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Sonntag, 7. Dezember 2008
Celle macht Männer für Weihnachtseinkäufe fit

Celle. Männer sollen ihre Frauen wieder mit Freude bei den Weihnachtseinkäufen begleiten. Deshalb werde auf dem Weihnachtsmarkt in Celle am kommenden Freitag ein "Shoppingmuffel-Motivationstraining" organisiert, teilte die Stadt am Freitag mit. Der Tageskurs richte sich an Männer, die von ihren Frauen bisher im "Männer-Parking" auf dem Weihnachtsmarkt abgegeben wurden. Dort konnten Männer, die dem Einkaufsstress nicht gewachsen sind, Karten spielen oder Rockmusik hören. Ein Coach soll ihnen nun erklären, wie sie wieder einen Einkaufsmarathon von zwei Stunden durchstehen können. Den Männern soll unter anderem der soziale Aspekt des Shoppens und der positive Einfluss auf die Partnerschaft nahegebracht werden.

dpa. Erschienen am 6. Dezember 2008 im Hamburger Abendblatt

Das ist ja ganz wunderbar, so eine gute Nachricht in der Vorweihnachtszeit. Man muss sich das mal vorstellen. Früher hatten die Celler Männer ja auch Freude an Weihnachtseinkäufen. Sie haben es so richtig genossen, mit ihren Frauen zusammen loszuziehen – natürlich nicht gleichberechtigt, sondern als „Begleitung“ – aber daran hatten sie dann wirklich ihren Spaß, Tüten schleppen, sich durch glitzernde Kaufhäuser voller Menschen und Musik und Gerüche zu schieben, ja, da haben sich die Celler Männer ebenso prächtig amüsiert wie ihre Frauen.
Bis dann dieses schreckliche, kollektiv traumatische Ereignis stattgefunden haben muss. Wir erfahren darüber leider nichts, ich kann mir auch nicht vorstellen, was geschehen sein könnte, dass die Celler Männer auf einmal nicht mehr einkaufen gehen konnten, es muss furchtbar gewesen sein. Die Männeraufbewahrung stellte da natürlich nur ein Herumdoktern an Symptomen dar, man gab die traumatisierten, vollkommen unselbständig gewordenen Männer irgendwo ab, offenbar konnte man sie ja auch nicht allein zu Hause lassen, und da wurden sie dann mit Kartenspielen und Rockmusik bespaßt. Rockmusik! In der Adventszeit! Das muss man sich mal vorstellen, das ist wirklich alles sehr tragisch. Wie gut, dass immerhin die Frauen noch shoppingfähig waren; nicht auszumalen, wenn auch sie von dem Kollektivtrauma befallen worden wären. So gab man den Gatten auf dem Weihnachtsmarkt ab, und hoffte, dass nicht allzu früh die Durchsage „Der betrunkene Karl-Heinz möchte dringend aus dem Skatland abgeholt werden“ durchs Einkaufszentrum schallte.
Aber jetzt macht Celle Schluss mit der Symptombekämpfung. Jetzt wird das Übel an der Wurzel gepackt, es kommt ein Coach und macht die Männer wieder weihnachtseinkaufsfit. Tschakka, Ihr schafft es! Echtjetzma! Ist auch voll toll für die Partnerschaft! Ich sehe den positiven Einfluss auf die Beziehungen schon vor mir, all die glücklich vereinten Paare, wie sie bei Karstadt liebevoll gemeinsam darüber sinnieren, ob Tante Erna dieses Stehrümchen besser gefallen würde oder jenes, oder wer von beiden sich wo aufgeschrieben hat, welche Kleidergröße die kleine Chantal-Cheyenne mittlerweile trägt. Ein einziges, großes, den Himmel lobendes Jauchzen und Frohlocken wird durch Celle schallen. Ein Weihnachtswunder. Schön, dass es so was noch gibt.

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