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Donnerstag, 30. September 2010
Erkenntnis. Und Tür zu.
Die Erkenntnis ist: Das mit den zwei Blogs funktioniert nicht. Dauernd überlege ich, wohin ich etwas tue, die Trennung in privat und beruflich klappt nicht, und irgendwie will ich das auch gar nicht. Und weil ich da drüben so eine schöne eigene Domain mit meinem eigenen Namen habe und es auch irgendwie mal Zeit für was Neues ist, geht es jetzt also dort weiter. Bitte hier entlang. Blumen und Einweihungsgeschenke bitte gleich drüben abgeben. Danke! Hier ist dann jetzt Schluss.

Tschüss antville! War schön hier, aber jetzt ziehe ich weiter. Ich werde sicher manchmal Heimweh nach dem Ameisenhügel haben. Aber ich hoffe, Ihr kommt alle mit. (Lesezeichen + Blogroll ändern und so. (Na kommt.))

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Montag, 27. September 2010
Flaggen
Vor gut zwei Jahren stand plötzlich ein Flaggenmast hinterm Haus, geflaggt war meistens Deutschland oder Hamburg. Etwa zur gleichen Zeit bekamen wir neue Fenster, daher war unser Vermieter, der im Erdgeschoss wohnt und den Mast bestückt, öfter bei uns in der Wohnung und beaufsichtigte die Handwerker. Wir kamen ins Gespräch, ich sagte, dass ich zwei Tage später Geburtstag hätte, da fragte er, ob ich Besuch bekomme und aus welchem Bundesland. Aus Bayern, sagte ich überrascht, und fragte mich insgeheim, was ihn das eigentlich anging. Bayern, sagte er, die Flagge habe er noch nicht, er habe bisher erst Schleswig-Holstein und Niedersachsen, weil dort die Enkelkinder wohnen. Aber wir sollten ihm jetzt immer sagen, aus welchem Bundesland wir Besuch bekommen, damit er entsprechend flaggen kann. Soweit kommts noch, dachte ich, und sagte vermutlich jaja.
Am nächsten Morgen wehte die Bayernflagge, und mein Besuch konnte kaum glauben, dass sie tatsächlich seinetwegen dort hing.
Wir haben uns daran gewöhnt. Irgendwie ist es ja auch nett, morgens aus dem Küchenfenster zu gucken und sich zu fragen, welches Bundesland das überhaupt ist, und wer wohl Besuch dorther hat. Nicht, dass auch nur einer der Hausbewohner dem Vermieter je Bescheid sagen würde, aber sobald ein fremdes Auto vor der Tür steht, weiß er das und flaggt entsprechend.



Schon länger gibt es auch eine Geburtstagsflagge, und spätestens wenn die hängt, wird man dann wirklich neugierig und möchte wissen, wem sie gilt. Wenn niemand Besuch oder Geburtstag hat, ist meistens Deutschland oder Hamburg geflaggt.

Heute hängt die Deutschlandfahne zum ersten Mal auf halbmast. Ich habe keine Ahnung, warum, und ein bisschen Angst.

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Dienstag, 21. September 2010
Isa veröffentlicht ihre Skype-Protokolle, zweifelt an ihrer Umgangssprache, gibt ein Seminar und überbringt mittendrin Komplimente
[10.09.10 20:41:13] Maximilian: schön auch, wenn man eine übersetzung von dir gleich am ersten satz erkennt :-)
[10.09.10 20:41:31] isa: nämlich?
[10.09.10 20:41:34] Maximilian: da ist ein isa-lieblingswort drin
[10.09.10 20:42:03] isa: welches denn?
[10.09.10 20:42:17] Maximilian: bescheuert
[10.09.10 20:42:24] isa: hihi
[10.09.10 20:42:29] isa: sagt man das sonst nicht?
[10.09.10 20:42:30] Maximilian: das benutzt sonst kein mensch
[10.09.10 20:42:33] isa: echt?
[10.09.10 20:42:34] isa: hm
[10.09.10 20:42:35] isa: sondern?
[10.09.10 20:42:35] Maximilian: aber du dauernd
[10.09.10 20:42:57] Maximilian: irre, meschugge, bemackt, bekloppt, nicht ganz dicht, behämmert etc
[10.09.10 20:43:20] Maximilian: aber bescheuert ist echt exotisch, im schriftdeutsch
[10.09.10 20:43:29] Maximilian: eben isa
[10.09.10 20:43:34] Maximilian: ich mag sowas
[10.09.10 20:43:36] isa: "bemackt" hast Du Dir in dieser sekunde ausgedacht, das gibt es gar nicht
[10.09.10 20:43:48] isa: und meschugge ist ja nun auch ziemlich speziell, viel spezieller als bescheuert
[10.09.10 20:43:51] Maximilian: doch, das ist gerade ziemlich jugendnah
[10.09.10 20:43:56] isa: meschugge?
[10.09.10 20:43:59] Maximilian: bemackt
[10.09.10 20:43:59] isa: quatsch
[10.09.10 20:44:16] Maximilian: meschugge eher aussterbend
[10.09.10 20:44:20] Maximilian: aber schön
[10.09.10 20:44:28] isa: ja
[10.09.10 20:44:31] Maximilian: wie plemplem
[10.09.10 20:44:46] Maximilian: lange nicht gehört

Jau. Meschugge und plemplem und bemackt vorschlagen, aber mir erzählen, kein Mensch würde heute mehr bescheuert sagen. Herr Maximilian! Ich habe heute meine Studentinnen gefragt. Sie haben mich ganz verständnislos angeguckt und gesagt, wie, wieso, bescheuert ist doch völlig normal, das sagt jeder dauernd, total selbstverständliches Wort.
Danke, Mädels! Ich dachte schon, mit meiner Umgangsprache stimmt was nicht.

Wenige Stunden später die Frage, ob ich auch andere Blogger kenne. Zum Beispiel den von den Herzdamengeschichten. Die seien ja so – haaaaach! Ja, sprach ich, ich bin sogar Patentante von Sohn 2. Haaaach, Du kennst Sohn zwei! Ja, sagte ich stolz. Und Sohn eins und die Herzdame auch, und Maximilian sei übrigens der, der behauptet hat, kein Mensch würde „bescheuert“ sagen.
Sir, ich soll Dir ausrichten: das ist ja wohl total bescheuert, so was zu behaupten.

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Samstag, 18. September 2010
Paper Dreams. Hübsches aus Papier

Paper Dreams from Kenneth Onulak on Vimeo.

(Für ein Vollbild auf das Pfeilviereck zwischen HD und Vimeo klicken.)

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Freitag, 17. September 2010
Bonjour Tristesse, Du alte Hackfresse!


Martina Kink (42), lebt und schreibt in München. Aber erst, seit sie in Rosenheim geboren und in Reit im Winkl aufgewachsen ist, in München das Studium abgebrochen, in München als Sekretärin Kaffee gekocht und in New York gelernt hat, wo sie hin will.

Isabel Bogdan, geboren 1968 in Köln, studierte Anglistik und Japanologie in Heidelberg und Tokyo. Übersetzt seit 10 Jahren Literatur aus dem Englischen und bloggt unter … is a blog über Bücher und das Leben. Außerdem ist sie Vorsitzende des Vereins zur Rettung des "anderthalb".

Andreas Udluft ist freier Autor in Hamburg. Aufgewachsen in der DDR, war er zunächst Diskotheken-Betreiber, Leichenfahrer und Psychiatrie-Pfleger. Dann Jurastudium und kurze Anwaltstätigkeit, Schreiben für Zeitungen und Zeitschriften. Nach Anstellungen bei verschiedenen TV-Formaten (etwa "Unter uns") inzwischen freier Autor fürs Fernsehen (z.B: "Das perfekte Dinner"). Gründungsmitglied der Hamburger Autorengruppe "The Günter Grasses".

Maximilian Buddenbohm, geboren 1966 in Lübeck, studierte Bibliothekswesen in Hamburg. Heute arbeitet er als Controller für eine Marktforschungsfirma und betreibt nebenbei zusammen mit seiner Frau eine kleine Internetagentur. Er bloggt seit sechs Jahren mit großem Publikumserfolg über seine Kindheit und Jugend an der Ostsee, seine Frau (die Herzdame) und das Leben mit seinen zwei Söhnen. Schreibt auch Bücher.

Und Klaus Friese hat uns schon letztes Mal so charmant moderiert, den haben wir einfach behalten.

Kommt alle! Der Flyer darf auch gern mitgenommen und anderswo ausgelegt werden.

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Mittwoch, 15. September 2010
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Dienstag, 14. September 2010
Warum ich keine englischen Bücher lese
werde ich immer wieder gefragt, wenn Leute meine Leseliste sehen. Die ausführliche Antwort steht jetzt hier. Total provokativ!

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Freitag, 10. September 2010
Darf ich vorstellen:


(Foto: Jens Scholz. Mann: meiner. T-Shirt: French Connection.)

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Donnerstag, 9. September 2010
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Dienstag, 7. September 2010
Tiere. (Nein, nicht essen. Auch nicht nicht essen. Was ganz anderes.)
Was ich nicht verstehe: Wer sich freiwillig ein Tier in der Wohnung hält, das da frei herumläuft, sagen wir: eine Katze – aber okay, da fängt es schon an, dass ich es nicht verstehe, mein Verstand hat zwar so eine Ahnung, dass es damit zu tun haben muss, etwas Lebendiges herumlaufen zu haben, etwas Weiches zum Streicheln oder so, aber dann sagt mein Verstand mir gleich hinterher, was mein Gefühl auch schon gesagt hat, dass nämlich diese ganzen Ekligkeiten, der Geruch des Tiers und seines Futters, die Haare überall, Kotze, Kacke und so weiter, dass das ja wohl stärker ist als das Bedürfnis, etwas Lebendiges zum Anfassen zu haben, beziehungsweise dass ich persönlich es schrecklich fände, wenn mein Bedürfnis, etwas Lebendiges anzufassen, sich nicht mehr damit befriedigen ließe, Menschen anzufassen, sondern ich mir eine Katze anschaffen müsste, die kotzt und kackt und stinkt, wobei Katzenbesitzer das mit dem Stinken ja gar nicht merken, ich kenne keinen einzigen Katzenbesitzer, der nicht behaupten würde, seine Katze stinke nicht, aber natürlich riecht in Wahrheit doch die ganze Wohnung danach, am schlimmsten ist das Feuchtfutter, e-kel-haft, also, wo war ich? Wollte sagen, ich kann schon nicht nachvollziehen, wieso Menschen sich freiwillig ein Tier ins Haus holen, aber ich weiß ja, dass es viele gibt, die das ganz anders sehen und ganz anders empfinden, und die sind auch keineswegs alle sozialgestört, es ist also wohl einfach eine andere Einstellung oder so, vielleicht finden sie es gar nicht so schlimm, morgens zu twittern „schon wieder barfuß in Katzenkotze getreten“, ich will so was morgens beim Aufstehen nicht mal lesen, aber wer weiß, es gibt ja sonderbare Hobbies, wer bin ich, darüber zu richten, jedenfalls, nehmen wir also an, dass es ganz normal und für die Leute sogar schön ist, so ein Tier zu haben, aber was ich dann wirklich nicht verstehe, ist: warum dieselben Leute anfangen zu quieken, wenn eine Maus in ihrer Wohnung ist. Oder eine Spinne. Meine Güte, so ein kleines Mäuschen, die sind doch ganz niedlich und fusseln viel weniger, sie kratzen nicht die Möbel kaputt und die Kleider und die Haut, man muss ihnen nicht so einen grottenhässlichen Kratzbaum ins Wohnzimmer stellen, sie latschen einem nicht auf der Tastatur herum und wecken einen morgens nicht, sie kommen nicht ins Bett, ich meine, Katzenbesitzer lassen ihre Katzen üblicherweise sogar in ihr Bett! und sie kotzen nicht oder wenn doch, dann höchstens so wenig, dass man nicht gleich drauf ausrutscht. Okay, Mäuse gehen nicht auf ihr eigenes Klo, sondern kacken irgendwohin, aber sonst? Das bisschen Mäusekacke kann doch jemanden nicht erschrecken, der freiwillig eine Katze in sein Bett lässt, ihr Klo leert und in ihre Kotze tritt, und vor allem: so ein Mäuschen wird man ja auch wieder los. Vertreiben, fangen, Falle stellen, Katze draufhetzen, was weiß ich. Und Spinnen, meine Güte. Fangen und rauswerfen. Alternativ auch Hausschlappen oder Staubsauger. Aber bei so kleinen Tieren die Panik zu kriegen, wenn man sich freiwillig und absichtlich viel größere und fusselndere und stinkendere hält, das verstehe ich tatsächlich nicht.

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Danke an alexamalex für die Empfehlung, habe ich gerne gelesen!

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Montag, 6. September 2010
Hieronymustag
Am 30. September ist der Tag des heiligen Hieronymus, des Schutzpatrons der Übersetzer. Aus diesem Anlass schwärmen auch dieses Jahr wieder Übersetzer in Deutschland und der Schweiz aus in Buchhandlungen, Literaturhäuser, Bibliotheken und Restaurants, lesen aus ihren Übersetzungen und sprechen darüber. Die vollständige Liste aller Veranstaltungen in Berlin, Bremen, Erlangen, Frankfurt, Freiburg, Hamburg, München und Winterthur gibt es hier.

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Freitag, 3. September 2010
TIERE ESSEN. Übersetzer lesen Foer.
Brigitte Jakobeit, Ingo Herzke und ich stellen im Restaurant Trific Jonathan Safran Foers „Tiere essen“ vor. Dazu kocht Oliver Trific ein veganes (!) Drei-Gänge-Überraschungsmenü.



Mittwoch, 29.09.2010
19.30 Uhr
Kosten: 29,- € für das Essen


Da die Anzahl der Plätze begrenzt und das Interesse groß ist, bitte telefonisch direkt im Trific anmelden.

Tel. 040/21996927

Restaurant Trific, Eppendorfer Weg 170, 20253 Hamburg

UPDATE 17.09.2010: Die Lesung ist ausverkauft!

NOCHN UPDATE 28.09.2010: Es gab ein paar Absagen, seit heute sind ein paar wenige Plätze wieder frei!

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Donnerstag, 2. September 2010
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Mittwoch, 1. September 2010
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Johanna Straub: Das Beste daran.

Die Buchbesprechungen erscheinen jetzt im "Berufsblog", ich werde aber hier weiterhin darauf hinweisen. Bitte auf das Cover klicken. (Tolles Buch nämlich.)
Wie das mit den zwei Blogs auf die Dauer wird, oder ob ich sie am Ende doch wieder zusammenlege, wollen wir mal sehen.

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Montag, 30. August 2010
Kurios
Die Nominierungen für den kuriosesten Buchtitel des Jahres sind da! Mehr hier.

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Note to myself:
When you setz Milch auf, never ever niemals nicht go to the computer and the internet, and no, auch nicht nur kurz.
There is Hoffnung for the Ceranfeld, I may be able to get it sauber if I put some work into it. But for the Topf I see schwarz.

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Sonntag, 29. August 2010
Guckt mal!
Nachdem Percanta vor einem guten halben Jahr 40 Tage in Buenos Aires war, ist sie jetzt für 12 Tage in Santiago. Und nimmt uns mit.

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Samstag, 28. August 2010
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Judith Schalansky: Blau steht dir nicht. Matrosenroman

Der Roman beginnt so:
Ihre Großeltern wohnten am Meer. Sie wurden nie müde zu betonen, dass sie dort wohnten, wo andere Urlaub machen. Die Großmutter sagte es auch an diesem Morgen, als sie dem Großvater auf der Veranda Kaffee nachschenkte. Er stoppte sie mit einer Handbewegung. Neben ihm nickte Jenny, wippte ein wenig auf ihrem Stuhl und schaute aufs Fensterbrett. Dort waren die Schätze der Großmutter sorgfältig aufgereiht: eine Holzpuppe aus Ungarn, eine Vase mit blauäugigen Pfauenfedern, eine flammenfarbene Korallenkette in einer offenen Schatulle, zusammengerollt wie eine Schlange. Etwas abseits lag ein Seeigel.

Der „Matrosenroman“ hat nur gut 130 Seiten in sechs Kapiteln und ist irgendwie gar kein Roman. Kapitel eins, drei und fünf erzählen von Jenny, die immer wieder mal bei den Großeltern auf Usedom ist und mit dem Großvater herumzieht und das Meer kennenlernt. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es sich hier um die Kindheitserinnerungen der Autorin handelt, zumal immer wieder private Fotos abgebildet sind.
Die Kapitel zwei, vier und sechs werden von einem erwachsenen „Ich“ erzählt, wohl von der erwachsenen Jenny, die als Kind ihre Faszination für Matrosen entdeckte und sie als Erwachsene immer noch empfindet. Diese Erwachsenengeschichten empfand ich als irgendwie undurchsichtig – sie fährt irgendwohin, sieht etwas, zum Beispiel einen Matrosen, und schweift dann ausgiebig ab in historische Berichte über verschiedene Leute, sodass wir am Ende die Hand voller Puzzleteile haben, die sich aber zu keinem Gesamtbild zusammenfügen wollen. Es kommen halt immer wieder Matrosen vor.
Das Buch macht mich völlig ratlos. Immer wieder wunderschön, schöne Bilder, aber eben nur im Kleinen. Man hat den Eindruck, Judith Schalansky hat ein paar Fotos von Menschen in Matrosenanzügen gesammelt, etwas dazu geschrieben, und bevor sich daraus etwas Zusammenhängendes ergeben konnte, war es schon gedruckt.

Judith Schalansky ist ansonsten übrigens die Frau, die den wundervollen Atlas der abgelegenen Inseln verfasst hat, den Sie hoffentlich alle schon längst gekauft haben. Wenn nicht: los.

Judith Schalansky steht im Regal zwischen Marjane Satrapi und Bernhard Schlink.

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Freitag, 27. August 2010
Tiere essen. Interview mit mir selbst


So, jetzt habe ich endlich auch noch etwas über "Tiere essen" geschrieben: ein Interview mit mir selbst. Bitte aufs Buchcover klicken!

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Donnerstag, 26. August 2010
Hihi


von Claus Ast vom Skizzenblog. Danke!

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Mittwoch, 25. August 2010
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Zoë Beck: Das alte Kind

Der Roman beginnt so:

Berlin, September 1978
Carla musste lachen. „Das ist nicht mein Kind“, sagte sie.
Die Schwester sah sie erschrocken an. „Ach Gott, das ist mir jetzt aber peinlich!“ Sie nahm Carla den Säugling aus den Armen und beeilte sich, aus dem Zimmer zu kommen.
„Für manche sehen sie alle gleich aus“, sagte die Frau im Bett neben ihr. Schwere Neurodermitis. Carlas Gürtelrose war abgeheilt, sie durfte ihr Kind wiedersehen, und sie hatte sich über eine Woche auf diesen Tag gefreut.


Das Kind, das man ihr jetzt bringt, ist aber nicht ihres. Dummerweise glaubt ihr das niemand. Nicht mal ihr Mann, ein erfolgreicher Pianist, der dauernd unterwegs ist, und das Kind zuletzt im Alter von zwei Wochen gesehen hat. Jetzt ist es sechs Monate alt. Carla wird allgemein für verrückt gehalten, natürlich sei das ihr Kind, heißt es. Und dann stellt sich etwas später auch noch heraus, dass das Kind unter Progerie leidet, einer Art vorschneller Alterung, und nicht besonders alt werden wird. Jetzt nimmt man erst recht an, Carla akzeptiere ihr Kind nicht, weil es krank ist.
Ungefähr dreißig Jahre später wacht in Edinburgh eine junge Frau namens Fiona mit aufgeschnittenen Pulsadern in ihrer Badewanne auf und kann gerade noch rechtzeitig den Notarzt rufen. Sie weiß nicht, was passiert ist, ist sich aber sicher, dass sie das nicht selbst getan hat, sondern jemand sie umbringen wollte. Ihr glaubt ebenfalls niemand.
Und wie das alles zusammenhängt und wer warum wann was getan hat, und warum zwischendurch auch noch Leute totgehen (bzw. totgemacht werden) und gar nicht diejenigen sind, die sie glauben, ist dann wirklich spannend zu lesen. Vor allem, wenn man eh gerade in Schottland ist und das Buch mitnimmt auf Sessions und die passende musikalische Untermalung dazu hat, und in Edinburgh an der Treppe am Scotsman vorbeikommt, und noch mal mit Gänsehaut runterguckt, dann liest sich das herrlich einfach so weg. Ich kenne mich mit Krimis nicht aus, aber das war gut geschriebene, spannende Unterhaltung. Wie auch schon der Vorgänger „Wenn es dämmert“. Madame: wenn ich das nächste Mal nach Schottland fahre, hätte ich gern den nächsten Band. Weißte Bescheid, schreib zu.
Zoe Beck ist übrigens das (nicht besonders geheime) Pseudonym von Henrike Heiland und steht im Regal zwischen Ludwig Bechstein und Jurek Becker.

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Montag, 23. August 2010
Project

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Sonntag, 22. August 2010
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Katrin Seddig: Runterkommen

Ja, ja, ja! Leute, es gibt da draußen so viele so tolle Bücher, es ist die wahre Pracht, lest! Lest tolle Bücher, zum Beispiel dieses hier. Es fängt so an:

Als er in seinem schwarzen Mercedes-Benz um die Ecke summt, kneift sie die Augen zusammen und umarmt den sonnenwarmen Stamm.
Mein Freund, der Baum.
Sie pult ein paar Stücke aus der weichen, moosigen Rinde und tritt vor Aufregung mit der Fußspitze gegen das Holz. Von vorn das Ploffen der Wagentür, das Knacken der Verriegelung, sie kennt sein Auto, auf dem Nummernschild seine Initialen und ein Aufkleber: Ich bremse auch für Rentner. Er streckt sich, Arme Richtung Himmel, eine unglaubliche Bläue heute, wie glühendes Metall, Flecken unter den Achseln, sein Ehering blitzt – Ehe, da war doch was – und macht dabei ein Geräusch wie ein Tier aus einem Zeichentrickfilm.


Dani steht hinter einem Baum am Waldrand und beobachtet Erik. Erik ist ein gutsituierter Anwalt mit Einfamilienhaus im Grünen, Frau und zwei Kindern. Dani ist Putzfrau und hat ein Problem. Erik hat auch Probleme, seine Frau ebenfalls, in weiteren Rollen: Tom, Karin, Doreen, Zusanna, Thomasz, Johannes und so weiter: alle haben ihre Probleme, manche eine handfeste Macke, alle wären gern ein bisschen glücklich und sind ein bisschen kaputt. Alle wollen Sex, manche haben reichlich davon, andere nicht. Die meisten trinken, manche mehr, andere weniger.
Irgendwann entdeckt Erik Dani auf ihrem Beobachtungsposten am Waldrand. Er findet es erregend, beobachtet zu werden, eine Weile lang spielen die beiden eine Art Spiel. Bis das nicht mehr gut geht und die anderen alle auf die ein oder andere Weise mit hineingezogen werden. Jeder liebt jemanden, oder auch nicht, schläft aber mit jemand anderem, oder auch nicht, deswegen passiert alles mögliche, und am Ende geht es keinem wirklich besser. Oder vielleicht dem ein oder anderen ein kleines bisschen besser, anderen ein bisschen schlechter. Oder eben auch nicht, man weiß es nicht. Wie im Leben. Und das alles wird in einer Sprache geschildert, die schnoddrig ist und schonungslos und echt und so ehrlich, dass es manchmal weh- und immer guttut, so ohne jeden Kunstwillen, und das muss man auch erstmal können, dass es so wirkt wie einfach so dahingeschrieben, weil es nun mal so ist. Und die Dialoge.

Ich habe Katrin Seddig mal im Literaturhaus lesen hören, bei der Verleihung der Förderpreise vielleicht? Ich weiß es nicht mehr, jedenfalls fand ich sie da so gut, dass wir sie zu Kaffee.Satz.Lesen eingeladen haben, da war sie schon wieder so gut, und seitdem habe ich mich auf dieses Buch gefreut. Sehr zu recht.
Ach, toll. Dummerweise habe ich immer, wenn ich ein so tolles Buch ausgelesen habe, Angst, dass das nächste weniger gut wird. Schaumermal.

Katrin Seddig kommt im Regal zwischen David Sedaris und Anna Seghers.

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Samstag, 21. August 2010
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David Grossman (Anne Birkenhauer): Eine Frau flieht vor einer Nachricht

Das zweite Kapitel fängt so an:
Stotternd schlängelte sich die Kolonne aus Zivilfahrzeugen, Jeeps, Militärkrankenwagen, Panzern und riesigen Bulldozern auf Transportern dahin. Der Taxifahrer, mit dem sie fuhren, war still und grimmig, seine Hand lag auf dem Schaltknüppel des Mercedes, sein breiter Nacken bewegte sich nicht, und schon mehrere Minuten hatte er weder sie noch Ofer angeschaut.
Bereits beim Einsteigen hatte Ofer wütend die Luft durch die Lippen gepresst, und sein Blick sagte, das war aber eine tolle Idee, Mama, ausgerechnet ihn für diese Fahrt zu rufen, und erst da begann sie etwas zu begreifen – um sieben Uhr früh hatte sie Sami angerufen, er möge bitte kommen, er solle sich auf eine lange Fahrt einstellen, in die Gegend des Berges Gilboa.


Eine Frau flieht vor einer Nachricht. Die Frau heißt Ora, und eigentlich wollte sie mit ihrem erwachsenen Sohn Ofer zusammen eine Wanderung durch Galiläa machen, eine Woche lang, zur Feier seiner Entlassung aus der Armee. Jetzt muss Ofer aber doch noch mal hin, in den Krieg. Und Ora flieht, sie flieht vor der Nachricht, dass er gefallen ist. Von dem Moment an, da Ofer nicht mehr zu Hause ist, hält sie es dort nicht mehr aus, weil sie dauernd damit rechnen muss, dass „sie“ kommen, um ihr diese Nachricht zu überbringen. Zum Überbringen einer Nachricht gehören aber immer zwei: einer, der sie überbringt, und einer, der sie empfängt. Wenn Ora einfach nicht da ist, dann kann die Nachricht auch nicht überbracht werden. Sie beschützt ihren Sohn sozusagen, indem sie nicht da ist. Und so macht sie die geplante Wanderung trotzdem, und zwar zusammen mit ihrem Jugendfreund Avram. Und auf dieser Wanderung reden sie miteinander.
Es geht um eine Frau zwischen zwei Männern, und mit zwei Söhnen noch dazu, also sozusagen zwischen vier Männern, und um die komplizierten Beziehungen zwischen diesen fünf Personen – eine sehr intime, persönliche, familiäre Geschichte, in der sich aber die große Politik spiegelt. Anders gesagt: in der der ewige Krieg in Israel, wie wahrscheinlich in den meisten israelischen Familien, eine furchtbare Rolle spielt und die Beziehungen und die Leben aller verändert. Und es geht um Leidenschaft, ebenso um leidenschaftliche Liebe wie um leidenschaftliche Angst, um sich selbst und um andere, bis zur völligen Unvernunft und Panik.
Es ist grausam und grauenhaft, natürlich, und es ist wahnsinnig gut. Ein sensationelles Buch, unglaublich intensiv, 728 Seiten lang, und zwar große und sehr vollgeschriebene Seiten, und es ist kein Wort zu viel. Ich habe ja normalerweise eher Angst vor so dicken Büchern, aber dies wurde mir keine Sekunde zu lang. Anne Birkenhauers Übersetzung ist, ich möchte fast sagen: makellos (Tippfehler zählen nicht). Ich ziehe tief meinen Hut vor dem Autor wie auch der Übersetzerin. Sie haben gemeinsam den Albatros-Literaturpreis bekommen, David Grossman erhält dieses Jahr außerdem den Friedenspreis des deutschen Buchhandels, und das freut mich sehr. Und Euch lege ich dieses Buch ans Herz. Das ist ein Buch, das bleibt. Und das einen dankbar macht, in Frieden zu leben.
David Grossman bekommt einen Regalplatz zwischen Grimmelshausen und Klaus Groth.

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Freitag, 20. August 2010
Nur kurz:
lesen Sie doch mal, was Percanta sagt.

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Traumjob
Gestern habe ich gehört, es gebe da ein Luxushotel auf Sylt, dessen Bibliothek von Elke Heidenreich eingerichtet wurde. Nun teile ich Frau Heidenreichs Buchgeschmack nicht unbedingt, und ich weiß natürlich auch nicht, ob sie wirklich einzeln und von Hand Bücher ausgewählt hat, oder ob das jemand anderes war und sie nur hinterher ihren Namen druntergesetzt hat.
Aber. Was für ein Traumjob! Es war mir noch nie in den Sinn gekommen, dass ja jemand so was tun muss. Liebe Hotels und sonstige Institutionen: ich bin Eure Frau! Ich würde wundervolle Bibliotheken zusammenstellen, ganz nach Ihren Wünschen. Einige Klassiker natürlich, aber auch viel Aktuelles, die Must-haves ebenso wie ein paar obskure Titel (sodass die Gäste denken: oh, da war jemand mit Sachverstand am Werk). Selbstverständlich würde ich auch einiges von unabhängigen Kleinverlagen kaufen. Eine gute Mischung aus deutschen Originalen und übersetzter Literatur, den ein oder anderen Titel auch auf Englisch, auf Wunsch auch ein wenig Französisch, Spanisch, Italienisch, andere Sprachen. Ich würde keine gesammelten Werke anschaffen, keinen halben Meter Goethe in Blau, sodass am Ende eine Möbelhausdekoration daraus wird. Nein, ich richte Ihnen eine richtige Bibliothek ein, eine Bibliothek von einer Leserin für Leser, die aussieht wie ein gewachsener Buchbestand. Selbstverständlich gäbe es auch eine Sektion mit hochwertigen Bildbänden, die Bibliothek würde sehr schön aussehen. Keine Reklamhefte, wenig Taschenbücher, viel Gebundenes. Natürlich an das Gästeprofil angepasst, ich wähle nicht nur nach meinem eigenen Geschmack aus, sondern denke auch an Krimi- und Chick-Lit-Leserinnen und an Sachbuchleser. Natürlich kann ich auch Bibliotheken mit bestimmten thematischen Schwerpunkten einrichten. Hätten Sie es gern amerika- oder asienlastig? Besonders viel Literatur über das Meer? Die Ecke mit den Kinderbüchern etwas umfangreicher? Alles kein Problem.
Ich betreue die Bibliothek auch gern weiterhin, suche monatlich oder vierteljährlich die schönsten und interessantesten Neuerscheinungen raus, alles im festgelegten Preisrahmen natürlich. Ach, das wird toll, ich gerate schon richtig in Begeisterung, kann mir bitte jemand einen solchen Auftrag erteilen? Ich komme vorbei, gucke mir die Räumlichkeiten an, messe die Regalmeter aus (natürlich kann ich auch bei der Auswahl der Möbel behilflich sein, wenn Sie dafür nicht auf einem Innenarchitekten bestehen) und rechne hoch, was es kostet, diese Regalmeter mit Büchern zu bestücken.
Und dann gehe ich einkaufen. Die entsprechenden Kontakte habe ich ja. Ich kenne Buchhändler, Versandbuchhändler, Kleinverleger, Lektoren und Presseleute in Großverlagen und so weiter. Ich bin ja nicht nur Leserin.
Zu guter Letzt gehören in so eine Bibliothek ja auch Lesungen, und Lesungen organisiere ich nun wirklich schon seit Jahren und habe reichlich Kontakte zu Autoren und Übersetzern (Übersetzer machen tolle Lesungen, sie können ganz anders über Bücher sprechen als Autoren), von der flotten Krimiautorin über den Sachbuchübersetzer bis zur Buchpreisnominierten.
Hach. Das wird schön.

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Donnerstag, 19. August 2010
.
Im Februar habe ich hier einen Spendenaufruf für eine Kollegin veröffentlicht, die nach vielen langen Krankenhausaufenthalten in den letzten zehn Jahren so verschuldet war, dass sie es allein nicht mehr geschafft hätte. Die Sammlung fand vor allem im Kollegenkreis statt, es haben sich aber auch erstaunlich viele Blogleser beteiligt – ohne die Kollegin zu kennen, teilweise kennt Ihr ja nicht mal mich. Das war überwältigend, und ich danke Euch sehr.
Insgesamt sind 10.924,10 € zusammengekommen, eine unglaubliche Summe. I. hätte sich sehr gern bei jedem einzeln bedankt. Ich hatte ihr eine Liste der Spender geschickt (ohne die Beträge zu nennen), sie hat auch angefangen, einzelne Mails zu schreiben, aber dann wurde bei ihr ein Melanom im Auge diagnostiziert, und sie konnte nicht mehr am Monitor schreiben. Das war Anfang April, und seitdem kam bald jede Woche eine neue Hiobsbotschaft. Schnell war klar, dass der Krebs bereits im ganzen Körper saß.
Vorgestern hatte sie Geburtstag. Eine andere Kollegin war bei ihr und berichtet, es sei viel Besuch dagewesen, alle hätten Rosen mitgebracht, und sie habe einen schönen Tag gehabt. Gestern früh ist sie gestorben.
I. hat sich bis zum Schluss auf bewunderswerte Weise ihren Humor bewahrt. Und Eure Spenden und Euer Zuspruch haben ihr in den letzten Monaten viele Sorgen genommen und ihr das Leben etwas erleichtert. Die Nachricht von ihrem Tod kommt für mich nicht überraschend, aber ich bin traurig. Gute Reise, Kleine.

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Mittwoch, 18. August 2010
Nominierungen für den deutschen Buchpreis 2010 (Longlist)
Alina Bronsky, Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche (Kiepenheuer & Witsch, August 2010)

Jan Faktor, Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag (Kiepenheuer & Witsch, März 2010)

Nino Haratischwili, Juja (Verbrecher Verlag, März 2010)

Thomas Hettche, Die Liebe der Väter (Kiepenheuer & Witsch, August 2010)

Michael Kleeberg, Das amerikanische Hospital (DVA, August 2010)

Michael Köhlmeier, Madalyn (Carl Hanser Verlag, August 2010)

Thomas Lehr, September. Fata Morgana (Carl Hanser Verlag, August 2010)

Mariana Leky, Die Herrenausstatterin (DuMont Buchverlag, Februar 2010)

Nicol Ljubić, Meeresstille (Hoffmann und Campe, February 2010)

Kristof Magnusson, Das war ich nicht (Verlag Antje Kunstmann, Januar 2010)

Andreas Maier, Das Zimmer (Suhrkamp Verlag, September 2010)

Olga Martynova, Sogar Papageien überleben uns (Droschl Literaturverlag, Januar 2010)

Martin Mosebach, Was davor geschah (Carl Hanser Verlag, August 2010)

Melinda Nadj Abonji, Tauben fliegen auf (Jung und Jung Verlag, August 2010)

Doron Rabinovici, Andernorts (Suhrkamp Verlag, August 2010)

Hans Joachim Schädlich, Kokoschkins Reise (Rowohlt Verlag, März 2010)

Andreas Schäfer, Wir vier (DuMont Buchverlag, Februar 2010)

Peter Wawerzinek, Rabenliebe (Galiani Berlin, August 2010)

Judith Zander, Dinge, die wir heute sagten (Deutscher Taschenbuchverlag, September 2010)

Joachim Zelter, Der Ministerpräsident (Klöpfer & Meyer Verlag, August 2010)

Mehr zum Buchpreis gibt es hier, Leseproben aller nominierten Bücher auf Libreka.

Ich habe nur ein einziges davon gelesen (Kristof Magnusson), und Mariana Leky steht immerhin schon lange auf meinem Wunschzettel. Vom Rest habe ich teilweise nicht mal gehört. Da simmer jetzt gespannt.

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Dienstag, 17. August 2010
*prust*
Aus meinen Amazon-Empfehlungen.

Sie haben angesehen: "Jonathan Safran Foer: Tiere essen".
Ihnen könnte auch gefallen:

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Jonathan Safran Foer: Tiere essen. Presseecho
Übermorgen ist der offizielle Erscheinungstermin, angeblich liegt es aber schon in den Läden: "TIERE ESSEN" von Jonathan Safran Foer, übersetzt von Brigitte Jakobeit, Ingo Herzke und mir.
Die Presse überschlägt sich, und ich werde dann auch noch ein paar Zeilen darüber schreiben. Hier erstmal die gesammelten Artikel, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Wird laufend aktualisiert.



Verlag Kiepenheuer und Witsch
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Und hier sind nochmal meine eigenen Blogeinträge, die ich während des Übersetzens geschrieben habe: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8

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Montag, 16. August 2010
Was ist die Kunst des Übersetzens?

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Is a book


Inka Parei: Die Schattenboxerin

Der Roman beginnt so:
Sie ist meine Nachbarin. Seit Jahren leben wir im gleichen Stockwerk. Ab und zu stoßen wir gemeinsam unsere schweren Schlüssel in die Gründerzeittüren. Dann verschwinde ich in meinem Hausflur, einem langen, schmalen Schlauch, belegt mit gelbem Hanf, kaum einen Meter breit. Und sie in ihrem, mit den noch im Einheitsbraun der vierziger Jahre gestrichenen Dielen. Die Farbe ist scheußlich. Matt glänzend und kaum zu entfernen, ähnelt sie dem Kot, den die Schäferhunde hier aufs Pflaster werfen, wenn sie von ihren Besitzern mit rostfarbenen Fertigfutterklumpen ernährt werden.
Seit einer Woche ist es still im Seitenflügel des ehemals vornehmen jüdischen Mietshauses in der Lehniner Straße, den wir als einzige noch bewohnen, sie und ich.


Die Nachbarin mit dem Namen Dunkel ist plötzlich nicht mehr da. Die Erzählerin bricht aus reiner Neugier in ihre Wohnung ein, mal nachsehen, ob sich da ein Hinweis auf ihren Verbleib findet. Sie selbst lebt illegal in dem abbruchreifen Haus, Dunkel ist die letzte legale Mieterin.
Die Erzählerin selbst heißt Hell und ist „die Schattenboxerin“, denn sie betreibt eine asiatische Kampfsportart. Über diese kleine Albernheit kann man allerdings ganz gut hinwegsehen, zumal man sie eh nur aus dem Klappentext weiß, im Text selbst wird der Name erst spät und auch nur einmal genannt. Ob er stimmt oder ob er an der Stelle ein Scherz sein soll, ist nicht mal klar.
Plötzlich steht ein Mann in Dunkels Wohnung, der sie ebenfalls sucht. Und dann entwickelt sich eine veritable Räuberpistole von Geschichte, deren Eckdaten man leider ebenfalls nicht erst aus dem Buch erfährt, sondern schon im Klappentext serviert bekommen hat. Wie oft habe ich mir nun schon vorgenommen, keine Klappentexte zu lesen? Waah! Nützt es was, wenn ich hier nichts ausplaudere und Euch sage, „lest den Klappentext nicht“? Tut Ihr das dann wirklich nicht? Natürlich liest man den Klappentext, verdammte Axt! Wie mich sowas aufregt! Mann!
Lieber Schöffling-Verlag, da das Buch ja nicht mehr so ganz neu ist (1999), nehme ich an, Ihr habt den Klappentextschreiber inzwischen gefeuert, ja? Gut.

Wo war ich? Das ist nämlich ein tolles Buch. Vor allem, wenn man den Klappentext nicht gelesen hat. Sehr viel heruntergekommene Berlinstimmung um die Zeit des Mauerfalls, ohne dass der besonders thematisiert würde. Spannend zu lesen, dabei wird sehr ruhig erzählt, es spricht eine erstaunliche Gelassenheit aus der Erzählerin, zu der sie eigentlich keinen rechten Grund hat. Dicke Leseempfehlung, schon wieder!

Inka Parei bekommt einen Regalplatz zwischen Orhan Pamuk und Dorothy Parker.

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Sonntag, 15. August 2010
Fit und Well (16): Osteopathie
Neulich war ich mal überhaupt nicht fit und well, sondern hatte Rücken. An dem betreffenden Sonntag lag ich auf demselben, statt Kubb zu spielen, Montag war es ein kleines bisschen besser, aber noch überhaupt gar nicht gut, und so blieb es bis Mittwoch. Da ich am Donnerstag für vier Tage verreisen wollte, passte mir das gar nicht. Ich habe hin- und herüberlegt, ob ich die Reise absage, ob ich einen Koffer tragen kann, dass ich ihn jedenfalls sicher nicht ins Gepäcknetz heben kann, ob ich es mir antue, drei Tage auf Stühlen zu sitzen und Vorträge zu hören und zu workshoppen – und dann habe ich mir für Donnerstag Morgen kurzentschlossen einen Termin bei einer Osteopathin geben lassen.
Was ich über Osteopathie gehört hatte, war, dass das total toll sei und bei verschiedensten Leuten Wunder gewirkt habe und bei Rückentheater nichts so gut helfe wie Osteopathie. Was ich nicht gehört hatte, war, was das überhaupt ist. Ich erwartete irgendwas zwischen Krankengymnastik und Massage.
Tatsächlich musste ich mich erstmal ausziehen, und die behandelnde Dame betrachtete mich eine Weile von hinten. Dann musste ich mich auf eine Liege legen, auf den Rücken, und sie schob mir die Hände unter den Rücken. Und dann lag ich da auf ihren Händen. Minuten später verschob sie eine Hand ein wenig. Ich fragte, was denn da jetzt passiert, was sie da macht, da sagt sie, sie behandelt mein Zwerchfell, denn wenn das verspannt ist, verspannt alles, oder so ähnlich. Ich fühlte mich gründlich verarscht, denn sie behandelte ja gar nichts, sondern sorgte im Gegenteil noch dafür, dass ich mit meinem schmerzenden Rücken schief auf ihren Händen lag, und das weiß sogar ich, dass man, wenn man eh schon verzogen ist, nicht auch noch schief auf was draufliegen darf. Irgendwann nahm sie ihre Hände unter meinem Rücken weg und ging an meine Füße, legte mir die Hände an die Füße, an die Waden, ließ sie jeweils minutenlang dort liegen. Kein Druck, keine Massage, gar keine Bewegung, nur Berührung. Meine Füße sind ziemlicher Schrott, der Fachmann sagt Hallux Valgus, ich sage: aua. Und zwar aua-aua-aua. Nicht von der Osteopathie, sondern immer, vom Laufen, vom Nichtlaufen, vom Schuhetragen, und vom Barfußgehen erst recht.
Zum Schluss betrachtete sie mich wieder von hinten und meinte: schon viel besser. Und dass meine Rückenprobleme von den Füßen kämen, weil ich da eine Schonhaltung einnehme und irgendwie schief und krampfig gehe, und das pflanze sich fort nach oben, ins Becken und dann in den Rücken. Das war das erste, was sie wirklich sagte, und das erste, was mir plausibel vorkam.
Aber die Behandlung selbst war wirklich ein Witz. Ich sollte allerdings im Ernst dafür bezahlen, und zwar gar nicht so wenig.
Nachmittags nahm ich meinen Koffer, zog ihn die meiste Zeit zwar hinter mir her, trug ihn aber auch Treppen rauf und runter und in den Zug und wieder raus und quer durch Göttingen und hob einen anderthalbjährigen Wonneproppen hoch und setzte ihn runter und wieder und wieder und trug ihn ein Stück und spielte mit ihm und hockte auf dem Boden im Sand und beugte mich runter und versuchte noch aus Gewohnheit, das alles ein bisschen vorsichtig zu machen, aber es ging wunderbar und war gar kein Problem. Und am nächsten Tag fuhr ich von Göttingen nach Wolfenbüttel zur Tagung und verschwendete dort keinen einzigen Gedanken mehr an meinen Rücken, denn da war kein Schmerz, nirgends.

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Samstag, 14. August 2010
Is a book


Moritz Rinke: Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel

Der Roman beginnt so:
Seine Kindheit, das hatte die Baufirma Brüning auch gar nicht mehr zu beschönigen versucht, würde in der Mitte auseinanderbrechen, eher früher als später, in zwei Teile.
Der Westflügel, in dem er mit seiner Mutter und ihrer übermächtigen Liebe groß geworden war, mit seinem Großvater, dem Bildhauer, den man den Rodin des Nordens nannte, sowie seiner Großmutter, die jeden Tag norddeutschen Butterkuchen backte – dieser Westflügel des Hauses würde zuerst absacken und im Teufelsmoor untergehen. Dabei würde sich der Ostflügel, in dem der Rest der Familie gelebt hatte, gleichzeitig in die Höhe heben, bis das ganze Haus in der Mitte in zwei Stücke breche. Und dann würde der Ostflügel zurück in den Schlamm fallen und vermutlich früher oder später auch dieser Teil der Familie Kück herabsinken – mit seinen sommersprossigen Johans, den blauäugigen Hinrichs, den Milchkühen und Mördern, dem Schnaps und dem schönen, strohblonden Bauernmodell Marie, das noch heute auf dem Bild eines alten Worpsweders wie ein Gespenst erschien.


Von der einst unübersichtlich großen Familie sind nicht mehr viele übrig; Paul lebt in Berlin und versucht erfolglos, eine Galerie zu etablieren, seine Mutter lebt auf Lanzarote, gibt dort Bewusstseinsseminare und schickt ihm ständig Salat mit der Post, damit er in der vitaminlosen Großstadt etwas Gesundes zu essen bekommt, und im riesigen alten Bauernhaus in Worpswede lebt nur noch Nullkück, der ein bisschen zurückgeblieben ist. Jetzt sackt das Haus ab, und Paul muss hin und sich darum kümmern, dass es neu gegründet wird. Wände einreißen, tief bohren, Beton reingießen.
Eine Reise zurück in die Vergangenheit also, mit reichlich Rückblicken und Erinnerungen, und Moritz Rinke schöpft aus dem Vollen: Nullkück wirft in seiner Jugend vom fahrenden Trecker Liebesbriefe ab, ein veritables Duell geht schief, ein zurückgewiesener Liebhaber klaut den Güllewagen der Nachbarn, die schöne Marie wurde von der Gestapo abgeholt, weil sie Kommunistin war (heißt es), die unfruchtbare Hilde bekommt doch noch ein Kind, außerdem geben sich Willy Brandt und Rainer Maria Rilke bei den Kücks quasi die Klinke in die Hand (das mit Willy Brandt ist durch ein von ihm angebissenes Stück Butterkuchen im Tiefkühler belegt, von Rilke gibt es einen Topf), einer geht nur bei Regen in den Puff und trinkt dort Fencheltee, und bei den Grabungen ums Haus wird Erstaunliches ausgebuddelt, während gleichzeitig die lebensgroßen Bronze-Skulpturen berühmter Männer, die der Großvater angefertigt hat, im Moor versinken. Und alles andere ist auch nicht unbedingt so, wie es aussieht.
Was für ein Buch! Da wird nicht gekleckert, da wird geklotzt und mit Material geprasst, das einem anderen womöglich für vier Romane gereicht hätte. Nichts ist zu grotesk, man muss anfangs oft lachen, und später, man ahnt es schon, ist das natürlich alles gar nicht witzig. Und erfreulicherweise ist am Ende auch nicht alles geklärt. Ich bin jetzt jedenfalls offiziell in Moritz Rinke verliebt und verzeihe ihm sogar ein paar fehlende Genitive und dies und das. Und ich will jetzt unbedingt mal nach Worpswede. Himmel gucken und so. Und mal nachsehen, was tatsächlich vor der großen Kunstschau steht. Und was drinhängt. Lest dieses Buch! Toll, toll, toll.
Danke an Annerose Beurich von stories! für die Empfehlung und für den Satz „man wünscht sich beim Lesen dauernd, dass Detlev Buck das verfilmt“, denn genau so ist es. Und Buck selbst soll den Nullkück spielen.
Moritz Rinke wohnt im Regal zwischen Monika Rinck und Meg Rossoff.

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Freitag, 13. August 2010
Is a book


André Brink (Inge Leipold): Kupidos Chronik

Der Roman beginnt so:
Kupido Kakerlak kroch nicht auf die übliche Weise aus dem Mutterleib, sondern schlüpfte aus den Geschichten, die sie erzählte. Vielerlei Gestalt nahmen sie an, diese Geschichten. In einer hieß es, seine Mutter sei Jungfrau und riemendünn, und niemand habe auch nur geahnt, dass sie schwanger war. Bis der kleine Kümmerling da war. Ein andermal sagte man, sie sei seltsam lange recht deutlich schwanger gewesen, habe einen richtig dicken Bauch gehabt, drei oder vier Jahre lang, ehe dann der Berg eine Maus gebar. Je nachdem, wie sie gelaunt war und in welcher Phase der Mond gerade stand, behauptete sie, es sei gar nicht ihr Kind, sondern einfach von einem Fremden, der zufällig des Nachts vorbeigekommen sei und dessen Gesicht sie nie gesehen habe, in ihrer Hütte abgelegt worden, gleich nach der Geburt; die Nachgeburt habe noch an der Nabelschnur gehangen.

Es ist um 1760. Der Kümmerling Kupido Kakerlak wächst bei seiner Mutter, einer schwarzen Kontraktarbeiterin, auf dem Hof eines weißen Farmers in Südafrika heran. Eines Tages kommt ein fliegender Händler vorbei, dem er sich anschließt; er zieht einige Jahre mit ihm durchs Land und findet nach einem ausschweifenden Leben mit reichlich Frauen und Alkohol schließlich zum christlichen Glauben und schwört der Sünde ab. Kupido Kakerlak lernt in einer Missionsstation Lesen und Schreiben und wird der erste schwarze Missionar Südafrikas. Eine historische Figur, eine wahre Geschichte, wenn auch literarisch aufbereitet, im Nachwort heißt es: „Wiewohl der Roman in seiner vorliegenden Form fiktional ist, beruht er in den wesentlichen Grundzügen auf einer wahren Geschichte.“ Die übrigen (weißen) Missionare beispielsweise sind alle recht gut dokumentiert, Kupido selbst nicht ganz so gut, aber doch auch. Nur am Ende hat der Autor Kupidos tatsächliche Lebensgeschichte ein wenig abgeändert, aus, wie er schreibt „erzählerischen Gründen“, die ich allerdings nicht ganz nachvollziehen kann. Ich meine, man hätte gut bei der Wahrheit bleiben können, aber das mag Ansichtssache sein.
Erzählt wird im ersten Teil von einem allwissenden Erzähler, im zweiten Teil vom Missionar Reverend James Read, am Ende schließlich wieder vom Erzähler, sodass wir zwischen magischem Realismus und frommem Salbadern schwanken. Das salbungsvolle Geschwurbel des Missionars ist außerdem mit reichlich historischen Fakten über die politische Situation in Südafrika am Beginn des 19. Jahrhunderts gespickt; die Gemengelage zwischen Hottentotten, Buschmännern, Khoi, Xhosa, Missionaren, Kolonisten, vertriebenen Farmern, entlaufenen Sklaven, Engländern und Holländern ist nicht ganz einfach zu durchschauen. Ich fand diesen Teil stellenweise ein wenig anstrengend zu lesen, aber das liegt natürlich in der Person des Missionars und der politischen Situation begründet und passt von daher schon.
Mit dem magischen Realismus des ersten Teils kam ich überraschenderweise viel besser zurecht als ich dachte. Naturgeister und so was sind nicht gerade mein Thema, aber hier konnte ich sie gut haben, sie gehören hierhin, sie sind selbstverständlich, und ich bringe ihnen deutlich mehr Verständnis und Wohlwollen entgegen als der Frömmelei und diesem verdrehten Gedanken „Gott hat uns all das Leid geschickt, um unseren Glauben zu stärken“. Andererseits tut die Kirche hier tatsächlich auch Gutes – die Zweischneidigkeit des Missionierens tritt sehr schön zutage, ohne dass irgendetwas gewertet würde.
Ich habe das Buch von der Übersetzerin geschenkt bekommen, weil sie es so sehr liebt. Meine Begeisterung ist nicht ganz so überschäumend wie ihre, aber ich kann sie irgendwie nachvollziehen. Dieser Kupido Kakerlak ist eine faszinierende Person – manchmal möchte man ihn packen und schütteln, damit er zur Besinnung kommt, und genauso oft muss man ihn bewundern. Ebenso wie den Rest der Missionare. Und ich denke auch Tage später noch über Glauben und Aberglauben nach und über Sinn und Unsinn von Missionierungen.

André Brink bekommt einen Regalplatz zwischen Jean Anthèlme Brillat-Savarin und Charlotte Brontë.


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Donnerstag, 12. August 2010
Moon over Glen Prosen


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So.
Da bin ich wieder. Das war in fünfeinhalb Jahren die längste nichtgebloggte Zeit.

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Mittwoch, 21. Juli 2010
Sorry, folks,
hier ist mal eine Weile Schweigen. Ich hab kein Internet. Aechz.
Dafuer aber schon acht Seiten Blogeintraege vorgeschrieben, nur eben, jaja. Kriegt Ihr spaeter.

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Freitag, 9. Juli 2010
Is a book


Miriam Koch: Keentied oder Die Kunst, ins Glück zu fliegen

Keentied kommt zu spät, er hat den Abflug seines Schwarms verpasst. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als es allein zu versuchen – das geht schief, er kommt nicht voran, dann gerät er auch noch in einen Sturm, und am Ende passiert genau das, was man erwartet. Die Geschichte ist, anders ausgedrückt, ein wenig schlicht.
Aber! Die Illustration ist dafür umso schöner. Große Flächen Blau, ohne Rand, viel Himmel, viel Meer. Und etwas Grau, von den Holzstegen und vom Schiff. Und ein bisschen Beige-Gelb, vom Strand. Und Blau und Blau und Blau. Und zwischendrin sind Fotos eingearbeitet, das Meer, kleine Inseln. Und viel Blau. Und ganz selten ein klitzekleiner Klecks Rot, das ist der Leuchtturm.

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Mittwoch, 7. Juli 2010
Endlich erwachsen!
Guckt mal!



(Klick aufs Bild)

Meine neue "offizielle" Seite, auf der ich mich beruflich präsentiere. Die Titel-Kolumnen sind jetzt dort, außerdem das erste Kolleginneninterview und ein-zwei Kleinigkeiten. Im Laufe der Zeit sollen Vorstellungen meiner Bücher mitsamt ein paar kleinen Textauszügen dazukommen - schaumermal, was das so alles wird. Am Layout wird sicher auch noch dies und das passieren.

Ganz herzlichen Dank an die Familien Diedrich und Buddenbohm für dieses tolle Geburtstagsgeschenk!

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Montag, 5. Juli 2010
42


Leben, Universum, Rest.

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Sonntag, 4. Juli 2010
Durchsage
Beim Titel-Magazin hat es ein bisschen gerumpelt. Ein großer Teil der Redaktion ist zurückgetreten und einige Beitragsschreiber mit, unter anderem ich. Meine Kolumnen sind bereits offline. Es soll aber etwas Neues geben, hoffentlich schon bald.
Liebe renommierte Medien: ich hätte dann jetzt „Kapazitäten frei“. Und ein paar 1 A erprobte Superkolumnen übers Übersetzen, die im Moment nirgends veröffentlicht sind. Ich kann aber auch quasi beliebige andere Themen.

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Freitag, 2. Juli 2010
Is a book


Chris Killen (Henning Ahrens): Das Vogelzimmer

Auf diesen kleinen Roman bin ich wegen einer hymnischen Rezension gestoßen. Die war so toll, dass ich sogar hier im Blog darauf hingewiesen habe, da schrieb nämlich Stefan Beuse im Titel-Magazin:

Wenn das also alles ist, geht’s darum auch in Chris Killens wundervoll spleeniger, herzzerreißend neurotischer und abgrundtief trauriger, schräg-schöner Liebesgeschichte Das Vogelzimmer. Aber auf diesen gerade mal 170 Seiten stehen Sätze, die den Himmel aufreißen lassen, die einen schluchzen machen können vor Glück.
Dieser Sprachkosmos ist durchweht von einem ganz eigenen Zauber, der einen so packt, dass die Liebesgeschichte auch auf „technischer“ Ebene funktioniert: Man kann sich als Leser ganz und gar in dieses Buch verknallen, und spätestens an dieser Stelle muss Henning Ahrens für seine Übersetzung gedankt werden, die so unglaublich gut ist, dass man froh ist, nicht den Originaltext daneben zu haben – einfach aus Angst, er könne nicht dieses magische Fluidum aufweisen, diesen sehr speziellen untergründigen Humor, diese Lebensklugheit und Größe.

Erstens kann mich eine solche Übersetzerhuldigung natürlich sowieso schon dazu bringen, ein Buch zu lesen, zweitens kenne ich den Herrn Beuse und habe seine Empfehlungen bisher gern gelesen.

Äh, Stefan? Was ist denn da passiert? Wo sind die Sätze mit dem magischen Fluidum, die den Himmel aufreißen lassen? Wo ist der Sprachkosmos? Ich sehe nur Sätze, die aus Subjekt, Prädikat, Objekt bestehen und nichts weiter. Fast ausschließlich solche Sätze, 170 Seiten lang, das erträgt doch kein Mensch.
Und sich in das Buch verknallen, nun ja, Geschmäcker sind ja verschieden, ich war jedenfalls zunehmend genervt. Die Figuren waren mir auch völlig egal, und wenn ich mich weder in die Figuren verknallen kann noch in die Sprache, dann bleibt nicht viel. Die Vögel vielleicht, aber die kommen ja nur auf den ersten paar Seiten vor, und dann ist unvermittelt Schluss mit Vögeln. Pun intended.

Der Roman beginnt so:
Gemälde kleiner Vögel. Zaunkönige, Rotkehlchen, Wellensittiche (ziemlich viele Wellensittiche). Alle leuchtend gelb, rot, braun, grün, ausgenommen die Taube. Die Taube ist grau.
Ich sitze auf dem Sofa. Sie sitzt neben mir. Sie hat die Beine übereinandergeschlagen. Zwischen uns ist ungefähr so          viel Platz. Will kocht uns in der Küche einen Tee. Die beiden sind sich hier zum ersten Mal begegnet. Die Idee stammt von mir.


Der Künstler Will (der mit den Vögeln) lernt also Alice kennen, und „ich“, Alices Freund, ist eifersüchtig. „Ich“ heißt zufällig ebenfalls Will. Und dann gibt es noch Helen, die früher Clair hieß. Alles klar? Ich-Will und Alice gehören zusammen, Künstler-Will und Helen gehören noch lange nicht zusammen, aber das soll noch werden, oder auch nicht. Erstmal lernen Künstler-Will und Alice sich kennen und Ich-Will platzt vor Eifersucht. Und am Ende gibt es, wie der Klappentext verspricht, eine überraschende Wendung, die genau die ist, mit der man die ganze Zeit rechnet, die aber trotzdem irgendwie wirr und nicht wirklich verständlich ist.

Es sind ein paar schöne Ideen drin, ja. Aber mir sind die Figuren alle zu krank. Ich will nichts über Paranoiker lesen, das ist mir irgendwie zu simpel, es ist so überzeichnet, dass ich die Figuren nicht ernst nehmen kann. Vor allem dann, wenn nicht eine, sondern sämtliche Figuren Psychopathen sind und niemand auch nur ansatzweise "normal". Wer ein wirklich tolles Buch über rasende Eifersucht lesen möchte, dem empfehle ich Der Ursprung der Welt von Jorge Edwards. Das ist große Eifersuchtskunst. (Und außerdem eins der schönsten Buchcover aller Zeiten.)

Beuse beginnt seine Rezension mit einem Hinweis auf das in der Tat schnarchlangweilige Buch „Dshamilja“ von Tschingis Aitmatov, von dem Luis Aragon (und seither jeder Vermarkter) behauptet: „Ich schwöre, das ist die schönste Liebesgeschichte der Welt“. Und er schließt mit dem Satz:
Bevor Rückseitentextverfasser das nächste Mal leichtfertig etwas schwören, sollen sie bitte dieses Buch lesen.
Also, das Vogelzimmer jetzt.
Ich hingegen räume das Vogelzimmer mit demselben Gefühl ins Regal, mit dem ich auch vor Ewigkeiten Dshamilja weggeräumt habe, nämlich: äh, was war das denn? Ich habe außerdem gar keine Liebesgeschichte gelesen, sondern eine Pychopathengeschichte. So gesehen ist die sprachliche Fürchterlichkeit auch wieder angebracht, das wollen wir dem Buch mal zugestehen. Im übrigen glaube ich, dass Henning Ahrens' Übersetzung wirklich sehr gut ist. Die Fürchterlichkeit muss vom Autor stammen.
Chris Killen kommt zwischen Irmgard Keun und Esther Kinsky.

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Donnerstag, 1. Juli 2010
Is a book


Rodolphe Töpffer: Die Abenteuer des Herrn Cryptogam

Rodolphe Töpffer lebte von 1799-1846, war Schriftsteller und Zeichner und zu seiner Zeit sehr beliebt. Ich hatte noch nie von ihm gehört. Dieser – wie nennt man das? sagen wir: diese Bildergeschichte beginnt so.

Herr Cryptogam ist 37 Jahre alt und ein begeisterter Naturfreund. Wenn er einen Schmetterling fängt, spießt er ihn mit einer Nadel an seinen Hut. Abends nimmt er ihn herunter und ordnet ihn in seine Sammlung ein. Sodann begibt er sich ins Bett. Er träumt genießerisch von Gegenden, die mit aufgespießten Schmetterlingen gepflastert sind.
Während Herr Cryptogam in Schmetterlingsträumen schwelgt, träumt Elvira, 38 Jahre alt, genießerisch von einer baldigen Ehe mit dem Auserwählten ihres Herzens.


Der Auserwählte ihres Herzens ist natürlich Herr Cryptogam, und der ist zwar irgendwie mit Elvira verlobt, interessiert sich aber leider überhaupt nicht für sie und versucht dauernd, vor ihr davonzulaufen. Nach Marseille, dann auf ein Schiff, auf dem sie auch auftaucht, dann wird das Schiff von Seeräubern gekapert, es passiert der hanebüchenste Unfug, zwischendurch landet Herr Cryptogam sogar … aber das erzähle ich nicht. Es ist jedenfalls alles sehr grotesk, im besten Sinne des Wortes. Und immer wieder erwischt Elvira ihn doch, mal zufällig, mal absichtlich, und Herr Cryptogam will immer nur weg, kann ihr das aber nicht sagen, sondern schwört ihr dann doch wieder seine Liebe. Zu jedem Satz gibt es ein Bild, das sehr an Wilhelm Busch erinnert, und es ist wirklich, wirklich lustig. 200 Seiten, die hat man in einer halben Stunde durch und hat dabei sehr gelacht.





Kostet leider 29,80 €, aber dafür bekommt man auch 200 in Leinen gebundene Bilder mit herrlichem Text drunter.
Tipp: Klappentext bzw. Rückseite nicht lesen, denn da wird das Ende ausgeplaudert.

Ich weiß noch nicht, ob Töpffer ins nach Größe oder sowas sortierte Comicregal kommt oder zwischen Willem van Toorn und Friedrich Torberg.


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Mittwoch, 30. Juni 2010
Helgoland. Eine kleine Abhandlung.
Scheiß doch auf die Seemannsromantik!
Ein Tritt dem Trottel, der das erfunden hat.
Niemand ist gern allein mitten im Atlantik.

(Element of Crime)

Mitten in der Nordsee, auf Helgoland nämlich, ist auch niemand gern allein. Helgoland hatte im Laufe seiner Geschichte immer ungefähr 2500 Einwohner. Im Krieg wurde die Insel zerstört, so richtig, kein Stein blieb auf dem anderen, kein Bewohner auf der Insel. Die Engländer versuchten nach dem Krieg erst, die ganze Insel zu sprengen, was nicht gelang (zum Glück – war ja auch eine saublöde Idee), dann diente sie ihnen als Übungsgelände für Bombenabwürfe.
Anfang der 50er Jahre wurde Helgoland dann wieder deutsch und bewohnbar gemacht. Wer es genauer nachlesen will, kann das hier tun, das ist wirklich sehr spannend. Beim Wiederaufbau wurde Wohnraum für ungefähr 2500 Personen geschaffen – eine Person benötigte damals im Bundesdurchschnitt ungefähr 20 qm Wohnraum, ein Feriengast 12 qm. Dieser Wiederaufbau war unglaublich durchdacht. Die Häuser mussten klein sein, weil die Insel klein ist. Man hat nur sehr schmale Gassen angelegt und die Häuser nicht schachbrettartig angeordnet, sondern sie gegeneinander versetzt – zum einen, damit der Wind nicht so durch die Gassen pfeift, sondern immer wieder gebrochen wird, und zum anderen, damit möglichst viele Häuser möglichst viel Sonne und Seeblick haben; man hat ausgerechnet, welchen Winkel die Dachschrägen haben müssen, um den Sonneneinfall optimal zu nutzen, und es tatsächlich geschafft, dass auch Häuser in der vierten oder fünften Reihe noch das Meer sehen können. Und natürlich waren diese Häuser auf dem neusten Stand der Technik und designerisch auf der Höhe der Zeit, mit einer vom Hamburger Künstler Johannes Ufer entworfenen Farbpalette.
Für heute bedeutet das verschiedenes. Erstens steht ein Großteil des Ortes inzwischen unter Denkmalschutz, denn es ist das größte zusammenhängende 50er-Jahre-Ensemble Deutschlands. Was natürlich das ein oder andere Problem mit sich bringt. Zweitens findet ein Teil der Feriengäste das heute scheußlich. Nebenan bei Herrn Buddenbohm schrieb Britta, Helgoland sei „hässlich, aber zauberhaft“. Diese Meinung teile ich zwar nicht, mir gefällt das nämlich, aber ich kann sie irgendwie nachvollziehen. Die Architektur ist sicher nicht jedermanns Geschmack – aber sie ist in sich total überzeugend, und je öfter ich sie sehe, desto besser gefällt sie mir. Eigentlich kann man auch nicht viel dagegen haben; die Farbpalette ist eine ganz klassische, hauptsächlich Primärfarben, rot, blau, gelb, auch orange, grün, die Häuser ansonsten sehr schlicht und gerade, kein Schnickschnack. Es ist halt nur alles sehr eng und klein.



Als geschlossenes Ensemble in diesem Stil ist es einzigartig, jemand nannte es die „Blaue Mauritius der jungen bundesrepublikanischen Architektur“. Jemand anders, nämlich ein Mitreisender bei der letzten Reise, konnte gar nicht mehr aufhören zu betonen, wie scheußlich er das alles finde. Das betraf allerdings nicht nur die Architektur, sondern auch die Spießigkeit, die Gardinen in den Fenstern und die Kunstblumen und die „Zimmer frei“-Schilder, über die er sich gar nicht mehr beruhigen wollte. Ganz fürchterlich sei das doch!
Nun ja. Weltläufigkeit, Coolness und Mondänität wurden noch nie in Tausend-Seelen-Dörfern geboren.
Und da sind wir beim nächsten Problem: Helgoland hat längst keine 2500 Einwohner mehr. Vor allem die Jungen ziehen weg, und zwar spätestens dann, wenn das erste Kind 12 Jahre alt wird. Dann kommt es auf die weiterführende Schule, und auf Helgoland ist Schluss. Es gibt zwar die James-Krüss-Schule, im Prinzip so etwas wie die „Volksschule“ unserer Eltern, aber wer seine Kinder aufs Gymnasium schicken will, hat nur zwei Möglichkeiten: Internat, oder die ganze Familie zieht aufs Festland. Internat ist heute nicht mehr so beliebt; früher besuchten die Kinder bis zur zehnten Klasse die Inselschule und gingen ggf. erst zur Oberstufe aufs Internat.
Hinzu kommt, dass die Bebauung für 2500 Personen mit einem Platzbedarf von je 20 qm ausgelegt wurde; das reicht heute den wenigsten Leuten. Und so hat Helgoland jetzt offiziell um die 1300 Einwohner, von denen aber nur ungefähr 800 wirklich das ganze Jahr über dort leben. Der Rest hat noch eine Wohnung in Hamburg oder Cuxhaven oder sonstwo und kommt nur zwischendurch auf die Insel. Bauen ist quasi unmöglich, man kann im Prinzip nur ein Haus kaufen, wenn jemand stirbt.
Je mehr Leute wegziehen, desto weniger Chance auf eine genügend große Schule (und auf ein kulturelles Leben, auf Geschäfte etc.) besteht, und desto mehr Leute ziehen ebenfalls weg, vor allem junge. Teufelskreis. Helgoland hat in dieser Situation zwei Möglichkeiten: entweder man lässt alles, wie es ist, dann wird die Insel noch mehr zu einer Art Freilichtmuseum, in dem noch ein paar alte Leute leben, der Rest macht ein Saisongeschäft mit dem Tourismus und wohnt ansonsten auf dem Festland. Wenn man Helgoland allerdings als lebendige Inselgemeinde erhalten möchte, muss eine Lösung her. Beziehungsweise, dann müssen ungefähr 1000 zusätzliche Einwohner her, und die brauchen Platz.
Im Moment scheint es vor allem zwei Pläne zu geben: eine Aufschüttung zwischen Hauptinsel und Düne oder eine Bebauung des Mittellands. Zur Erklärung: Helgoland besteht aus zwei Inseln, der bewohnten Hauptinsel und der vorgelagerten, kleinen, unbewohnten „Düne“. Dazwischen ist, was zwischen Inseln immer ist, nämlich Wasser. Man könnte das aber aufschütten und reichlich Land gewinnen. Diese Idee ist letzten Pressemeldungen zufolge zwar erstmal abgelehnt, aber das heißt nicht, dass nicht doch weiter darüber nachgedacht würde, es gibt da auch verschiedene Möglichkeiten, wie viel Fläche nun genau aufgeschüttet werden könnte, und wo. Eine solche Aufschüttung wäre zunächst mal eine Landgewinnung, einen konkreten Bebauungsplan gibt es dafür anscheinend noch nicht.
Einen Entwurf hingegen gibt es für eine Bebauung des Mittellandes, einen wirklich kühnen Entwurf. Das Mittelland ist der mittelhohe Teil links auf diesem mittelmäßigen Bild.



Der Entwurf sieht vor, das Mittelland mit einem einzigen großen Wohn- und Geschäftskomplex zu bebauen, der fast so hoch werden soll wie das Oberland. Dieser Komplex soll sich an der Küste entlangziehen bis zur Südspitze und auf der anderen Seite wieder zurück, etwa bumerangförmig. In der Mitte soll ein großer Park entstehen, die Außenmauern sollen dasselbe Rot erhalten wie der rote Felsen Helgolands, sodass die Bebauung sich in die natürlichen Gegebenheiten einfügt.

Das sind alles Ideen, Entwürfe, Visionen. Nichts Konkretes, es wird nicht ab übermorgen gebaut. (Ach so, doch, ein neues Dünenrestaurant, aber das ist noch ein anderes Thema.) Mein Kopf sieht das alles ein: dass mehr Leute auf die Insel müssen, die mehr Platz brauchen, und dass dafür etwas Großes passieren muss. Aber emotional ist mir das alles zu groß. Ich finde es schön, mit einem kleinen Boot auf die Düne überzusetzen und wieder zurück. Ich finde es schön, dass doch vergleichsweise große Teile der Insel unbebaut sind. Beide Projekte würden das Gesicht Helgolands enorm verändern. Ich will das nicht, ich mag das nicht, meinetwegen soll Helgoland so puppenstubig bleiben, wie es ist. Aber ich selbst würde auch nicht in einer Puppenstube leben wollen, ich würde nicht auf 20 Quadratmetern auf einer 1000-Seelen-Insel leben wollen. Aber.
Gut, dass ich nichts zu sagen habe. Ich kann mich dann – egal, was passiert – hinterher aufregen und alles ganz fürchterlich finden. Und in zwanzig oder vierzig Jahren vielleicht die kühnen Visionäre bewundern, die so große Projekte erst möglich machen und auf den Weg bringen, und die vielleicht immer etwas zu große Entwürfe vorlegen müssen, damit dann ein etwas kleinerer umgesetzt wird.

Ein Schritt nur, vor uns ist die See, dahinter liegt New York.

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Dienstag, 29. Juni 2010
Leseempfehlungen
1. Im Literaturhaus München fand letztes Wochenende eine Tagung zum Thema Übersetzungskritik statt - mit Literaturkritikern, Übersetzern und Lektoren, es muss hochinteressant gewesen sein, ich gräme mich ein bisschen, dass ich nicht einfach hingefahren bin. Andreas Breitenstein war da und berichtet in der NZZ.

2. Helge Malchow, Verleger von Kiepenheuer und Witsch, wird sechzig. Das wird gefeiert, alle KiWi-Autoren sind eingeladen. (Und ich überlege seit Stunden, ob ich "Die Übersetzer hingegen erfahren es aus der Presse" anfügen soll. Manchmal nicht so einfach, nicht schnippisch zu werden.)
Jedenfalls hat ihn die Welt aus diesem Anlass interviewt, man kann das Interview hier nachlesen.

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Coleslaw
Ein halber Kopf Weißkohl
3 Möhren

Für das Dressing:
100 ml Olivenöl
100 ml Weißweinessig
Salz
Pfeffer
einige Spritzer Tabasco
3 EL Zucker
2 TL Senf
200 ml Sahne
2 Eigelb

Kohl und Möhren in der Küchenmaschine schreddern. (Man kann auch noch einen Apfel dazugeben.)
Für das Dressing vorsichtig das Olivenöl erhitzen. Pfeffer, Salz, Senf, Tabasco, Essig, Zucker dazugeben und rühren, bis der Zucker aufgelöst ist.
Sahne und Eigelb verklappern und zu der warmen Essig-Öl-Mischung geben. Bei geringer Wärmezufuhr rühren, bis die Soße andickt. Warm über den Kohl geben, ordentlich durchmischen und mindestens zwei Stunden im Kühlschrank durchziehen lassen. Nach Belieben nachsalzen und –pfeffern.
Superlecker zu Pellkartoffeln oder zum Grillen. Oder auf Brot. Oder pur.

(Anmerkung: Im Rezept steht ein kleiner Kopf Weißkohl und die halbe Menge Dressing. Ich hatte einen halben großen Kopf und das Dressing war viel zu wenig. Beim nächsten Mal habe ich die doppelte Menge Dressing gemacht, wie hier angegeben, das war viel, aber nicht zu viel.)

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Montag, 28. Juni 2010
Heute Abend
… um 19.30 Uhr berichtet das Hamburg-Journal im NDR-Fernsehen über Maximilian Buddenbohm. Er hat hier und hier über die Dreharbeiten berichtet. Müsst Ihr natürlich alle gucken, ich kann nicht, ich geh steppen.

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Interview mit Ursula Gräfe
Nach Katys wundervollem Interview mit Shelley Frisch dachte ich gleich, sowas könnte doch hier auch interessant sein. Ein paar Leser schrieben sofort jaja, bitte, und hier ist es nun: das erste Kollegen-Interview. Ich habe Ursula Gräfe einige Fragen gemailt, und sie war so nett, sie zu beantworten.

Ursula Gräfe wurde 1956 in Frankfurt am Main geboren und studierte dort Japanologie, Anglistik und Amerikanistik. Seit 1988 arbeitet sie als Literaturübersetzerin. Ihr zweites Interessengebiet neben Japan ist Indien. Ins Deutsche übertragen hat sie u. a. Haruki Murakami, Yasushi Inoue, Hiromi Kawakami, R. K. Narayan und O. V. Vijayan. Sie lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.



Foto: privat

Was hat Dich nach Japan getrieben, wie bist Du darauf gekommen, Japanologie zu studieren und Übersetzerin zu werden?

Eigentlich war das Glückssache, ich wollte – neben Anglistik und Amerikanistik – eine östliche Philologie studieren, ich glaube, um wenigstens drei Erdteile voll zu machen. Indologie gab es nicht und bei Sinologie hatte es mir nicht so gefallen. Ein bisschen Fernweh war auch dabei. Von Japan hatte ich nur eine äußerst vage Vorstellung, ganz zu schweigen von Japanisch.
Übersetzerin bin ich durch einen Glücksfall geworden: Das japanologische Institut, das mittlerweile abgerissen ist, lag damals nicht weit vom Suhrkamp Verlag, der mittlerweile in Berlin ist. Eines Tages fragte eine Lektorin bei unserem Prof. nach, ob jemand The World of the Shining Prince von Ivan Morris, eine Art kleine Kulturgeschichte über die japanische Heian-Zeit (794-1185), ins Deutsche übertragen könne – und weil ich gerade eine Hausarbeit über die Naturvorstellungen dieser Epoche geschrieben hatte und außerdem Anglistik studierte, bekam ich den Leuchtenden Prinzen.

Als ich vor fast zehn Jahren zum letzten Mal versucht habe, etwas aus dem Japanischen zu übersetzen, gab es kaum Fachwörterbücher, oder nur Japanisch-Englisch. Man musste also vieles „um die Ecke“ nachschlagen.
Und: die wichtigsten Englisch-Nachschlagewerke (und Deutsch) habe ich auf dem Computer, da ist alles sehr fix nachgeschlagen. Wie ist das bei Japanisch? Hat sich auf dem Wörterbüchermarkt etwas getan? Das Internet ist sicher eine Erleichterung, aber man wird ja immer noch dauernd Striche zählen müssen, oder?


Es ist ein sehr umfangreiches Großes japanisch-deutsches Wörterbuch (Hg. Irmela Hijiya-Kirschnereit) in Arbeit, Bd. A-I ist erschienen. Ich persönlich arbeite sehr gern mit dem NJStar Wordprocessor, das Programm ist auf meinem Laptop, und mit dem Internet-Wörterbuch www.wadoku.de (unschlagbar, größter Dank den Herausgebern). Mit NJStar kann man sehr schnell nachschlagen, auch Kanji nach einem Ratz-Fatz-Radikalsystem, ohne Zählen. Als Riesenerleichterung, abgesehen vom Vergnügen, empfinde ich die Möglichkeit, Bilder zu bestimmten Suchbegriffen zu googeln. Man weiß es ja: Einmal sehen ist besser als hundert Mal hören oder lesen in unserem Fall.

Du arbeitest viel im Team, übersetzt zusammen mit Kimiko Nakayama-Ziegler. Ist Deutsch oder Japanisch ihre Muttersprache? Wie läuft diese Zusammenarbeit ab?

Kimikos Muttersprache ist Japanisch, aber sie lebt schon sehr lange in Deutschland, hat auch Germanistik studiert. Wir kennen uns noch von der Uni. Ich habe unglaublich viel von ihr gelernt – sie ist ein äußerst kultivierter Mensch und richtig umfassend gebildet. Früher saßen wir immer am Küchentisch und haben Satz für Satz vorgelesen und gemeinsam übersetzt. In der letzten Zeit haben wir immer mehr geteilt, das alte System war zwar fruchtbar, ist aber inzwischen zu aufwändig.

Die japanische Kultur ist von unserer ja recht weit entfernt. Wie gehst Du mit Realien um, die hier nicht bekannt sind, oder mit Anspielungen, die Japanern etwas sagen, aber uns nicht? Wie oft und nach welchen Kriterien fügst Du unauffällige Erklärungen in den Text ein? Hast du Faustregeln für die Gratwanderung zwischen „Fremdheit stehenlassen“ einerseits und „den Text zum Leser bringen“ andererseits?

Tatsächlich bemühe ich mich, möglichst wenig Fremdheit stehen zu lassen, denn es bleiben sowieso noch immer genug „komische“ Sachen stehen. Gerade bekam ich einen sehr stark wegen solcher „Fremdheit“ redigierten Text von einer Lektorin zurück – sie hat dieses Wort benutzt. Ich fand den betreffenden Autor Taichi Yamada – obwohl Drehbuchautor – auch wirklich sehr schwer. Vielleicht liegt es an seinem Alter (Jahrgang 1934) oder den Sujets (realistische, aber mit Okkultem durchsetzte Handlung). Ohne Kimiko hätte ich manches gar nicht verstanden. Du kennst das sicher auch: Eine Figur sagt „Ah, sore wa ...“ (Ah, das ist ...), und im Kontext heißt das dann „wie traurig, dass Sie keinen Vater haben“ oder so was. Außerdem ist die Grenze zwischen dem, was real und dem was illusionär sein soll, schwer zu ziehen. Alles hochgradig suggestiv.
Wenn es um reale Bezüge geht und kein Glossar gemacht wird, füge ich meist unauffällig passende Erklärungen (sogar bis hin zur Entstehungszeit) in den Text ein. Zum Beispiel dreht sich in 1Q84 von Murakami eine Stelle um das Heike monogatari, auf deutsch Die Geschichte der Heike. Wenn ich das so schreibe, fragt sich natürlich ein großer Prozentsatz der Leser: Hä? Was für eine Heike? Wie sollen sie wissen, dass es sich um ein wichtiges Kriegerepos (quasi das japanische Nibelungenlied, haha) handelt, das in Japan jedes Kind kennt.

Bekanntlich werden Übersetzer schlecht bezahlt, und Japan ist ein teures Land und weit weg. Wie machst Du es, den Kontakt zur japanischen Sprache nicht zu verlieren?

Vor Kurzem habe ich das japanische Hörbuch für mich entdeckt, zwar boomen Hörbücher in Japan nicht so wie hier, aber für mich genügen die, die es gibt, für dieses und mehrere nächste Leben. Im Augenblick reise ich (aus familiären Gründen) nicht nach Japan oder in mein Lieblingsland Indien, aber durchs Übersetzen, Internet und den Kontakt zu Freunden geht das schon. Bis vor zweieinhalb Jahren konnte ich noch sehr viel und oft Monate lang verreisen.

Im Moment arbeitest du an der Übersetzung einer Trilogie von Murakami Haruki mit dem Titel 1Q84. Was bedeutet dieser Titel, worum geht es in dem Buch? Was ist das Besondere an der Übersetzung?

Die japanische Ausgabe von Murakamis 1Q84 – die Aussprache (ichikyuhachiyon) ist im Japanischen die gleiche wie bei 1984 – umfasst drei Bände, die insgesamt etwas über 1500 Seiten haben. Die deutsche Übersetzung (in Worten „Ku-zehnhundertvierundachtzig“) der ersten beiden Bände erscheint im Oktober bei DuMont und zwar in einem dicken Band. Die Geschichte spielt 1984 (bezieht sich auch auf Orwell, Stichwort Gedankenkontrolle). Die beiden Hauptfiguren – Aomame, die im Auftrag einer reichen alten Dame wüste Vergewaltiger ermordet, und Tengo, ein junger Mathematiklehrer ohne Festanstellung, aber mit schriftstellerischen Ambitionen – verbindet eine außergewöhnliche Seelenverwandtschaft. Obwohl die beiden sich zuletzt als Zehnjährige begegnet sind, verzehren sie sich auch als Dreißigjährige noch nacheinander. Ihre Aufgabe ist es also, zueinander zu finden und der unheimlichen Welt von 1Q84 zu entkommen, in die sie irgendwie geraten sind (und in der natürlich viele Hindernisse und Gefahren lauern: ein übermenschmäßiger Sektenführer, der Kinder vergewaltigt und den Aomame töten soll, seltsame „Little People“, die aus dem Maul einer toten Ziege in die Welt krabbeln, um dort an geheimnisvollen Kokons aus Luftfäden zu spinnen, und zwei Monde, die über allem stehen.) Mehr verrate ich nicht.
Als schwierig empfinde ich zum Beispiel den sehr freien Wechsel zwischen indirekter, direkter (mit und ohne Anführung) und erlebter Rede im Japanischen. Im Original gefällt mir das sehr gut, weil es die Gedankenwelt der Figuren lebendiger macht. Im Deutschen muss man mitunter abwägen, sonst wirkt es unnatürlich oder sogar wie ein Fehler.

Welches ist von all Deinen Übersetzungen Dein Lieblingsbuch?

Immer das, an dem ich gerade übersetze ...
Sehr gern mag ich die Reifeprüfung (engl. The Bachelor of Arts) von R. K. Narayan, wo ein unglücklich verliebter indischer College-Student, seine stets besorgten Brahmanen-Eltern verlässt und als Wanderasket durchs Land zieht. Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß (jap. „Die Mappe des Lehrers“) von Hiromi Kawakami handelt von einer unverheirateten Enddreißigerin, die durch Zufall ihrem inzwischen pensionierten Japanischlehrer wiederbegegnet. Zwischen den beiden entspinnt sich trotz aller (komischen und manchmal rührenden) Hindernisse eine Liebesgeschichte.
Beide Bücher sind leicht humorvolle Entwicklungsromane, deren mit viel Witz gepaarte Warmherzigkeit und psychologische Einsicht mir gefällt.

Vielen Dank für das Gespräch, Ursula!

Wer mehr über die Besonderheiten des Übersetzens aus dem Japanischen wissen möchte, findet hier noch einen hochinteressanten Artikel von Ursula Gräfe.

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Sonntag, 27. Juni 2010
Pressereise. Hochmut kommt vor dem Fall.
Ich war mal wieder auf einer ethisch bedenklichen Reise, wie letztes Jahr auch schon. Damals waren drei Blogger mit, Maximilian, Henrike und ich. Die mitreisenden Journalisten, hatten wir das Gefühl, schauten ein bisschen auf uns herab. Tatsächlich waren wir an all den Informationen, die uns präsentiert wurden, nur so halb interessiert, wir hörten nicht immer aufmerksam zu und schrieben schon gar nicht mit, sondern genossen die Insel, die Sonne und das Meer. Wir sind Blogger, wir haben nicht die Verpflichtung, unseren Lesern hinterher möglichst viele sachliche Informationen zu bieten, und wir haben keinen Chef, dem wir demonstrieren müssen, dass wir wirklich gearbeitet haben. Schlimmer noch: insgeheim kicherten wir sogar über die streberhaften Mitschreiber und Fragensteller.
Hinterher schrieben wir eher Inselsehnsuchtstexte als informative Zeitungsartikel. Und auf Umwegen wurde uns irgendwann zugetragen, zumindest eine Journalistin sei „von der poetischen Kraft unserer Texte ganz überwältigt“ gewesen, so was hört man natürlich gern. Erst jetzt erfuhr ich, dass mein Blog der Hotelwebseite außerdem in der Tat mehr Besucher gebracht habe als das Hamburger Abendblatt: also bitte, liebe Hotels und Reiseveranstalter, wenn Ihr wollt, dass Euer Angebot in die Welt getragen wird, wisst Ihr Bescheid.

Etwas später war ich privat noch einmal auf Helgoland und habe einen weiteren Inselsehnsuchtstext geschrieben. Diesen beiden habe ich nicht viel Neues hinzuzufügen; es war wieder herrlichstes Wetter, blauer Himmel, Sonnenschein und das Meer, da bin ich ja sowieso schon glücklich. Die Trottellummen und Basstölpel waren da, Robben haben wir kaum gesehen, sie waren alle im Wasser. Als ich (diesmal allerdings eher bewundernd) zu einer Journalistin sagte, sie sei ja so fleißig, dass sie immer alles mitschreibe, da fragte sie, worüber ich denn hinterher schreiben würde: weiß ich noch nicht, sagte ich. Letztes Mal habe ich über den Wind geschrieben.



Und wie ich jetzt wieder so an meinem Schreibtisch sitze und darüber nachdenke, stelle ich fest: Diesmal wird alles anders. Diesmal will ich tatsächlich über den eigentlichen Anlass der Reise schreiben, nämlich ein neues Hotel, denn das hat mich beeindruckt. Ich habe keine Fotos gemacht, nicht mitgeschrieben und zu wenig Fragen gestellt, ich blöde Kuh, ich habe wieder nur mein Gesicht in die Sonne gehalten und gedacht, mir würde schon was einfallen. Und nun steh ich da, mit meinem kurzen Hemd. Der offizielle Eintrag folgt. Irgendwann.

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Donnerstag, 24. Juni 2010
Basstölpel





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Dienstag, 22. Juni 2010
Mit anderen Worten: Wolfenbüttel
"Der durchschnittliche Übersetzer sitzt 362 Tage im Jahr allein zu Hause an seinem Schreibtisch. Die restlichen drei Tage des Jahres verbringt er in Wolfenbüttel, einer beschaulichen Kleinstadt in Niedersachsen."

Meine Kolumne ist diesmal gar keine Kolumne, sondern ein Bericht über die Jahrestagung des Übersetzerverbands in Wolfenbüttel, die vorletztes Wochenende stattfand. Bitte aufs Logo klicken.



PS: Katy Derbyshire hat ebenfalls über die Tagung berichtet, und Ebba Drolshagen hat Fotos gemacht.



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Montag, 21. Juni 2010
Bin mal kurz weg.

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Freitag, 18. Juni 2010
R.I.P.
„Der Autor schafft mit seiner Sprache nationale Literatur. Weltliteratur wird von Übersetzern gemacht.“ José Saramago.

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Gimme hope, Joachim!


(via Moni)

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Yeah.
Wer sich mehr Fußballfeeling im Isablog wünscht, kann einfach hier weiterlesen.

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Donnerstag, 17. Juni 2010
Fundstück
Ein Dichter aus Peine
machte nur unreine Reime.
Auch mit dem Rhythmus
stand er auf Kriegsfuß.
Darum waren seine Limericks auch schlecht.

(Kursiert in verschiedenen Versionen. Beitrag für den VHMLH.)

Man sollte wieder mehr dichten.


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Klappe! Film übersetzen
Nicht wahr, Ihr denkt dran, dass morgen die Veranstaltung zum Thema Film übersetzen ist? Mit Filmausschnitten und Gespräch mit den Kollegen Brigitte Große, Andrea Kirchhartz und Georg Felix Harsch. Im B-Movie in der Brigittenstraße. Mehr Info: Klick aufs Logo.

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Mittwoch, 16. Juni 2010
Fit und Well (15): Punk
Wissen, Halbwissen und Vorurteile über Punker:
Punker sehen komisch aus. Sie haben knallbunt gefärbte Haare in albernen Stachelfrisuren. Der Dresscode ist kompliziert: viel schwarz, viele Nieten und Ketten und sonstiges Metall an Klamotten und Körper. Außer schwarz ist auch rotes Schottenkaro erlaubt, ansonsten eher keine Farben, nichts Helles. Höchstens noch schwarzweiß kariert, aber auf eine bestimmte Weise. Punker lungern an stadtbekannten Herumlungerplätzen herum, haben Hunde und Ratten dabei und schnorren. Sie trinken Bier. Drogen weiß ich nicht. Die meisten pöbeln weniger als man (=ich) so denkt, manche schnorren geradezu höflich. Sie sind für Anarchie und Chaos, gegen Regeln und Spießigkeit und überhaupt dagegen, und vor allem gegen Nazis. Ich habe immer ein bisschen Angst, dass sie aggressiv sind. Ihre Musik ist schnell, laut und hart, und statt Gesang wird geschrien. Man könnte also meinen, mit dem Ende der Pubertät wäre auch der Punk zu Ende, aber so ist das nicht. Punx not dead, man kann auch erwachsen und Punk sein. Hier endet mein Punkerwissen.



Was ich über Punker nicht wusste:
Sie treffen sich montags im Hafenklang zum Pingpongspielen. Rundlauf, wie früher in der Jugendherberge. Die versammelten Punker sehen aus … ich will nicht sagen wie Versicherungsvertreter, aber wenn man bedenkt, was ich erwartet hatte, wirken sie zum großen Teil doch wie brave Angestellte, die abends halt Jeans und ein Pauli-Shirt tragen. Weit und breit keine bunten Haare. Im Gegenteil, es sind Dreadlocks und artige Halbglatzen da. Ich trage übrigens auch nicht das, was ich sonst so trage, sondern ebenfalls Jeans und T-Shirt und bilde mir ein, überhaupt nicht aufzufallen: ich, Isabo, bürgerlich bis ins Mark, falle unter all den Punks nicht auf.
Die Musik hingegen ist genau so, wie ich sie erwartet habe. Laut, schnell, aggressiv, wir werden zwei Stunden am Stück angeschrien, wir sollen uns ficken. Also, jeder sich selbst, nicht einander. Gut, kann man machen, de gustibus est sowieso non disputandum. Über Tischtennisregeln est auch non disputandum, alle kennen sie und halten sich dran, alle wandern total entspannt um die Pingpongplatte herum, und wer einen Fehler macht, fliegt raus. Ich zum Beispiel. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt Tischtennis gespielt habe, es muss viele Jahre her sein, natürlich haue ich dauernd daneben. Und „wieder reinkommen“ klappt natürlich auch nicht, wenn man immer gleich beim ersten Ballkontakt rausfliegt und dann wieder bis zur nächsten Runde warten muss. Ich kenne die Regeln nicht mal, an die die Punks sich so akribisch halten, und werde freundlich lächelnd darauf hingewiesen, dass man die Angabe wiederholen muss, wenn der Ball beim ersten Mal das Netz berührt. Manchmal schaffe ich einige Runden, einmal bin ich sogar unter den letzten vier. Ins Endspiel kommen immer dieselben paar Leute. Manche sind sehr cool und routiniert, Zigarette im Mundwinkel, Bier in einer Hand, Tischtennisschläger in der anderen.
Einmal fliegt der Ball quer durch die Kneipe, springt hierhin und dorthin, fällt dem, der ihn schon hatte, wieder aus der Hand, verschwindet irgendwohin, und als er endlich wieder da ist, weiß niemand mehr, wer eigentlich Aufschlag hatte. Die beiden, die sich gerade an der Platte gegenüberstehen, knobeln das mit Schnick-Schnack-Schnuck aus, und plötzlich finde ich das „Fuck you“-Geschrei aus den Boxen – ich bitte um Entschuldigung – irgendwie niedlich.



Der Unterschied zur Klassenfahrt: Napalm Death ist krawalliger als Duran Duran, das Tischtennisspiel hingegen ist sehr viel entspannter und freundlicher. Und als es auf Klassenfahrten nach Kräutern roch, spielten wir nicht mehr Tischtennis.



Bilder: Lady Grey

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Montag, 14. Juni 2010
Mit anderen Worten: Der Übersetzer. Im Jardin des Traducteurs
"Normalerweise werden Texte von einer Sprache in die andere übersetzt, aber es geht auch anders: ISABEL BOGDAN mit einer deutsch-deutschen Übersetzung eines Rilke-Klassikers."



Meine neue Kolumne ist da, und sie ist ein Gedicht. Bitte aufs Logo klicken.


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Sonntag, 13. Juni 2010
Aufgeschnappt
"Im Grunde ist die Welt ironisch gemeint." (Wilhelm Genazino)

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Mittwoch, 9. Juni 2010
Note to myself:
Obst (Erdbeer, Orange, Zitrone, Sonstiges), Gurke, Minze, Eiswürfel, Pimm's (1/3), Ginger Ale (2/3).

(Danke, Kaltmamsell!)

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Fußballvorbereitung
Der schönste Online-WM-Planer mit allen Spielen, Terminen, Teilnehmerländern, Stadien und allem Pipapo ist hier (oben links auf "Full Screen" gehen, dann mit der Maus über Länder, Termine etc gehen).

Einen sehr hübschen, ganz kleinen Spielplan zum Ausdrucken und Überallhinmitnehmen gibts hier.

Mitten im Spiel den Spielstand vergessen? Kann jetzt nicht mehr passieren: Count Bear mit Mood Indicator zum Ausdrucken und Selberbasteln. Von Claus Ast.

(Alles mehr oder weniger via Anke)

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Dienstag, 8. Juni 2010
Fit und Well (14): Kubb
Kubb ist ein Hölzken-und-Stöcksken-Spiel, genauergesagt: man braucht für Kubb sechs Stöckchen, zehn Klötzchen und einen Klotz. Der Klotz ist der König, die Klötzchen seine Krieger und die Stöckchen die Waffen, jedenfalls muss man mit den Stöckchen die Klötzchen umwerfen, aber nicht den Klotz, beziehungsweise den erst als letzten. Wie revoluzzerhaft es ist, den König unter allen Umständen erst als allerletzten zu fällen, soll hier nicht weiter diskutiert werden. Auch sonst wirkt das Spiel nicht besonders martialisch, man wirft halt mit Stöckchen Klötzchen um.



Gespielt wird mit zwei gleichgroßen Mannschaften, die einander an zwei Seiten eines rechteckigen Spielfelds gegenüberstehen. An den Grundlinien stehen je fünf Klötzchen, dahinter die Mannschaft. Der König steht in der Mitte. Wenn ein Klötzchen umfällt, ist das mit gebührend Jubel zu feiern. Wenn kein Klötzchen umfällt, ist das von der gegnerischen Mannschaft mit gebührend Häme zu überschütten. Das wären wohl erstmal die wichtigsten Regeln.



Dass die Mannschaften gleich groß sein sollen, trifft sich gut, denn wir sind zu siebt. Einer kann nicht mitspielen, und das bin ich, ich hab Rücken. Immerhin habe ich im allerletzten Moment beschlossen, trotzdem hinzugehen, aber ich kann nur einigermaßen gehen, stehen geht auch, und liegen. Sitzen geht auf keinen Fall, werfen versuche ich lieber gar nicht erst. Keine unnötigen und ungewohnten Bewegungen. Für alle anderen ist das auch besser so, denn ich bin sowieso werfgestört, mit mir zusammen hätten sie nur verloren.
Auch so haben natürlich alle mal verloren. Die Mannschaften werden immer wieder neu gemischt, „Vornamen mit A gegen die anderen“ („Das A-Team“), „Rechtshänder gegen Linkshänder“, „jetzt will ich aber mal mit A. und B. spielen, damit ich auch mal gewinne“ und „Rechtshänder gegen Linkshänder, aber die Rechtshänder werfen mit links und die Linkshänder mit rechts“. Zwischendurch ein Bier oder Sekt, dazu gibt es furztrockene glutenfreie Mais-Paprika-Muffins. Die Sonne scheint, die Freunde werfen mit Stöckchen nach Klötzchen, ich liege auf dem Rücken wie ein Käfer die gefällte Königin, schön gerade, die Füße aufgestellt, alles artig so, wie man das gelernt hat, lasse mich vom Nachbargrill durchräuchern und jammere ein bisschen. Meine Aussicht auf das Spiel ist die meiste Zeit diese:



Nächstes Mal, Leute. Da zeige ich Euch, wie man Klötzchen umwirft! Ihr werdet schon sehen.

PS: Kid37 war auch dabei.
(Bilder zum Teil von Lady Grey)

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Montag, 7. Juni 2010
Leseempfehlung
Ein Interview von Katy Derbyshire mit Shelley Frisch, die für ihre Übersetzung des Sachbuchs „Fromms“ von Götz Aly und Michael Sontheimer ins Englische eine Goldmedaille bei den Independent Publishers' Book Awards gewonnen hat:

When I read over my many drafts, I vocalize and subvocalize the text, and, like a cook at a stove, try a dash of alliteration here, a pinch of sibilants there, and just a smidgen of contrast intonation to bring out the flavor of my sentences. Above all, I need to feel confident that the end result does not read like “translationese.”

Thanks, Shelley, this is brillant.

[Warum bin ich selbst eigentlich nie auf die Idee gekommen, hier Interviews mit Kollegen zu führen? Bin ich doof? Da könnten doch wirklich interessante Sachen bei rauskommen.]

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Happy Birthday, Tiger!


(Delilah war am Tag meiner Geburt auf Platz eins der Hitparade.)

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Flattr
Flattr ist das neue große Ding im Internet und eine ziemlich gute Idee, finde ich. Es wurde ja immer mal wieder darüber nachgedacht, ob und wie man sich als Blogleser dafür bedanken kann, dass Blogschreiber einem täglich Unterhaltung, Informationen oder sonst was bieten (das gilt natürlich ebenso für Fotografen, Musiker und so weiter – jeden, der Content ins Netz stellt und nichts dafür bekommt). Viele Blogger haben einen Link zu ihrem Amazon-Wunschzettel, damit Leser, wenn sie möchten, sich mit einem Geschenk bedanken können. Das passiert mir ungefähr dreimal im Jahr, und ich bin jedes Mal total gerührt und freue mich wie Bolle.
Jetzt ist Flattr da. Damit kann man für Blogeinträge schnödes Geld bezahlen, spenden, oder wie auch immer man es nennen will. Und so funktioniert es: Man zahlt am Anfang des Monats einen selbstgewählten Betrag ein, vielleicht 2,- € oder 20,-€, so viel eben, wie man gerne für Content im Internet ausgeben möchte.
Unter den Blogbeiträgen der teilnehmenden Blogger (das heißt solchen, die ebenfalls etwas eingezahlt haben) befindet sich ein Button, den man anklicken kann, wenn der Beitrag einem besonders gefällt. Sagen wir, ich habe 10,- € eingezahlt, und am Ende des Monats haben mir insgesamt 10 Einträge in andererleuts Blogs so gut gefallen, dass ich auf den Knopf gedrückt habe. Dann bekommt jeder dieser Blogger einen Euro von meinen zehn. Hat mir nur einer gefallen, bekommt einer die zehn Euro. Habe ich 100 Buttons angeklickt, ist jeder Klick 10 Cent wert. Mein eingezahlter Beitrag wird zu gleichen Teilen auf die Blogeinträge (bzw. ihre Verfasser) verteilt, die ich angeklickt habe, und für mich besteht keine Gefahr, den Überblick zu verlieren und am Ende des Monats eine Riesenrechnung zu bekommen. Einzahlen geht übrigens über PayPal und ganz fix.
Eine großartige Idee, finde ich – niemand muss mitmachen, niemand muss zahlen. Aber wer findet, dass guter Content bezahlt gehört, der kann das tun und entscheidet selbst, wieviel. Und was er für gut hält und bezahlen möchte.
Die meisten Blogs, in denen ich das gesehen habe, haben einen kleinen Button unter den Einträgen, der mitzählt, wie oft ein Beitrag geflattrt wurde. Bei Antville funktioniert das anscheinend nicht; keine Ahnung, ob es ansonsten funktioniert, ich versuch's mal. Und zwar mit diesem Button:



Flattr selbst erklärt das mit einem kleinen Filmchen:



Wer noch mehr darüber lesen will, kann das hier tun:
Anke Gröner
Jawl
Stefan Niggemeier
Spreeblick

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Sonntag, 6. Juni 2010
Is a book: Unzufrieden
Tim Krohn: Ans Meer.

Der Roman beginnt so:

Während Anna darauf wartete, dass die Gynäkologin ins Behandlungszimmer zurückkam, schloss sie für einen Augenblick die Augen.

Ja, im Ernst. Gynäkologin! Augenblick die Augen! Nein, das ist kein Groschenheft, sondern ein sehr schönes Hardcover aus dem Verlag Galiani, und Katy hat es wärmstens empfohlen, sonst hätte ich es schon nach dem ersten Satz weggelegt. Aber dann kommt ein unausgegorener, schlecht recherchierter Quark über unerfüllten Kinderwunsch, unplausible Handlungen und unplausible Stimmungsumschwünge. Im zweiten Kapitel wechselt die Perspektive, wir folgen jetzt einem Zehnjährigen, der Schwierigkeiten mit seiner chaotischen Mutter hat, und der lauter unplausible Dinge denkt und tut. Und über allem liegt der Schleier eines längst vergangenen Unglücks oder eines längst vergangenen wasweißich, ich will es, ehrlich gesagt, gar nicht wissen und stelle das Buch nach 73 Seiten zurück ins Regal zwischen László Krasznahorkai und Mareike Krügel.

Und lese lieber

Joyce Carol Oates (Silvia Morawetz): Niagara

Diese Empfehlung kam von meiner Lieblingsbuchhändlerin. Es sei so unfassbar spannend, sie habe bis sechs Uhr abends im Schlafanzug auf dem Balkon gesessen. Der Roman beginnt so:

Die zu der Zeit nicht namentlich bekannte Person, die sich in die Hufeisenfälle stürzen sollte, erschien gegen 6.15 Uhr morgens bei dem Brückenwärter an der Hängebrücke zur Ziegeninsel. Es war an diesem Tag der erste Fußgänger.

Da stürzt sich also einer die Niagarafälle runter, und wir erfahren auch bald, warum: weil seine Hochzeitsnacht so grauenvoll war. Weil er und seine Braut so verklemmt und presbyterianisch sind. Die Braut kann nicht glauben, dass er das getan hat, und hält an den Fällen Wache, bis die Leiche nach sieben Tagen (und sieben Nächten! Wer hätte das gedacht!) endlich gefunden wird. Bis dahin sind wir auf Seite 120, wenn wir noch nicht eingeschlafen sind, und haben gefühlte achthundert Mal erfahren, dass die Frau rote Haare hat. Meine Güte, Joyce Carol Oates ist doch nicht irgendwer, ich dachte, man könnte mal was von ihr lesen. Ab ins Regal damit, zwischen Akiyuki Nozaka und Kenzaburo Oe.

Keine Ahnung, warum ich gerade so ungnädig bin, liegt es an mir oder an den Büchern? Ich möchte lieber wieder was lesen, was mich so richtig begeistert, wie Bennett, Rammstedt, Bakker, hat jemand Vorschläge?


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Samstag, 5. Juni 2010
Ausflug








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Freitag, 4. Juni 2010
Mehr Freude beim Kochen

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Klappe! Film übersetzen


Hamburg | 18. Juni 2010 | 20 Uhr
KLAPPE! - FILM ÜBERSETZEN

Mit Brigitte Große, Georg Felix Harsch und Andrea Kirchhartz

Ort: B-Movie
Brigittenstraße 5, 20359 Hamburg
Tel. (040) 430 58 67, www.b-movie.de
Eintritt 5 Euro


„Ich schau dir in die Augen, Kleines!" Das vielleicht berühmteste Zitat der Filmgeschichte lautet im Original ganz anders, nämlich: „Here's looking at you, kid."

Darf die Übersetzung besser sein als das Original? Ist Synchronisation Verrat? Was zählt eigentlich noch zur Filmübersetzung? Untertitel, Voice-over, Drehbuchübertragung ... Und was machen Filmübersetzer? Liefern sie nur den Rohstoff, oder feilen sie mit am Gesamtkunstwerk Film?

Brigitte Große, Georg Felix Harsch und Andrea Kirchhartz bringen Licht ins Dunkel des Kinosaals. Anhand von Werkstattberichten und Filmausschnitten illustrieren sie, was geschieht, wenn Bilder bleiben, aber die Sprache wechselt - vom Spielfilm bis zur Dokumentation.

Gefördert durch die Robert Bosch Stiftung und die Behörde für Kultur, Sport und Medien der Stadt Hamburg.


Mehr zu den Akteuren und Projekten

Brigitte Große hat Philosophie und Musikwissenschaft, Soziologie und Psychologie studiert und übersetzte bisher ausschließlich Bücher und Aufsätze aus dem Französischen (u.a. von Frédéric Beigbeder, François Bégaudeau, Georges-Arthur Goldschmidt, Amélie Nothomb, Eric-Emmanuel Schmitt, Paul Valéry, Jean Baudrillard, Roland Topor).

Der Film "Berlin Cabaret" von Fabienne Rousso-Lenoir, der am 9. Mai 2010 in Hamburg uraufgeführt und am Pfingstmontag, dem 24. Mai, auf ARTE ausgestrahlt wurde, ist eine fast symphonische Komposition aus Tausenden Bild- und Tonschnipseln, die die Regisseurin nach zweijähriger Recherche im Deutschen Filmarchiv in Berlin aus deutschen Spiel- und Dokumentarfilmen der Zwischenkriegszeit kunstvoll montiert hat. Darüber liegt ein poetischer, mit Zitaten zeitgenössischer Autoren durchwirkter Text, der von Ulrich Tukur gesprochen wird. Nicht nur hat Brigitte Große diesen Text übersetzt, sie hat das gesamte Projekt in all seinen Entstehungsphasen begleitet, von der Textauswahl bis zu Rechteverhandlungen, und hat erfahren, wie sehr Film mit seinen spezifischen Anforderungen Übersetzung beeinflusst.


Georg Felix Harsch ist zweisprachig aufgewachsen und hat in Freiburg und Hamburg Anglistik, Germanistik und Volkskunde studiert. Er hat als Schlussredakteur, Kulturjournalist und Programmmacher beim Hamburger Kurzfilmfestival gearbeitet. Seit zehn Jahren übersetzt er Filme, Ausstellungstexte und Sachbücher aus dem Englischen und ins Englische. Wie auch Andrea Kirchhartz gehört er zum Team der Hamburger Filmübersetzungsfirma subs, auf deren Webseite Sie u. a. erfahren können, weshalb die Firma 2006 für die Untertitelung verschiedener Filme preisgekrönt wurde.

Georg Felix Harsch übersetzt auch für die KZ-Gedenkstätten Bergen-Belsen, Neuengamme und Ravensbrück. Am 18. Juni stellt er die Videostationen aus der neuen Dauerausstellung der Gedenkstätte Bergen-Belsen vor, an denen Überlebende von Verfolgung, von ihrem Leben vor und nach der KZ-Haft berichten. Das Thema, die Ausstellungskonzeption und die Vielsprachigkeit der biographischen Erzählungen stellten Filmemacher und Übersetzer vor ungewöhnliche Aufgaben, die mit ebenso ungewöhnlichen Mitteln gelöst wurden.


Andrea Kirchhartz hat Germanistik, Theater-, Film- u. Fernsehwissenschaften in Köln und Paris studiert und arbeitet nach langjähriger Tätigkeit in diversen Filmberufen seit zwölf Jahren als Filmübersetzerin für Untertitel, Voice-over und Synchron. Außerdem führt sie Regie bei Sprachaufnahmen, übersetzt Drehbücher, filmwissenschaftliche Aufsätze und Sachbücher und dolmetscht auf Symposien und Kongressen sowie bei Dreharbeiten.

Alain Resnais' poetischer Spielfilm "Cœurs" (2006) ist eine bittersüße Liebeskomödie über eine Handvoll einsamer Menschen, deren Schicksale sich bei einer Wohnungssuche kreuzen. Anhand von Ausschnitten wird Andrea Kirchhartz die Übersetzungswege veranschaulichen, auf denen sich Filmdialoge in Untertitel verwandeln.

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Donnerstag, 3. Juni 2010
Fit und Well (13): Schwarzlichtviertel
Mit Schwarzlicht beleuchtetes Indoor-Minigolf ist eine so bescheuerte Idee, dass ich da selbstverständlich hinmusste. Zumal sowieso das alljährliche Blogger-Minigolfen um den begehrten Wanderpokal anstand. Der Pokal ist etwas ganz Besonderes und zu Recht begehrt, wir sagen aber nicht, worum es sich handelt, denn sonst wollt Ihr demnächst alle mit, und das geht ja nicht. Ohnehin ist dieser Pokal eine Sache, die gewöhnlich zwischen dem lustigen Mann und Kid37 ausgefochten wird, und letzterer hat diesmal unter fadenscheinigen Vorwänden geschwänzt. Womit der diesjährige Sieger auch schon gleich ausgeplaudert wäre.

Wir waren zu fünft und pünktlich. Pünktlich ist wichtig, man muss sich nämlich vorher anmelden und bekommt einen Termin mit genauer Uhrzeit, und die Uhrzeit ist nicht etwa eine lose Anregung wie „viertel nach zwei“, nein, die Uhrzeit, zu der wir unseren Minigolftermin hatten, lautete 14:18 Uhr. Ja, das meinen die ernst.
Um haargenau achtzehn Minuten nach zwei betreten wir also einen winzigen Raum, der innen aussieht wie ein U-Boot. Beziehungsweise wie ein ziemlich kleines Kind sich ein U-Boot vorstellt. Und der schwankt und wackelt, und in dem uns ein alberner „Kapitän“ auf einem Bildschirm die Minigolfregeln erklärt. Joho, und ne Buddel Rum. Manche von uns amüsieren sich, andere kriegen schlechte Laune.
Das U-Boot befördert uns in die erste von drei „Erlebniswelten“. Ich weiß nicht, ob die so heißen, das habe ich mir gerade ausgedacht, solche Sachen heißen ja immer so. Die erste Erlebniswelt ist eine Unterwasserwelt. Alles mit Schwarzlicht beleuchtet und in grellen Neonfarben bemalt. Wilde Unterwasserfantasien mit Haien und Kraken und Schiffswracks und Neptun und Nessie. Die schlechte Laune ist sofort weg, denn das ist wirklich großartig bescheuert. Alles so schön bunt hier! Und ich trage eine Art Tarnkleid, gute Wahl.











Alsdann tritt man durch eine Art Stargate über einen kleinen Strand (eine Bahn, der Ball muss in eine Schatzkiste) in den Dschungel. Grellbunte Papageien, Spinnen, Dinosaurier, Vulkane. Was im Dschungel halt so ist. Übrigens liege ich mit noch jemandem zusammen in Führung. Aber Dinge ändern sich, und Minigolf ist Minigolf. Wobei die Bahnen hier teilweise wirklich speziell sind.







Es geht aus dem Dschungel in den Tunnel, eine runde Röhre, die man auf einer leicht geneigten Brücke durchquert, und an den Wänden bewegen sich bunte Längsstreifen im Kreis um einen herum. Wenn man auf der Brücke stehenbleibt, bekommt man schnell das Gefühl, dass die Streifen sich nicht bewegen, sondern stillstehen, während man selbst sich unablässig dreht. Sehr sonderbar, und es dauert danach eine Weile, bis ich das leichte Schwindelgefühl wieder los bin. Wir betreten als letztes eine Fabrik oder so was, in der die Designer dann vollends kindisch geworden sind. Das ist aber nicht der Grund, warum ich in rasanter Geschwindigkeit plötzlich hinten liege und schließlich spektakulär verliere, denn ich habe ja gar nichts gegen solche Kindereien. Der Grund ist eher, dass ich einfach nicht mit Bällen umgeh der Schwindeltunnel. Danach kann man ja gar nicht mehr geradeaus schlagen, und die anderen sind da viel schneller durchgegangen als ich, denen war nicht schwindelig. Dochdoch, so war’s.





Und während wir drinnen im Schwarzlicht kleine Neonbälle in Löcher schubsten, war draußen herrliches Wetter. Dort vor der Tür haben wir dann noch anderthalb Stunden mit selbstgebackenem Möhrenkuchen in der Sonne gesessen, auf einer Treppe zwischen Subway, einem Fitnessstudio, Deichmann und Rewe. Das war sehr gemütlich und nett, da an der großen Straße, mit dem Kuchen.

(Fotos: von oben nach unten durchnummeriert, stammt Bild 4 von Lady Grey, Bilder 8-10 von AxelK. Der Rest ist von mir.)

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Montag, 31. Mai 2010
Vorschlag
Nachdem der Bundeshorst sich soeben selbst zum Vollhorst befördert hat, schlage ich Frau Käßmann für das Amt des Bundespräsidenten vor. Der Vollhorst moderiert den Grand Prix und Uschi Blum singt. Wobei. Dann haben wir Ballack noch nicht untergebracht. Also muss vielleicht doch Ballack den Grand Prix moderieren, der ist auch ein bisschen weniger umständlich als der Vollhorst, und der Vollhorst wird Oberbischof, dann kann die Käßmann vielleicht singen, Lena wird Mannschaftskapitän und Hape Kerkeling Bundespräsident. Das Ölleck verschließen wir mit Koch und Rüttgers, dann dürften doch die meisten Probleme gelöst sein.

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Mit anderen Worten: Das Böse™


"Wahrscheinlich gibt es so viele Übersetzungsansätze wie Übersetzer. Jeder hat seine eigenen Theorien, Vorlieben und Vorgehensweisen; viele – Übersetzer, Lektoren, Kritiker, Leser – haben sogar eigene Wahrheiten, die sie für die allein gültigen halten. Die Wahrheiten des einen müssen aber nicht die Wahrheiten des anderen sein. Nur bei einem Thema sind sich scheinbar alle einig: wir alle wissen, was Das Böse™ ist, das Schlimme, das no-go, was überhaupt niemals nicht geht. Und wenn es uns doch einmal passiert, versehentlich, schämen wir uns in Grund und Boden, und zwar, findet die versammelte Gemeinde, zu Recht. Das Böse™ sind (man stelle sich hier einen langsamen, unheilverkündenden Basslauf vor): Anglizismen. ISABEL BOGDAN hat dazu eine etwas andere Meinung, nämlich: pffft."

Meine neue Kolumne ist da! Und sie hat jetzt, wie man sieht, ein eigenes Logo. Bitte anklicken.

PS: Wenn man hier rechts oben das Grimme-Online-Logo anklickt, kann man dafür stimmen, dass, jetzt nur mal so als Beispiel, das Titel-Magazin den Publikumspreis bekommt. Das macht Ihr doch sicher tägl

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Samstag, 29. Mai 2010
Is a book


Alan Bennett (Ingo Herzke): Handauflegen

Der Roman beginnt so:
Treacher saß unauffällig im hinteren Teil eines Seitenschiffs und bemerkte dennoch, dass er häufig angeschaut wurde. Er war groß, dünn und trug einen unfreundlich abweisenden Gesichtsausdruck, und wäre dies ein britischer Film aus den Sechzigern, hätte ihn der Schauspieler Raymond Huntley gespielt. Dieser war schon im wirklichen Leben ziemlich unangenehm und hatte sich in Ausübung seiner Kunst auf die Darstellung schlechtgelaunter Geschäftsleute und wichtigtuerischer Beamter spezialisiert.

Treacher ist nicht der einzige, der da in der Kirchenbank sitzt, die Kirche füllt sich mit immer mehr Prominenten, von hochrangigen Politikern über Banker bis hin zu Schauspielern und Fernsehsternchen. Sie alle sind zum Gedenkgottesdienst für Clive gekommen, der im zarten Alter von 34 Jahren gestorben ist. Niemand weiß, woran, aber man macht sich so seine Gedanken. Clive war Masseur, er hat die Reichen und Schönen massiert, und ihnen – je nach Bedarf und mit größter Diskretion – nicht nur die Hand aufgelegt. Alle sind erstaunt, dass so viele andere Prominente da sind, dass überhaupt so viele Leute da sind, sie alle dachten, sie gehören zu einem exklusiven, kleinen Kreis. Die Trauer um Clive ist bei den meisten weniger eine Trauer um Clive, als vielmehr die Angst davor, dass er ihnen etwas Unliebsames hinterlassen haben könnte. Und so rutscht die versammelte Upper Class auf den Bänken hin und her, während der Gottesdienst unter Anleitung von Pater Jolliffe seinen Lauf nimmt. Pater Jolliffe kannte Clive übrigens auch und wird, wie alle anderen Anwesenden, durch verschiedene Enthüllungen im Laufe des Gottesdienstes gehörig durch seine Gefühlswelt geschleudert.

Alan Bennett bezaubert hier wieder mal (wie schon in der Souveränen Leserin und Così fan tutte) mit seinem extrem britischen Humor, mit diesem feinen Ironieteppich, der der ganzen Geschichte zugrunde liegt; er nimmt Ängste und Befindlichkeiten aufs Korn und nimmt sie erstaunlicherweise gerade durch Unernst und Überdrehtheit ernst. Und auch dieser Bennett hier ist ebenso kurz wie die beiden anderen, keine 100 Seiten. Wer einfach mal was Kleines, Leichtes, unglaublich Charmantes, aber keineswegs Dummes lesen möchte: Alan Bennett. Dieser hier ist vielleicht der Lustigste von den dreien, die ich bislang gelesen habe. Ich liebe sie alle drei.
Bennett steht im Regal zwischen Benn und Bergengrün.

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Freitag, 28. Mai 2010
Möhrenkuchen
5 Eier
1 Prise Salz
200 gr Zucker
etwas Zitronensaft
250 gr gemahlene Haselnüsse
250 gr fein geriebene Möhren
75 gr Mehl
1 Päckchen Backpulver

Backofen auf 175° vorheizen.
Eier trennen. Eiweiß mit einer Prise Salz steif schlagen.
Eigelb mit Zucker schaumig rühren, Möhren, Haselnüsse und Zitronensaft zugeben. Mehl mit Backpulver mischen und unter die Masse rühren. Vorsichtig den Eischnee unterheben. Alles in eine runde Springform, 60 Min. bei 175°C backen.
Kuvertüre drüber.

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Donnerstag, 27. Mai 2010
Manchmal
hat man nichts zu bloggen. Oder hat, um es etwas dramatischer auszudrücken, eine Kreativitätskrise. Mir fällt nichts ein, ich könnte natürlich mehr vom Urlaub erzählen, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass das mir gehört, ich muss ja nicht alles hier reinschreiben. Andererseits weiß ich auch, dass ich es eh vergesse, wenn ich es nicht aufschreibe. Ach, egal.
Ich sitze an der Fahne des Fleischbuchs (wollt Ihr noch was über Fleisch wissen?), danach fange ich mit einem neuen Roman an. In Wahrheit sitze ich allerdings gar nicht an der Fahne, sondern an der neuen Kolumne, die am Montag erscheint und immer noch nicht fertig ist.
Heute war ich mit der zauberhaften Lisa, deren wundervolles Buch ihr hoffentlich alle gelesen und verschenkt und bejubelt habt, mittagessen, zum Abschied sozusagen, weil sie, kaum in Hamburg angekommen, nach Berlin zurückzieht. Sehr schade, ich hätte gern noch mehr von ihr gehabt.
Das Wetter ist so mittel, könnte wärmer sein.
Und so müsst Ihr, weil mir nichts anderes einfällt, morgen oder übermorgen schon wieder mit einem Bucheintrag rechnen. Aber immerhin: es wird ein begeisterter sein. (Gleich mal vormerken: Alan Bennett, Handauflegen. (Genau, das ist der mit der souveränen Leserin.))

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Dienstag, 25. Mai 2010
Is a book


Gerbrand Bakker (Andreas Ecke): Juni

Der Roman beginnt so:
„Gleich kommt Slootdorp“, sagte der Chauffeur. „Dort übernimmt sie ein neuer Bürgermeister“.
Sie schaut hinaus. Rechts und links breite Streifen Weide- und Ackerland, deren Ende nicht zu sehen ist. Hier und da ein klobiger Bauernhof mit rotem Ziegeldach. Zum Glück regnet es nicht. Rechts wird die Sicht teilweise von C.E.B. Roëll versperrt, die in ihren Papieren liest; bestimmt irgend etwas über das Dorf, zu dem sie unterwegs sind. Sie zieht die Handschuhe aus, legt sie sich auf den Schoß und klappt den Aschenbecher auf. Roëll seufzt. Einfach ignorieren. Noch nicht einmal das halbe Pensum, und es kommt ihr so vor, als wäre schon viel mehr als die Hälfte des Tages vorbei.“


Im Juni 1969 besucht die niederländische Königin Juliana das Dorf. Alle sind darauf vorbereitet, die Häuser sind geschmückt, Kinder überreichen Blumen und winken mit Fähnchen, die Volkstanzgruppe tritt auf, und so weiter. Für alle ist es aufregend, außer für die Königin, die macht das nämlich dauernd.
Ungefähr vierzig Jahre später sind die Kinder, die damals gewunken haben, die die Blumen überreicht oder den Königinnenbesuch geschwänzt haben, erwachsen und haben selbst Kinder, und die damaligen Erwachsenen sind alt. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht die Familie Kaan: Oma Anna Kaan, die sich gelegentlich mit einer Flasche Eierlikör und ihrem Herzeleid auf den Heuboden verzieht und erst nach einer Weile wieder herunterkommt. Ihr Mann Zeeger, der auch nicht weiß, was er tun soll. Sohn Klaas, der den Hof verkommen lässt, seine Brüder Jan und Johan, die ebenfalls ihr Päcklein zu tragen haben, und Dieke, die fünfjährige Enkelin, die sich vieles nicht erklären kann. Und diverse andere Dorfbewohner, die durch verschiedenste Vorkommnisse, von denen viele mehr oder weniger mit dem Besuch der Königin zusammenhängen, mit den Kaans verbunden sind. Allesamt sehr eindrückliche Charaktere, alle sehr plausibel, alle mit ihren Macken und Verletzungen.
Die Geschichte entblättert sich, indem Bakker in kurzen Kapiteln mal dieser, mal jener Figur folgt; alles findet an einem einzigen Tag im Juni statt, rückblickend auch am Tag des Königinnenbesuchs vor fast vierzig Jahren. Dauernd gehen Dinge kaputt, und es wird viel Radio gehört.
Ein paar Themen kehren wieder, die Bakker schon in Oben ist es still behandelt hat, auch die Stimmung ist ähnlich; aber es ist doch ein sehr neues, sehr anderes Buch, und es ist ebenso wunderbar. (Und ebenso wunderbar übersetzt von Andreas Ecke.) Extrem lakonisch, im Klappentext steht „so wortkarg wie wortstark“, das trifft es sehr gut.
Was mir auch gefällt: dass am Ende nicht alles gelöst ist. Es werden alle weiter an ihrem Päckchen zu tragen haben, es hat nur einige Verschiebungen gegeben. Und ein paar Enden hängen noch lose herum. Aber wir brauchen auch gar nicht zu wissen, wie diese Geschichten weitergehen. Die Figuren sind uns für eine Weile nahe gekommen, und jetzt verlassen wir sie wieder. Großartiges Buch, lesen!
Im Regal hat Gerbrand Bakker prominente Nachbarn, nämlich Nicholson Baker und Honoré de Balzac.

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Donnerstag, 20. Mai 2010
Is a book


Paul Torday (Thomas Stegers): Charlie Summers

Der Roman beginnt so:
Das Geld kam aus dem Nichts. In den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts wurde die Welt wie nie zuvor von Geld überschwemmt. Die Zeitungen sprachen von einem „Chash-Tsunami“, mit einer Begeisterung, die jedes Urteilsvermögen vermissen ließ. Aber das war bezeichnend für die Situation, wie sie sich für uns im Geldgeschäft damals darstellte. Investmentbanken, Hedgefonds, Prime Broker, Hypothekengeber, Privatkundenbanken: Alle warfen mit Geld nur so um sich.

Irgendwo in diesem Riesengeschäft mit dem Geld befindet sich Hector Chetwode-Talbot, genannt Eck. Er versteht nicht wirklich etwas vom Geldgeschäft, lernt aber gerade genug, um seinen reichen Freunden so weit den Mund wässrig zu machen, dass sie in den Hedgefonds seines Chefs Bilbo investieren. Es ist sein Job, neue Kunden zu akquirieren, und da er aus entsprechenden Kreisen stammt, reichlich Leute kennt und mit Messer und Gabel essen kann, ist er ein guter Mann für diesen Job und verdient gutes Geld. Seine Freunde legen ihr Geld bei Bilbo an, unter anderem sein alter Freund Henry Newark.
Eck und Henry lernen eines Tages Charlie Summers kennen, einen Kleingauner, der mit immer neuen Geschäftsideen immer wieder scheitert und sich mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt. Immer wieder taucht er in Henrys oder Ecks Nähe auf, mal zufällig, mal absichtlich, immer pleite. Wer ihm Geld leiht, bekommt es ziemlich sicher nicht zurück. Naja, und wie die Sache mit dem großen Geld und den riskanten Anlagen und den Hedgefonds und den faulen Immobilienkrediten ausgeht, ist ja bekannt.
Das Buch war mir angepriesen worden als Gesellschaftssatire, als hochkomische Beschreibung der englischen besseren Gesellschaft, der Finanzkrise und so weiter. Nun gut, es ist schon alles ungeheuer britisch, das macht Spaß, und deswegen habe ich es wohl zu Ende gelesen. Ansonsten fand ich es irgendwie mittel. Also, tatsächlich nicht schlecht, aber es reißt mich auch nicht vom Hocker. Und dann am Ende, als ich hoffte, das Ende könnte es noch rausreißen: leider verspielt. Vorher schon einen Dreh zu viel reingebracht, und dann am Schluss viel zu dick aufgetragen. Mochte ich nicht. Fazit: *achselzuck* Kann man schon gut lesen. Muss man aber nicht unbedingt. Ganz nett, wenn man sowieso gerade in Großbritannien ist.

Paul Torday bekommt einen Regalplatz zwischen Friedrich Torberg und Sue Townsend.

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Paradies
Ich war laufen. Jetzt sitze ich frisch geduscht draußen und schaue auf die Wiese. Irgendwo im Hintergrund grasen Schafe. Die Sonne scheint, der Bach rauscht, die Vögel zwitschern. Ein Schmetterling flattert über den Rasen, ich sehe ihm nach. Lucy, der schmusebedürftigste Hund der Welt, kommt und legt mir die Schnauze auf den Schoß. Ich kraule ihr den Kopf. Zwei Schwalben fliegen in rasanten Kapriolen über die Wiese. Hinten ruft ein Lämmchen nach seiner Mutter. Der beste Ehemann von allen zupft leise auf seiner neuen Tenor-Gitarre. Es ist sehr warm in der Sonne. Wenn ich in den letzten Wochen jemandem erzählt habe, dass wir nach Schottland fahren, war die Reaktion immer dieselbe: Das Wetter! „Aber schlimmer als hier kann es dort ja auch nicht werden“, hieß es dann meist. Wir hätten Sonnenmilch einpacken sollen. Ich lese, der Bach rauscht, ein Pfau schreit. Lucy stupst mich an, ich soll weiterkraulen. Irgendwo schnattert die Gans. Ich esse noch einen Keks (McVities Chocolate Covered Digestives). J. kommt, drückt mir eine Hängematte in die Hand und zeigt auf einen Baum. Da drin hängen zwei Karabiner, sagt sie, es ist der beste Platz der Welt. Ich bin dann mal weg.

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Sonntag, 16. Mai 2010
Urlaubsbekanntschaften

Die Wachgans. Begrüßt uns, als wir aus dem Auto steigen, mit lautem Geschnatter. Regt sich furchtbar auf, kommt mit vorgestrecktem Hals auf uns zu, regt sich aber auch irgendwann wieder ab. Scheißt unfassbare Mengen.



Begrüßung Nummer zwei: Lucy. Eine ältere Dame, die am liebsten vierundzwanzig Stunden am Tag gestreichelt würde. Sie flippt fast aus, als wir ankommen, springt an uns hoch, wedelt mit dem Schwanz, ach was, mit dem kompletten Hinterteil, leckt uns die Hände, kaut an unseren Ärmeln, man befürchtet, sie bekommt bald einen Herzinfarkt vor lauter Freude. Zum Thema „guter Wachhund“ sagt J.: „She’d probably lick anyone to death.“



Einer der Pfauen ist mal verrückt geworden und hat blaue Autos attackiert, weil er sie für Konkurrenten hielt. Er soll einigen Wagen ernsthafte Lackschäden zugefügt haben. Diese Dame hier ist natürlich eine Dame und tut so was nicht. Die Schreie der Pfauen klingen irgendwie nach Urwald.



Ich sehe irgendetwas auf einer Wiese sich bewegen, kann es aber nicht erkennen; ich zoome es heran, so gut es geht. Ich nehme an, das ist ein Fasanen-Weibchen mit Jungen.




Scump, Kutschpferd, ist hier schon mal zu sehen. Inzwischen hat auch seine jüngere Schwester Sinead das Kutschenziehen gelernt, man kann jetzt zweispännig fahren. Oclas ist die Chefin der Truppe und eigentlich ein Reitpferd, wenn sie denn jemand reiten würde.



Überall sind Schafe mit ihren Lämmern, klar. Die Lämmer sind teils noch ganz klein. Sie tollen herum, springen plötzlich hoch, dass einem unwillkürlich Vokabeln wie „Rasselbande“ und „die kleinen Racker“ einfallen. Fast hört man sie rufen: „Guck mal, Mama, wie hoch ich springen kann!“ und „der hat mich geschubst!“ Und wie sich das für so kleine Rabauken gehört, haben sie Flicken auf den Knien. Leider haben Mütter wie Kinder Angst vor uns und hauen immer ab, wenn ich mit der Kamera komme.



Es war ein langer und harter Winter, so hart und kalt, dass die Kaninchen, diese unfassbaren Mengen von Kaninchen, nichts mehr zu fressen gefunden haben und die Rinde der alten Bäume abknabbern mussten.



Das ist ein altes Bild vom vorletzten Jahr. Die Alpakas wurden in der Zwischenzeit auf eine andere Weide umgesiedelt, wo sie reichlich Eichenblätter gefressen haben. Sie sind im Abstand von zwei Wochen beide gestorben; vermutlich wegen der Eichenblätter.

In weiteren Rollen:
Rehe, Eichelhäher, Specht, Kormorane, Reiher, Krähen, reichlich Gezwitscher.

(Keine Ahnung, was mit den Bildern los ist. Diesmal habe ich sie vorher verkleinert, sie sehen okay aus, nur hier im Blog nicht. Betrifft auch alte Bilder, zum Beispiel die verlinkten, die sahen auch schon mal besser aus. Seltsam.)

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Samstag, 15. Mai 2010
Is a book


Tilman Rammstedt: Der Kaiser von China

Der Roman beginnt so:
Dass mein Großvater zu dem Zeitpunkt, als mich seine vorletzte Postkarte erreichte, bereits tot war, konnte ich nicht wissen. Ich hatte sie ungelesen beiseite gelegt, so wie ich auch die vorangegangenen Postkarten beiseitegelegt hatte. Gemeinsam mit den Rechnungen und Wurfsendungen, zwischen denen sie fast täglich lauerten, bildeten sie unter dem Schreibtisch einen immer waghalsigeren Stapel, den ich mit einer alten Zeitung abdeckte, auch wenn das wenig half, ich wusste schließlich, was sich darunter verbrarg.

Hurra! Was für ein sensationell beknacktes Buch! Bisher war alles, was ich von Tilman Rammstedt gelesen habe – nämlich alle Bücher, die er sonst noch veröffentlicht hat: Erledigungen vor der Feier und Wir bleiben in der Nähe – wahnsinnig klug und so, dass man am liebsten dauernd alles zitiert hätte. Und immer lag irgendwo unten drunter so ein grandioser Humor, der nie dumme Witze machte, sondern nur hier und da aufschien und eine Art Humus für all die klugen Gedanken bildete. Und jetzt kommt ebendieser Tilman Rammstedt daher und ist einfach mal hemmungslos albern. Ohne in dumpfen Schenkelklopferhumor zu verfallen, natürlich.
Keith Stapperpfennig hat ein paar Probleme. Er und seine vier Geschwister sind bei ihrem Großvater aufgewachsen, der den Kindern andauernd neue, immer jüngere Großmütter vorstellt. Bis Keith als junger Erwachsener seinem Großvater eine dieser Freundinnen, Franziska, ausspannt (Problem Nummer eins).
Etwa zur selben Zeit hat der Großvater einen runden Geburtstag, und die Kinder schenken ihm gemeinsam eine Reise an ein Ziel seiner Wahl. Der Großvater sucht sich China aus, und sein Lieblingsenkel Keith muss mit. Der allerdings hält die Idee für vollkommen bescheuert und sitzt am Ende unter dem Schreibtisch (Problem zwei), während sein Großvater tot in einem Kühlfach im Westerwald liegt (Problem drei) und die Geschwister glauben, die beiden seien gemeinsam in China (Problem vier). Am Ende spielt allerdings doch die Hälfte des Buchs in China, obwohl niemand dorthin gereist ist. Als Leser lernt man dabei die erstaunlichsten Dinge über China – man weiß ja beispielsweise, dass schon die alten Chinesen ganz viele Dinge kannten, die bei uns erst viel später auftauchten, aber dass auch der Pullunder eins dieser Dinge ist, war mir dann doch neu.
Nach zwei wirklich klugen, sehr literarischen und von der Kritik gefeierten Büchern einfach so eine Albernheit rauszuhauen (die natürlich auch klug ist): das muss man sich erst mal trauen. Lieber Tilman Rammstedt, wenn ich nicht ohnehin schon ehrfürchtig vor Dir im Staub läge, dann spätestens jetzt. Meine Verehrung.

Rammstedt steht im Regal zwischen François Rabelais und Fabrizia Ramondino.

UPDATE: Katy hat es auch gelesen und gemocht.
Und Tilman Rammstedt hat Max Frisch gelesen und nicht gemocht. Hihi.

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Dienstag, 11. Mai 2010
Grimme Online Award


Jippie! Champagner! TITEL Kulturmagazin (genau: das ist das, in dem auch meine Kolumne erscheint) ist für den Grimme Online Award nominiert! Herzlichen Glückwunsch an alle Kollegen! Prost!
Mit dem Grimme Online Award zeichnet das Adolf-Grimme-Institut seit 2001 qualitativ hochwertige Websites aus. In vier Kategorien werden insgesamt maximal acht Preise vergeben. Das Titel-Magazin ist in der Kategorie "Information" nominiert.

Desweiteren gratuliere ich ganz herzlich drei gerngelesenen Bloggern, die ebenfalls nominiert sind, nämlich Herrn Paulsen von Nutriculinary, Smilla Dankert von anders-anziehen und Alexander Görsdorf von Not quite like Beethoven. Ich freu mich für Euch! Und für uns!
Alle Nominierungen im Überblick sind hier zu sehen. Die Preisträger werden am 30. Juni verkündet.

Und neben den Preisen der Jury gibt es auch einen Publikumspreis: Auf der Website von TV SPIELFILM kann jeder Internetnutzer für seinen Favoriten unter den Nominierungen abstimmen. Ich hätte da so ein-zwei Vorschläge, wo Ihr klicken könnt. Jeder Teilnehmer hat drei Stimmen.

Sagte ich schon: Hurra? Hurra!

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Montag, 10. Mai 2010
Mit anderen Worten: Lotterleben
Wer zu Hause arbeitet, kann jeden Morgen ausschlafen. Und überhaupt den ganzen Tag tun und lassen, was er will. Strenggenommen arbeiten Freiberufler eigentlich gar nicht. ISABEL BOGDAN führt ein Lotterleben.



Meine neue Kolumne im Titel-Magazin ist erschienen! Bitte aufs Logo klicken.

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Sonntag, 9. Mai 2010
Liebe Laboratoires Garnier,
was soll ich eigentlich von einer Body Lotion halten, auf der steht, man solle sie nicht im Gesicht anwenden und sich nach dem Eincremen die Hände waschen? Soll ich glauben, dass die für meine restliche Haut gut ist?
Och, ich frag nur so,
Eure Isa

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Ralf Rothmann: Feuer brennt nicht

Der Roman beginnt so:
Wie alltäglich oder unbedeutend die Reise auch sein mag, wie trist der Bahnhof und wie voll das Abteil mit den lärmenden Kindern, den ungelenk sich abmühenden Kofferträgern und den Keuchenden, die es gerade noch geschafft haben: Wenn alle Ansagen gemacht und alle Türen geschlossen sind und jeder auf das Anrucken des Zuges wartet, gibt es nicht selten einen Moment der Stille, der mehr zu meinen scheint als das unausgesprochene „Endlich!“ oder die Entfernungen zwischen hier und da, der einem wie ein geheimnisvolles Innehalten vorkommt, ein Atemholen der Zukunft, und die meisten Menschen, selbst die misslaunigen oder ungeduldigen, einen Herzschlag lang demütig aussehen lässt.

In dem Zug sitzen Wolf und Alina, sie fahren raus aus Berlin, nach Friedrichshagen, sie ziehen nämlich aufs Land. In Kreuzberg ist es nicht mehr auszuhalten, und am Stadtrand ist alles anders, da ist noch Osten, es gibt Natur und spießige Nachbarn. Wolf ist Schriftsteller und mehr als zehn Jahre älter als Alina; sie studiert Germanistik und Theaterwissenschaften* und unterrichtet später Deutsch als Fremdsprache. Die beiden sind zwar schon ewig ein Paar, wohnen nun aber zum ersten Mal zusammen, was natürlich einige Schwierigkeiten mit sich bringt. Und dann taucht Charlotte auf, eine verflossene Geliebte von Wolf.
Es passiert nicht sehr viel, aber das muss es ja auch nicht, solange die Sprache stimmt. Die Sprache ist poetisch, es gibt auch wunderbare Sexszenen, aber irgendwann schleicht sich ein ungutes Gefühl ein. Zunehmend vermischen sich beim Lesen Wolf und Ralf, der Autor, die Gefahr besteht ja sowieso, wenn der Protagonist Schriftsteller ist. Beziehungsweise ich bin dann meist schon von Anfang an ein wenig ungehalten, es drängt sich einfach der Verdacht auf, dass da einer über sich selbst schreibt. Was nicht grundsätzlich schlecht sein muss, aber. Fürchterlich wird es an Stellen wie zum Beispiel der, wo ein unglaublicher Zufall passiert, und er schreibt:
In einem Text würde er so ein Zusammentreffen niemals zulassen, weil es nicht glaubwürdig und die Schicksalhaftigkeit des Augenblicks zu offensichtlich wäre.
Weia. Entweder man schreibt eine solche Schicksalsbegegnung rein oder nicht. Aber reinschreiben und sich gleich dafür entschuldigen, muss nun wirklich nicht sein.
Die anfangs als poetisch empfundene Sprache kommt mir außerdem zunehmend manieriert und verschwurbelt vor, da suhlt sich einer in seiner literarischen Potenz ebenso wie der Protagonist sich in seiner sexuellen. Er wird einem immer unsympathischer, so ein notgeiler, selbstgerechter Egoist, und man hat nicht den Eindruck, dass Rothmann ihn absichtlich so unangenehm macht, denn, wie gesagt: Wolf und Ralf fühlen sich an wie eine Person. Dauernd erklärt er einem die Welt, die einzig und allein um Wolf kreist, den einsamen Wolf, der keine Freunde hat außer seiner Alina, die seltsam blass bleibt, denn es dreht sich ja alles nur um Wolf. Hinzu kommt reichlich prätentiöser Künstlerquark („die innere Notwendigkeit des Schreibens“ und so Zeug). Und zum guten Schluss findet er für seinen auf 300 Seiten aufgebauten Konflikt keine Lösung, sondern stiehlt sich auf blödestmögliche Weise raus, wie weiland der alte Fontane mit seiner Effi. Ich kann so was nicht leiden.
Keine Ahnung, wieso ich so sauer bin. Ich wollte es gut finden, weil ich „Hitze“ von Rothmann super fand. Und weil Katy es super fand. Hat aber nicht geklappt, ich war einfach zunehmend genervt.

Ralf Rothmann wohnt im Regal zwischen Philip Roth und Joanne K. Rowling.


[*Kleine Witzigkeit am Rande: wenn sie in den Achtzigern in Berlin Theaterwissenschaften studiert hat, dann hat sie bei meinem Onkel studiert, und der heißt Wolf. Hihi. Ja, ich weiß, dass sie nur eine Figur ist.]

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Samstag, 8. Mai 2010
Is a book


Ludwig Bechstein, Axel Scheffler (Illustration): Der Verdrüßliche

Ich bin verdrüßlich!
Weil ich verdrüßlich bin,
bin ich verdrüßlich.

Sonne scheint gar zu hell,
Vogel schreit gar zu grell,
Wein ist zu sauer mir,
Zu bitter ist das Bier,
Honig zu süßlich!

Weil nichts nach meinem Sinn,
Weil ich verdrüßlich bin,
bin ich verdrüßlich.

Und so weiter. Der Verdrüßliche ist verdrüßlich, komme, was wolle. Und wenn alle um ihn herum tanzen und den Hut in die Luft werfen, wenn Winter, Frühling, Sommer oder Herbst ist: der Verdrüßliche ist verdrüßlich. So schreibt es Ludwig Bechstein.
Und Axel Scheffler hat das mal wieder so wundervoll illustriert, dass selbst der Verdrüßlichste nicht mehr verdrüßlich bleiben kann. Ich glaube, man kann einfach bedenkenlos alles kaufen, was Axel Scheffler macht. Erschienen ist es im Verlag Jacoby Stuart, den ich erst mit dem Halten von Eichhörnchen entdeckt habe. Die Webseite macht den Eindruck, dass die lauter so schöne Bücher machen. Kaufen! Und einem Verdrüßlichen schenken. Er wird dann weniger verdrüßlich sein, ich schwör.

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Donnerstag, 6. Mai 2010
Leipzig Hauptbahnhof
Ich frage die Dame am Infoschalter, wo der Bus Nr.89 abfährt. Sie sagt in allerbreitestem Ostdeutsch, sie wisse nur mit der Bahn Bescheid, habe keine Ahnung, wo welcher Bus fährt, und sie sei auch keine Leipzigerin, wie ich an ja ihrem Dialekt hören würde.

Hey, ich schwör, in dem Moment war das total lustig, ich hätte fast gelacht!

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Mittwoch, 5. Mai 2010
Note to myself:
When you setz Milch auf, stay right next to it and watch it get warm, because you darn well know the aus-den-Augen-aus-dem-Sinn-Prinzip!

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Dienstag, 4. Mai 2010
Treffen sich fünf Kollegen
Die erste Amtshandlung von Kollegin 1 (das bin ich) ist: verschlafen. Wir treffen uns um elf in der Mathilde, ich wache um halb elf auf, breche sofort in Hektik aus, stürme um fünf vor elf los – ohne Jacke, nur im Pulli, denn die Sonne scheint und ich glaube, es ist warm. Ist es aber nicht. Um 17 Minuten nach elf komme ich einigermaßen durchgefroren in der Mathilde an.
Als einzige.
Niemand da.
Ich habe auch von niemandem die Handynummer. Ich gucke verwirrt, die Kellnerin fragt, ob sie mir helfen kann, nee, sage ich, ich bin mit vier Leuten verabredet, aber hier sind keine vier Leute. Sagt sie: die sind in der anderen Mathilde, die haben schon angerufen. Wie, andere Mathilde, sage ich, sie beschreibt mir den Weg, wer kann denn auch ahnen, dass es zwei Mathildebars gibt.
Um halb zwölf komme ich bei der anderen Mathilde an, Kollege 2 und Kollegin 3 sitzen vor der Tür. Diese Mathilde macht erst um zwölf auf, bis dahin sitzen wir in der Schweinekälte (ich im Pullover) und fragen uns, was mit den Kolleginnen 4 und 5 passiert ist, versuchen sie anzurufen, sprechen auf Anrufbeantworter und warten. Um fünf vor zwölf fragen wir vollkommen durchgefroren, ob wir reindürfen, die Kellnerin sagt, sie macht erst um zwölf auf, wir betteln und sagen, dass wir auch erst um zwölf was bestellen, und dürfen dann doch fünf Minuten früher rein. Kollege 2 fällt ein, dass er der falschen Kollegin 4 auf den Anrufbeantworter gesprochen hat, er ruft jetzt die richtige an. Derweil klingelt mein Telefon, Kollegin 5 ist dran, ob wir einen Termin hätten? Ja, sage ich, wo bist du denn? Wieder zu Hause, sagt sie, da sei keiner gewesen. Wir sind der anderen Mathilde, sage ich, es gibt zwei, ob die Kellnerin ihr nicht Bescheid gesagt habe. Nein, sagt sie, da war niemand, es sei vielmehr geschlossen gewesen. Dann warst du in der richtigen Mathilde, sage ich, und verstehe nicht, wieso sie gleich wieder verschwunden ist, statt zu warten. Sie sagt, sie dachte, zu ist zu. Kollege 2 hat jetzt die richtige Kollegin 4 am Telefon, sie hat es einfach vergessen, wohnt aber in der Nähe und kommt schnell nach. Wir klären dreivier Dinge, den Rest können sie ohne mich, ich düse nach Hause. Im Pullover. An die Bushaltestelle, wo ich im eisigen Wind warte, der Bus fährt zum Dammtor, wo ich im eisigen Wind auf die S-Bahn warte, um am Hauptbahnhof noch mal umzusteigen, wo ich im eisigen usw.
Um viertel nach zwei bin ich wieder zu Hause, habe nur ein paar Kleinigkeiten geklärt und bin vollkommen durchgefroren. Ich würde mich gern in die Wanne legen, muss aber ein längeres Lektoratstelefonat führen und ratzfatz und dringend ein paar Seiten Designgeschwurbel übersetzen und morgen früh fahre ich nach Leipzig, darauf sollte ich vielleicht auch noch zwei bis drei Gedanken verwenden. Hui.

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Sonntag, 2. Mai 2010
Liebe Eisverkäufer,
wenn ich mein Eis im Becher möchte, statt in der Waffel, dann doch vermutlich deswegen, weil ich Waffeln langweilig und doof finde und allgemein der Meinung bin, dass sie wie ein Stück Pappe schmecken. Wenn Ihr mir dann auf das Eis im Becher oben drauf eine Waffel … ach, vergesst es.

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Samstag, 1. Mai 2010
Percanta …
… hat auch noch über ihr Lesungswochenende in Hamburg gebloggt und zeigt Bilder, die meine Bemerkung über die, ach, guckt selbst.

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Freitag, 30. April 2010
Vorher / nachher
Früher musste ich mir morgens immer schnell was überziehen, damit ich auf den Balkon rauskonnte, eine rauchen. Heute ziehe ich mir morgens schnell was über, damit ich auf den Balkon rauskann, um nachzusehen, was Radieschen, Dill, Petersilie, Basilikum, Schnittlauch, Erdbeeren, Wicken und Pfingstrose so machen.



(Kann mir jemand erklären, warum die Bilder hier immer so wischiwaschi aussehen? Klickt mal drauf, dann seht Ihr das Original. Sattere Farbe, schärfer, alles. Das liegt doch nicht nur an der Größe.)

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Donnerstag, 29. April 2010
Fick Dich ins Knie, Melancholie.


Gisbert zu Knyphausens neue Platte ist erschienen. Und ich habe sie noch nicht gehört! Und seine zwei Konzerte auf der Dachterasse des Uebel und Gefährlich sind auch ausverkauft. Fick Dich ins Knie, Melancholie.
(Reinhören kann man bei amazon.)

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Mittwoch, 28. April 2010
Is a book


Isolde Ohlbaum: Auswärtsspiele. Autoren unterwegs

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung tagt alle zwei Jahre im Frühjahr im Ausland. Isolde Ohlbaum, die Grande Dame der deutschen Autorenfotografie, hat diese Tagungen mit ihrer Kamera begleitet und in diesem Band Bilder aus Budapest (1998), Krakau (2000), Turin (2002), St. Petersburg (2004), Kopenhagen (2006) und Lemberg/Czernowitz (2008) zusammengestellt. Keine inszenierten Einzelportraits der Autoren, sondern Gruppenbilder, Schnappschüsse beim Kaffee, zu zweit oder zu mehreren ins Gespräch vertieft, bei Spaziergängen, Lesungen, beim Zuhören, in Kirchen, bei Besichtigungen.
Auffallend: es sind viele alte Männer zu sehen. Einige alte Frauen. Kaum jüngere Leute. Naja, man muss in die Akademie hineingewählt werden, sich um die deutsche Sprache und Literatur verdient gemacht haben, wahrscheinlich braucht man dafür so etwas wie ein „Lebenswerk“, das hat man mit zwanzig halt noch nicht. Es sind reichlich Autoren dabei, die ich nicht kenne, und auch zwei-drei Übersetzerkollegen.
Sehr schönes Buch, schön ungestellte Bilder, spontan wie Urlaubsfotos, es wird viel gelacht und oft sehr konzentriert miteinander gesprochen. Großformatig mit Softcover, durchgehend schwarzweiß. Ich werde sicher gelegentlich in dem Buch blättern.

Herzlichen Dank für dieses tolle Geschenk, Herr Handfeger!

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Montag, 26. April 2010
Mit anderen Worten: Unsichtbar.
„Der XYZ-Verlag bringt den Roman ABC nun auf Deutsch heraus.“ – „Jetzt in neuer Übersetzung.“ – „Den deutschen Text liest B. Kannter-Schauspieler.“ – „Endlich auf Deutsch erschienen.“ Immer diese Erscheinungen! ISABEL BOGDAN regt sich auf. Und zwar fürchterlich.



Meine neue Kolumne im Titelmagazin ist da! Bitte aufs Logo klicken.

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Tirili. Die Frühlingsbloglesung
Alle waren pünktlich. Oder ein bisschen zu früh. Manche waren sogar viel zu früh, schon vor sieben, um vor der Lesung noch was zu essen oder so, aber die Kneipe machte erst um acht auf. Extra für uns, weil wir um acht lesen wollten, normalerweise öffnet sie erst um neun. Also verteilten sich die Zufrühkommer auf die umliegenden Kneipen und Restaurants, gegen zehn vor acht trudelten alle vor der Bar 439 ein. Und warteten auf Wirtin Carla.
Und es ward Abend, und es ward Morgen, na ja, es ward jedenfalls acht Uhr, und zehn nach acht und zwanzig nach acht. Wir waren inzwischen 25 Leute, und einerseits ein bisschen enttäuscht, dass so wenig Publikum da war, andererseits auch etwas erleichtert, dass wir nicht mit 60 Mann auf der Straße vor der Kneipe standen. Im Fenster hing ein Countdown, „noch 60 Tage bis zur WM“. Jemand sagte, es seien gar nicht mehr 60 Tage bis zur WM, sondern nur noch 48, wahrscheinlich liege Carla seit zwölf Tagen tot hinterm Tresen. Das Handy-Internet war mit der Webseite der Bar 439 überfordert, aber auf Qype fand ich schließlich eine Telefonnummer. Wir hörten es in der Kneipe klingeln, logischerweise, aber da drin war ja niemand. Jemand kam vorbei und sagte, dass der Laden erst um neun aufmacht, nein, sagten wir, wir hätten eine Lesung, und zwar um acht, und das sei mit der Wirtin verabredet. Er sei gleich zu Hause und würde sie mal anrufen, sagte er. Wir schickten derweil Kundschafter in verschiedene Richtungen in verschiedene Kneipen, sie sollten eruieren, ob wir mit 30 Leuten irgendwo hinkönnen.
Als wir gerade in eine andere Bar umziehen wollten, kam Carla um die Ecke. Sie hatte uns vergessen. Es war ihr ziemlich peinlich, aber dann legte sie ihre Brüste auf den Tresen und alles wurde gut und schön.

Nachhören kann man die Lesung hier:
. Percanta mit Johannisbeeren und Zirkus Pauli, Wo die Butter liegt, Fliegergriff
. Merlix mit Osterfeuer in Friedewalde, Unterschiede, Fördern für Anfänger, Der gemeinsame Weg
. Ich mit Was Bücher mit Übersetzern machen, chinesische Massage, Von Taschen und Menschen
. Und Bov mit Die Dorfampel, zerschlissene Frotteehandtücher.

Herzlichen Dank für die Aufzeichnung, Lars! Das ist wirklich toll.
Moderiert wurden wir ganz wunderbar von KlausF (der auch Fotos gemacht hat), und so wurde es ein sehr entspannter, familiärer Kneipenabend in mittelkleiner Runde. Die nächste Lesung legen wir wieder auf schlechtes Wetter.

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Kommentare
Anderthalbfache Unterstützung!
Christl Klein, vor 718 Tagen
Hm, Tempers Kommentar ist ja schon von 2008 - ich schätze eher nicht, dass...
isabo, vor 1.107 Tagen
Zettel's Ingo Maurer Hallo, ich habe Ihren Beitrag zur Zettel's-Lampe gefunden. Da ich sie gerne...
Christiane Thomaßen, vor 1.108 Tagen
das ist ein hobby von mir. antizyklisches kommentieren ;)
fabe, vor 1.111 Tagen
Das hier ist ja schon eine Weile her. Hihi.
isabo, vor 1.112 Tagen
hier war ja neulich stromausfall. menschen sind merkwürdig.
fabe, vor 1.112 Tagen
endlich endlich setzt jemand ein Zeichen gegen das ständige Aussterben schöner Wörter! Da bin ich...
federfee, vor 1.129 Tagen
Lassen Sie doch vielleicht mal Ihr Assoziationsmodul überprüfen, das spielt ja geradezu verrückt. Das...
isabo, vor 1.236 Tagen
Oh, vielen Dank!
isabo, vor 1.346 Tagen
grosses Lob Liebe Isabo, bin ueber Meike auf Dich gestossen und finde Deine Texte ganz...
LvO, vor 1.346 Tagen
Der Verein lebe hoch, anderthalb mal hoch Bin dabei.
Jolen, vor 1.385 Tagen
Da spricht mir wer aus der Seele. Ich gebe mir auch schon seit Jahren...
Cuguron, vor 1.441 Tagen
Ha, wir haben auch nur Fangen (hieß einfach "fanga") ohne so ein Hintertürchen gespielt....
Irene, vor 1.495 Tagen
Meiner hat mir nur von dem Smiley auf seiner Krone erzählt. Und ob ich...
strandfynd, vor 1.499 Tagen
Bin gerade erst über das Interview gestolpert - für mich als Auch-Japanisch-Übersetzerin doppelt und...
frenja, vor 1.520 Tagen
Beide haben Fahnenmasten, der linke und der rechte Nachbar. Und beide haben die Deutschlandfahnen...
croco, vor 1.521 Tagen
das hier geht woanders nicht besser, aber versuch macht kluch...
don papp, vor 1.533 Tagen
Ja. Ich habe aber erstens Schimpfe bekommen für dieses wunderschöne, kühle, coole, elegante, heißgeliebte...
isabo, vor 1.533 Tagen
Sie wissen aber schon, dass das hier schöner ausschaut?
leavesleft, vor 1.533 Tagen
Gute Entscheidung. Trennung in beruflich und privat ist unpraktisch (für alle Beteiligten) und wenig...
textundblog, vor 1.539 Tagen
Jo. Dann.
isabo, vor 1.540 Tagen
Möchten Sie es wissen?
kinomu, vor 1.540 Tagen
alles gute und auf nach drüben!
skizzenblog, vor 1.540 Tagen
ja ja ja!!! ES geht es geht es geht!!! (aber halt ohne Editieren, wurscht!)...
g a g a, vor 1.540 Tagen
Ich GLAUBE, ich habe das Captcha- Dings jetzt weggemacht. Kannst Du es nochmal veruschen?
isabo, vor 1.540 Tagen

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