Nimmersatt
In der Schule war ich übrigens gar nicht gut in Deutsch. Das lag nicht daran, dass ich nicht gut Deutsch gekonnt hätte, sondern daran, dass ich das sogenannte „Interpretieren“ nicht beherrscht habe, und das beherrsche ich auch bis heute nicht. Manchmal denke ich, ich bin zu doof. Manchmal denke ich aber auch, die Leute, die das können, haben einen an der Waffel.

Neulich ging es in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung um die kleine Raupe Nimmersatt. Susanne Klingenstein schreibt:
Die Raupe, ein Sonntagskind, frisst sich jeden Tag durch eine andere Frucht, deren Zahl mit den Wochentagen wächst. Am Montag durch einen Apfel, am Dienstag durch zwei Birnen, am Mittwoch durch drei Pflaumen. Die durchlöcherten Seiten gewinnen wie die Raupe selbst an Umfang.
Am Samstag endlich ergibt sie sich der Todsünde der Völlerei und frisst sich durch zehn herrliche Dinge: Schokoladentorte, Eis, Käse, Wurst und andere verfeinerte Lebensmittel und wird sofort mit heftigem Bauchgrimmen bestraft. Am Sonntag darauf tut sie Buße, frisst nur ein grünes Blatt, und fühlt sich gleich viel besser. Doch fett ist die Raupe noch immer, und so folgt nun das Purgatorium im Kokon, aus dem sie nach zwei Wochen zum Schmetterling erlöst hervorgeht. Das altgriechische Wort für Schmetterling, „psyche“, bedeutet Hauch, Atem oder Seele. Für Carle ist diese Geschichte „ein Buch der Hoffnung“. Man lernt aus seinen Fehlern und fliegt in verbesserter Fassung mit seinen Talenten in die Welt. Alle Eltern der Welt wünschen sich das für ihre Kinder.
Hallo? Todsünde, Buße, Purgatorium? Nachvollziehbar wäre meinetwegen noch gewesen: Kindheit = Fressen und Wachsen, dann Pubertät = Verpuppung und schließlich als Erwachsene sind wir alle strahlend schön und toll. Is klar.
Aber. Ich kenn mich ja wie gesagt nicht aus, aber kann es nicht – jetzt mal nur so rein theoretisch – sein, dass es in diesem Buch um, äh: Raupen geht? Die kennen die Kinder vielleicht aus dem Garten. Oder darum, dass aus hässlichen, gefräßigen Mistviechern, die die Blumen kaputtmachen, doch noch was Schönes wird. Und darum, dass sie auch ihre Daseinsbrechtigung haben. Oder darum, dass es manchmal am Ende eine Überraschung gibt. Oder es bedeutet: friss dich nur ordentlich voll, dann wird auch was aus Dir.
Todsünde, Purgatorium, echtjetzma. Wahrscheinlich habe ich nur die Ironiemarker übersehen.
Is a book

Ralf König: Der bewegte Mann / Pretty Baby
*Kreisch!*
Die Geschichte, nehme ich an, ist bekannt, da prominent verfilmt mit Til Schweiger und Katja Riemann: Der Hetero Axel wird von seiner Freundin sitzengelassen und sucht in der Schwulenszene Trost. Dort würden ihn auch alle wahnsinnig gerne trösten, aber dummerweise ist er eben doch einigermaßen hetero. Aber nur einigermaßen. Das alles bietet nicht nur Gelegenheit, die sexuellen Probleme der Schwulen- wie der Heteroszene abzuhandeln, sondern auch jede Menge Platz für Albernheiten.
Ich habe diesen Klassiker natürlich nicht zum ersten Mal gelesen, sondern zum ungefähr hundertsten Mal, ich brauchte ein kleines Update in Schwulensprache. Und was soll ich sagen: ich habe mehrfach schallend gelacht, obwohl ich es kannte. Wirklich sehr lustig und zu empfehlen. Und wenn ich einen Vogel hätte, würde ich ihn Schewardnadse nennen.
Ralf König steht im Regal zwischen Alexander Kluge und Wolfgang Köppen.
Home Office
Ich glaube, der mit der Handsäge zwei Balkone weiter und der mit dem Rasenmäher gegenüber haben sich abgesprochen. Immer schön abwechselnd. Aber das war gestern. Heute glaube ich, dass der laute Kran gegenüber mit dem, was auch immer er da tut, bestimmt ungefähr dann fertig ist, wenn mein Hausbesitzer kommt, um die Fensterbank im Schlafzimmer abzuschleifen. Ich will heute Abend die letzten Seiten abgeben und kann morgen schon mit den lektorierten ersten Seiten wieder von vorne anfangen. Dabei werde ich mit meinem Lektor telefonieren und dies und das durchsprechen, während wir neue Fenster eingebaut kriegen. Mich überkommt ein großer Frieden.
Blogbibliothek
Hui, ich wurde erwählt! Ein Blogtext von mir, nämlich "Verabredung mit M", ist jetzt in der grundsympathischen Blogbibliothek zu finden. Im Moment noch auf der Startseite, weil ganz neu, später dann hier. Überhaupt kann man sich die Blogbibliothek gut mal angucken, da sind schöne Sachen drin.
Tippeditipp
Tippeditipp, tipp, tipp,
tippedi-tippedi-tipp.
Tipp, tipp, tippeditipp,
tippedi-tippedi-tipp.
Tipp, tipp, tipp, tipp,
tippeditipp, tippeditipp,
tippedi-tippedi-tipp: tap.
Keine Zeit
… selbst was zu schreiben. Bis ich aus der Versenkung wieder auftauche, könnt ihr stattdessen zum Beispiel Martenstein lesen.
Halt, Moment: Das heißt nicht, dass ich wieder auftauche, wenn Ihr damit durch seid. Ich brauche noch ein bisschen Zeit, in der ich auf einschlägigen Schwulenseiten rumsurfe, ins Nagelstudio gehe, um nach 6,5 cm langen Fingernägeln zu fragen, nebenbei ein bisschen Türkischunterricht bekomme und zur Entspannung Ralf König lese. Auf dem Schreibtisch liegen neben den üblichen Nachschlagewerken "Sex im Volksmund" und zwei Istanbul-Reiseführer und nebenbei höre ich Georgette Dee.
Ach ja, die Hamburger können sich übrigens schon mal den 1.10. freihalten, abends. Da lese ich bei Männerschwarm.
Home Office

Wenn mir vielleicht jemand ein Gläschen Prosecco bringen würde? Gaanz lieb, danke! Stößchen!