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Sonntag, 6. Juni 2010
Is a book: Unzufrieden

Tim Krohn: Ans Meer.

Der Roman beginnt so:

Während Anna darauf wartete, dass die Gynäkologin ins Behandlungszimmer zurückkam, schloss sie für einen Augenblick die Augen.

Ja, im Ernst. Gynäkologin! Augenblick die Augen! Nein, das ist kein Groschenheft, sondern ein sehr schönes Hardcover aus dem Verlag Galiani, und Katy hat es wärmstens empfohlen, sonst hätte ich es schon nach dem ersten Satz weggelegt. Aber dann kommt ein unausgegorener, schlecht recherchierter Quark über unerfüllten Kinderwunsch, unplausible Handlungen und unplausible Stimmungsumschwünge. Im zweiten Kapitel wechselt die Perspektive, wir folgen jetzt einem Zehnjährigen, der Schwierigkeiten mit seiner chaotischen Mutter hat, und der lauter unplausible Dinge denkt und tut. Und über allem liegt der Schleier eines längst vergangenen Unglücks oder eines längst vergangenen wasweißich, ich will es, ehrlich gesagt, gar nicht wissen und stelle das Buch nach 73 Seiten zurück ins Regal zwischen László Krasznahorkai und Mareike Krügel.

Und lese lieber

Joyce Carol Oates (Silvia Morawetz): Niagara

Diese Empfehlung kam von meiner Lieblingsbuchhändlerin. Es sei so unfassbar spannend, sie habe bis sechs Uhr abends im Schlafanzug auf dem Balkon gesessen. Der Roman beginnt so:

Die zu der Zeit nicht namentlich bekannte Person, die sich in die Hufeisenfälle stürzen sollte, erschien gegen 6.15 Uhr morgens bei dem Brückenwärter an der Hängebrücke zur Ziegeninsel. Es war an diesem Tag der erste Fußgänger.

Da stürzt sich also einer die Niagarafälle runter, und wir erfahren auch bald, warum: weil seine Hochzeitsnacht so grauenvoll war. Weil er und seine Braut so verklemmt und presbyterianisch sind. Die Braut kann nicht glauben, dass er das getan hat, und hält an den Fällen Wache, bis die Leiche nach sieben Tagen (und sieben Nächten! Wer hätte das gedacht!) endlich gefunden wird. Bis dahin sind wir auf Seite 120, wenn wir noch nicht eingeschlafen sind, und haben gefühlte achthundert Mal erfahren, dass die Frau rote Haare hat. Meine Güte, Joyce Carol Oates ist doch nicht irgendwer, ich dachte, man könnte mal was von ihr lesen. Ab ins Regal damit, zwischen Akiyuki Nozaka und Kenzaburo Oe.

Keine Ahnung, warum ich gerade so ungnädig bin, liegt es an mir oder an den Büchern? Ich möchte lieber wieder was lesen, was mich so richtig begeistert, wie Bennett, Rammstedt, Bakker, hat jemand Vorschläge?


ich empfehle nix, lese aber grade murakamis tanz mit dem schafsmann, der mir bei weitem noch nicht so gut gefällt wie mister aufziehvogel, der mich vor drei jahren völlig geplättet hatte.
ich möchte noch nicht sagen, daß ich ihn unglaublich blöd finde.
eventuell liegt es nicht nur an den büchern, sondern auch an der situation, in der man sie liest (tanz mit dem schafsmann beginnt im winter) bzw. an der verfassung in de man sich dabei grade befindet (der protagonist versucht, mit seiner vergangenheit abzuschließen).

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Murakami, ich habe vor ein paar Jahren, als wir in Japan waren, Sputnik Sweetheart (das heißt auf Deutsch so) gelesen, das hat mir gar nichts gesagt, ich erinnere mich nicht mal daran, es war mir total egal. Und 1991 in Japan habe ich Norwegian Wood (keine Ahnung, wie das auf Deutsch heißt) gelesen, aber das ist zu lange her.

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jemand sagte mir, "kafka am strand" sei sein bestes, das fand ich dann aber auch nur so mittel. vielleciht, weil ich pubertätsgeschichten nicht so prickeld finde mit 40+. allerdings war da eine nebengeschichte mit einem alten mann, der die katzensprache konnte und mit hilfe einiger katzen einen katzenmörder verfolgte. das fand ich schön tragikomisch und diese dinge mag ich auch an seinen geschichten.
das jetzt ist in 5 jahren mein dritter murakami. den les ich aber auch nur, weil ich eigentlich "wilde schafsjagd" lesen wollte und mir dann jemand sagte, das sei der 2. teil und ich müsste erst "tanz..." lesen. so gut kenn ich mich also aus mit dem...

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Das Katzendings klingt ja für mich grauenhaft, danke für den Hinweis, dann werde ich das also sicher nicht lesen. Hihi.

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(Neulich habe ich Murakamis Übersetzerin kennengelernt, Ursula Gräfe, nur ganz kurz, aber so sympathisch, dass ich dachte, man könnte vielleicht doch mal. Hm.)

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Das Katzendings hört sich total cheesy an, wenn ichs grade selbst so lese wie ichs geschrieben hab. ist es aber gar nicht. kommt auch in den beiden anderen büchern, die ich von ihm gelesen hab nicht mehr vor - wenns also nicht geht wegen katzencontent dann halt nur den kafka nicht.

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Murakami lesen immer gut. Aber wenn du nicht so wirklich willst, dann klappt es auch nicht. Wie wär's denn derweil mit der "Herrenausstatterin" von Mariana Leky, die hat mich ja neulich wirklich begeistert.
(Dass "Niagara" nix is, dachte ich mir gleich.)

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Ja, gute Idee, das wurde mir ja noch von völlig anderer Seite, nämlich einer Frau mit demselben Vornamen wie Deinem, empfohlen.
Oder das andere, was wir da neulich beide gekauft haben, Kürzere Tage, aber ich habe so eine Ahnung, dass ich da auch gerade keine Lust habe.

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Oha, Joyce Carol Oates, von der hab ich auch mal ein Buch nach 30 Seiten weggelegt, weil das so unfassbar langatmig war. Ich glaub, ich lass das mal mit ihr...

In letzter Zeit (=1,5 Jahre) habe ich viel Alice Munro gelesen und mochte vor allem ihre späten Kurzgeschichtensammlungen sehr gerne.

Grad habe ich das mir sehr oft empfohlene Buch "The Other Hand" von Chris Cleave zu Ende gelesen. Ich war ganz angetan, wenn auch nicht so hingerissen wie andere, die es gelesen haben. Vielleicht gefällt dir sowas?

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Du fandest es naja, ganz nett, aber so toll nun auch wieder nicht, und meinst, ich sollte mal … äh, danke, guck ich mir mal an.
Alice Munro wurde mir schon öfter empfohlen, das sollte ich wohl mal versuchen.

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Ja, stimmt, die Empfehlung für The Other Hand war ein bisschen unlogisch. Fiel mir nur grad ein, weil es ich es grad gelesen hatte.

Ich kann mich erinnern, dass du mal erwähnt hattest, dass du gerne "ruhige" Bücher magst, insofern kann ich die Munro-Empfehlung nur noch einmal bekräftigen, denn ihre Geschichten sind genau das: ruhig, unaufdringlich, aber großartig.

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Was ich nicht verstehe: dass du die Bücher wieder ins Regal stellst. Ich täte sie der Stadtbibliothek schenken oder im Bahnhof vergessen (bookcrossing) oder .. manchmal, wenn mich Bücher ärgern, stopfe ich sie ins Altpapier.

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Selig, die nur Dinge in ihrer Wohnung haben, die sie von Herzen lieben, und alles andere sofort weggeben.

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probier doch mal den neuen Treichel (Grunewaldsee). Mach ich auch gerade und bislang läufts fabelhaft!

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Ha, der stand schon auf meinem Wunschzettel, dann habe ich ihn wieder runtergenommen, weil das Cover so unfassbar hässlich ist. Okay, steht wieder drauf. Danke!

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Das Cover (und auch die Typo) hat mich tatsächlich auch erst verschreckt - hab dann den Umschlag einfach abgemacht! Und dann hab ich gerade von Rolf Lappert "Nach Hause schwimmen" gelesen. Toll. Aber zu lang. 544 Seiten sind nur inAusnahmen erlaubt und machen großartige 283 Seiten Bücher leider oft zu okayen Epen.

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Oh, mein Lieblingsbuchhändler wollte mir ein Rezensionsexemplar von Lapperts neuem Roman schicken, ich habe aber abgewunken, weil das auch wieder so dick ist. Hm, vielleicht noch mal drüber nachdenken.

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Soeben eingetroffen:
Angela Leinen: Wie man den Bachmannpreis gewinnt,
und Katrin Seddig: Runterkommen.

Katrin Seddig habe ich mal in Hamburg gehört und sie so großartig gefunden, dass wir sie zum Kaffee.Satz.Lesen eingeladen haben, wo sie ebenfalls großartig war. Jetzt ist ihr Roman da, ich freu mich drauf, schlage ihn auf, und da beginnt der Klappentext:

Eine Orgie des Menschlichen und Allzumenschlichen: …

Ich habe Angst. Waah!

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(Facebook-Gruppe: Klappentextschreibermörder?)

Habe eben Rushdies Satanic Verses nach ca. 15 Jahren wiedergelesen: Viel Arbeit, aber es lohnt ungemein.

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(Ich hatte den letzten Satz "Ceterum censeo Klappentextschreiber esse delendam" dann doch wieder gelöscht, weil er mir gar zu brutal erschien.)

Anstrengende Bücher dürfen höchstens 150 Seiten haben. Die Satanic Verses haben 600 oder so, das geht nicht.

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Edgar Rai: Nächsten Sommer.
Magnusson, Kristof: Das war ich nicht.

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kennst du denn schon

"hamburger hochbahn" von ulf erdmann ziegler? das gefällt mir sehr gut. es handelt von kunst und architektur, spielt in st. louis und hamburg. und ist sehr intelligent.
viele grüße!

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Danke! Kristof Magnusson habe ich schon gelesen, die anderen gucke ich mir mal an. Von Ulf Erdmann Ziegler habe ich immerhin schon mal gehört, Edgar Rai sagt mir gar nichts. Danke!

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Kommentare
Anderthalbfache Unterstützung!
Christl Klein, vor 4 Jahren
Hm, Tempers Kommentar ist ja
schon von 2008 - ich schätze eher nicht, dass...
isabo, vor 5 Jahren
Zettel's Ingo Maurer Hallo,
ich habe Ihren Beitrag zur Zettel's-Lampe gefunden. Da ich sie gerne...
Christiane Thomaßen, vor 5 Jahren
das ist ein hobby
von mir. antizyklisches kommentieren ;)
fabe, vor 5 Jahren
Das hier ist ja
schon eine Weile her. Hihi.
isabo, vor 5 Jahren
hier war ja neulich
stromausfall. menschen sind merkwürdig.
fabe, vor 5 Jahren
endlich endlich setzt jemand ein
Zeichen gegen das ständige Aussterben schöner Wörter! Da bin ich...
federfee, vor 5 Jahren
Lassen Sie doch vielleicht mal
Ihr Assoziationsmodul überprüfen, das spielt ja geradezu verrückt. Das...
isabo, vor 5 Jahren
Oh, vielen Dank!
isabo, vor 5 Jahren
grosses Lob Liebe Isabo,
bin ueber Meike auf Dich gestossen und finde Deine Texte ganz...
LvO, vor 5 Jahren
Der Verein lebe hoch, anderthalb
mal hoch Bin dabei.
Jolen, vor 6 Jahren
Da spricht mir wer aus
der Seele. Ich gebe mir auch schon seit Jahren...
Cuguron, vor 6 Jahren
Ha, wir haben auch nur
Fangen (hieß einfach "fanga") ohne so ein Hintertürchen gespielt....
Irene, vor 6 Jahren
Meiner hat mir nur von
dem Smiley auf seiner Krone erzählt. Und ob ich...
strandfynd, vor 6 Jahren
Bin gerade erst über das
Interview gestolpert - für mich als Auch-Japanisch-Übersetzerin doppelt und...
frenja, vor 6 Jahren
Beide haben Fahnenmasten, der linke
und der rechte Nachbar. Und beide haben die Deutschlandfahnen...
croco, vor 6 Jahren
das hier geht woanders
nicht besser, aber versuch macht kluch...
don papp, vor 6 Jahren
Ja. Ich habe aber erstens
Schimpfe bekommen für dieses wunderschöne, kühle, coole, elegante, heißgeliebte...
isabo, vor 6 Jahren
Sie wissen aber schon,
dass das hier schöner ausschaut?
leavesleft, vor 6 Jahren
Gute Entscheidung. Trennung in beruflich
und privat ist unpraktisch (für alle Beteiligten) und wenig...
textundblog, vor 6 Jahren
Jo. Dann.
isabo, vor 6 Jahren
Möchten Sie es wissen?
kinomu, vor 6 Jahren
alles gute und auf nach
drüben!
skizzenblog, vor 6 Jahren
ja ja ja!!! ES geht
es geht es geht!!! (aber halt ohne Editieren, wurscht!)...
g a g a, vor 6 Jahren
Ich GLAUBE, ich habe
das Captcha- Dings jetzt weggemacht. Kannst Du es nochmal veruschen?
isabo, vor 6 Jahren

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