer, Salz, Kreuzkümmel und einem Hauch Muskat. Speckwürfel wieder rein. Zum Servieren ein bisschen Petersilie draufstreuen.

  1. Haggis wi’ Neeps ’n’ Tatties

Tatties sind Kartoffeln, die könnt Ihr selbst, hm?

Rübenmus: Steckrüben in Wasser weichkochen, Zwiebeln rein, Wasser abgießen, statt dessen einen Schwapps Milch oder Sahne dazu, pürieren. Kann ruhig ein bisschen stückig bleiben. Würzen mit Pfeffer, Salz (viel) und ein bisschen Muskat. Boah, lecker.


(Der lustige Mann muss beim Rübenkaufen kurzzeitig gedacht haben, es stünde eine Hungersnot auf der Gästeliste. Braucht jemand Rüben? Verschenke an Selbstabholer.)

Haggis: Plastikpelle ab, in fingerdicke Scheiben schneiden und zehn Minuten lang im volle Pulle vorgeheizten Backofen heiß machen. Vorsichtig behandeln, bröselt ein bisschen.


Bild von Herrn Paulsen geklaut.

  1. Trifle

Löffelbiskuits zerkrümeln, mit irgendeinem Alkohol beträufeln (ich hatte noch so superklebrigen, süßen, aber politisch korrekten Himbeer-Erdbeer-Likör). Himbeeren drauf, dann Vanillepudding, dann geschlagene Sahne mit einem Schluck Alkohol drin (Veterano) und Schokoladenstreusel drauf. Als die Streusel halb drauf waren, fiel mir ein, dass Kakaopulver wahrscheinlich schöner ausgesehen hätte, aber da war’s schon zu spät. Wirkt übrigens in einer Glasschüssel am hübschesten, da kann man die Schichten schön sehen.

Man garniere den Abend mit reichlich Whisky, schottischer Musik und wunderbaren Gästen und freue sich hinterher an den Flickrbildern von Herrn Paulsen. Danke Euch allen, was für ein schöner Abend!

Yamm!
(Wie: Kein Jelly im Trifle?)

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Hihi, tatsächlich bin ich beim Trifle-Rezept-Googeln bei Dir gelandet, fand aber die Vorstellung, da Wackelpudding reinzutun, nicht sonderlich verlockend. Ich kenn's auch nur ohne, aber das muss nichts heißen. (Es ist noch genug übrig, wenn Du vorbeikommen magst …)

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Daß Haggis ein Lebensmittel sei, ist ein weit verbreiteter Irrtum. Ursprünglich erfunden wurde das Zeug anläßlich der Highland Games anno dunnemals, als nach einem geeigneten Gegenstand für eine Weitwurf-Disziplin gesucht wurde.

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Ich glaub, mit Paulsen wird jedes Gericht milde gestimmt.

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Danke,

an Frau Isabo und den lustigen Mann! das war ein wunderschöner Abend, kulinarisch sowieso. Die Scottish Broth vorweg perfekt gewürzt, cremig, ein Gedicht (und zwar keines von Burns). Der Mißtrauenshaggis entpuppte sich als echte kulinarische Bereicherung, feinwürzig, von lockerer Konsistenz und begleitet von einem superfluffigen Rübenpüree, in das Frau Isabo zu meiner Freude ein halbes Päckchen Butter und frische Sahne eingearbeitet hatte. Zuvor spielte der lustige Mann auf einem Dudelsack traditionelle Weisen, da wärmte nicht nur der unverschämt gute Whisky, der großzügig gereicht wurde. Natürlich wurde auch Burns gelesen, ein großartiger Dichter, der unter anderem sehr volksnah propagierte, dem kleinen Mann doch die Freude am Ficken zu lassen und den hohen Herren ihre Ländereien. Noch vor dem Dessert überraschte der lustige Mann mit einem Konzert der Extraklasse, er ist ein ausgezeichneter Gitarrist, wirklich unglaublich brilliant, seine schottischen Lieder! Hammer. Und überhaupt, so schön zusammen zu sitzen, mit Frau Isabo, dem lustigen Mann, der Liebsten, Herrn Svensson und dem verehrten Praschl und dann mit klugen Köpfen dummes Zeug zu reden (unter anderem erfanden wir später sehr schöne Titel für Frauenromane), das ist schon ein großes Glück und wärmt das Herz! Vielen Dank!

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Stimmt, Butter war ja auch noch drin in dem Rübenmus! Ich kann auch erklären, warum so viel Butter reinmusste: weil nämlich jemand neben mir stand, der etwas vom Kochen versteht, und der immer sagte: Mehr, mehr! Und da hat er ja wohl auch Recht gehabt.

Danke für die Lobhudelei. Wir werden gerade ganz rot.

Und hier das Burnsgedicht:

Wenn Lords und Prälaten

Wenn Lords und Prälaten mit ihren Soldaten
Europa zur Hölle geschickt,
was bleibt denn dann dem kleinen Mann,
als dass er sich hinlegt und fickt.

Refrain
Mensch, gönnt doch den Armen den Fick, Fick, Fick,
Mensch, gönnt doch den Armen den Fick!
Die Großen haben Silber und Häuser und Land,
die Kleinen haben nichts als den Fick.

Fürst Br-nsch-g so fein fiel in Fr-nkr-ch ein,
die Republikaner zu drücken.
Hätt der Fürst bloß stattdessen es nicht ganz vergessen,
zu Hause die Fürstin zu ficken.

Und über den Rhein und nach Frankreich hinein
Wollte Fritz von Pr-ßen ein Stück.
Doch hätt’ er viel besser, statt in dem Gewässer,
sich nass gemacht bei einem Fick.

Und sogar der K-ser, der schimpfte sich heiser,
schwor Rache und tat sich ganz dick.
Paris nahm das sachte; man lachte und lachte,
empfahl ihm ’nen zünftigen Fick.

Als Kathrin, die Alte, sich Stanislaus krallte,
fiel Polen im Augenblick.
Mag dem Teufel sein Pfahl aus wuchtigem Stahl
Sie strafen mit ’nem höllischen Fick.

Doch Schluss mit dem Streit über neumodisch Zeug,
der Trinkspruch wird sich wohl schicken:
Auf Georg, den King, auf Charlotte, die Queen,
und mögen sie lange noch ficken!

(Robert Burns; Deutsch von Rudi Camerer.)

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ich kann immer noch kaum laufen, so schwer fühle ich mich noch.

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Das muss die Butter gewesen sein. Am Whisky kann's nicht gelegen haben, wir haben ja nicht mal ganz eine Flasche geleert.

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ich habe vermutlich fünf portionen haggis gegessen. davor zwei teller suppe. und hinterher zwei desserts. drei bier. und zusammengenommen ein gerecht engeschenktes wasserglas whisky. gluttony galore! und es hat vermutlich nicht geholfen, dass wir über unsere persönlichen ekel-essen-charts gesprochen haben (durian, curry usw.), über fischstäbchen und rahmspinat für großfamilien, embryo-dumplings und besoffene trecker-anhänger-fahrten über lande. alleine die tischgespräche hätten satt und betrunken gemacht. ja, war ein 1+ - abend

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Last modified: 09.12.13 22:30
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Kommentare
Anderthalbfache Unterstützung!
Christl Klein, vor 8 Jahren
Hm, Tempers Kommentar ist ja
schon von 2008 - ich schätze eher nicht, dass...
isabo, vor 9 Jahren
Zettel's Ingo Maurer Hallo,
ich habe Ihren Beitrag zur Zettel's-Lampe gefunden. Da ich sie gerne...
Christiane Thomaßen, vor 9 Jahren
das ist ein hobby
von mir. antizyklisches kommentieren ;)
fabe, vor 9 Jahren
Das hier ist ja
schon eine Weile her. Hihi.
isabo, vor 9 Jahren
hier war ja neulich
stromausfall. menschen sind merkwürdig.
fabe, vor 9 Jahren
endlich endlich setzt jemand ein
Zeichen gegen das ständige Aussterben schöner Wörter! Da bin ich...
federfee, vor 9 Jahren
Lassen Sie doch vielleicht mal
Ihr Assoziationsmodul überprüfen, das spielt ja geradezu verrückt. Das...
isabo, vor 10 Jahren
Oh, vielen Dank!
isabo, vor 10 Jahren
grosses Lob Liebe Isabo,
bin ueber Meike auf Dich gestossen und finde Deine Texte ganz...
LvO, vor 10 Jahren
Der Verein lebe hoch, anderthalb
mal hoch Bin dabei.
Jolen, vor 10 Jahren
Da spricht mir wer aus
der Seele. Ich gebe mir auch schon seit Jahren...
Cuguron, vor 10 Jahren
Ha, wir haben auch nur
Fangen (hieß einfach "fanga") ohne so ein Hintertürchen gespielt....
Irene, vor 10 Jahren
Meiner hat mir nur von
dem Smiley auf seiner Krone erzählt. Und ob ich...
strandfynd, vor 10 Jahren
Bin gerade erst über das
Interview gestolpert - für mich als Auch-Japanisch-Übersetzerin doppelt und...
frenja, vor 10 Jahren
Beide haben Fahnenmasten, der linke
und der rechte Nachbar. Und beide haben die Deutschlandfahnen...
croco, vor 10 Jahren
das hier geht woanders
nicht besser, aber versuch macht kluch...
don papp, vor 11 Jahren
Ja. Ich habe aber erstens
Schimpfe bekommen für dieses wunderschöne, kühle, coole, elegante, heißgeliebte...
isabo, vor 11 Jahren
Sie wissen aber schon,
dass das hier schöner ausschaut?
leavesleft, vor 11 Jahren
Gute Entscheidung. Trennung in beruflich
und privat ist unpraktisch (für alle Beteiligten) und wenig...
textundblog, vor 11 Jahren
Jo. Dann.
isabo, vor 11 Jahren
Möchten Sie es wissen?
kinomu, vor 11 Jahren
alles gute und auf nach
drüben!
skizzenblog, vor 11 Jahren
ja ja ja!!! ES geht
es geht es geht!!! (aber halt ohne Editieren, wurscht!)...
g a g a, vor 11 Jahren
Ich GLAUBE, ich habe
das Captcha- Dings jetzt weggemacht. Kannst Du es nochmal veruschen?
isabo, vor 11 Jahren

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