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08
Feb

Reiki

Ich probiere ja alles aus. Nicht, dass ich den Eindruck hätte, mit dem Energiefluss in meinem Körper würde etwas nicht stimmen, aber wenn ich schon eine Reiki-Therapeutin kenne, dann will ich natürlich auch wissen, was sie eigentlich macht.
Reiki ist universelle Energie. Ki ist die Energie, wisst Ihr wahrscheinlich, das ist dasselbe Ki oder Chi oder Qi, das auch in Qi Gong, Tai Chi und so weiter vorkommt. Beim Reiki wird mittels Handauflegen universelle Energie auf den Reiki-Empfänger übertragen. Die Energie stammt also nicht vom Reikigeber (was auch blöd wäre, denn das würde ihn auf die Dauer auslaugen), sondern der Reikigeber bildet sozusagen den Kanal für die universelle Energie. Er legt seine Hände auf bestimmte Punkte am Körper des Reikiempfängers, Punkte, die irgendwas mit den Meridianen und Chakren zu tun haben, lässt sie eine Weile dort liegen und führt ihnen Energie zu. So lösen sich Blockaden, und die Energie im Körper kann wieder frei fließen.
Soweit die Theorie. Und bevor hier Fragen aufkommen: dochdoch, ich bin noch bei Verstand. Und ich glaube durchaus nicht an universelle Energie, die durch ein kanalisierendes Medium auf mich übertragen würde. Aber ich glaube an Psychologie. Und an Physik. Nämlich: Wenn mir jemand eine Hand irgendwohin legt, dann wird es dort warm, das ist wohl unbestritten. Und Wärme ist Energie – ob die jetzt aus dem Universum kommt oder von der Physik, ist mir einigermaßen wurscht. Wenn mir jemand die Hand auflegt, wird es warm, und warm ist gut, alte Regel. Und Psychologie: Na, aber hallo ist das entspannend, wenn man eine Stunde lang ganz still da liegt, nicht schläft, aber auch nichts anderes tun kann als sich die Hände auflegen zu lassen. Eine ganze Stunde lang beschäftigt sich jemand mit mir und meinem Körper (ohne dass es mit Sex zu tun hätte), berührt mich sanft, spendet Wärme – meinetwegen auch kosmische Energie, letztlich ist das ja nur eine Frage der Terminologie – und ist ganz auf mich konzentriert. Das ist aber voll Psychologie! Es ist, anders gesagt, einfach unglaublich angenehm.
Da liege ich also, voll bekleidet und mit einer Decke zugedeckt. Sie fängt am Kopf an, das ist schon mal wunderbar, denn am Kopf angefasst zu werden, ist immer toll. Ich habe die Augen geschlossen, sie legt mir die Hände irgendwohin, und ich denke, ich hätte sie bitten sollen, die Meditationsmusik auszumachen, die finde ich nämlich doof, aber jetzt ist es zu spät. Und auch eigentlich egal. Ganz langsam arbeitet sie sich an meinem Körper hinunter bis zu den Füßen, an manchen Stellen fühlen sich ihre Hände viel schwerer an als an anderen. Ich hole tief Luft, mache zwischendurch kurz die Augen auf und schaue die Reikigeberin an, sie hat die Augen geschlossen und sieht konzentriert aus. Nein, ich muss nicht lachen. Ich liege auf der Klappliege, höre doofe Meditationsmusik, lasse mir die Hände auflegen und finde das nicht besonders spannend, aber tatsächlich sehr, sehr entspannend. Ich brauche ja nicht mal drüber nachzudenken, ob ich nicht vielleicht kurz in die Mails … nö, eine Stunde Stillliegen ist dran, ohne irgendwohin zu gucken, ohne zu schlafen, lesen, reden, sogar ohne zu denken. Nur liegen und Hände auflegen lassen. Physik und Psychologie. Oder universelle Energie.
Plötzlich ist die Stunde rum. Erstaunlich, wie schnell das geht, wo es doch gerade so angenehm war. Ich stehe von der Liege auf, lege die Decke ab, und urplötzlich wird mir ziemlich kalt. Die Reikigeberin sagt, ihr wird jetzt endlich wieder warm, sie habe nämlich an jeder Handposition einen Schwall Kälte von mir abgekriegt. Das erschreckt mich, ich habe nur Wärme gespürt; wie jetzt, Kälte? Von mir? Bin ich so kalt? Das, äh, wollte ich nicht so gerne hören. Neinnein, sagt sie, das bedeute nur, dass zwischen uns Energie geflossen sei, das sei ganz normal. Nicht ganz so normal sei, dass es bei wirklich sämtlichen Handpositionen so war, normalerweise sei es überall unterschiedlich. Wenn ich es schon interpretieren wolle, dann solle ich es so sehen, dass mein Energiehaushalt besonders ausgeglichen sei, denn es war überall gleich kalt.
Seitdem versuche ich, mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass ich eben ein eiskalter Typ bin. Die Vorstellung macht mich ein bisschen unentspannt.

isabo · 17:25h · comment · ·

 

07
Feb

Schon wieder ein Hilferuf

Erst vor wenigen Wochen sammelten die Übersetzer für eine Kollegin, die in Not geraten war. Es kam erfreulich viel Geld zusammen, und ich freue mich, dass wir ihr wenigstens finanziell ein wenig Linderung verschaffen konnten. Jetzt ist der nächste Fall bekannt geworden – ebenfalls eine renommierte Kollegin, die nicht mehr weiß, wie sie über die Runden kommen soll. 2001 wurde sie brutal überfallen und ausgeraubt, seitdem wurde sie wegen drohender Querschnittslähmung am Rücken operiert, viermal an den Händen operiert, war wegen einer Stoffwechselerkrankung zweimal ein halbes Jahr im Krankenhaus, lag zweimal mit Lungenentzündung darnieder; dazu kamen – man möchte fast sagen: logischerweise – Depressionen, Burn Out, psychotherapeutische Behandlungen. Jeder Gang zur Mülltonne ist eine Anstrengung, inzwischen ist sie als 100% schwerbehindert eingestuft.
Was von all dem in welcher Weise mit dem Überfall zusammenhängt, sei einmal dahingestellt, wer würde das beurteilen wollen. Die Opferkasse sagt: nichts davon, und zahlt nichts. Die Zeiten, in denen sie nichts verdienen konnte, waren in diesen neun Jahren natürlich beträchtlich, das Erstaunliche ist, dass die Kollegin es trotzdem immer wieder geschafft hat zu arbeiten und hervorragende Übersetzungen abzuliefern (und dass sie sich ihren Humor bewahrt hat, das ist wirklich großartig). Aber das reicht natürlich nicht, um während der Krankenhauszeiten die Miete zu zahlen etc, sprich: es haben sich Schulden angesammelt, bei Banken, Freunden und Verwandten. Und wenn sie auf einen bequemeren Rollstuhl und auf einen Schreibtischstuhl spart, der sich auf ihren veränderten Buckel einstellen lässt, geht natürlich die Waschmaschine kaputt.
Es ist, mit Verlaub, schlicht zum Kotzen, dass man keinerlei Möglichkeit hat, sich als freier Künstler (das betrifft ja nicht nur die Übersetzer) so abzusichern, dass man längere Krankheitszeiten überbrücken kann. Jetzt also wieder: Spendensammlung unter den Kollegen, die es zumeist auch nicht besonders dicke haben. Wenn sich noch jemand beteiligen möchte, gebe ich die Kontonummer gerne per Mail weiter (ibogdan kringel gmx punkt de). Ach ja: Kleinvieh macht auch Mist. Und ein einzelner Tropfen auf den heißen Stein ist ebenso willkommen wie ein steter solcher. Und auch bitte gerne weitersagen. (Falls es das Vertrauen erhöht: das Konto läuft auf meinen Namen, ich habe es extra zu diesem Zweck eingerichtet, und was darauf eingeht, geht selbstverständlich komplett an die Kollegin. Eine Spendenquittung kann ich leider nicht ausstellen.)
Und ich sage jetzt schon mal Danke, auch im Namen der Kollegin. Wär doch gelacht, wenn wir nicht wenigstens einen Rollstuhl für sie zusammenbekämen. Und vielleicht die Mietschulden. Und eine Waschmaschine. Und einen Bürostuhl. Und die anderen Schul… schon gut.

isabo · 15:00h · comment · 0 ·

 

06
Feb

Alstereis rettet die Welt

So eine zugefrorene Alster erhöht die Naherholungsfläche der Stadt ja beträchtlich. So groß wie Monaco sei die Alster, erzählen sie einem bei Alsterrundfahrten im Sommer, und im Winter gibt es jetzt also zusätzliche Spazierfläche in der Größe Monacos. Das ist nicht nichts, im Gegenteil, das ist ganz schön viel, für etwas, das da sonst nicht ist. So viel Platz plötzlich! Mitten in der Stadt! Einfach so zum Rumlaufen! Als wäre da plötzlich ein riesiger Park, nur ohne Bäume. Und ohne Wege, alle laufen einfach durcheinander, laufen Schlittschuhe oder Langlaufski, fahren sogar mit dem Fahrrad rüber, lassen sich auf dem Schlitten ziehen, bauen Schneemänner, herrlich. Urlaub mitten in der City, von überall aus prima zu erreichen.
Das ist so schön, dass man es am liebsten immer hätte. Warum eigentlich nicht? Man könnte die Alster doch einfach dauerhaft kühlen. Kann ja so schwierig nicht sein, ordentlich Kühlschränke reinwerfen, im übertragenen Sinne jetzt, da gibt es ja Möglichkeiten, und zack, die Alster ganzjährig auf minus vier Grad kühlen. Wunderschön! Man könnte das ganze Jahr über Schlittschuh laufen. Eine Ecke abtrennen für Eishockey, ansonsten einfach so lassen. Da wird sogar Hundekacke egal, die friert einfach fest, es macht gar nichts, wenn man reintritt. Wenn es im Sommer richtig heiß ist, wäre das zudem eine herrliche Abkühlung. Gut, wahrscheinlich müsste man die Leute davor warnen, sich nackt aufs Eis zu legen, weil sie dann festfrieren, man müsste sich schon mindestens auf ein Handtuch oder so was legen. Aber das kriegen die Hamburger bestimmt schnell raus, wir sind ja nicht doof. Es würde auch den Handtücher- und Picknickdeckenverkauf ankurbeln, das darf man ja auch nicht außer Betracht lassen. In regelmäßigen Abständen Picknickdeckenverkaufsstände um die Alster zu platzieren, dürfte ja kein Problem sein. Zack, Umsatz angekurbelt, Wirtschaftskrise behoben. Und für das sommerliche Stadtklima wäre so eine riesige Eisfläche großartig, sie würde ja die gesamte Stadt ein bisschen abkühlen – denn mal ehrlich, wer jetzt über die Kälte schimpft, schimpft doch im Sommer eh wieder über die Hitze. Mit einer gefrorenen Alster kein Problem mehr.
Wenn man eine Fläche, die so groß ist wie Monaco, dauerhaft tieffrieren würde, würde das wahrscheinlich auch weit über die Stadtgrenzen Hamburgs hinaus die Temperaturen senken. Man muss ja auch mal global denken: Die Welt würde ein kühlerer Ort, und Hamburg wäre die Stadt, die endlich und als einzige wirklich etwas gegen die globale Erwärmung tut! Hanseaten gegen den Klimawandel! Die Augen der gesamten Welt würden sich auf Hamburg richten, man könnte kleine Alstereisstückchen als Devotionalien verkaufen (gegen Aufpreis auch zum Selberhacken), andere Städte würden ebenfalls ihre Seen tieffrieren, aber so ein Masch- oder Chiemsee kommt natürlich gegen die Alster nicht an. Hamburgs Platz in der Weltklimageschichte wäre unanfechtbar. Und wenn erstmal andere Städte und Gewässer folgen, würden von der ganzen verströmten Kälte die Polkappen wieder einfrieren, die Eisbären hätten wieder genügend Platz, die ganze Nahrungskettentragödie würde rückwärts laufen. Hamburg könnte die Welt retten, wenn wir nur die Alster tiefkühlen würden.

isabo · 11:18h · comment · ·

 

05
Feb

Bitte

Kann mir heute Abend jemand "Die Vorleser" aufnehmen? Wenn man genau hinguckt, kann man den lustigen Mann und mich vielleicht bei einem Kameraschwenk übers Publikum sehen. Wir können aber leider nicht selbst gucken, wir haben schon wieder etwas noch Besseres vor. Danke!

isabo · 16:15h · comment · ·

 

02
Feb

Alstereis 2



SMS: Seid Ihr zufällig auch auf der Alster?
Antwort: Ja, bin ich, allerdings allein. Treffen?



Wie findet man sich im Gewühl, auf der riesigen Fläche unter tausenden von Leuten? Ich habe eine ziemlich grüne Jacke an, kid37 sagt, er hat seinen toten Bären umgelegt. Wir sehen uns sofort. Wir haben keinen Plan, nichts Bestimmtes vor, sondern laufen einfach los, über die Alster, über den festgetretenen Schnee auf der Eisdecke. Auf Schlitten werden Kinder herumgezogen oder Picknickkörbe und Glühweinkanonen, an vielen Stellen sind Schlidderbahnen freigefegt, die Kinder rutschen auf den Knien. Manche Leute haben tatsächlich Schneeschaufeln dabei, um den Schnee vom Eis zu schippen, damit sie schliddern können oder Schlittschuhlaufen, immer in derselben Acht. Ich erzähle Kid, dass ich irgendwo im Internet gelesen habe, es seien sogar Leute mit Fahrrädern über die Alster gefahren. Wir bewundern einige Schneemänner, eine Schneefrau auch, mit großen Brüsten, die Männer lassen sich mit ihr fotografieren. Wir gehen einfach weiter, zwischendurch schneit es immer wieder, es ist überhaupt grau, deswegen werden auch die Fotos nichts, aber es ist so herrlich, ganz Hamburg ist da und vergnügt sich, wer braucht schon ein Alstereisvergnügen mit Buden und so einem Quatsch, die würden das Vergnügen nun wirklich nicht erhöhen. Da, sagt Kid, Fahrrad! Ich weiß nicht, was es ist, warum das alles so zauberhaft ist, der Perspektivwechsel allein kann es nicht sein, denn auch im Sommer kann man mit allerhand Booten auf der Alster herumschippern und hat denselben Blick auf die Stadt, nur in wärmer. So kalt ist es übrigens gar nicht, man gewöhnt sich ja, außerdem habe ich tolle Schuhe und eine tolle Jacke, mir ist nicht kalt. Wir gehen weiter, und am anderen Ende der Alster verlassen wir das Eis und gehen ein Stück Straße und am Ufer entlang wieder zurück, weil wir nicht genau wissen, wo wir sind und wo wir Bus oder Bahn nach Hause kriegen, also gehen wir doch wieder aufs Eis und einfach den ganzen Weg zurück. Am Ende waren wir drei Stunden auf der Alster und sind glücklich und nassgeschneit und haben rote Wangen und Schniefnasen und finden, es braucht noch gar nicht Frühling zu werden, sondern vielleicht noch mal schönes Wetter und Sonne und mehr kalt, um noch länger etwas von dieser Zauberhaftigkeit zu haben.

Liebe Stadt Hamburg, bitte keine Buden auf die Aster, das ist doch albern. Budenvergnügen gibt’s in Hamburg genug. Und so eine Alster hat doch auch ihren Stolz.

isabo · 12:55h · comment · ·

 

31
Jan

Is a book



Judith Schalansky: Atlas der abgelegenen Inseln. Fünfzig Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde

„Das Paradies ist eine Insel. Die Hölle auch.“

Der „Atlas der abgelegenen Inseln“ wurde von der Stiftung Buchkunst zum schönsten Buch des Jahres 2009 gekürt, und wenn die es nicht getan hätte, dann hätte ich es getan.
Judith Schalansky stellt auf jeder Doppelseite eine Insel vor, zumeist solche, von denen man noch nie gehört hat, und auf die man in der Tat niemals gelangen wird. Auf der rechten Seite findet sich jeweils eine Karte der Insel (alle im selben Maßstab) und auf der linken Seite ist der Name der Insel angegeben, teilweise auch mehrere Namen oder Namen in unterschiedlichen Sprachen, ihre Größe, die Einwohnerzahl, ein paar Zahlen.
Und darunter ein Text, eine Miniatur von etwas mehr als einer halben Seite, auf der keineswegs die wichtigsten Fakten über die Insel zusammengefasst werden, sondern ziemlich willkürlich ein Punkt herausgegriffen wird. Und das macht einen Teil der Zauberhaftigkeit dieses Buches aus: dass es die Unvollständigkeit zum Stilmittel erhebt und einfach über jede Insel irgendwas erzählt. Das kann ein Schnappschuss von einem historischen Ereignis sein oder die Beschreibung eines Tiers, das es nur dort gibt, oder eine geografische Besonderheit oder die verlassene Wetterstation. Ein Detail.
Der andere Teil der Zauberhaftigkeit dieses Buchs liegt in seiner Ausstattung: das schönste Buch des Jahres 2009 ist ungefähr DIN A 4 groß und von außen blau, mit Leinenrücken und orangefarbenem Schnitt. Innen hat die rechte Seite mit der Insel einen blauen Hintergrund, Landkarten-Meeresblau eben, die linke hat Text, schwarz auf weiß, mit einigen orangefarbenen Details; die Autorin befasst sich sonst mit Typografie, und das sieht man natürlich. Und als wäre das alles noch nicht genug, riecht das Buch auch noch unglaublich gut.
Man kann wunderbar ein bisschen darin blättern, sich hier und da festlesen, sich an Papier, Duft und Optik erfreuen, nebenbei ein bisschen erratische Bildung mitnehmen und immer wieder zwischendurch ein Loch in die Luft gucken und sich fragen, wie es sein mag, auf einer Insel zu leben, auf der außer einem selbst nur noch drei weitere Menschen wohnen. Oder ob die Verschleppten je zurückkehren durften. Oder ob Dore die Baronin umgebracht hat. Und es möchte einem schier das Herz brechen, dass es tatsächlich eine Insel mit dem Namen Einsamkeit gibt. „Die Einsamkeit liegt im Nordpolarmeer.“

Geht hin und kauft. Für ein so aufwendig und liebevoll gemachtes Buch sind 34,- € nicht mal viel.

Ich weiß noch nicht, an welchen Regalplatz das Buch kommt. Ich möchte es eigentlich gar nicht ins Regal stellen, es soll immer irgendwo herumliegen. Und dann will ich es immer wieder in die Hand nehmen und drin herumlesen. Und dran riechen.

isabo · 21:47h · comment · ·

 

29
Jan

Pssst! Heute mal nur zuhören.



Elisabeth Schwarzkopf als Susanna: "Giunse Alfin Il Momento" aus Le Nozze de Figaro von Wolfgang Amadeus Mozart. London, 1952.

isabo · 16:50h · comment · 0 ·

 

27
Jan

Is a book



Shane Jones (Chris Hirte): Thaddeus und der Februar
Mit Zeichnungen von Ria Brodell


Der Roman fängt so an:

Thaddeus
Wir saßen auf dem Berg und sahen den Ballons zu. Die Flammen in den Ballons erhitzten die Hüllen, bis sie in Neonfarben blühten. Die Kinder spielten Vorhersage.
Sie zeigten auf Löcher am Himmel und warteten. Manchmal blühten alle Ballons gleichzeitig und bildeten ein Lichterzelt über der Stadt, unter deren Dächern die Traurigkeit des Februars wuchs.
Nächte wie diese werden bald nicht mehr sein, flüsterte mir Selah ins Ohr.


Die Traurigkeit des Februars liegt über der Stadt. Der Februar herrscht schon viele hundert Tage. Als erstes wird das Fliegen verboten, die Ballons dürfen nicht mehr aufsteigen, Vögel müssen zu Fuß gehen, nichts darf mehr fliegen. Alles ist immer nur kalt und traurig. Dann verschwinden Kinder. Einige von ihnen werden später tot aufgefunden; ertrunken, erfroren. Eine Gruppe von Männern formiert sich, sie nennen sich Der Ausweg und suchen nach einem ebensolchen. Sie erklären dem Februar den Krieg. Thaddeus schließt sich ihnen an, sie probieren alles mögliche, um wieder Wärme und Licht in die Stadt zu bringen, das Eis zu schmelzen, den Februar zu bekämpfen.
Das Buch ist recht aufwendig gemacht, es arbeitet stellenweise mit unterschiedlichen Schriftgrößen und Seitenlayouts, und dann gibt es noch die Illustrationen von Ria Brodell. Ich verstehe nichts von Kunst, ich teile Bilder in „schön“ und „nicht so schön“ ein, was natürlich reine Privatgeschmackssache ist, und diese hier finde ich nicht so schön. Das ist allerdings ganz passend, denn der Februar ist halt auch nicht schön. Nur grau und traurig, wie die Bilder.
Ach, das ist jetzt schwierig: das ist ein liebevoll gemachtes Buch, wunderbare Gesamtidee und auch viele großartige kleine Ideen drin, gut übersetzt ist es auch, illustriert, eigentlich also alles toll, aber ich kann mit Märchen leider schlicht nichts anfangen.
Soll heißen: für Märchenliebhaber ist das bestimmt sehr schön. Bei Amazon gibt es ein kleines Video dazu.

Im Regal hat Shane Jones illustre Nachbarn, nämlich Uwe Johnson und James Joyce.

isabo · 13:50h · comment · 0 ·