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Mittwoch, 25. August 2010
Is a book

Zoë Beck: Das alte Kind

Der Roman beginnt so:

Berlin, September 1978
Carla musste lachen. „Das ist nicht mein Kind“, sagte sie.
Die Schwester sah sie erschrocken an. „Ach Gott, das ist mir jetzt aber peinlich!“ Sie nahm Carla den Säugling aus den Armen und beeilte sich, aus dem Zimmer zu kommen.
„Für manche sehen sie alle gleich aus“, sagte die Frau im Bett neben ihr. Schwere Neurodermitis. Carlas Gürtelrose war abgeheilt, sie durfte ihr Kind wiedersehen, und sie hatte sich über eine Woche auf diesen Tag gefreut.

Das Kind, das man ihr jetzt bringt, ist aber nicht ihres. Dummerweise glaubt ihr das niemand. Nicht mal ihr Mann, ein erfolgreicher Pianist, der dauernd unterwegs ist, und das Kind zuletzt im Alter von zwei Wochen gesehen hat. Jetzt ist es sechs Monate alt. Carla wird allgemein für verrückt gehalten, natürlich sei das ihr Kind, heißt es. Und dann stellt sich etwas später auch noch heraus, dass das Kind unter Progerie leidet, einer Art vorschneller Alterung, und nicht besonders alt werden wird. Jetzt nimmt man erst recht an, Carla akzeptiere ihr Kind nicht, weil es krank ist.
Ungefähr dreißig Jahre später wacht in Edinburgh eine junge Frau namens Fiona mit aufgeschnittenen Pulsadern in ihrer Badewanne auf und kann gerade noch rechtzeitig den Notarzt rufen. Sie weiß nicht, was passiert ist, ist sich aber sicher, dass sie das nicht selbst getan hat, sondern jemand sie umbringen wollte. Ihr glaubt ebenfalls niemand.
Und wie das alles zusammenhängt und wer warum wann was getan hat, und warum zwischendurch auch noch Leute totgehen (bzw. totgemacht werden) und gar nicht diejenigen sind, die sie glauben, ist dann wirklich spannend zu lesen. Vor allem, wenn man eh gerade in Schottland ist und das Buch mitnimmt auf Sessions und die passende musikalische Untermalung dazu hat, und in Edinburgh an der Treppe am Scotsman vorbeikommt, und noch mal mit Gänsehaut runterguckt, dann liest sich das herrlich einfach so weg. Ich kenne mich mit Krimis nicht aus, aber das war gut geschriebene, spannende Unterhaltung. Wie auch schon der Vorgänger „Wenn es dämmert“. Madame: wenn ich das nächste Mal nach Schottland fahre, hätte ich gern den nächsten Band. Weißte Bescheid, schreib zu.
Zoe Beck ist übrigens das (nicht besonders geheime) Pseudonym von Henrike Heiland und steht im Regal zwischen Ludwig Bechstein und Jurek Becker.

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Last modified: 09.12.13 22:30
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