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Freitag, 8. Januar 2010
Is a book

Michael Köhlmeier: Idylle mit ertrinkendem Hund

Das Buch beginnt so:
Nur drei meiner Bücher hat Dr. Beer lektoriert. Die Arbeit am vierten brach er ab – wie er mir in einem handgeschriebenen Brief mitteilte, „nach gesundheitlichen Erwägungen“. Ich weiß es besser. Er schämte sich vor mir – wegen der Ereignisse, die während unserer letzten gemeinsamen Arbeit vorgefallen waren: die Geschichte mit dem Hund. Kann sein, dass es ihm nicht recht ist, wenn ich diese Geschichte hier erzähle. Aber: Er war nicht nur mein Lektor, sondern auch mein Lehrer, und er hatte stets betont, Literatur, die auf irgendetwas oder irgendjemanden Rücksicht nehme, sei nichts wert.

Der Lektor ist überhaupt ein kluger Mann, scheint’s. Er besucht den Autor bei sich zu Hause, um gemeinsam am aktuellen Buch arbeiten zu können; ein Novum, sonst hat man sich immer im Verlag getroffen. Jetzt reist der Lektor also an und wird ein paar Tage bleiben.
Wenn Autoren über Autoren schreiben, bin ich immer erstmal ungehalten. In diesem Fall ist das aber etwas anderes, denn das ist gar kein Roman, wie ich dachte. Oder höchstens so halb. Ob es den Lektor wirklich gibt und die Geschichte mit dem Hund wirklich passiert ist: keine Ahnung. Aber der Schriftsteller in diesem Buch ist Köhlmeier selbst; seine Frau heißt, wie seine Frau wirklich heißt, ebenso die vier erwachsenen Kinder. Seine Tochter Paula ist mit 21 Jahren bei einer Bergwanderung tödlich verunglückt, und das wird in diesem Buch mit verarbeitet. Aber nicht nur, wie der Klappentext glauben macht. Es geht ebenso um das Verhältnis zwischen Autor und Lektor, und das auf hohem Niveau. Der Klappentext (und das, was überall steht) ist überhaupt doof, denn der Spaziergang, der dort verkündet wird, beginnt auf Seite 90 von 110. Das will man doch gar nicht vorher wissen. Und was dann noch im Klappentext steht, ist schon Interpretation, nicht neugierigmachender inhaltlicher Teaser. Ich finde so was ärgerlich. Also: Klappentext nicht lesen, Buch aber sehr wohl lesen.
Denn auch wenn ich mir das Ende irgendwie noch ein bisschen intensiver gewünscht hätte, ist das sicher eines der besten Bücher der letzten Jahre. Es hat das, was ich den Rhythmus von Prosa nenne, also keinen Beat wie Lyrik, sondern ein unterschwelliges Rauschen, wie ein Fluss oder so etwas, ein Treiben, das einen reinzieht und mitnimmt; schwer zu benennen und zu packen, aber unverkennbar da. Ein Sog. Und dann sind auch noch so viele kluge Gedanken drin. Und so schöne Bilder. Lesen!

Köhlmeier kommt im Regal zwischen Alexander Kluge und Ralf König.

Danke an Egomaat und Anke für den Tipp und an Mona Lisa für das Geschenk!

Auch schön: "Spielplatz der Helden" vom selben Autor. Auch da tritt er selber auf, ohne dass es stört.

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gerade gelesen, auf deine empfehlung hier. vielen dank!

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Da nich für, wie der Hamburger sagt! (Ich freu mich immer sehr über solche Rückmeldungen.)

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Last modified: 09.12.13 22:30
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Kommentare
Anderthalbfache Unterstützung!
Christl Klein, vor 4 Jahren
Hm, Tempers Kommentar ist ja
schon von 2008 - ich schätze eher nicht, dass...
isabo, vor 5 Jahren
Zettel's Ingo Maurer Hallo,
ich habe Ihren Beitrag zur Zettel's-Lampe gefunden. Da ich sie gerne...
Christiane Thomaßen, vor 5 Jahren
das ist ein hobby
von mir. antizyklisches kommentieren ;)
fabe, vor 5 Jahren
Das hier ist ja
schon eine Weile her. Hihi.
isabo, vor 5 Jahren
hier war ja neulich
stromausfall. menschen sind merkwürdig.
fabe, vor 5 Jahren
endlich endlich setzt jemand ein
Zeichen gegen das ständige Aussterben schöner Wörter! Da bin ich...
federfee, vor 5 Jahren
Lassen Sie doch vielleicht mal
Ihr Assoziationsmodul überprüfen, das spielt ja geradezu verrückt. Das...
isabo, vor 5 Jahren
Oh, vielen Dank!
isabo, vor 6 Jahren
grosses Lob Liebe Isabo,
bin ueber Meike auf Dich gestossen und finde Deine Texte ganz...
LvO, vor 6 Jahren
Der Verein lebe hoch, anderthalb
mal hoch Bin dabei.
Jolen, vor 6 Jahren
Da spricht mir wer aus
der Seele. Ich gebe mir auch schon seit Jahren...
Cuguron, vor 6 Jahren
Ha, wir haben auch nur
Fangen (hieß einfach "fanga") ohne so ein Hintertürchen gespielt....
Irene, vor 6 Jahren
Meiner hat mir nur von
dem Smiley auf seiner Krone erzählt. Und ob ich...
strandfynd, vor 6 Jahren
Bin gerade erst über das
Interview gestolpert - für mich als Auch-Japanisch-Übersetzerin doppelt und...
frenja, vor 6 Jahren
Beide haben Fahnenmasten, der linke
und der rechte Nachbar. Und beide haben die Deutschlandfahnen...
croco, vor 6 Jahren
das hier geht woanders
nicht besser, aber versuch macht kluch...
don papp, vor 6 Jahren
Ja. Ich habe aber erstens
Schimpfe bekommen für dieses wunderschöne, kühle, coole, elegante, heißgeliebte...
isabo, vor 6 Jahren
Sie wissen aber schon,
dass das hier schöner ausschaut?
leavesleft, vor 6 Jahren
Gute Entscheidung. Trennung in beruflich
und privat ist unpraktisch (für alle Beteiligten) und wenig...
textundblog, vor 6 Jahren
Jo. Dann.
isabo, vor 6 Jahren
Möchten Sie es wissen?
kinomu, vor 6 Jahren
alles gute und auf nach
drüben!
skizzenblog, vor 6 Jahren
ja ja ja!!! ES geht
es geht es geht!!! (aber halt ohne Editieren, wurscht!)...
g a g a, vor 6 Jahren
Ich GLAUBE, ich habe
das Captcha- Dings jetzt weggemacht. Kannst Du es nochmal veruschen?
isabo, vor 6 Jahren

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