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Dienstag, 21. Juli 2009
Is a book

Kawakami Hiromi (Ursula Gräfe und Kimiko Nakayama-Ziegler): Herr Nakano und die Frauen.

Der Roman beginnt so:
„Und überhaupt … Reichen Sie mir mal die Sojasoße?“ Herr Nakano wandte sich unvermittelt an mich. Ich war etwas verdutzt, obwohl er bei jeder Gelegenheit „und überhaupt“ sagte.
Wir drei hatten uns zu einem vorgezogenen Mittagessen getroffen. Herr Nakano bestellte ein Menü mit gegrilltem Fleisch und Ingwer, Takeo eins mit gekochtem Fisch, und ich nahm einen Curryreis. Das Ingwerfleisch und der gekochte Fisch wurden sofort serviert. Herr Nakano und Takeo griffen nach den Wegwerfstäbchen, die auf dem Tisch bereitstanden, brachen sie auseinander und fingen an zu essen. Takeo brummelte wenigstens noch „ich fang schon mal an“, aber Herr Nakano begann wortlos, sein Essen in sich hineinzuschlingen.

Die Ich-Erzählerin Hitomi arbeitet in Herrn Nakanos Trödelladen. Außer ihr arbeitet dort noch Takeo, der aber meist unterwegs ist, mit Herrn Nakano zusammen oder auch allein, um Ankäufe für den Laden zu tätigen. Die vierte im Laden ist Herrn Nakanos Schwester Masayo, außerdem gibt es ein paar Stammkunden. Herr Nakano hat eine Frau, die praktisch nicht vorkommt, und eine (oder mehr) Geliebte. Masayo findet mit Mitte Fünfzig die große Liebe, und zwischen Hitomi und Takeo bahnt sich irgendetwas an, von dem die beiden auch nicht genau wissen, was. Oder sich nur nicht trauen, es auszusprechen.
Überhaupt bleibt viel unausgesprochen. Ich weiß nicht, wie ich das finden soll, zum Beispiel werden lauter Geschichten angefangen, aber nicht weitergeführt. Was ist mit der Katze, die immer vor die Tür macht? Taucht irgendwann nicht mehr auf. Die Schale mit dem Groll? Tja.
Außerdem ist entweder die Erzählstruktur ein bisschen wirr, oder irgendwas haut mit der Zeitenfolge nicht richtig hin. Und trotzdem, und obwohl man Hitomi und Takeo manchmal einfach schütteln möchte, berührt es einen, ich habe es gerne gelesen, dieser sonderbare Mikrokosmos komplizierter Menschen hat durchaus eine Faszination. Und man weiß sofort genau, wie es in diesem Laden riecht. Sagen wir: keins der ganz großen Hurra-Bücher, aber nicht schlecht, überhaupt gar nicht.
Ich habe das Buch übrigens deswegen gelesen, weil Kawakami meine allererste bezahlte Arbeit im Literaturgeschäft war: ungefähr 1997 oder so, lange bevor ich das erste Buch übersetzte, habe ich für einen deutschen Verlag ein Gutachten über einen Geschichtenband von Kawakami Hiromi geschrieben. Für einen Hungerlohn habe ich mich hingesetzt und wochenlang jede einzelne Vokabel nachgeschlagen, denn flüssig Japanisch lesen konnte ich nie wirklich, und mir dann ein Gutachten aus den Fingern gesogen, ohne die leiseste Vorstellung zu haben, wie solche Gutachten eigentlich aussehen. Ich fand die Geschichten höchst seltsam, konnte nicht recht etwas damit anfangen, habe aber trotzdem gehofft, den Übersetzungsauftrag zu kriegen. Der Verlag hat die Rechte dann nicht gekauft, und heute bin ich froh, dass ich gar nicht erst angefangen habe, aus dem Japanischen zu übersetzen.
Meine erste deutsche Kawakami Hiromi kommt im Regal zu den beiden japanischen zwischen Kawabata Yasunari und Niko Kazantzakis.

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