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Sonntag, 15. August 2010
Fit und Well (16): Osteopathie

Neulich war ich mal überhaupt nicht fit und well, sondern hatte Rücken. An dem betreffenden Sonntag lag ich auf demselben, statt Kubb zu spielen, Montag war es ein kleines bisschen besser, aber noch überhaupt gar nicht gut, und so blieb es bis Mittwoch. Da ich am Donnerstag für vier Tage verreisen wollte, passte mir das gar nicht. Ich habe hin- und herüberlegt, ob ich die Reise absage, ob ich einen Koffer tragen kann, dass ich ihn jedenfalls sicher nicht ins Gepäcknetz heben kann, ob ich es mir antue, drei Tage auf Stühlen zu sitzen und Vorträge zu hören und zu workshoppen – und dann habe ich mir für Donnerstag Morgen kurzentschlossen einen Termin bei einer Osteopathin geben lassen.
Was ich über Osteopathie gehört hatte, war, dass das total toll sei und bei verschiedensten Leuten Wunder gewirkt habe und bei Rückentheater nichts so gut helfe wie Osteopathie. Was ich nicht gehört hatte, war, was das überhaupt ist. Ich erwartete irgendwas zwischen Krankengymnastik und Massage.
Tatsächlich musste ich mich erstmal ausziehen, und die behandelnde Dame betrachtete mich eine Weile von hinten. Dann musste ich mich auf eine Liege legen, auf den Rücken, und sie schob mir die Hände unter den Rücken. Und dann lag ich da auf ihren Händen. Minuten später verschob sie eine Hand ein wenig. Ich fragte, was denn da jetzt passiert, was sie da macht, da sagt sie, sie behandelt mein Zwerchfell, denn wenn das verspannt ist, verspannt alles, oder so ähnlich. Ich fühlte mich gründlich verarscht, denn sie behandelte ja gar nichts, sondern sorgte im Gegenteil noch dafür, dass ich mit meinem schmerzenden Rücken schief auf ihren Händen lag, und das weiß sogar ich, dass man, wenn man eh schon verzogen ist, nicht auch noch schief auf was draufliegen darf. Irgendwann nahm sie ihre Hände unter meinem Rücken weg und ging an meine Füße, legte mir die Hände an die Füße, an die Waden, ließ sie jeweils minutenlang dort liegen. Kein Druck, keine Massage, gar keine Bewegung, nur Berührung. Meine Füße sind ziemlicher Schrott, der Fachmann sagt Hallux Valgus, ich sage: aua. Und zwar aua-aua-aua. Nicht von der Osteopathie, sondern immer, vom Laufen, vom Nichtlaufen, vom Schuhetragen, und vom Barfußgehen erst recht.
Zum Schluss betrachtete sie mich wieder von hinten und meinte: schon viel besser. Und dass meine Rückenprobleme von den Füßen kämen, weil ich da eine Schonhaltung einnehme und irgendwie schief und krampfig gehe, und das pflanze sich fort nach oben, ins Becken und dann in den Rücken. Das war das erste, was sie wirklich sagte, und das erste, was mir plausibel vorkam.
Aber die Behandlung selbst war wirklich ein Witz. Ich sollte allerdings im Ernst dafür bezahlen, und zwar gar nicht so wenig.
Nachmittags nahm ich meinen Koffer, zog ihn die meiste Zeit zwar hinter mir her, trug ihn aber auch Treppen rauf und runter und in den Zug und wieder raus und quer durch Göttingen und hob einen anderthalbjährigen Wonneproppen hoch und setzte ihn runter und wieder und wieder und trug ihn ein Stück und spielte mit ihm und hockte auf dem Boden im Sand und beugte mich runter und versuchte noch aus Gewohnheit, das alles ein bisschen vorsichtig zu machen, aber es ging wunderbar und war gar kein Problem. Und am nächsten Tag fuhr ich von Göttingen nach Wolfenbüttel zur Tagung und verschwendete dort keinen einzigen Gedanken mehr an meinen Rücken, denn da war kein Schmerz, nirgends.

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