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Sonntag, 25. April 2010
HEUTE!

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Samstag, 24. April 2010
Oh, gestern war ja Welttag des Buches.

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Freitag, 23. April 2010
Fit und Well (12): Jetzt schreckt sie vor nichts mehr zurück

Ich war auf der Lebensfreudemesse und bin stundenlang auf Siebenmeilenstiefeln durch Hamburg gestakst. Was soll mich noch erschrecken? Welche crazy Funsportart kann da noch kommen? Gibt es etwas, das noch extremer ist? Meine Leser wollen doch immer mehr, immer Krasseres, immer Verrückteres!
Man hat mir ein Angebot gemacht, das ich nicht ausschlagen konnte. Etwas, das auf eine ganze spezielle Weise etwas ganz Spezielles werden würde, das war mir klar. Ich hatte grauenhafte Geschichten gehört, wirklich schrecklich. Aber ich wollte es tun, aus Liebe, und um mich in eine Extremsituation zu begeben. Der Nervenkitzel, Sie wissen schon.
Und so war ich heute morgen – Regie! Kann ich bitte einen Ton haben? Eine adäquate Spannungsuntermalung, so einen sehr tiefen Bass, rhythmisch, vielleicht so ähnlich wie Herzschlag? Padum-padum-padum, so was? Vielleicht langsam beschleunigend? Danke!
Also, heute morgen – padum – padum – padum – war ich – padum-padum-padum – beim – padumpadumpadum – tief Luft holen – Babyschwimmen. Es gibt diese Sportart für verschiedene Altersgruppen, ich habe die Gruppe „ungefähr ein halbes Jahr“ ausprobiert. Wer kein eigenes Sportgerät besitzt, muss sich eines ausleihen, das der jeweiligen Altersgruppe entspricht, es dürfte ja nicht weiter schwierig sein, so eines zu finden. Das Gerät, das ich mir ausgeliehen habe, heißt Johann, ist sieben Monate alt und sehr aktiv. Er kann schon krabbeln und versucht das auch im Wasser. Pausenlos. Man muss ihn die ganze Zeit mit zwei Händen festhalten, sonst geht er unter.
Es sind sieben Mütter mit Kindern da – also, sechs Mütter, eine Patentante, die dazugehörige Mutter läuft voll angezogen ums Becken herum und macht Fotos. Wir stellen uns im Kreis auf und singen ein klitzekleines Lied, das ungefähr zehn Sekunden dauert: Ha-ha-ha, wir sind heut alle da. Oder so ähnlich. Dann stellen wir uns alle vor, alle Mütter und Patentanten sagen, wie sie heißen und wie ihre Sportgeräte heißen. Um dann – wie lange eigentlich? Eine halbe oder Dreiviertelstunde, schätze ich, mit dem jeweiligen Kind herumzuplantschen. Es liegen drei unterschiedlich feste Matten im Wasser, auf die man die Kinder legen kann, meins fängt auf jeder Matte sofort an voranzurobben und rutscht dann natürlich, platsch, mit dem Kopf zuerst ins Wasser. Ein paar Mal taucht er kurz unter, das scheint ihm aber nichts auszumachen. Ich fische ihn wieder raus, er strahlt, hustet, und gelegentlich bäuert er einen Schwall Chlor wieder hoch. Die Kursleiterin kommt zu mir und sagt, dass ich diesen einen Handgriff schon ganz toll mache, äh – welchen Handgriff? Sie zeigt mir noch mal, was ich gemacht habe, und dass das richtig war, und ich überlege kurz, ob man das Kind auch irgendwie anders und falscher hätte anfassen können, nun ja. Überhaupt ist mir nicht ganz klar, was jetzt hier der „Kurs“ ist. Die drei Matten, die da rumschwimmen? Dass man sich vorher vorstellt? Dass man am Anfang und am Ende ein Liedchen singt? Mir kommt es vor, als könne man die ganze Sache ebenso gut allein mit dem Kind im Schwimmbad machen. Aber ich versteh ja auch nichts davon. Wohl verstehe ich etwas vom Terminehaben, ich tu ja auch nix, wenn ich keinen Termin habe, in sofern hat so ein Babyschwimmkurs sicher seinen Sinn. Aber insgesamt bin ich doch enttäuscht. Ich hatte mir etwas Spektakuläreres vorgestellt, ich wollte peinliche Lieder singen, peinliche Spielchen spielen und mich überhaupt gehörig zum Obst machen. Hat nicht geklappt.
Das quietschvergnügte Kind jedenfalls würde ich jederzeit wieder mit ins Wasser nehmen, es hatte Spaß, und ich auch, es hat gelacht und in Plastikfische und ins Wasser gebissen und wollte am liebsten ganz allein schwimmen, es war sehr beschäftigt und hat richtig gearbeitet. Und hinterher waren wir beide erschöpft und glücklich und hatten Hunger.

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Mittwoch, 21. April 2010
Is a book

Jakob Hein: Herr Jensen steigt aus

Der Roman beginnt so:
Der Brief in seiner Hand war wie üblich nicht für ihn. Herr Jensen strich mit dem Umschlag knapp unterhalb der Schlitze über die Türen der Briefkästen, so dass sich das vordere Drittel des Umschlags an die Metallgehäuse drückte. An jeder Lücke zwischen zwei Kästen gab es einen kleinen Sprung, und das Adressfeld schien vor seinen Augen leicht zu tanzen.

Herr Jensen hat nie etwas besonders gut gekonnt, und vor allem nie etwas wirklich gewollt. Und so bricht er das Studium ab und arbeitet weiter bei der Post, wo er schon als Schüler und als Student gejobbt hat. Aber dann wird er entlassen, ist arbeitslos und wird erst wunderlich, dann verrückt und schließlich paranoid. Und das ist genauso öde, wie es klingt. Weiter passiert nichts, es kommt keine Überraschung, es ist inhaltlich total vorhersehbar und weder sprachlich noch erzähltechnisch irgendwie besonders. Das ganze Buch ist durch und durch schnarch.
Ich nehme an, es handelt sich um eine so genannte Satire. Desweiteren nehme ich an, dass einem „das Lachen im Halse steckenbleiben“ soll. Ich muss aber leider nur gähnen.

Jakob Hein wohnt im Regal zwischen Henrike Heiland und Heinrich Heine.

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Dienstag, 20. April 2010
Autoren, deren Namen ich nicht aussprechen kann

Siri Hustvedt (Amerikanerin, norwegischer Name. Ich spreche es mit mitteleuropäischen Vokalen aus, also sozusagen „deutsch“.)

Irene Dische (gleiches Problem: Amerikanerin, deutscher Name. Diski?)

Michel Houellebecq (U-ell-beck?)

J.M. Coetzee (Kuhtzi?)

Annie Proulx

Colm Tóibín (Spielzeugmülltonne?)

Joel Haahtela

Tanguy Viel (Tañgi Wi-ell?)

(tbc)

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Sonntag, 18. April 2010
Fit und well (11): Siebenmeilenstiefel

Samstag
Ich gehe in den Laden, um die Siebenmeilenstiefel erstmal auszuprobieren. Der nette Herr dort zieht sie mir an und nimmt mich an die Hand, und es gibt eine Stange, wie beim Ballett, an der man sich festhalten und die ersten Schritte versuchen kann. Dann geht es schon mit nur einer Hand und dann ohne, man kriegt die Bewegung schnell raus. Und wer gehen kann, kann auch ein bisschen laufen, und hüpfen, jippie! Das macht Spaß! Jetzt hinfallen, sagt der freundliche Herr. Wie, hinfallen, sage ich. Nach unten, sagt er, nicht irgendwohin, keine Judorolle oder so was, nur runter, fallenlassen, auf die Knie, schön langsam. Die Siebenmeilenstiefel sind gut 40 cm hoch. Ich bin 1,81. Mein Kopf befindet sich in mehr als 2,20 m Höhe, und ich soll mich fallenlassen. „Nach unten“. Is klar.
Luftholen.
Ich trage Knieschoner, direkt unter den Knieschonern ist ein gepolsterter Metallbügel, was soll schon passieren? Ich lasse mich fallen, auf die Knie, Hände, Bauch, ich liege platsch! bäuchlings in voller Länge im Laden. Aua. Aber okay. Ging eigentlich.
Dann übe ich beidbeiniges Hüpfen. Dafür muss man erstaunlicherweise die Knie durchgestreckt lassen, die Federung kommt aus den Schuhen, nicht aus den Knien, es dauert einen Moment, bis ich die Bewegung raushabe, aber dann geht auch das. Und noch einmal hinfallen, bitte. Diesmal kriege ich dabei einen etwas übleren Stoß in den Rücken, aua.
Ich hüpfe noch ein bisschen im Laden herum, am liebsten würde ich die Dinger gleich anbehalten.

Sonntag
Schon als ich auf den Laden zugehe, sehe ich vor mir ein paar junge Leute mit geschulterten Siebenmeilenstiefeln. Insgesamt ist die Gruppe am Ende ungefähr dreißig Leute stark, darunter Profis und absolute Anfänger (noch anfängeriger als ich, also solche, die noch nicht im Laden waren und geübt haben), im Alter zwischen 15 und 55, schätzungsweise. Wir gehen los, ich muss daran denken, immer schön die Knie zu heben. Die Straße ist nicht so eben wie der Boden im Laden, aber es geht, ganz gut sogar, erstaunlich gut, tirili! stolper Man darf sich nur nicht kurz mal nicht konzentrieren. Wir gehen an die Alster, die jungen Hüpfer machen unfassbar hohe Sprünge und Kunststückchen, die Anfänger sind noch im Laden und tun das, was ich gestern schon gemacht habe. Ich trappel ein bisschen abseits vor mich hin. Gehe, laufe ein bisschen, hüpfe. Setze mich mal kurz, das ist nämlich reichlich anstrengend. Der Herr im Laden hatte gesagt, man wäre insgesamt etwa drei Stunden unterwegs, da fange ich lieber rechtzeitig mit dem Pausemachen an. Jemand anders sagt, drei Stunden wäre ja wohl Quark, es würden eher so vier bis fünf, oder auch schon mal sieben. Sehr witzig.

Sollen sie doch sieben Stunden siebenmeilenspringen. Mir werden die drei schon reichen, hü-hüpf, es ist herrlichstes Wetter, blauer Himmel und Sonnenschein, die Alster glitzert, und es macht großen Spaß. Dann gehen wir weiter zum Rathausmarkt, und das ist eine. verdammt. lange. Strecke. Wir gehen zwar langsam, aber das ist anstrengend genug, ungewohnte Bewegungen, ungewohntes Balancehalten. Am Rathausmarkt legen die jungen Burschen erst richtig los. Haben die eine Energie. Verschiedene Fotografen werfen sich ihnen zu Füßen. Ich mache mal wieder Pause, liege auf einem breiten, hohen Brückenpfeiler, von dem ich auch gut wieder runterkomme. Denn sonst ist Aufstehen natürlich so eine Sache.
Und dann hüpfe ich noch ein bisschen auf dem Rathausmarkt herum, renne ein paar Schritte, mache wieder Pause. Ich wurde noch nie in so kurzer Zeit so oft angeguckt, angesprochen und fotografiert. Die jungen Hüpfer hüpfen kleine Choreographien, hier und da einen Salto, meterhohe Sprünge, Schrauben, Kunststücke. Alles sieht total leicht und einfach aus, wie schwerelos, während mir langsam jeder Muskel wehtut. Erstaunlicherweise vor allem die Bauchmuskeln. Und Rücken. Und Beine. Und alles. Überhaupt, mein Rücken. Wo ich gestern beim Fallen den Stoß bekam. Das fühlt sich jetzt nicht mehr so richtig gut an.
Vom Rathausmarkt aus kann man die Türme der Mundsburg sehen. Da in der Nähe ist der Laden, zu dem wir zurückmüssen. Verdammt weit weg. Genauer betrachtet ist es unfassbar weit weg. Unmöglich. Die Dinger an meinen Füßen sind nämlich inzwischen ganz schön schwer. Dann mal los. Die Cracks gehen noch weiter in die Hafencity.

Am Ende waren wir knapp fünf Stunden unterwegs. Wenn ich es richtig mitbekommen habe, bin ich von den Anfängern die einzige, die die komplette Zeit auf Siebenmeilenstiefeln verbracht hat, alle anderen haben zwischendurch getauscht und sind ein Stück zu Fuß gegangen. Also, auf ihren eigenen Füßen. Und gefallen bin ich auch nicht.
Ich platze vor Stolz.
Als wir wieder im Laden sind, lassen alle alles fallen, alle sind komplett fertig. Ich schaffe es irgendwie aus den Schuhen raus, ziehe mir ein frisches T-Shirt über und gehe. Erst im Bus fällt mir ein, dass mir unterwegs zwei Leute ein bisschen Geld geliehen haben, damit ich mir ein Eis und ein Getränk kaufen konnte. Falls Ihr das hier lest, Ihr beiden: tut mir leid, das wollte ich Euch doch im Laden wiedergeben! Total vergessen! Die Erschöpfung!
Zu Hause trinke ich mehrere Gläser Apfelschorle. Dann falle ich ins Bett, schlafe eine Stunde wie ein Stein und wache mit Kopfschmerzen wieder auf. Man kann doch keinen Sonnenstich kriegen, bloß weil man sich mal fünf Stunden in der Aprilsonne auf ungewohnte Weise bewegt? Für den Rest der Woche werde ich jedenfalls den Muskelkater aus der Hölle haben, das ist mal sicher. Und wahrscheinlich federt mein Bett heute Nacht genauso wie jetzt mein Schreibtischstuhl.

Kinder! Probiert das mal aus! Jeden Sonntag um elf Uhr ist Treffpunkt im Laden am Mundsburger Damm, dort bekommt man Stiefel geliehen, es kostet nichts und macht irren Spaß. Und irren Muskelkater. (Weitere Informationen gibt es hier und hier.)



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Samstag, 17. April 2010
Morgen (Sonntag)

… habe ich etwas hervorragend Großartiges für meine kleine Fit und Well-Reihe vor. Und würde dabei schrecklich gern fotografiert werden. Wie ich mich blamiere. Oder mir die Knochen breche. Hat jemand eine Kamera und noch nichts Besseres vor? So gegen viertel nach elf? Draußen, an der Alster. Es soll schönes Wetter werden. Ihr wollt eh da sein, wo ich dann bin. Das wär sehr, SEHR toll. Näheres gern per Mail.

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Joel Haahtela (Sandra Doyen): Sehnsucht nach Elena

Der Roman beginnt so:
Gleich kommt sie. Noch kann ich sie nicht sehen, höre aber beinah ihre Schritte. Sie hallen über das Pflaster, kurz bevor der Sand ihr Echo schluckt. Immer auf die gleiche Weise, immer überraschend. Als käme sie aus dem Nichts.
Auch gestern saß ich hier, genau wie am Tag zuvor. Sie nimmt mich kaum wahr, obwohl der Park zu dieser Morgenstunde menschenleer ist. Die Bank steht etwas abseits unter einer Kastanie.

Da sitzt der Erzähler also, auf der Bank unter der Kastanie im Park, und wartet auf Elena. Vorgestern, gestern und heute. Und morgen und übermorgen. Dass sie Elena heißt, weiß er noch nicht, er erfährt es im Laufe der Zeit zufällig. Tag für Tag sitzt er da und sehnt sich nach Elena, er weiß, wann sie durch den Park kommt, sieht sie vorbeigehen, spricht sie nicht an, tut auch sonst nichts. Er hat nur diese Sehnsucht, da zu sein und sie zu sehen. Und dann geht er durch die Stadt oder nach Hause und sieht aus dem Fenster in den Garten. All das in sehr kurzen, sehr einfachen Sätzen, hervorragend aus dem Finnischen übersetzt von Sandra Doyen – manchmal nerven so kurze Sätze ja, hier nicht, hier funktionieren sie, sie ergeben einen fast schon hypnotischen Rhythmus. Man sieht mit dem Erzähler zusammen irgendetwas und denkt dabei nicht viel.
Eines Tages kommt Elena nicht, und am nächsten Tag auch nicht, und am übernächsten nicht. Und er macht sich auf die Suche. Jedes Wort, was ich noch weiter über die Geschichte erzählen würde, wäre zu viel; lange Zeit passiert nur wenig. Und egal, wie dezent ich etwas über das Ende andeuten würde, es wäre zu viel, denn Ihr sollt das selbst lesen, unbedingt. Es sind nur 150 Seiten, und die meisten davon sind nur halb voll.
„Sehnsucht nach Elena“ ist jetzt schon ein Anwärter, ein Lieblingsbuch des Jahres zu werden. Selten so ein großartiges Ende gelesen. Und wenn man fertig ist, will man gleich vorne wieder anfangen. Nicht aus lauter Trauer, dass es vorbei ist, sondern, um sich noch mal zu vergewissern.

Joel Haahtela bekommt einen Regalplatz zwischen Woodie Guthrie und Wolf Haas.

PS: Torsten von der Lieblingsbuchhandlung hat es auch gelesen, so bin ich überhaupt drauf gekommen. Danke! Großartiges Buch. Aber das sagte ich wohl schon.

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Henrike Heiland: Von wegen Traummann

Der Roman fängt so an:
Meine Mutter konnte jedes Mal riechen, wenn ich Sex hatte. Sie roch es drei Straßen weiter in ihrer Wohnung. Spätestens, wenn ich mir den BH aufmachte, nahm sie Witterung auf. Tastete ich nach den Kondomen neben dem Bett, griff sie zum Telefon und wartete. Kurz vorm Höhepunkt begann sie zu wählen. Und das Klingeln brachte mich natürlich komplett raus.

Charlotte hat seit anderthalb* Jahren den perfekten Freund. Frank ist reich, verheiratet, aufmerksam und romantisch. Er kommt jeden Mittwoch, bringt Blumen mit und verwöhnt und verführt sie. Perfekt.
Nur, dass sie dann doch irgendwann gern etwas Richtiges hätte. Einen Mann nur für sich, eine offizielle Beziehung, einen, der immer da ist. Nicht nur Mittwochs. Kaum hat sie Frank das gesagt, da verlässt er seine Frau und steht mit Sack und Pack in ihrer Wohnung. Und schnell stellt sich raus: doch nicht so ein Traummann. Nur, wie wird sie ihn jetzt wieder los? Wo er doch ihretwegen Frau und Tochter verlassen hat?

Wer hier schon länger liest, weiß zweierlei: erstens bin ich mit Henrike Heiland befreundet, und zweitens lese ich normalerweise keine lustigen Frauenromane. Aber ich kenne das Genre, denn ich habe reichlich davon übersetzt. Und weiß, dass es auch diese Sorte Bücher in höchst unterschiedlichen Qualitäten gibt. Manche sind wirklich nett und lesen sich einfach so weg, andere sind kaum zu ertragen. Ich habe heute Nacht bis drei Uhr durchgelesen, weil es eben so ein Buch ist. Zum einfach immer Weiterlesen. Ohne großen Anspruch, aber nett.
„Von wegen Traummann“ ist logischerweise voller Klischees (Reiterhof!) und bietet wenig Überraschungen; das gehört so, denn so funktioniert das Genre. Wundervoll ist, dass es die übliche Geschichte lustiger Frauenbücher umkehrt. In allen anderen geht es darum, den Traummann zu kriegen. Hier soll er weg. Hervorragend! Was ich auch sehr mag, ist, dass die Hauptfiguren so ihre Macken haben, aber nicht zu viele, und dass auch die Nebenfiguren einen Charakter haben dürfen und durchaus präsent sind, nicht nur Stichwortgeber. Und zu lachen gibt's auch was. Schön, um einfach mal kurz abzutauchen. Badewanne, Balkon, Strand.

Henrike Heiland steht im Regal zwischen Heere Heeresma und Jakob Hein.

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Freitag, 16. April 2010
Liebe Katy,

weißt Du noch, als Du vor einigen Wochen hier warst? Es kommt mir vor, als wäre das schon ewig her, die Alster war zugefroren, wir haben einen kleinen Spaziergang auf dem Eis gemacht. Du hattest Deine Zahnbürste vergessen. Wir hatten noch eine frische, die wir Dir gegeben haben. Du hast sie dann nicht mitgenommen, als Du abgefahren bist, Du hast sie in unserem Zahnputzbecher stehen lassen. Das war Anfang Februar. Die Zahnbürste steht da immer noch, ich weiß selbst nicht, warum wir sie nicht längst weggeworfen haben. Vielleicht warten wir darauf, dass Du wieder kommst. Du weißt ja, wo das Gästebett steht, es ist meistens frei.
Und Du hast uns Flüssigseife mitgebracht, die seitdem auf dem Waschbeckenrand steht, meine Hände duften jetzt immer so appetitlich nach Zitronenverbene.
Was ich sagen will: mehrmals am Tag denke ich an Dich, immer beim Zähneputzen und beim Händewaschen. Und dann noch manchmal zwischendurch, wenn ich den „I ♥ German books“-Button auf meiner Tasche sehe, Dir auf Facebook begegne oder Dein Blog lese. Ich denke dann nicht immer einen großen Text, eher so was wie „ah, Katys Zahnbürste“, aber es ist immer ein freudiges „ah, Katys Zahnbürste“. Weil ich mich freue, dass Du da bist, und weil ich mich freue, dass wir uns kennen, und weil ich mich freue, dass wir beide bloggen, denn wenn wir das nicht täten, dann würden wir einmal im Jahr in Wolfenbüttel aneinander vorbeilaufen, und ich würde nur dieses ein Mal im Jahr denken „ist das nicht diese Katy?“. Das wäre wirklich schade.
Heute sollst Du große Mengen von Deinem Lieblingskuchen essen und mit lauter Lieblingsleuten ein paar Gläser Sekt trinken. Ich wünsche Dir Gesundheit, Glück und Geschmeide und ein rauschendes Fest! Und ich freue mich schon, Dich im Juni zu sehen und nicht nur „ist das nicht diese Katy“ zu denken. Have the happiest birthday, love!
Isa

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Donnerstag, 15. April 2010
Liebe Autoren,

ich möchte in Beerdigungsszenen bitte keine metaphorischen Vögel mehr lesen. Ich möchte nicht, dass sie während der Zeremonie auf einem Baum über dem offenen Grab sitzen, am Ende noch ein hübsches Liedchen zwitschern und sich dann hoch in den Himmel aufschwingen, bis man sie nicht mehr sieht. Und wenn das schon unbedingt sein muss (Nein! Muss es nicht! Streichen! Weg!), dann, bitte, erklärt es nicht auch noch. Das haben wir alles schon hunderttausend Mal gelesen, und ja, auch schon genauso oft das mit der Seele und dem Himmel und so.
Und wo wir gerade bei Beerdigungen sind: dass ich in dem Zusammenhang kein „Sie ist … Verzeihung, sie war“ mehr lesen möchte, wisst Ihr ja schon. Ich dachte, ich erinnere Euch noch mal fix dran.

Danke. Ächz.
Eure Isa

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Mittwoch, 14. April 2010
Isa lernt kochen

So eine Gemüsekiste ist super. Ich habe noch nie so viel gekocht wie in den letzten zwei Wochen, und manches davon war wirklich großartig. Das mit dem Mangold hat irgendwie nicht geklappt, dabei hatte ich mich auf den am meisten gefreut, aber es hat dann leider nur mittel geschmeckt. Muss ich noch lernen, den Mangold selbst trifft keine Schuld.
Super waren Rot- und Weißkohl. Danke, Frau Extramittel, für den Link auf dieses Rotkohlrezept von Frau Creezy – das ist wirklich der Hammer. Unfassbar großartig leckerer Rotkohl. Mit einem Glas Sauerkirschen drin. (Ohne Rosinen, weil ich keine dahatte. Kommen nächstes Mal noch rein.)
Aus dem Weißkohl habe ich zweierlei gemacht, einmal Schmorgemüse, ebenfalls mit Obst drin, nämlich Äpfeln – so ziemlich nach diesem Rezept, allerdings habe ich kein fertiges Kompott genommen, sondern fix selbst ein paar Äpfel gekocht. Waren noch genügend da. Mit Kartoffelbrei dazu, superlecker. Man sollte öfter Obst ins Essen tun.
Unfassbar lecker war auch der Coleslaw, den ich aus der anderen Hälfte Weißkohl gemacht habe. Das Rezept steht hier. Ich hatte keinen Tabasco, aber ansonsten habe ich mich im Wesentlichen daran gehalten. Ganz großartig, das Dressing ist der Hammer. Und schnell ging es auch, Kohl und Möhren habe ich in der Küchenmaschine geschreddert.

Heute kam wieder eine Kiste. Darin sind unter anderem Topinambur, Steckrüben, Spinat und Bärlauch. Habt Ihr dafür womöglich auch Vorschläge? Spinat kam in meinem Leben bislang aus viereckigen Packungen. Bärlauch würde ich in Kartoffelsalat tun (weil ich das schon mal gemacht habe), und aus Steckrüben würde ich Mus machen (weil Herr Paulsen das gemacht hat, als ich daneben stand, und ich so schlau war, es aufzuschreiben). Dass die Topinamburs Topinamburs sind, weiß ich nur, weil das auf der Rechnung steht. Keinen Schimmer, was das ist.

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Dienstag, 13. April 2010
Nächste Woche Sonntag! Ihr kommt doch alle?

Was soll ich denn bloß lesen?

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Arme Saskia.

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Montag, 12. April 2010
Mit anderen Worten: Was Bücher mit Übersetzern machen

Man wirft Übersetzern ja gerne vor, was sie Schlimmes mit einem Buch gemacht hätten. Oder man bejubelt sie für das, was sie mit einem Buch gemacht haben. Natürlich machen Übersetzer etwas mit Büchern. Aber Bücher machen auch etwas mit Übersetzern.

Meine neue Kolumne im Titelmagazin ist da! Bitte aufs Logo klicken.

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Fit und Well (10): Lebensfreudemesse

Zur Einstimmung auf diesen Eintrag kann man schön den Lebensfreudemessesong hören, hier in der linken Spalte. Da war ich nämlich, auf der Lebensfreudemesse.


Lebensfreude

Wir kaufen uns ein Mangolassi und probieren als erstes ein Trampolin aus. Eine nette Dame lässt uns hüpfen, Hüpfen ist gesund, denn man braucht dafür alle möglichen Muskeln und den Gleichgewichtssinn, es bringt den Kreislauf in Schwung, die Bewegung ist sanft und ohne harte Stöße, außerdem macht Hüpfen Spaß. Lebensfreude scheint mir eine ganz vernünftige Angelegenheit zu sein.
Unsere nächste Station ist ein Massagekissen. Es ist vielleicht 25 cm hoch und knapp 40 breit, man sitzt auf Gartenstühlen, das Kissen in der Lendenwirbelsäule massiert erstaunlich heftig. Total toll. Ein gesprächiger Chinese kippt uns die Stühle nach hinten und legt uns die Massagekissen unter den Schulter-/Nackenbereich – woah. Tut weh, tut gut, wir wollen gar nicht mehr aufstehen. Wir lassen uns rauf und runter den Rücken massieren und finden Lebensfreude super.
Ich wundere mich über den Stand der Partei „Die Violetten. Für eine spirituelle Politik“, aber mein Begleiter sagt, die treten auch regelmäßig zu Wahlen an. Ich vergesse so was ja immer gleich, finde es aber zauberhaft, wie intensiv das junge Paar hinter dem Stand mit einander bzw. mit Knutschen beschäftigt ist. Diese Lebensfreude! Auf der Webseite der Partei gibt es übrigens ein weiteres tolles Lied, könnt Ihr googeln.


Energie

Aber es ist nicht alles Spaß. An manchen Ständen merkt man deutlich, dass Lebensfreude eine ernste Angelegenheit ist. Man sorgt sich um unsere Heilung. Heilung ist das große Thema. Und Energie. Energie ist wichtig, Energie ist das, was wir brauchen, Energie ist das Gute. Das hat man schnell begriffen. Erhalten kann man diese Energie beispielsweise mittels einer Energiepyramide, einem erstaunlich hässlichen Teil, das es in zwei Größen gibt: groß und sehr groß. Die große hat eine Reichweite von acht Metern, die sehr große fünfundzwanzig. Die Pyramide aus Messingstäben steht auf einem Boden aus Acryl, und darin befindet sich eine kleinere, ebensolche, aber auf dem Kopf stehende Pyramide. Durch die Mitte verläuft ein Stab, der mit Halbedelsteinen oder so was gefüllt ist.
Ein junges Mädchen sagt zur Erklärung auf, was es auswendig gelernt hat: die Spitze der Pyramide nimmt Energie aus dem Kosmos auf, die durch die Pyramide nach unten hin breit abgestrahlt wird. Die innenliegende Pyramide nimmt die Energie der Erde auf und strahlt sie nach oben hin ab. Dadurch entsteht ein sehr kraftvolles Energiefeld, das man auch spüren kann. Wir sollen die Hände unter die Pyramide halten. Oder an die Ecken. Oder innen rein. Ob wir die Energie spüren? Nein, sagen wir. Es könne warm sein, oder kalt, oder ein Kribbeln. Wir spüren nichts. Sie führt uns von der großen zur sehr großen Pyramide, und hier? Nein, sagen wir. Dass es ein bisschen kühl ist, sagt mein Begleiter, liege natürlich am Plexiglas.
Das junge Mädchen ist ratlos, der Mann am Stand kommt ihr zu Hilfe. Ob ich die Pyramide schön finde, fragt er, und ich bin ein bisschen stolz auf mich, dass ich statt eines entsetzten „das ist ja wohl nicht Ihr Ernst“ immerhin ein halbwegs diplomatisches „mein Geschmack ist es nicht“ herausgebracht habe. Ob mir Silber denn besser gefallen würde. Äh, nee, das macht’s dann auch nicht. Er erklärt uns noch mal dasselbe, wir spüren immer noch nichts. Zur besseren Erklärung empfiehlt er uns, die CD mit der Aufzeichnung seines Auftritts bei Jürgen Fliege zu kaufen, da wäre das alles super erklärt. Und da hätten sie die Energie auch gemessen, die hatten da ein Messgerät, und da hatte die Pyramide an der einen Stelle einen Messwert von achtundzwanzig! Mein Begleiter fragt, um was für Energie es sich denn handle. Na, die Energie in der Pyramide eben. Ja, aber was für eine Art von Energie denn, Wärme, elektrische Energie, magnetische? Also, das wäre mit diesem Gerät hier gemessen worden: er zeigt auf ein Bild von irgendeinem elektrischen Gerät.
Was uns am meisten erstaunt, ist, dass der Mann nicht mal eine Erklärung parat hat. Dass er mit der einfachsten aller Fragen so ins Schwimmen gerät, und nicht mal einen Verwirrtext auf Lager hat. Die Fliegesendung war, wenn ich mich recht erinnere, 1998 oder 99, der Mann macht das also schon eine Weile. Und wir sind schon wieder stolz auf uns, dass wir das ohne Lachen überstanden haben. Die Begleiterin musste allerdings zwischendurch kurz weggehen.


Klangschalen, Gongs

Zur Entspannung und wegen der Lebensfreude stelle ich mich als nächstes strumpfsockig in eine große Klangschale. Eine sehr schöne Frau mit ganz langen Haaren und grundsympathischer Ausstrahlung schlägt die Schale an, dazu eine weitere, kleinere, mit der sie mir dann am Körper entlangfährt. Die Schale, in der ich stehe, schwingt so stark, dass meine Begleiter es sogar über den Boden und durch die Schuhsohlen spüren, der Ton der kleineren Schale wird lauter und leiser, je nachdem, wohin die Dame sie gerade bewegt. Schwingung ist Energie, das kann man spüren, das ist Physik. Auf welche Weise und in wiefern diese Vibrationen jetzt meine Aura glätten, habe ich nicht verstanden, ist aber auch wurscht. Plötzlich durchrieselt mich ein Schauer, eine Gänsehaut, ich zweifle nicht daran, dass diese Schallwellenübertragung irgendwas mit der Energie in meinem Körper gemacht hat. Wahrscheinlich Lebensfreude.
Und so geht es noch eine Weile weiter. Ein Schamane flötet mit einer indianischen Flöte jemanden an, der dazu über Pferdefotos meditiert. Meine Begleiterin meint, ich müsse an meiner Ausdrucksweise arbeiten, es heißt nicht „er guckt Pferdebilder an“, sondern „er baut eine Beziehung zwischen Mensch und Krafttier auf, um in Einklang mit der Natur …“ der Rest geht im Stimmengewirr unter.
Überhaupt, die Ausdrucksweise. Wir sind in einem Paralleluniversum mit einer ganz eigenen Sprache. Es geht dauernd um Energie, um Kraft, Heilung, Aura, Kraftpunkte, Krafttiere, energetischen Ausgleich, das Energetisieren von Wasser, das Begradigen der Aura, um Einklang, Engel, Licht, Lichtwesen, um unser Inneres und den Kosmos. Und eine mediale Ausbildung ist auch nicht das, was man sich anderswo darunter vorstellt.
Ein weiterer Chinese labert mich mit Mundgeruch und einem schier nicht enden wollenden Wortschwall über sein handliches kleines Massagegerät voll. Er hält meine Hand fest, zeigt mir, wo welche Reflexpunkte sind, drückt mir das Teil in die Hand, damit ich es selbst ausprobiere, nennt plötzlich einen Preis, Messeangebot, wolle kaufe? Nee danke, lassma, ich wüsste ja gar nicht, wohin mit so viel Lebensfreude.
Nach zweieinhalb Stunden sind wir vollkommen erschöpft. Wir setzen uns in die Vorhalle, essen einen vegetarischen ayurvedischen Gemüsematsch und lauschen halbherzig den Ausführungen darüber, wie man sich mit minderhübschen Kettenanhängern gegen Elektrosmog schützen kann. Der Gemüsepapp gibt uns den Rest, wir verlassen nach nur drei Stunden die Messe und ich fahre schnurstracks nach Hause, wo ich sofort ins Bett und in einen bleiernen Schlaf falle. Keine Ahnung, was die da auf der Messe mit meiner Energie gemacht haben. Geklaut, scheint’s.
Was ich wirklich bedaure, ist, dass wir das Überraschungseiorakel nicht gemacht haben. Das hätten wir tun sollen, für einen Euro.

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Sonntag, 11. April 2010
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Elisabeth Rank: Und im Zweifel für dich selbst

Man rechnet ja nicht damit. Wir glaubten an ein Morgen, wir fuhren in den Urlaub, und wir sagten: bis bald. Wir blieben tagelang im Bett liegen, vor allem, wenn wir frisch verliebt waren, das geschah ein paar Mal, als wir noch zur Schule gingen. Mit einem Abschluss rechneten wir und mit einem Danach. Wenn man uns nach Heirat und Kindern fragte, schüttelten wir den Kopf, aber immer nur auf Zeit, denn wir wussten, irgendwann kommt der Moment, in dem wir nicht mehr so vehement den Kopf schütteln, sondern eher langsam. Später zuckten wir nur noch mit den Schultern, antworteten nicht mehr. Ein Ja hoben wir uns auf, verrieten es niemandem, aber hatten es fest in der Hand, weil man das so machte. (S. 34)

Lene, Anfang zwanzig, hat den Mann ihres Lebens gefunden, mit ihm ist auf einmal alles leicht. Alles, was in Beziehungen immer schwierig war, geht mit Tim einfach. Und dann kommt Tim bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Lene und ihre beste Freundin Tonia fahren mit dem Auto einfach los, raus aus Berlin, weg von allem Vertrauten, eine Flucht, nur weg, egal wohin. In Berlin erinnert alles an Tim. Sie fahren kreuz und quer durch Mecklenburg und reden nur wenig und stehen am Feldrand und weinen und übernachten irgendwo und schlafen zwischendurch im Auto und beschließen endlich, ans Meer zu fahren.

Sie sah fehl am Platz aus, vielleicht war es auch nur ihr Gesicht, aber in dem Moment gab es nichts, das trauriger hätte sein können als dieses Mädchen – und manchmal musste ich mir wirklich ins Gedächtnis rufen, dass dieses traurige Mädchen Lene war und nicht irgendjemand, eine Fremde.

Tonia ist dabei genauso überfordert wie Lene und weiß genauso wenig, was sie tun, wie sie mit der Situation umgehen soll. Und dann wird Lene auch noch krank, sie bekommt Fieber. Als Tonia auch nicht mehr kann, ruft sie Vince an. Vince ist Lenes Mitbewohner, und Tonia hat eine besondere Beziehung zu ihm. Das weiß aber niemand, vor allem nicht Friedrich, Tonias Freund, mit dem es nicht besonders rund läuft. Vince stößt an der Ostsee zu den beiden, sie verbringen ein paar Tage zu dritt in einem Wohnwagen, dann müssen sie zurück nach Berlin, zu Tims Beerdigung.
Und die Beerdigung wirft dann auch den Leser um, der bislang noch tapfer war. Während der Fahrt durch das Berliner Umland irrt das Buch manchmal ebenso ziellos umher wie die beiden Frauen. Aber am Meer geht es nicht mehr weiter, man kann nur noch umkehren, und am Ende läuft so ein Todesfall nun mal auf eine Beerdigung hinaus, es geht nicht anders, als dass man schließlich an einem offenen Grab steht. Dem müssen sich auch die drei stellen.
Ich verdrücke gern mal ein Tränchen beim Lesen. Aber hier habe ich richtig geweint. Vor ein paar Wochen war ich auf Elisabeths Lesung aus diesem Buch, da habe ich auch schon geweint. Und ich behaupte, das ist ein Qualitätsmerkmal. Wenn ein Text mir emotional so nah kommt, dann hat die Autorin offenbar etwas richtig gemacht. (Und in dem Fall sicher nicht billig auf die Tränendrüse gedrückt.) Die Hilflosigkeit über weite Strecken des Buches – nicht zu wissen, wohin, und was man mit sich anfangen soll und wie überhaupt eine Zukunft aussehen soll, das macht einen stumm; am Ende schließlich bricht der ganze Schmerz hervor. Und das alles, ohne dass Lisa Rank Gefühle beschreiben würde; sie geschehen einfach. Wer gerade jemanden verloren hat, möchte es vielleicht nicht lesen. Alle anderen schon.

Lisa Rank bekommt einen Regalplatz zwischen Fabrizia Ramondino und Sven Regener.

P.S.: Ja, wir kennen uns, aus diesem Internet. Nicht besonders gut, aber ich mag sie sehr. Aber das Buch hätte ich auch so empfohlen.

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Samstag, 10. April 2010
Ich hätte mich kaputtgelacht.

Wenn mir vor zehn Jahren jemand gesagt hätte, ich würde meinen Samstag damit verbringen, erst eine Runde zu laufen, dann auf dem Balkon zu sitzen und Müsli zu frühstücken (Alnaturamüsli mit einem Apfel aus der Biokiste und Biomilch), und schließlich vegetarische Kohlrezepte zu googeln, um dann das ganze Gemüse aus der Biokiste zu verarbeiten, dann. Hätte ich gelacht. Sehr.
Jetzt finde ich es super.

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Donnerstag, 8. April 2010
Danke für den Hinweis!

Kann man ja sonst nicht ahnen.

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Mittwoch, 7. April 2010
Fit und Well (9): Salzgrotte

Im Bus fällt mir ein, dass ich die Kamera vergessen habe. Das ärgert mich, mächtig, denn die Bilder im Internet sehen schon aus, als wäre das alles höchst fotografierenswert. Sowas Blödes!
Seit ich den Gutschein habe, schmecken meine Lippen, sobald ich daran denke, salzig. Die Psyche ist ein wunderliches Ding. Nach fast einer Dreiviertelstunde Fahrt steige ich bei der Manufaktur „Puschenalarm" aus dem Bus, gehe noch ein paar Schritte und bin da: bei der Hamburger Salzgrotte. Ich möchte „Kraft und Gesundheit tanken mit einer Brise Salz“. Oben im Laden gibt es Salzlampen, Salzklumpen zum Hinstellen, Klangschalen und Bilder von Engeln. Man kann sie kaufen. Die Engelmalerin macht auch Meditationen mit Engeln in der Salzgrotte. Sogar mit Erzengeln. Man kann auch Karten und Kissen mit Heilzeichen drauf kaufen, es liegen Flyer für Heilzeichenkurse und Persönliche Lichtwesenbilder und Herzensöffnung aus.
Ich glaube nicht an Engel, ich glaube an Salz. Salzhaltige Luft ist gut bei Atemwegs- und Hauterkrankungen, Menschen wurden schon immer zur Kur ans Meer geschickt, warum also nicht auch in die Salzgrotte. Allerdings bin ich gesund, ich brauche keine Kur, ich bin nur neugierig. (Zweitens hatte ich die Hoffnung gehegt, hier eine Salzmühle kaufen zu können, aber das ist vielleicht zu prosaisch.) Als ich ankomme, warten bereits vier alte Damen. Wir bekommen Plastiküberschuhe über unsere Schuhe, weil auf dem Boden auch Salz liegt, das unsere Schuhe kaputtmachen würde. Dann kriegen wir je zwei Decken und werden in den Keller geführt, wo aus Tonnenweise Salz aus dem Himalaja und dem Toten Meer eine Grotte gebaut wurde. Es ist ziemlich dunkel, ich hätte sowieso nicht fotografieren können. Die Decke ist recht niedrig, und es hängen Stalaktiten herunter, ich muss aufpassen, mir nicht den Kopf zu stoßen. Ein wenig Licht kommt hinter den Salzwänden durch, wie Salzlampen eben, und es stehen ungefähr sechs Liegestühle herum. Wir setzen uns, kippen die Liegen nach hinten, wickeln uns in Decken ein, und die Chefin wünscht mir und den fünf alten Damen gute Erholung und schöne Träume. Die Dame neben mir hat einen guten Grund, hier zu sein, sie hat etwas mit den Atemwegen. Der Weg die Treppe herunter hat sie angestrengt, jedes Ausatmen streift irgendwie ihre Stimmbänder, und sie stößt mit jedem Atemzug einen Laut aus.
Es läuft Entspannungsmusik, Synthesizergewaber mit Flöte. Zwischendrin rasselt der Atem meiner Nachbarin. Ich schließe die Augen, stelle fest, dass außerdem irgendwo Wasser plätschert, das hatte ich beim Reinkommen gar nicht gesehen. Hoffentlich muss ich gleich nicht aufs Klo, ich soll hier eine Dreiviertelstunde liegen bleiben. Musik und Beleuchtung, habe ich gelesen, erhöhen das Wohlbefinden. Ich frage mich immer, woher diese Legende mit der Musik kommt, ich würde Stille viel entspannender finden. Es könne sein, dass man heute Nachmittag hustet (meine Nachbarin hustet jetzt schon), dass man ein Kribbeln auf der Haut spürt, oder dass man öfter zur Toilette muss, weil die Lymphe angekurbelt würden, hatte die Chefin erklärt. Ich lecke mir über die Lippen und stelle fest: schmeckt gar nicht salzig. Das hätte ich erwartet, ist aber nicht so. Auch sonst, na ja, gut, dass Salz nicht stark riecht, weiß man auch so. Die Luft hier soll aber trotzdem total gesund sein. Meine Nachbarin fiept. Ich dämmere weg.
Huch! Mein Mund steht offen. Habe ich geschlafen? Habe ich am Ende gar geschnarcht, so wie meine Nachbarin? Immerhin habe ich nicht gesabbert. Besonders warm ist es nicht, ich bin froh, dass ich die Decken habe. Und so liege ich da herum, eine Dreiviertelstunde lang. Mehr gibt es nicht zu berichten. Ich huste auch jetzt noch nicht, meine Haut kribbelt nicht, ich habe mich bestimmt total entspannt und tolle Salzluft geatmet, „so wertvoll wie zweidrei Tage am Meer“. Ich fühle mich auch schon ganz erholt. Außer dass ich lieber die Wellen hätte rauschen hören statt der Entspannungsmusik, und lieber die Sonne als das Salzlampenlicht gesehen hätte. Aber sonst, dochdoch.

(Mehr Fit und Well)

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Dienstag, 6. April 2010
Danke, gut.

Und Ihr so?

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Samstag, 3. April 2010

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Freitag, 2. April 2010

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Donnerstag, 1. April 2010
Tolstoi und Tietze lesen Tolstoi

Ich hatte hier auf ein Interview in der FAS mit Rosemarie Tietze hingewiesen, anlässlich ihrer Neuübersetzung der Anna Karenina. Im Februar war sie mit Tolstois Ur-Urenkel Wladimir Tolstoi auf Lesereise, hier ist ein kleines Video von der Lesung in Stuttgart:

Übrigens zeigt die Alfred-Töpfer-Stiftung am Georgsplatz in Hamburg gerade eine Ausstellung über Übersetzer. Eine der Portraitierten ist auch dort Mascha Tietze, zusammen mit Andrej Bitow ("Das Puschkinhaus").

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Tadaa! Die erste Obst- und Gemüsekiste ist da.

Möhren, Pastinaken, Sellerie, Sauerkraut, ein Kopf Rotkohl, eine Tüte Feldsalat (nicht im Bild). Äpfel, Birnen, Bananen, Apfelsine. Und ein kleines Willkommensgeschenk war auch noch dabei. Vom Gut Wulksfelde.

Den Feldsalat haben wir schon gegessen (ohne die Schnecke), ansonsten drängt sich mir eine Sellerie-Birnen-Suppe auf. Pastinaken muss ich dann mal googeln. Und Rotkohl kam in meiner Welt bislang aus dem Glas, muss ich also auch googeln. Jippie!

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Dienstag, 30. März 2010
Technik

Ich habe Meldungen bekommen, manche Leser könnten hier nicht mehr kommentieren. Geht das vielen so? Könnt Ihr das mal ausprobieren, bitte? Wer ist davon betroffen? Geht es bei allen Antville-Blogs nicht? Könnt Ihr Euch gar nicht erst einloggen, was für eine Fehlermeldung bekommt Ihr?
Und vor allem: warum? Ich habe selbstverständlich keine Ahnung, woran das liegt und wie man es beheben kann. Kann jemand helfen? Alles, was per Kommentar nicht geht, haha, auch gern per Mail an ibogdan ät gmx punkt de. Danke!

EDIT: Danke, geht.

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Is a book

Nadia Budde: Such dir was aus, aber beeil dich! Kindsein in zehn Kapiteln.

So ein wunderschönes Buch! Im Pappschuber, mit einem Fenster darin, durch das man das Bild auf dem Einband sieht. Der Einband ist ansonsten aus blauem Leinen, das Papier ist wunderschön, es gibt ein blaues Lesebändchen, und das Buch ist durchgehend farbig bebildert. Es erzählt Nadia Buddes Erinnerungen an ihre Kindheit im ostberliner Plattenbau und bei den Großeltern auf dem Land. Das Ergebnis sieht aus wie ein Kinderbuch, ist aber gar keins. Auch wenn es überall als „Jugendbuch“ bezeichnet wird, das ist doch Quark, seit wann interessieren Jugendliche sich für andererleuts Kindheitserinnerungen, die aussehen wie ein Kinderbuch? Inhaltlich ist das nicht so belanglos, wie es klingt, Nadia Budde erzählt über Seen und Nasen, über Stadttod und Landtod, Stadtkinder und Landfrauen und überhaupt über die DDR und das Kindsein und was man da alles nicht versteht. Und es richt so wundervoll! Rochen meine Kinderbücher so, oder warum entzückt mich dieser Duft immer so? Es ist jedenfalls der Duft von Farbe. Wunderschönes Buch. Das fand die Stiftung Buchkunst auch und hat es zum zweitschönstes Buch des Jahres 2009 gekürt. (Das schönste war der Atlas der abgelegenen Inseln.) Wer Freude an schönen Büchern hat, und wer die sowieso ganz wunderbare Nadia Budde mag, braucht dieses Buch.

Im Regal wohnt Nadia Budde zwischen Lothar-Günther Buchheim und Maximilian Buddenbohm.

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Montag, 29. März 2010
Das Berufsstöckchen

Das Dienstagskind Strandfynd hat mir ein Stöckchen zugeworfen mit lauter Berufsfragen. (Dabei habe ich sie schon mal anderthalb Stunden lang über meinen Beruf vollgequasselt, hihi). Nehmt es Euch einfach mit, wenn Ihr möchtet.

1. Was machst du beruflich?
Ich bin Literatur-Übersetzerin.

2. Was ist gut – was ist nicht so gut daran?
Die Arbeit selbst ist toll. Ich übersetze gern. Ich suche gern nach dem richtigen Wort und der passenden Formulierung, und ich freue mich, wenn ein Satz, ein Text, plötzlich einen guten Klang und einen Rhythmus haben. Und ich bin stolz, wenn ich schließlich ein Buch in der Hand halte, in dem mein Name steht. In Buchhandlungen gucke ich manchmal, welche meiner Bücher da sind, und ob sie schön präsentiert werden.
Nicht so gut: man wird grottig bezahlt und meist auch noch übersehen. Man hat unauffällig zu sein, nichts zu wollen und die Klappe zu halten. (Das ist weniger ein Vorwurf an die Verlage als ans Feuilleton.) An der eigentlichen Arbeit ist für mich auch die Einsamkeit schwierig. Ich bin zu kommunikativ, um den ganzen Tag allein zu Hause am Schreibtisch zu sitzen. Damit hängt ein weiteres Problem zusammen: die Selbstdisziplin. Ich entkomme der Einsamkeit ins Web 2.0, und statt also zu Hause konzentriert und schnell zu arbeiten und dann rauszugehen und Leute zu treffen, hänge ich im Internet herum und schaffe nichts und kann nicht raus. Überspitzt ausgedrückt. Überhaupt: Verlottern ist auch immer so ein Thema. Morgens nicht aus dem Bett kommen, dann erstmal im Schlafanzug die ersten Mails … und schwupps, ist es Mittag.

3. Was wäre dein absoluter Traumberuf?
Bisher war es Übersetzerin. Da arbeite ich mit Worten, mit Text, brauche mir aber nichts auszudenken. Und ich muss nicht früh aufstehen. Perfekt.
Inzwischen würde ich aber gern ein bisschen diversifizieren, noch etwas anderes dazu machen. Schreiben. Das scheitert an zwei Dingen: erstens fällt mir nicht recht etwas ein, oder wenn mir etwas einfällt, halte ich es für nicht toll genug, und zweitens habe ich keinen Druck. Ohne Druck funktioniere ich nicht.
Dass mir nichts einfällt, ist natürlich Unfug, denn wenn ich 1. genug Druck und 2. kein Internet hätte, würde mir schon was einfallen. Liest ein Verlag mit? Kann bitte jemand einen Roman in Auftrag geben, oder eine Kurzgeschichtensammlung, mit Abgabetermin und allem? Danke. Es würde bestimmt toll. Echt!
Desweiteren würde ich gern Kolumnen oder Reportagen schreiben. Damit habe ich jetzt fürs Titelmagazin angefangen, zwei Übersetzerkolumnen sind erschienen, und das soll auch noch eine Weile so weitergehen. Ideen habe ich nämlich reichlich. (Na also. Von wegen.)
Die andere Kolumnenidee ist: ich würde gern lustige Sportarten ausprobieren. Es gibt in jeder beliebigen Muckibude die abgedrehtesten Angebote (Bollywood-Dancing! PNF-Gymnastik! Ich hätte auch keinerlei Hemmungen, mich unter lauter 14-jährigen beim Hip Hop zum Affen zu machen). Wenn jemand weiß, wie man das an den Mann (bzw. an die Zeitschrift) bringt, sagt Bescheid. Leseproben gibt’s hier.

4. Warum gerade dieser?
Weil ich Lust drauf habe. Weil ich – tatsächlich durchs Bloggen – dann doch irgendwann zu der Erkenntnis gelangt bin, dass meine Überzeugung „ich kann nicht schreiben“ irgendwie Quark ist. Und weil ich Lust drauf habe. Und weil Schreiben und Übersetzen sich sehr gut ergänzen. Und weil es mir in den Fingern juckt. Und weil ich es schon so gewohnt bin, schlecht bezahlt zu werden. Und weil ich nicht immer nur das gleiche machen will. Und weil ich Lust drauf habe.

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Sonntag, 28. März 2010
Anruf bei der nächsten Krebspatientin

"Ich hab E. gebeten, mir einen Krebs zu zeichnen, er kann doch so toll Tiere zeichnen. Dann kann ich den beschimpfen und schlecht behandeln."

Dreckskrankheit.

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Sei doch mal geschickt!

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Samstag, 27. März 2010
Merksätze

Spring forward, fall back.

oder

Im Frühling stellt man die Stühle VORs Café, im Herbst wieder ZURÜCK.

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Freitag, 26. März 2010
Gestern

hatte ich zum ersten Mal wieder den roten Mantel an. In der Tasche steckt noch eine Kastanie vom letzten Herbst. Das ist bestimmt eine Metapher oder sowas, aber ich komm nicht drauf.

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Mittwoch, 24. März 2010
Aufruf zur Unterstützung von Pinar Selek

Eine Meldung des deutschen P.E.N.-Zentrums

"Die türkische Schriftstellerin und studierte Soziologin Pinar Selek, derzeit Stipendiatin im Writers-in-Exile-Programm des deutschen P.E.N.-Zentrums, setzt sich leidenschaftlich sowohl für die Interessen sozial benachteiligter Gruppen als auch für die Rechte ethnischer Minderheiten ein, etwa der Kurden und der Armenier. Sie ist Autorin von Sachbüchern mit soziologischer Thematik, schreibt Kinderbücher und arbeitet zur Zeit an einem Roman. Im Berliner Orlanda Verlag erscheint in wenigen Tagen die deutsche Übersetzung ihres Buches "Zum Mann gehätschelt. Zum Mann gedrillt", das sich mit dem Einfluss des türkischen Militärs auf die Familie befasst.
Ende der neunziger Jahre wurde Pinar Selek wegen angeblicher Propagandaarbeit für die PKK verhaftet, saß zweieinhalb Jahre in U-Haft und wurde schwer gefoltert. Erst im Gefängnis, Monate nach ihrer Festnahme, konfrontierte man sie mit dem Vorwurf, im Auftrage der PKK einen Bombenanschlag auf den Istanbuler Gewürzbasar verübt zu haben. Das Verfahren zog sich über acht Jahre hin. Nachdem zahlreiche Gutachter bestätigt hatten, dass die Explosion auf dem Basar nicht auf eine Bombe, sondern auf eine defekte Gasflasche zurückzuführen war, und nachdem der Hauptzeuge der Anklage eingeräumt hatte, seine Pinar Selek belastenden Aussagen unter der Folter gemacht zu haben, wurde sie 2006 freigesprochen. Anfang letzten Jahres ging der Fall jedoch wegen angeblicher Formfehler vor die oberste Instanz. Dort wurde der Freispruch kurzerhand wieder aufgehoben, wogegen der Oberstaatsanwalt desselben Gerichtshofs indes Widerspruch einlegte, der aber abgewiesen wurde. Am 8. Februar 2010 haben wir erfahren, dass die berüchtigte 9. Strafkammer des Obersten Kassationsgerichts in Ankara Pinar Seleks Verurteilung zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe fordert.
Pinar Selek ist in den vergangenen zehn Jahren in der Türkei zu einer Ikone der Demokratiebewegung geworden. Es ist unübersehbar, dass demokratiefeindliche Kräfte innerhalb der türkischen Justiz ihren Einfluss nutzen wollen, um eine mutige Autorin mundtot zu machen. Gerade wurde sie in der Türkei mit dem diesjährigen Duygu-Asena-Preis des türkischen P.E.N.-Zentrums ausgezeichnet, den sie leider nicht persönlich entgegennehmen konnte.
Pinar Selek braucht in diesen Tagen, da die Urteilsverkündung bevorsteht, die Unterstützung der Öffentlichkeit nicht nur in der Türkei, sondern weltweit. Im Verlauf des Prozesses haben sich Persönlichkeiten wie Orhan Pamuk, Yasar Kemal, Noam Chomsky und Claudia Roth für Pinar Selek eingesetzt. Die progressive türkische Presse nimmt sich der Angelegenheit zur Zeit verstärkt an. Eine Liste mit den Namen unzähliger Verbände und Organisationen im In- und Ausland findet sich auf der Website von Pinar Selek www.pinarselek.com, ebenso eine weitere Liste mit den Namen zahlreicher bekannter Personen. Das deutsche P.E.N.-Zentrum hat Schriftsteller, Künstler, Politiker und andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gebeten, Pinar Selek mit ihrem Namen zu unterstützen. Unterzeichnet haben den Aufruf des P.E.N-Zentrums Deutschland bis jetzt Heiner Geißler, Christa Wolf, Rüdiger Safranski, Fatih Akin, Klaus Staeck, Wolfgang Kohlhaase, Martin Mosebach, Tilman Spengler, Wieland Förster, Joachim Sartorius, Heidemarie Wiezcorek-Zeul, Necla Kelek, Gregor Gysi, Peter Härtling, Hans-Ulrich Treichel, Daniela Dahn, Renan Demirkan und viele andere. Das deutsche P.E.N.-Zentrum protestiert damit gegen den zu befürchtenden Willkürakt der türkischen Justiz."
Wenn auch Sie Pinar Selek mit Ihrem Namen unterstützen möchten, genügt eine E-Mail an Christa Schuenke, Vizepräsidentin und Writers in Exile-Beauftragte des P.E.N. unter christaschuenke 'at' mac.com.

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Dienstag, 23. März 2010
Rat für Schreibende

(Ihr erinnert Euch an dieses schöne Gedicht von Billy Collins? Ich hab das mal übersetzt.)

Und wenn es dich die ganze Nacht wachhält,
spritz die Wände ab und schrubb den Boden
deines Arbeitszimmers, eh du ein Wort schreibst.

Putz die Bude, als erwartest du den Papst.
Reinheit ist die Nichte der Inspiration.

Je mehr du putzt, desto brillanter
wird dein Schreiben sein, drum zögre nicht,
aufs Feld hinauszugehn, das Untere zu wienern
von Steinen, oder im dunklen Wald die hohen Äste
abzuscheuern, Nester voller Eier.

Wenn du nach Hause hierauf kehrst,
Schwämme und Bürsten im Schrank verstaust,
wirst du im Morgenlicht erblicken
den makellosen Altar, der dein Schreibtisch ist,
eine saubre Fläche inmitten einer saubren Welt.

Aus einer kleinen Vase, glitzernd blau, nimm
einen gelben Bleistift, den spitzesten des Straußes
und bedecke Seiten mit winzigen Sätzen,
wie lange Reihen treuer Ameisen,
die dir gefolgt sind aus dem Wald.

(Collins/Bogdan)

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Montag, 22. März 2010
Mit anderen Worten: Was wir übersetzen: Wörter, Sätze, Texte

„Du bist doch Übersetzerin, was heißt denn refrigerator?“ – Keine Ahnung. Ich bin Übersetzerin, ich kann keine Wörter übersetzen. Fast nie. Nicht mal so vermeintlich eindeutige Wörter wie refrigerator.

Meine zweite Kolumne im Titelmagazin ist erschienen! Bitte aufs Logo klicken.

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Sonntag, 21. März 2010
Geständnis

Guten Tag. Mein Name ist Isabo. Ich bin 41 Jahre alt, und ich bin lakritzsüchtig. Ich weiß nicht mehr, wie alt ich war, als ich zum ersten Mal Lakritz aß. Ich weiß nicht mal, ob es mir geschmeckt hat. Wahrscheinlich schon, denn sonst hätte ich es ja nicht weiterhin gegessen.
Jedenfalls gab es in meiner Kindheit ab und zu Lakritz. Keine großen Mengen, nur gelegentlich, im Wechsel mit anderen Süßigkeiten. Einmal am Tag konnten wir zu unserer Mutter gehen und fragen, ob wir etwas Süßes bekommen. Das bekamen wir, und zwar genau einmal am Tag. Danach war Schluss, das wussten wir, wir brauchten gar nicht erst noch mal zu fragen. Einmal am Tag ein Riegel Schokolade oder etwas Vergleichbares. Manchmal gab es Lakritz. Später habe ich mir auch manchmal von meinem Taschengeld etwas gekauft, aber nicht oft, meist habe ich auf Reitstunden gespart. Auch zu Unizeiten habe ich nicht andauernd Lakritz gegessen, nur ab und zu. Ich weiß nicht, wann es angefangen hat, dass ich nicht mehr aufhören konnte. Es wurde einfach langsam immer mehr. Dabei essen nicht mal alle meine Freunde Lakritz, manche mögen es nicht. Viele essen es wahrscheinlich, ohne dass ich es weiß, aber es besteht da kein Gruppenzwang oder so was. Nicht mal mein Mann isst Lakritz, er mag das gar nicht. (Er isst Erdnussflips, aber das ist natürlich ein anderes Thema.) Ich bin ganz alleine selberschuld, dass ich mir schon wieder eine Tüte gekauft habe.
Immer, wenn ich Lakritz esse, muss ich an meinen einen Deutschschüler in Tokyo denken. Er konnte schon sehr, sehr gut Deutsch und las selbständig deutsche Bücher. Wenn er etwas darin nicht verstand, fragte er mich in der nächsten Stunde. Einmal fragte er, was „Süßholz raspeln“ bedeutet. Ich erklärte es ihm. Und ich sagte ihm, dass ich aber keine Ahnung habe, was Süßholz eigentlich ist, ob das ein Baum ist oder was, ich wisse nur, dass man Lakritz daraus macht.
Er wusste nicht, was Lakritz ist. Und jetzt erklärt mal jemandem, der nicht weiß, was Lakritz ist, was Lakritz ist! „Eine Süßigkeit, die aber gar nicht richtig süß ist, sondern eher so … schwer zu beschreiben, und es ist schwarz und in der Konsistenz ein bisschen wie Weingummi, aber anders, und das gibt es in ganz hart und ganz weich und alles dazwischen.“
Dass man davon süchtig werden kann, war mir damals noch nicht klar. Die Tüte, die ich gestern gekauft habe, ist schon wieder leer. Ich weiß noch nicht mal, wie gefährlich Lakritzvergiftung ist. Ich schäme mich. Wenn ich das nächste Mal einkaufen gehe, will ich versuchen, kein Lakritz zu kaufen. Ich kann stark sein. Ich weiß es. Tschakka.

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Samstag, 20. März 2010
Note to myself

When you have a very full Becher Kaffee in one hand, don’t switch on the light with the other hand, because in case the Glühbirne goes kaputt with a loud Knall and a Lichtblitz, you will vor Schreck schwapp the whole hot Kaffee over your hand, your Klamotten, the weiße Wand and the Fußboden, and it is quite amazing how much Kaffee bei einem ordentlichen Schreck out of a Becher geschwappt kommt.

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Biokiste

Hat jemand (gute oder schlechte) Erfahrungen mit Gemüseabos in Hamburg? Tipps? Welche Anbieter sind gut, welche nicht? Wo kann man kurzfristig abbestellen? Wer liefert Rezepte mit, wenn er komisches Gemüse bringt? Danke!

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songs and spectacles

Freitag, 26.03., Café Smögen, Nähe Berliner Tor. Kommt Ihr?

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Freitag, 19. März 2010
Schaaaatz! Wir brauchen unbedingt ein neues Bad! Das alte ist total langweilig!

(Anklicken. Niemann wieder.)

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Bauernhof

Irgendwie haben wir doch alle dieses romantische Bild vom Bauernhof im Kopf, mit glücklichen Kühen, Schweinen, Hühnern und Pferden, vielleicht ist vor dem Hof ein kleiner Teich mit Enten drauf, und abends quaken die Frösche. Wahrscheinlich ist Frühling, Schmetterlinge tanzen in der Luft, auf den Feldern ringsumher blühen Kornblumen und Klatschmohn, und wenn die Bauernfamilie mit den gesunden roten Bäckchen in aller Herrgottsfrühe aufsteht, um von Hand ein paar Kühe zu melken, sind über Nacht vielleicht auch wieder ein paar süße, kleine Lämmchen geboren. Abends toben die Kinder mit ihren Freunden von den umliegenden Höfen noch ein bisschen im Heu herum. Sicher, wir wissen auch, dass Oma sonntags einem Huhn den Kopf abschlägt. Das ist dann nicht so schön, aber es gehört nun mal dazu, und wir essen auch gern einen schönen Braten.

Warum ist das so? Ich glaube, weil unsere Kinderbücher voll damit sind. Die für die ganz Kleinen, die Bilderbücher. Danach hört das auf, oder? Wie kommt das? Warum sind unsere Bilderbücher voll mit etwas, das weder mit der Lebenswirklichkeit der Kinder zu tun hat, noch in irgendeiner Weise mit der Realität verwandt ist? Die paar Biohöfe sind ja wirklich die Ausnahme. In anderen Lebensbereichen gaukeln wir den Kindern doch auch nicht den Zustand von vor hundert Jahren vor. Man könnte glatt glauben, Bilderbücher würden von der Fleischindustrie in Auftrag gegeben (außer denen, die von der Baufahrzeugeindustrie in Auftrag gegeben werden). Zwar sagt man den Kindern im Bilderbuch noch nicht so direkt, dass die süßen Tierbabys später gegessen werden, aber man legt ein Samenkorn in ihre Seele, die dieses idyllische Bauernhofbild auch Jahre später noch produziert, wenn sie ihr Fleisch selber kaufen. Die Sehnsucht der Bilderbuchzeichner nach heiler Welt in allen Ehren, aber gibt es eigentlich auch etwas realistischere Bücher darüber, wo das Fleisch herkommt? Ja, schon gut, das will niemand sehen, aber warum bringen wir unseren Kindern sowas Falsches bei?

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Grand Prix Eurovision de la Chanson

Ich hab mir jetzt mal "unser" Lied für Oslo angehört. Wie öde ist das denn! Ich als Internetjunkie hätte da einen Gegenvorschlag. Mensch, sei ein User, geh online! Im E-Mail triffst Du mich!

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Donnerstag, 18. März 2010
Frühling

Draußen ist so dermaßen Tirili, die Sonne scheint, der Himmel ist blau, die Vögel zwitschern, bestimmt ist es ganz warm, und ich wette, wenn man genau hinguckt, sprießt allerorten das erste Grün, aber ich kann nicht genau hingucken, ich bin am Schreibtisch festgekettet und wate in Gedanken knietief im Hühnerblut. Ich überlege, ob schnell-ein-paar-Scones-backen eine angemessene Übersprungshandlung zwischen Rauswollen und Nichtrausdürfen wäre. Da müssen nicht mal Eier rein, nur hinterher zum Bestreichen, wir haben eh keine da, aber man kann sie ja auch unbestrichen backen.
Statt im Sconesteig könnte ich natürlich auch in Blumenerde wühlen und den Balkon frühlingstauglich machen. Oder …

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Schon mal vormerken

Hurra! Wir lesen wieder. Und wieder mit großartigen Gästen, diesmal Percanta und Bov, außerdem, wie immer, Merlix und ich. Moderiert werden wir von Klaus Friese. Der Eintritt ist erstmal frei, hinterher geht unsere Wirtin Carla mit dem Hut herum.
Kommt alle! Und natürlich dürft Ihr gern den Flyer mitnehmen und in Euren Blogs auslegen.

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Mittwoch, 17. März 2010
Anruf beim Krebspatienten

Als erstes frage ich natürlich, wie es ihm geht. Wir haben ewig nicht miteinander gesprochen. Gut geht’s, sagt er, und ich muss kurz lachen. Und seit heute gehe es ihm sogar noch besser, er habe nämlich jetzt Schmerzen. Der Professor habe ihm heute Morgen dazu gratuliert. Dass er Schmerzen hat, bedeutet irgendetwas, das mit den Stammzellen zu tun hat, ich habe es nicht ganz verstanden, jedenfalls ist es was Gutes. Jetzt kommt er dann in ein paar Tagen an die Zentrifuge, da werden die Stammzellen aus seinem Blut gefiltert, dann bekommt er zwei oder drei Schübe Chemo (hochdosiert) und irgendwann kriegt er dann seine Stammzellen zurück. Und dann wird neues Leben sprossen aus den Ruinen, sagt er. Ach so, und dann eventuell noch Bestrahlungen. Och ja, das sei ein bisschen lästig, aber er habe das ja schon mal hinter sich gebracht, das geht schon. Da habe er nicht mal Schmerzmittel gebraucht. Und es hat ja auch alles sein Gutes, die Kinder kommen öfter nach Hause, alte Freunde kommen, seine Geschwister haben ihn alle besucht, vor einem halben Jahr, als er schon mal Krebs hatte. Damals wurde er geheilt. Hat aber nur zwei Wochen gehalten. Sicher, natürlich habe die Chemo Nebenwirkungen, auch unangenehme, aber es gibt nun wirklich Schlimmeres im Leben.
Und dann fragt er, wie es uns geht, und was ich gerade übersetze. Er hat den Artikel über Foers Buch in der Süddeutschen am Wochenende gelesen und ist total gespannt darauf. Ich soll ihm Bescheid sagen, wenn es erscheint, dann kauft er es. Ich sage ihm, dass ich ihm eins schicke. Au ja, sagt er, dann bitte mit Widmung. Bis es erscheint, geht es ihm bestimmt schon wieder gut.

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Fundstück

"Ich war in Kopenhagen zu einer Lesung eingeladen, aus meinem Roman 'Ein liebender Mann'. Die Lesung war auf Dänisch. Und ich schaute immerzu auf den Schauspieler, der in dieser mir fremden Sprache aus meinem Buch vortrug und dachte: Diese Gesten, diese Mimik, das bin doch ich! Ich verstand alles, was er sagte, so ähnlich war er mir. Dabei kann ich kein Dänisch. Wie gut muss die dänische Übersetzerin gearbeitet haben! Das war ein Pfingsten, ein Sprachwunder."

Martin Walser im Spiegel von dieser Woche.

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Dienstag, 16. März 2010
Liebe Frauen,

Ihr sollt keine hautfarbenen Kleider tragen.

Eure Isa

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Montag, 15. März 2010
Abstract City

Anklicken! (Via S. on Facebook)
Das ganze Blog von Christoph Niemann ist total toll.

EDIT: Jetzt kapiere ich das erst. Das ist derselbe, der auch diese sensationelle Bio-Diversity gemacht hat! Und I LEGO NY!
Mehr von Christoph Niemann gibt es auf seiner eigenen Seite.

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Hühnerkacke

Frisch geschlachtete Hühner werden übrigens nicht von Hand ausgenommen, sondern maschinell. Und so eine Maschine ist nicht immer sehr vorsichtig, da kann schon mal etwas kaputtgehen. Der Darm zum Beispiel. Dann gerät Kot ins Fleisch. Früher mussten die Fleischbeschauer diese Tiere dann aussortieren, sie durften nicht in den Handel. Hühnerkot ist ja nicht so richtig gesund für den Menschen.
Vor ungefähr dreißig Jahren hat die amerikanische Gefügelindustrie es aber geschafft, dass das Landwirtschaftsministerium die Dinge einfach mal neu definiert hat. Kot im Fleisch heißt jetzt "kosmetischer Mangel", und schon werden nur noch halb so viele Tiere weggeworfen. Hurra!

Ach ja, und wo wir gerade bei der Fleischbeschau durch Kontrolleure des Landwirtschaftsministeriums sind: so ein Kontrolleur muss jedes einzelne Tier von innen und außen, das Fleisch sowie die ausgenommenen Innereien, auf zwölf verschiedene Krankheiten und Abnormalitäten untersuchen. Dafür hat er pro Tier im Schnitt zwei Sekunden Zeit. Pro Tag kontrolliert er ungefähr 25.000 Tiere.

(In der EU ist natürlich alles ganz anders. Ehrlich.)

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Mehr McFerrin

Eines der abgenudeltsten Stücke der Musikgeschichte. Aber was für eine erstaunliche Version. Und spätestens dieses Strahlen am Ende macht einen ganz hach.

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Mehr Quasthoff

Gott, ist der Mann großartig.

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Sonntag, 14. März 2010
Bobby McFerrin und Thomas Quasthoff

(Ich habe schon so eine Ahnung, welche CD ich als nächste kaufe. Danke an Extramittel, falls ich mich richtig erinnere, dass der Tipp von Dir kam.)

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Rechenspiele

Der durchschnittliche Amerikaner isst, sagt Foer, im Laufe seines Lebens 21.000 ganze Tiere.

(Angenommen, der Mensch isst 70 Jahre lang Fleisch, dann sind das 300 Tiere pro Jahr. Das Jahr hat 365 Tage, das heißt, man isst, übern Daumen gepeilt, an einem Tag pro Woche kein ganzes Tier. Ein Huhn kann man schon an einem Tag essen, für ein ganzes Schwein braucht man etwas länger, von Rindern ganz zu schweigen. Leider ist das nur eine Schlagzeile, es wird nicht näher ausgeführt. Aber es müssen wohl ein paar Kilo Shrimps dabei sein, damit das hinkommt. Shrimps kann man ja an einem Tag locker hundert ganze Tiere essen. Trotzdem, imposante Zahl.)

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Samstag, 13. März 2010
Advice to writers

Even if it keeps you up all night,
wash down the walls and scrub the floor
of your study before composing a syllable.

Clean the place as if the Pope were on his way.
Spotlessness is the niece of inspiration.

The more you clean, the more brilliant
your writing will be, so do not hesitate to take
to the open fields to scour the undersides
of rocks or swab in the dark forest
upper branches, nests full of eggs.

When you find your way back home
and stow the sponges and brushes under the sink,
you will behold in the light of dawn
the immaculate altar of your desk,
a clean surface in the middle of a clean world.

From a small vase, sparkling blue, lift
a yellow pencil, the sharpest of the bouquet,
and cover pages with tiny sentences
like long rows of devoted ants
that followed you in from the woods.

Billy Collins (Via SwissMiss)

Deutsche Übersetzung hier.

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Mehr lustiges Hühnerwissen

"Zwischen 1935 und 1995 stieg das Durchschnittsgewicht eines Masthuhns um 65 Prozent, während die Zeit bis zur Schlachtung um 60 Prozent verkürzt und der Futterbedarf um 57 Prozent gesenkt wurde. Um besser nachvollziehen zu können, wie radikal diese Veränderungen waren, stellen Sie sich vor, ein menschliches Kind ernährt sich ausschließlich von Müsliriegeln und Vitamintabletten und wächst in zehn Jahren auf 140 Kilo heran."

Jonathan Safran Foer: Eating Animals, S. 106/107

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Freitag, 12. März 2010
Neues vom Fleischverzehr

Dieses Biohuhn, für das ich gestern extra zu Alnatura gefahren bin, ist das wohl ekligste Huhn, das mein Suppentopf je schaute. Hätte ich tippen müssen, wie es starb, hätte ich gesagt: es wurde in sehr hohem Alter im letzten Moment vor dem Verhungern noch verprügelt. Ob die eigentliche Todesursache Hunger, Prügel oder Alter war, wird sich nicht mehr feststellen lassen.

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Wörtersuche

Es geht um die Industrialisierung und Automatisierung der Abläufe im Schlachthof in Chicago in den 1820er und 30er Jahren. Das Fachwissen des Schlachters wird ersetzt durch Kolonnen von Arbeitern, die am Fließband die immer gleichen Handgriffe verrichten. Als da wären:

Kill men, sticker-bleeders, tail-rippers, leggers, butters, flankers, head-skinners, head-chislers, gutters, and back-splitters (among many others).

Erster Anlauf:
Totmacher, Ausbluter, Schwanzabschneider, Ausbeiner, Schinkenschneider, Flankenschneider, Kopfenthäuter, Kopfaufmeißler, Ausweider und Rückenteiler.

Manches davon geht ja wohl gar nicht (Schinkenschneider, Flankenschneider, Rückenteiler). Verbesserungsvorschläge herzlich Willkommen. Ich denke, es geht weniger darum, dass das alles superkorrekt sein muss, als vielmehr darum, dass eine Reihe unterschiedlicher Tätigkeiten aufgezählt wird.

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Liebe unbekannte Leserin,

ich wollte nur noch mal sagen, dass ich mich gefreut habe, dass Du gestern da warst und auch kurz hallo gesagt hast. Wenn man bloggt, weiß man ja nur, wie viele Leute mitlesen, aber nicht, wer. Die Mehrheit der Leser ist ja doch stumm, da ist es immer schön, ein Gesicht oder einen Namen dazuzukriegen. Manchmal sprechen mich auch Bekannte an, Kollegen oder so, und sagen mir, dass sie mein Blog lesen, womöglich sogar „schon lange“, und ich freue mich immer sehr. Komisch vielleicht, ich weiß ja, dass es gelesen wird, freue mich aber trotzdem über den Einzelnen. Und wenn Unbekannte tatsächlich zu so einer Veranstaltung kommen, finde ich das super, denn oft denke ich auch, ich schreibe hier ins Leere.
Hinterher wollte ich dann eigentlich noch ein Schwätzchen mit Dir halten, aber dann kam dieses ältere Ehepaar dazwischen, und als ich ihre Fragen beantwortet hatte, warst Du schon weg. Na, dann nächstes Mal! Sprich mich einfach wieder an, wenn wir uns irgendwo sehen, ich kann mir so schlecht Gesichter merken. Wenn ich Dich nicht erkenne, liegt es daran, dass ich Dich einfach nicht erkenne.
Viele Grüße,
Isa

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Donnerstag, 11. März 2010
Aus der Werkstatt

"Once upon a time the dominant ethic toward domestic animals, rooted in the demands of husbandry and responding to the fundamental problem of life feeding on sentient life, was not don’t eat (of course), but neither was it don’t care. Rather: eat with care.
The care for domesticated animals demanded by the eat with care ethic did not necessarily correspond to any official morality: it didn’t need to, as that ethic was based on the economic necessities of raising domestic animals. The very nature of the human–domestic animal relationship required some degree of caring, in the sense of providing provisions and a safe environment for one’s flock. Care for farmed animals was, to an extent, good business."

Ich hample gerade mit dem "care" herum. Wir haben kein deutsches Wort, das all diese Sätze gleichermaßen mitmacht. Es wird irgendwie mit "kümmern" gehen müssen.

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Tiere essen

Wo ich jetzt an diesem Buch übers Tiereessen arbeite, muss ich immer wieder daran denken, wie wir letztes Jahr im Sommerurlaub in England so viele Weiden mit Schweinen gesehen haben. Überall Schweine im Freien, auf großen Koppeln, sagt man Koppel? Weide eher nicht, denn da war kein Gras, es waren große Matschfelder, Schweine graben ja alles um. Auf den Matschfeldern waren reichlich Koben, man sagt Koben, oder? So runde Wellblechhütten, in die die Schweine sich zurückziehen können, wenn sie niemanden sehen möchten, oder wenn es regnet, nehme ich an. Oder mögen Schweine Regen? Ich habe keine Ahnung von Schweinen, ich weiß nicht mal, wie ihre Wohnungen heißen, und bei jeder Schweinekoppel oder -weide fiel mir auf, dass man in Deutschland nie Schweine sieht, niemals nicht, nirgends, und wenn doch, dann ist das wirklich ein Ereignis und eine große Ausnahme. Dabei essen wir doch so unglaubliche Mengen von Schweinefleisch, wo sind all die Schweine? Ich meine, wir sehen auch nicht so viele Kühe, wie wir essen, und bei Hühnern haben wir zumindest eine Ahnung, wo sie sind und wie es ihnen geht. Aber es muss doch auch Bioschweine geben, wo sind die? Auch alle im Stall?

Ich hoffe übrigens, Ihr rechnet es mir an, dass ich Euch nicht mit lauter Einträgen über das Thema beglücke. Ich könnte nämlich viel mehr. Soll ich? Ich könnte zum Beispiel gelegentlich ein paar Zahlen bloggen. Sowas wie: für ein Pfund Schrimps werden bis zu 13 Kilo Beifang tot wieder ins Meer gekippt. Das ist schon beeindruckend, und man fragt sich, ob man wirklich so dringend Shrimps essen muss.
So sieht’s aus: ich esse furchtbar gerne Fleisch. Und ich bin jetzt 40 Jahre lang prima mit der Einstellung "will ich gar nicht wissen" zurechtgekommen. Aber wenn man das alles so liest – oder schon vorher, nämlich sobald man seinen Kopf einschaltet – müsste man eigentlich sofort damit aufhören. Zumindest radikal reduzieren und den Rest nur noch Bio. Ich sollte endlich meine Petition Biomarkt für Borgfelde einreichen.

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Dienstag, 9. März 2010
Übersetzungsprobleme, Teil y

"One of my jobs, many years ago, was at a poultry plant. I was a backup killer, which meant it was my responsibility to slit the throats of the chickens that survived the automated throat slitter."

Ich neige gerade dazu, den "Backup Killer" auch auf Deutsch so zu lassen. Oder hat jemand eine bessere Idee? Oder weiß gar, wie der Job auf Deutsch tatsächlich heißt? Dann wüsste derjenige vielleicht auch, wie die automatische Kehleaufschlitzmaschine in Geflügelschlachtereien heißt?

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Beknackte Übersetzungsprobleme, Teil x

"My brother was All-State in two sports."

Weiter erfahren wir leider nichts; weder über den Bruder, noch über die Sportarten. (Wir sind in den USA.)
Was war der Bruder? In zwei Sportarten in der Landesliga? Beziehungsweise hat er auf Bundesstaatenwettkämpfen gekämpft? Wie drückt man das aus?
Sagt man womöglich: "Er war in zwei Sportarten All-State"? "Er hat in zwei Sportarten All-State gespielt"? (Geht nicht, man "spielt" ja nicht alle Sportarten. Eiskunstlauf zum Beispiel.) "Er hat es in zwei Sportarten bis zu den All-States gebracht"? Jemand eine Ahnung?

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Montag, 8. März 2010
Tadaa! "Mit anderen Worten" ist da.

"Es ist eine sehr unterschätzte Kunst: das Übersetzen. Oft lesen wir ein gutes Buch und freuen uns über die Sprache des Autors, selten wird uns bewusst, dass ein geschickter Vermittler die Strippen zieht, dass ein talentiertes Medium mit seinem ganzen Kopf- und Persönlichkeitseinsatz aus einem Original ein neues Original schafft. Weil das nicht deutlich genug gesagt werden kann, wird uns ISABEL BOGDAN von nun an immer wieder beiläufig oder auch hartnäckig daran erinnern. Zum Auftakt was Grundsätzliches: Der Übersetzer als Schauspieler."

Boah. Eine Kolumne! Von mir! Im Titelmagazin! Alle zwei Wochen soll ich dort etwas übers Übersetzen schreiben. Wie aufregend, ich freu mich!

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Sonntag, 7. März 2010
Und weils so schön war, gleich noch mehr Musik:

Kinospot für "Eine Schule für Alle". Erster von drei Spots! Eine Kooperation der Kunsthochschule für Medien Köln und dem Verein mittendrin e.V., Regie: Arved Lindau und Sarah Winkenstette.

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Web Side Story

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Samstag, 6. März 2010
Konfuzius sagt:

Wenn Du willst, dass Dein Regal gerade steht, zieh nicht in einen Altbau.

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Dienstag, 2. März 2010
songs and suspects

Zoe Beck (aka Henrike Heiland) und Axel Bogdan

Schottland ist der Schauplatz von Zoe Becks Kriminalromanen und die Heimat der Folksongs aus Axel Bogdans Repertoire. Eine Krimi-Lesung mit schottischen Morden und Liedern.

Blut wird fließen. Whisky auch.

10. März 2010
20.00 Uhr
Le Kaschemme
Rendsburger Straße 14
HH-St. Pauli
Eintritt 5,- €

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Was ich mich manchmal frage

Guckt eigentlich je irgendwer auf meine Termine-Seite? Oder soll ich Termine doch lieber einzeln auf die Startseite packen? Das ist so öde.

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Kinderkram

Erwachsene Frauen sollen keine Zöpfe haben, also: einen Zopf ja, aber nicht zwei, das sieht albern und kindisch aus. Zöpfe bitte nur bis zwölf oder so. Erwachsene Frauen sollen auch keine kleinen Kuscheltiere an ihren Rucksäcken befestigen, und nein, auch keine total niedlichen Frottee-Enten an ihre sauteuren Mandarina-Duck-Taschen hängen, wie sieht das denn aus. Mandarina-Duck-Taschen sind was zum Eindruckmachen, was für Karrierefrauen, da hängt man doch kein Kuscheltier dran. Das ist nicht witzig, ehrlich nicht, auch dann nicht, wenn man den Witz mit Duck und Ente verstanden hat. Und nein, auch nicht auf so einer ironischen Metaebene. Es ist kindisch und lächerlich. Genauso wie alle anderen Kuscheltiere an allen anderen Taschen, sobald man über 16 Jahre alt ist. Die einzige Ausnahmeregelung gilt für Grundschullehrerinnen, da gehört eine Tigerente am Rucksack zum Berufsprofil, das ist quasi verpflichtend. Ich verstehe es zwar nicht, aber da kann man offenbar nichts machen, das muss so. Ansonsten: nein, nein, nein, keine Kuscheltiere für erwachsene Frauen, nein. Und keine Zöpfe. Und wo wir schon dabei sind, auch nicht das ganze andere niedliche Gebamsel.
All das denke ich, als ich da so in der S-Bahn sitze, ich steigere mich geradezu hinein, wie kann man nur, ein Kuscheltier, also wirklich, für eine erwachsene Frau, das ist doch, solche Frauen kann doch keiner ernst nehmen!
Ich habe ja jetzt diesen Button mit dem Pinguin an meiner Tasche. Der ist wirklich total süß.

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Montag, 1. März 2010
Bücherauswahl

Eine Freundin ist zu Besuch, sie fragt, was sie denn mal lesen könnte. Wir stellen uns vors Bücherregal, ich ziehe dies und das heraus – Tilman Rammstedt, sage ich, musst Du unbedingt lesen, Erledigungen vor der Feier und Wir bleiben in der Nähe. Und Thomas Pletzinger natürlich, Bestattung eines Hundes, und hier, Annette Pehnt, Insel 34! Ich ziehe Bücher aus dem Regal, lege sie auf den Tisch, eins nach dem anderen, kennst Du Jorge Edwards, Der Ursprung der Welt, total toll. Und hast Du schon Middlesex gelesen? Ich staple alles auf dem Tisch auf und stelle am Ende fest: Alles blau. Alle Schutzumschläge sind mehr oder weniger blau, in unterschiedlichen Tönen, der Stapel sieht aus, als hätte ich die Bücher nach Farbe zusammengestellt.
Seitdem frage ich mich, ob ich nur an diesem Abend auf blau gepolt war, oder ob das Zufall war, oder ob ich womöglich Büchern mit blauen Schutzumschlägen grundsätzlich wohlgesonnen bin und sie deswegen gut finde. Ob man mein literarisches Urteil womöglich in der Pfeife rauchen kann, denn in Wahrheit finde ich blaue Bücher gut. Oder ob vielleicht die hellblau karierte Tischdecke schuld war, auf die ich die Bücher gelegt habe, vielleicht habe ich zur Tischdecke passende Bücher ausgewählt, unbewusst natürlich. Oder ob es umgekehrt ist, vielleicht neigen Coverdesigner dazu, der Sorte Bücher, die ich gut finde, blaue Umschläge zu verpassen. Vielleicht ist das auch alles ein großer Quark.
Ich ziehe meine blaue Strickjacke über und koche mir einen Kakao, mit dem Superduperkakao aus Therealstiefs Fresspaket, und gebe einen Schuss Whisky mit rein. Nur einen kleinen, damit ich nicht … Sie verstehen schon.

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Samstag, 27. Februar 2010
Schon wieder ein Geschenk!

Ich bin noch nie mit Buttons auf Kleidungsstücken oder Taschen herumgelaufen, nicht mal, als ich jung war. Aber vor ungefähr einem Jahr hat Katy mir einen Button geschenkt, auf dem „I (Herz) german books“ steht. Ich habe ihn an meine Tasche für Helene gemacht und ihn stolz überall herumgezeigt. Vorgestern kam ich nach Hause und stellte fest, dass er weg war, einfach abgegangen, verloren. Lacht nicht, ich war wirklich traurig.
Und heute mache ich nichtsahnend den Briefkasten auf, liegt da ein Brief. So ein richtig privater Brief, nichts Offizielles, darin ein Geschenk von Lady Grey, einfach so. Ein Kühlschrankmagnet und ein Button, jeweils mit einem kleinen Pinguin drauf und der Aufschrift „Hamburg ist groß“. Auf dem Kühlschrankmagneten ist mehr Platz, da steht unten noch „und ich bin klein“. In irgendeinem Blog habe ich diesen Button mal gesehen und „will haben“ gequakt, glaube ich. Ich weiß aber nicht mehr, wo. Und da erfüllt sie mir den Wunsch einfach, Wochen oder Monate später, just nachdem ich den anderen verloren habe. Dabei wusste sie das gar nicht. Der Button klemmt schon an der Tasche, der Magnet an meiner Schreibtischlampe. Da sehe ich ihn jetzt immer.

Danke, Frau Grau! Ich freu mich wirklich sehr.

Jetzt muss ich dann dringend mal wieder was erleben, damit das hier nicht zum reinen Bedankungs-, Bücher- und Lesen-Sie-doch-mal-woanders-Blog wird. Oder ich fange auf meine alten Tage doch noch das gute, alte Tagebuchbloggen an. Zum Beispiel: ich bin jetzt schon zwei Tage twitterfrei. Hat erstaunlicherweise gar nicht wehgetan. Und: ich habe gerade mal wieder ganz schön viel zu tun. Und mal wieder dieses „wenn ich das alles fertig habe, dann mache ich lauter tolle Sachen“-Gefühl. Ist doch Quatsch, man sollte einfach immer tolle Sachen machen. Ich gehe dann mal ein bisschen auf andererleuts Amazon-Wunschzetteln stöbern, irgendwem was schenken. Damit im Universum nichts verlorengeht. Wer hat denn mal ein Geschenk verdient? Oder nötig?

Nachtrag: Bei AxelK war's. (Das hatte ich auch gedacht, aber nur die Einträge nochmal durchgeguckt, nicht die Kommentare.)

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Freitag, 26. Februar 2010
Spendenaktion (Zwischenstand)

Vor fast drei Wochen habe ich diesen Spendenaufruf für eine in Not geratene Kollegin hier veröffentlicht. Natürlich nicht nur hier, sondern vor allem in Übersetzerkreisen. Inzwischen sind gut 7000,- € zusammengekommen, das finde ich unfassbar großartig. Vor allem finde ich es großartig, wie viele Blogleser mir gemailt und mich nach der Kontonummer gefragt haben – Menschen, die weder mich noch die Kollegin kennen, und einfach mal so eine Spende überwiesen haben. Und/oder Ratschläge hatten, was die Kollegin noch unternehmen könnte. Ich habe alles weitergeleitet, Geld wie Ratschläge. Ganz, ganz herzlichen Dank an Euch alle, ich bin wirklich zutiefst gerührt. Die Kollegin ist inzwischen wieder krankenversichert, das ist in ihrer Situation das Allerwichtigste und ein großer Stein von ihrem Herzen, und sie hat auch diese und jene weitere Rechnung inzwischen bezahlt. Folgendes hat sie mir geschickt, damit ich es hier reinstelle. Ich leite das nach und nach auch noch persönlich an die Spender weiter, bitte allerdings um Entschuldigung, falls ich dabei jemanden vergessen sollte; ich habe mit so vielen bekannten und unbekannten Namen gemailt, dass ich nicht sicher bin, noch den Überblick zu haben. Ich habe auch den Verdacht, dass bei dem ein oder anderen der Mailname und der Kontoführungsname nicht übereinstimmen, da wirds dann schwierig, alles zusammenzubringen.

Liebe Isa-Blogger,
zu allererst und zuvörderst euch allen ganz großen, herzlichen Dank für eure Hilfe! Dass Isabel sich meiner mißlichen Lage angenommen hat, ist schon großartig genug, dass jetzt aber auch ihr, die ihr mich gar nicht kennt, mir Hilfe zukommen lasst, das ist einfach überwältigend. Ein wenig gibt mir das den Glauben, zwar nicht an die ganze Menschheit, aber doch an Menschen, die tatsächlich solche sind, zurück. Vor allem macht es Mut, trotz aller Widrigkeiten weiterzumachen. Auch dafür und für euer Mitfühlen danke ich euch!
IL

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Donnerstag, 25. Februar 2010
Kochbuchberatung

Ich suche ein vegetarisches Kochbuch. (Und Merlix und Egomaat offenbar auch.) Und zwar eins, mit dem auch Deppen kochen können, also: Deppen wie ich. Leute, denen spontan ungefähr sechs Gemüsesorten einfallen würden. Vorgeschlagen wurde bereits "Unser Kochbuch" von den Herren Biolek und Witzigmann. Hat jemand eine Meinung dazu? Weitere Vorschläge? Danke!

EDIT: The winner is erstmal:

Das kaufe ich dann mal, falls es nicht, wie es bei Amazon den Anschein macht, vergriffen ist, und werde bei Gelegenheit vielleicht berichten. Vielleicht auch nicht, denn in Wahrheit koche ich nie nach Kochbüchern. Aber wer weiß. Danke an alle für Eure Tipps!

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Is a book

Leanne Shapton (Rebecca Casati): Bedeutende Objekte und persönliche Besitzstücke aus der Sammlung von Lenore Doolan und Harold Morris, darunter Bücher, Mode und Schmuck

Was für eine sensationelle Idee. Das Buch kommt daher wie ein Versteigerungskatalog: versteigert werden, wie der Titel schon sagt, persönliche Gegenstände von Lenore Doolan und Harold Morris. Kleidung, Bücher, Stehrümchen, Kulturbeutel, Fotos, Geschirr, Notizbücher, Briefe, Dinge, Kram. Säuberlich durchnummeriert, fotografiert (im Buch schwarz-weiß abgedruckt) und in knappen Worten beschrieben, inklusive der Angaben von Zustand, Größe und Preis.
Diese Gegenstände erzählen die Geschichte von Lenore und Harold. Keine besonders ausgefallene Geschichte: die beiden lernen sich auf einer Halloween-Party bei Freunden kennen, tauschen Mailadressen und fangen eine Beziehung an. Harold ist Fotograf und dauernd unterwegs, Lenore ist Kolumnistin bei der New York Times und schreibt über Kuchen, und nun werden ausgerechnet am Valentinstag all ihre Sachen versteigert, weil die Beziehung zu Ende ist.
Diese ganz alltägliche Geschichte anhand der Besitzstücke dieses Paars zu erzählen, ist eine wirklich großartige Idee. Man bekommt ein ziemlich genaues Bild von den beiden, einfach dadurch, dass all ihre Dinge abgebildet werden. Die Geschichte selbst entsteht vor allem im Kopf des Lesers. Um ihm ein bisschen auf die Sprünge zu helfen, sind relativ viele ausgedruckte E-Mails unter den Sachen (Wegbeschreibungen zur Party und so was, teils aber auch Persönlichere), schriftliche Kürzestgespräche auf der Rückseite von Theaterprogrammen, tagebuchartige Kalendernotizen, und nicht abgeschickte, in Büchern vergessene Briefe. Die meisten der versteigerten Gegenstände tragen aber gar nichts zur Geschichte bei, nur zu dem Bild, das man von den beiden hat. Welche Bücher sie lesen, welche Kleidung sie tragen; es erschließt sich nicht alles, jedenfalls mir nicht, aber es hat ja auch nicht alles, was man besitzt, einen tieferen Sinn. Warum um alles in der Welt Harold zum Beispiel in seinem Kulturbeutel … aber das müsst Ihr selbst lesen. Das ist nämlich ein sehr schönes Buch, sehr speziell und ausgefallen, auch wenn ich mir von der Geschichte doch mehr erhofft hatte.

Leanne Shapton steht im Regal jetzt zwischen Zeruya Shalev und Tom Sharpe.

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Mittwoch, 24. Februar 2010
Leseempfehlung

Nächsten Monat erscheinen Elmore Leonards Ten Rules of Writing, und aus diesem Anlass hat der Guardian eine ganze Reihe weiterer Autoren nach ihren persönlichen Schreibregeln gefragt. Man möchte gar nicht mehr aufhören, das zu lesen und jajaja! zu rufen. Oder laut zu seufzen. Oder hihi zu denken oder oh, stimmt ja oder erwischt. Wunderbar. Ich werde mir die Erklärung, warum man nichts anderes als "sagte er, sagte sie" schreiben soll, ausdrucken und immer bei mir tragen, falls mal wieder jemand findet, man müsste das mit "antwortete sie, entgegnete er, vergewisserte sie sich" abwechseln. Das fand ich nämlich schon immer grauenvoll, hatte es aber noch nicht in so griffige Worte gekleidet.

Meine Lieblingsregel stammt übrigens von Jonathan Franzen: "It's doubtful that anyone with an internet connection at his workplace is writing good fiction."

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Dienstag, 23. Februar 2010
Ein Geschenk, ein Geschenk!

Da klingelt heute der Paketbote und bringt ein richtiges Paket. Völlig unerwartet, in buntem Geschenkpapier, sogar mit Schleifchen außen drauf, dabei hat keiner von uns Geburtstag. Ich warte artig, bis der Mann da ist, denn es ist an uns beide adressiert. Von meinem Leser Therealstief, aber ich ahne natürlich nicht, dass es mit diesem Kommentar zusammenhängt.

Tiefensalz für die Salzmühle, aus Natursole (aus Europas einziger Pfannensaline)
Jamaika Piment
Kardamom in der Schale, grün
Süßholzwurzel, gemahlen
Saucenkuchen, 2 Stück (ich schwör)
Bittermandel-Aroma
Kardamomsaat
Old English Vanilla Fudge (unfassbar lecker)
Gute-Laune-Kräutertee
Pfefferminzblätter Ungespritzt Krüll (?)
Walkers Salt & Vinegar Crisps (sofort gegessen)
Kakaopulver dunkel
Ingwerwürfel fein scharf
Nougat (dieses weiße, nicht das schokoladige)
Original Hühnerfleischextrakt
Zucker-Rübli

Lieber Stief, ganz, ganz herzlichen Dank. Ich habe keine Ahnung, womit wir das verdient haben, das ist ganz unglaublich rührend und zauberhaft, und ich bin wirklich platt. Du weißt allerdings, hoffe ich, dass Du die Rezepte dazu wirst liefern müssen?
Die Chips habe ich schon gegessen, das Fudge zum Teil. Mit Kakao und Tee kann ich auch was anfangen. Die Rüblis sind super, denn Rüblitorte wollte ich schon ausprobieren, seit ich zum ersten mal eine aß, und das war 1984 in England. Aber für alles andere habe ich entweder keine Ahnung oder keine Salzmühle. Ich mein, Kardamom! Bittermandelaroma! Süßholzwurzel! Was um alles in der Welt macht man damit?
Ich bin sehr gespannt. Und hoffe auf lauter Kommentare, was ich mit all diesen tollen Sachen tun kann. Und dann schließe ich mich dem allgemeinen Trend an und mutiere zum Kochblog. Ich! Hahaha! Ham wir gelacht.
Stief: Danke. Komm mal wieder vorbei, dann koche ich Dir was. Du musst mir nur sagen, wie das geht.

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Montag, 22. Februar 2010
Is a book

Kathrin Schmidt: Du stirbst nicht.

Der Roman beginnt so:
Es klappert um sie herum. Als ihre Schwester heiratete, hatte die Mutter das Silberbesteck in eine Blechschüssel gelegt, auf eine Alufolie. Heißes Salzwasser darüber. Das saubere Besteck wurde nach einiger Zeit aus der Schüssel genommen und abgetrocknet: Es hatte genauso geklappert. Wer heiratet denn? Sie versucht die Augen zu öffnen. Fehlanzeige. Mehr als Augenöffnen versucht sie nicht. Ist genügsam. Sie kann aber sehr deutlich die Stimme ihrer Mutter hören. Ah, also doch das Besteck! Was sagt ihre Mutter?

In Helene Wesendahls Kopf ist ein Aneurysma geplatzt. Sie wacht im Krankenhaus auf, weiß nicht, was passiert ist, weiß nicht, wer sie ist, wer ihre Familie ist, erinnert sich nicht an ihr bisheriges Leben, kann sich nur höchst eingeschränkt bewegen. Der Buchanfang ist großartig: wie sie aus dem Koma erwacht, keine Ahnung hat, wer und wo sie ist, aber Dinge wahrnimmt, auch Erinnerungsfetzen einbaut und wieder wegnickt. Und wieder aufwacht, sich irgendwelchen Unfug zusammenreimt und wieder wegnickt. Und wieder aufwacht und wieder weiß, wie sie heißt, und dass das, was sie vorher gedacht hat, Unfug war. Das ist großartig gemacht, wie aus vollkommen wirren Gedanken langsam etwas Strukturierteres wird.
Wir begleiten Helene dann bei der Genesung: nach und nach, mit viel therapeutischer Hilfe, kann sie sich immer besser bewegen, aber es geht langsam. Auch die Sprache hat sie verloren, ihr fallen Wörter nicht ein, teilweise hat sie sie im Kopf, aber wenn sie den Mund aufmacht, kommen sie nicht heraus. Auch das wird langsam besser. Und die Erinnerungen kommen auch wieder. An ihren Mann. Die fünf Kinder. Und daran, dass die Ehe am Ende war. Und dass sie sich trennen wollte. Und warum.
Und in diesem Moment macht Kathrin Schmidt ein zweites Fass auf, das so groß ist, dass es, wie ich finde, nicht den gebührenden Raum bekommt. So ein großes Thema wird hier ein bisschen zur Nebensache. Oder nicht zur Nebensache, aber eben auch nicht zur Hauptsache. Vielleicht ist das aber auch nicht schlimm, ich weiß es nicht.
Irgendwie werde ich nicht warm mit diesem Buch. Ich finde es stellenweise etwas zäh, aber das passt eigentlich, denn so eine Genesung ist zäh und mühsam. Es ist toll geschrieben, sie hat einen ganz eigenen Stil, den ich aber eher anerkenne, als dass er mich erreichen würde. Und ich frage mich dauernd zweierlei, nämlich erstens, warum Helene nicht viel mehr hadert, warum sie nicht verzweifelt und heult und wütend ist und traurig und ihr Schicksal verflucht. Sie scheint das alles einfach so zu akzeptieren. Aber vielleicht gehört das ja zum Krankheitsbild. Und zweitens, warum sie ihren Mann so wenig fragt. Der Mann kommt sie jeden Tag besuchen, kümmert sich rührend. Selbst als ihr dann wieder eingefallen ist, warum sie ihn verlassen wollte, aber erst recht vorher, warum fragt sie ihn nicht?
Und dann weiß ich nicht: ist das der Grund, warum mich dieses Buch so sonderbar kalt lässt? Keine Ahnung, ich bin wirklich ein bisschen ratlos. Aber ich lese schon gefühlt seit Wochen daran, und habe jetzt beschlossen, es nicht zu Ende zu lesen. Obwohl das ein gutes Buch ist. Irgendwie. Oder ist es albern, die letzten achtzig Seiten nicht zu lesen? Vielleicht hätte ich dann eine richtige Meinung, statt dieses Herumgeeiers hier.

Im Regal stelle ich Kathrin Schmidt zwischen Arno Schmidt, Harald Schmidt, Jochen Schmidt und, äh, Eric Emanuel Schmitt (geschenkt bekommen, ich schwör).

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Häme

Das halbe Internet ist voll von Häme über den Selbstmord eines Herrn, den ich erstmal googeln musste: ein Abmahnanwalt, der auf Internetabmahnungen spezialisiert war (das ist jetzt bestimmt irgendwie falsch ausgedrückt). Es ist sicher kein Gutmenschenjob, Leuten Geld dafür abzuknöpfen, dass sie beispielsweise unwissend einen Formfehler begangen haben. "Schwein" las ich irgendwo, jenun, die meisten Schweine sind in Wahrheit arme Schweine. Wer sich so einen Job aussucht, ist vermutlich in jeder Hinsicht (außer finanziell) ein armes Schwein. Und offenbar war er noch ein viel ärmeres Schwein, als man dachte, denn man nimmt sich ja nicht einfach so das Leben. Und jetzt komm mir keiner mit "selber schuld, wenn er sich in die Scheiße reitet", das ist billig. Das ist genauso billig wie "selber schuld, wenn Du dick / Alkoholiker / hässlich / doof bist". Wer sich das Leben nimmt, ist ein armes Schwein, das ist mal eine Tatsache, und jetzt ist er außerdem tot.
"Nänänä, das hat er jetzt davon", ist doch wirklich Kindergarten. Vollkommen egal, ob das arme Schwein ein Schwein war: Haltet verdammt noch mal einfach die Klappe.
Häme macht übrigens hässlich. Ihr seid dann selber schuld.

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Sonntag, 21. Februar 2010
Noch mehr Werbung

Am Dienstag, dem 23.2.2010 um 12.00 Uhr eröffnen Tanja und Oliver Trific ihr Restaurant im Eppendorfer Weg 170. Ich kenne die beiden flüchtig, sie sind Freunde von Herrn Paulsen, und ich bin sehr gespannt und freu mich!

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Demnächst

schreibe ich dann auch mal wieder selbst was, statt Euch immer nur anderswo hinzuschicken. Habt Ihr eigentlich Wünsche? Was wollt Ihr denn hier mal lesen?

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Aller guten Dinge: die dritte Leseempfehlung in Folge.

Nämlich ein Interview mit der Kochbuchübersetzerin Susanne Kammerer auf Valentinas Kochbuch. (Mit Dank an Herrn Paulsen für den Hinweis.)

Und weil aller guten Dinge womöglich auch mal vier sind, und weil wir hier gerade so nett vom Essen plaudern:

Das wundervolle Restaurant Nil, beziehungsweise sein Chef Steffen Hellmann bloggt jetzt auch. Hurra und willkommen im Club!

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Freitag, 19. Februar 2010
Noch eine Leseempfehlung:

Leserbriefe! Was für eine wundervolle Idee: Briefe von Autoren an die Leser. Geliebte Leser, initiiert von Maximilian Dorner. Sehr schön, der Anfang ist vielversprechend, ich bin gespannt, wer noch alles kommt.

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Donnerstag, 18. Februar 2010
Leseempfehlung

Percanta ist für 40 Tage in Buenos Aires und bloggt darüber. Der Anfang ist schon mal so zauberhaft, dass ich Euch das gern ans Herz legen möchte.

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Mittwoch, 17. Februar 2010
Alstereis 3

Solange die Alster nun schon zugefroren ist, schaue ich immer wieder auf die drei Webcams bei Alsterwetter, wie die Sonne gerade auf die Schneefläche fällt, wieviele Leute drauf unterwegs sind, und sehne mich vom Schreibtisch weg dorthin.
Vorgestern Abend hat jemand bei Kamera zwei ein riesengroßes, sehr akkurates Herz von Schnee freigeschaufelt und Kerzen oder sowas auf die Eisfläche gestellt, ein riesiges, flammendes Herz auf einem Seitenarm der Alster, wunderschön. Ich saß vor dem Computer und schaute zu und war gerührt.
Jetzt gerade hat jemand angefangen, bei diesem Herzen - das übrigens gepflegt zu werden scheint, es wird immer wieder etwas zertrampelt und dann wirkt es plötzlich wieder wie neu - Buchstaben in den Schnee zu schüppen. g-e-l-i … soundsoviele Leute, mindestens in Hamburg, Wien und Dresden, sitzen vor ihren Computern und schauen zu und warten, was dort passiert.

gelieb T

hat er geschrieben, und jetzt hört er einfach auf und fegt seine Spuren ein bisschen weg und geht die Konturen des Herzens pflegen, und ich sitze vorm Bildschirm und warte und finde, das kann er doch nicht machen! Uns so hängenzulassen! Man sieht ja nicht mal, ob das t womöglich ein † sein soll! Außerdem fehlt doch was, da muss mindestens ein dramatisches "Nie" davor, oder "So sehr" oder sowas. So kann ich nicht arbeiten!

(Klick aufs Bild führt zur Webcam.)

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Dienstag, 16. Februar 2010
Ehegeflüster

Ich: Ich bin so eine blöde Kuh!
Er, tröstend: Ach, Isa, das sind wir doch alle.
Ich: Echt? Du auch?
Er: Muh.

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Interview mit Rosemarie Tietze

Rosemarie „Mascha“ Tietze hat Tolstois Anna Karenina neu übersetzt, und dazu hat Johanna Adorján sie für die FAS interviewt. Ich habe Anna Karenina nie gelesen, mir aber die Neuübersetzung immerhin schon mal zu Weihnachten schenken lassen. Dummerweise habe ich ja immer ein bisschen Angst vor so dicken Büchern, ich hätte dann jetzt gern mal ein paar Wochen Urlaub. Denn spätestens dieses Interview macht wirklich Lust darauf.
Mascha ist so was wie meine übersetzerische Mutter, auf jeden Fall ist sie diejenige, von der ich am meisten gelernt habe. Dabei habe ich, fällt mir jetzt erst auf, vielleicht noch nie etwas von ihr gelesen. Russen stehen irgendwie nicht auf meinem Speiseplan. Aber ich habe reichlich Seminare bei ihr besucht und würde es jederzeit wieder tun und es jedem empfehlen. Mascha ist klug und lustig und freundlich und tut alles, was sie beim Übersetzen tut, mit Bedacht; an manchen Stellen ist sie unfassbar akribisch, an anderen wieder großzügig (immer an den richtigen, natürlich). Ihr Gespür für Texte und ihr Wissen über die deutsche Sprache sind wirklich imposant. All das kann man in diesem Interview auch sehen, und vor allem sieht man, dass sie für ihre Arbeit brennt und ihr mit ungeheurer Begeisterung nachgeht. ("Macht das Spaß?" - "Natürlich macht das Spaß!" Ich sehe ihr Gesicht bei der Antwort genau vor mir.)
Oh, da ist es wohl ein bisschen mit mir durchgegangen. Eigentlich wollte ich nur sagen: Lest! dieses! Interview!

Rosemarie Tietze geht mit Tolstois Ur-Urenkel Wladimir Tolstoi zusammen auf Lesereise. Die Termine:
20.2. Elmau
22.2. Köln
24.2. München
25.2. Stuttgart
26.2. Berlin
Näheres hier.

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Montag, 15. Februar 2010
Is a book

Toon Tellegen, Axel Scheffler (Illustration), Mirjam Pressler (Übersetzung): Briefe vom Eichhorn an die Ameise

Lauter Geschichten über Briefe. Und Briefe. Briefe vom Eichhorn an die Ameise, auch wenn gleich der erste ein seltsamer Brief ist. Und vom Elefanten an die Schnecke, mit der er tanzen will, und zwar oben auf ihrem Haus. Er wird sich auch Mühe geben, nicht durchs Dach zu brechen, aber man kann natürlich nie wissen. Der Elefant klettert nämlich unglücklicherweise immer wieder auf Sachen, vor allem auf Bäume, und fällt dann runter. Und vom Sperling an die Krähe, die glaubt, dass es immer nur regnen wird und nie wieder aufhören. Und vom Bären an alle, denn er möchte, dass alle ihm eine Torte backen. Überhaupt wird viel Torte gegessen, vor allem vom Bären. Und vom Eichhorn an die Blattlaus, die sich immer so schrecklich schämt. Und vom Pinguin an alle, denn er ist einsam. Und vom Glühwürmchen, das nur entweder glühen oder schreiben kann, an den Nachtfalter. Und wenn jemand nicht weiß, wie man Briefe schreibt, kann er es beim Sperling lernen. Falls es Winter ist, zieht man dem Brief eine warme Jacke an und schickt ihn los. Und natürlich kann man auch seinem Tisch mal einen Brief schreiben, an den denkt man ja sonst viel zu selten.

Insgesamt sind es 26 kleine Geschichtchen, in denen Briefe quer durch die Tierwelt eine Rolle spielen. Geschichten, wie der Klappentext sagt, „von Wünschen und Hoffnungen, von Freundschaft und Fürsorge“. Meistens zwei Seiten lang, höchstens vier, und eine zauberhafter als die andere. Viele wirken wie der Anfang einer Geschichte, man möchte wissen, wie es weitergeht, aber da ist sie schon zu Ende. Und nach nur 90 Seiten ist leider das ganze Buch zu Ende, und dann möchte man erstens sofort jemandem einen Brief schreiben, nur einen kleinen, und zweitens möchte man alle Bücher kaufen, in denen Axel Scheffler Eichhörnchen gezeichnet hat, und danach wahrscheinlich sein Gesamtwerk. Denn diese Tierzeichnungen sind wirklich, wirklich hinreißend.

Der Sperling räusperte sich und fuhr fort: „Darunter schreibt ihr: ‚Wie geht es dir?’“
Die Tiere schrieben: „Wie geht es dir?“
„Das ist so eine schöne Frage“, sagte der Sperling. „Die dürft ihr nie vergessen. In keinem einzigen Brief. Und darunter schreibt ihr …“

Bei Amazon kann man übrigens ein bisschen reinblättern. (Und dann in der netten, kleinen Buchhandlung um die Ecke kaufen.)

Im Regal stelle ich es neben das ebenfalls von Axel Scheffler illustrierte Büchlein Über das Halten von Eichhörnchen, sobald ich es nachgekauft habe. Meins habe ich nämlich verschenkt. Und das werde ich mit diesem hier sicher auch noch öfter tun.

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Tex Rubinowitz und Hermann Bräuer lesen vor und zeigen alte Fotos rum

Die Älteren unter Ihnen werden sich noch an KAFFEE.SATZ.LESEN erinnern, eine Lesereihe, die von Herrn Paulsen, Herrn Svenson und mir organisiert wurde und nach sechs wunderbaren Jahren leider im vergangenen Jahr eingestellt werden musste.

Diese Woche, am Samstag, dem 20.02.2010, gehen Abends noch einmal die Lichter in der Baderanstalt an, dem legendären Spielort der Reihe. Und das hat einen guten Grund, alte Freunde sind in der Stadt und haben neue Bücher dabei.

Erstmals stehen sie gemeinsam in Hamburg auf einer Bühne: der in Wien lebende Cartoonist und Satiriker (Titanic, Falter, F.A.Z), Autor und Reisejournalist Tex Rubinowitz und sein Lesebühnenpartner Hermann Bräuer. Bräuer ist Comedyautor, schreibt u.a. für Paul Panzer, Tramitz and Friends und Barbara Schöneberger.

Wer den klugen Humor von Tex Rubinowitz’ Zeichnungen mag, der hat auch bei seinem Roman Ramses Müller (Eichborn Verlag, 2009) viel zu lachen. Atemlos und in rasantem Tempo stolpert der Leser durch eine lange Nacht und einen unappetitlich verkaterten Tag in Berlin Mitte, inklusive Promi-Alarm und Popkultur satt. Mit Der Bremsenflüsterer (Falter Verlag, 2009) liegen endlich Rubinowitz’ gesammelte Reisereportagen vor: er begleitet die österreichische Fußballnationalmannschaft auf die Färöer, läuft im Fliegenkostüm den Bordeaux-Marathon, spielt in Tokyo „Doo Wop“-Singles auf einem Reiseplattenspieler in einem Fahrstuhl und sucht einen Zwillingsbruder in Indien.


Tex Rubinowitz (Foto: Privat)

„Rubinowitz gehört nicht zu jenen, die Städte und Kontinente wechseln, nur um dort dann das Gleiche zu machen wie in Wien. Er macht alles mit, sogar die größten Irrtümer und den unglaublichsten Unfug, weswegen er auch prinzipiell isst, was auf den Tisch kommt.“
(Falter Verlag)

Hermann Bräuers erheiternd-erhellender Debüt-Roman Haarweg zur Hölle-Ein hart gerockter Heimatroman (Ullstein Verlag, 2009) spielt in der Münchner Hair-Metal-Szene der achtziger Jahre: grell geschminkte Jungmänner mit Haarmatten, hautengen Spandexhosen und Stromgitarren suchen das Glück im Glam Rock- ein coming-of-age-Roman, der Rocko Schamonis „Dorfpunks“ wie einen Haufen angepasster Schlafmützen wirken lässt.


Hermann Bräuer (Foto: Privat)

„Zuerst auf der Bühne gnadenlos abräumen und anschließend backstage die Girls mit unserem Look killen. Eine Hair-Metal Band. Die sicherste Fahrkarte ins Frauenland!“
(Klappentext)

Tex Rubinowitz und Hermann Bräuer
lesen vor und zeigen alte Fotos rum

Baderanstalt
Hammer Steindamm 62, neben S-Bahnhof Hasselbrook
im Hinterhof, 5. Stock.
Samstag, 20. Februar 2010
20:00 Uhr,
Einlass 19:30 Uhr / Beginn 20:00 Uhr
Eintritt: 10 Euro

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Samstag, 13. Februar 2010
Abendbrot

Vorgestern war ich beim Abendbrot. Zum Abendbrot gibt es Schnittchen, Wein und Sekt, man fühlt sich wie zu Hause. Es stehen nur geringfügig mehr Bücher herum als zu Hause.
Stories! ist die schönste Buchhandlung Hamburgs. Das ist eine etwas steile These, denn natürlich kenne ich gar nicht alle Buchhandlungen Hamburgs, aber das behaupte ich trotzdem.

Die Buchhandlung Stories! ist rappelvoll mit Menschen, die Schnittchen essen, Sekt trinken, plaudern (über Bücher) und sich einen Platz suchen. Denn dann werden Bücher vorgestellt: vier Buchhändler (3 Frauen, 1 Mann) und ein Gast stellen Bücher vor, die sie in letzter Zeit gelesen haben und toll fanden – 20 Bücher in 2 Stunden, mit einer kleinen Pause zwischendrin für mehr Sekt und mehr Schnittchen. Die vier Buchhändler haben unterschiedliche Lesevorlieben, und das ist toll. Sie präsentieren ein breites Spektrum vom Kinderbuch über hohe Literatur, Ernstes, Lustiges, Schönes, bis zum Sachbuch über die Finanzkrise, und das Tollste ist: jeder ist von den Büchern, die er vorstellt, total begeistert. Erzählt, worum es geht, sagt kurz etwas über den Autor und warum er das Buch so toll findet, und man möchte sie sofort alle lesen. Und damit man sich nicht alles merken oder mitschreiben muss, liegt auf jedem Platz eine Liste, drei Seiten, geklammert, mit einer farbigen Abbildung des Buchcovers und einer Kurzbeschreibung, die kann man mit nach Hause nehmen und sich noch mal in Ruhe überlegen, was man davon denn nun wirklich haben möchte. Aber so viel unmittelbare Begeisterung steckt natürlich an, eigentlich möchte man alle Bücher sofort kaufen. (Außer dem über die Finanzkrise. Also, ich jetzt.) Und viele tun das auch, das sei hier nicht verschwiegen, natürlich ist es letztlich eine Verkaufsveranstaltung. Aber Bücherkaufen gildet ja glücklicherweise nicht als Geldausgeben, macht also nichts.
Einmal ruft eine Dame von hinten: „Es wäre schön, wenn Sie bei den übersetzen Büchern…“ – jaaaa, denke ich, genau! Super, dass ich das nicht immer sagen muss! „…den Originaltitel dazusagen könnten!“ Ächz, wen interessiert der Originaltitel, denke ich, und rufe: „Und die Übersetzer!“ Prompt wird das für fast alle bereits vorgestellten Übersetzungen nachgeholt. Sehr schön.
Ich war total tapfer und beherrscht und habe nur vier Bücher gekauft. Eins zum Verschenken und eins, was ich sowieso haben wollte, also sozusagen nur noch zwei, was ungefähr nichts ist.
Das Abendbrot ist so beliebt, dass man sich erstens vorher anmelden muss, und dass es zweitens immer zweimal stattfindet, jeweils am ersten und zweiten Donnerstag des Monats. Die nächsten Termine sind der 4. und 11. März. Der 4. ist offenbar schon ausgebucht, am 11. gibt es noch Plätze. Ich würde mich freuen, dort den ein oder anderen zu sehen, denn der büchervorstellende Gast an diesen beiden Terminen bin ich.

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Montag, 8. Februar 2010
Fit und Well (8): Reiki

Ich probiere ja alles aus. Nicht, dass ich den Eindruck hätte, mit dem Energiefluss in meinem Körper würde etwas nicht stimmen, aber wenn ich schon eine Reiki-Therapeutin kenne, dann will ich natürlich auch wissen, was sie eigentlich macht.
Reiki ist universelle Energie. Ki ist die Energie, wisst Ihr wahrscheinlich, das ist dasselbe Ki oder Chi oder Qi, das auch in Qi Gong, Tai Chi und so weiter vorkommt. Beim Reiki wird mittels Handauflegen universelle Energie auf den Reiki-Empfänger übertragen. Die Energie stammt also nicht vom Reikigeber (was auch blöd wäre, denn das würde ihn auf die Dauer auslaugen), sondern der Reikigeber bildet sozusagen den Kanal für die universelle Energie. Er legt seine Hände auf bestimmte Punkte am Körper des Reikiempfängers, Punkte, die irgendwas mit den Meridianen und Chakren zu tun haben, lässt sie eine Weile dort liegen und führt ihnen Energie zu. So lösen sich Blockaden, und die Energie im Körper kann wieder frei fließen.
Soweit die Theorie. Und bevor hier Fragen aufkommen: dochdoch, ich bin noch bei Verstand. Und ich glaube durchaus nicht an universelle Energie, die durch ein kanalisierendes Medium auf mich übertragen würde. Aber ich glaube an Psychologie. Und an Physik. Nämlich: Wenn mir jemand eine Hand irgendwohin legt, dann wird es dort warm, das ist wohl unbestritten. Und Wärme ist Energie – ob die jetzt aus dem Universum kommt oder von der Physik, ist mir einigermaßen wurscht. Wenn mir jemand die Hand auflegt, wird es warm, und warm ist gut, alte Regel. Und Psychologie: Na, aber hallo ist das entspannend, wenn man eine Stunde lang ganz still da liegt, nicht schläft, aber auch nichts anderes tun kann als sich die Hände auflegen zu lassen. Eine ganze Stunde lang beschäftigt sich jemand mit mir und meinem Körper (ohne dass es mit Sex zu tun hätte), berührt mich sanft, spendet Wärme – meinetwegen auch kosmische Energie, letztlich ist das ja nur eine Frage der Terminologie – und ist ganz auf mich konzentriert. Das ist aber voll Psychologie! Es ist, anders gesagt, einfach unglaublich angenehm.
Da liege ich also, voll bekleidet und mit einer Decke zugedeckt. Sie fängt am Kopf an, das ist schon mal wunderbar, denn am Kopf angefasst zu werden, ist immer toll. Ich habe die Augen geschlossen, sie legt mir die Hände irgendwohin, und ich denke, ich hätte sie bitten sollen, die Meditationsmusik auszumachen, die finde ich nämlich doof, aber jetzt ist es zu spät. Und auch eigentlich egal. Ganz langsam arbeitet sie sich an meinem Körper hinunter bis zu den Füßen, an manchen Stellen fühlen sich ihre Hände viel schwerer an als an anderen. Ich hole tief Luft, mache zwischendurch kurz die Augen auf und schaue die Reikigeberin an, sie hat die Augen geschlossen und sieht konzentriert aus. Nein, ich muss nicht lachen. Ich liege auf der Klappliege, höre doofe Meditationsmusik, lasse mir die Hände auflegen und finde das nicht besonders spannend, aber tatsächlich sehr, sehr entspannend. Ich brauche ja nicht mal drüber nachzudenken, ob ich nicht vielleicht kurz in die Mails … nö, eine Stunde Stillliegen ist dran, ohne irgendwohin zu gucken, ohne zu schlafen, lesen, reden, sogar ohne zu denken. Nur liegen und Hände auflegen lassen. Physik und Psychologie. Oder universelle Energie.
Plötzlich ist die Stunde rum. Erstaunlich, wie schnell das geht, wo es doch gerade so angenehm war. Ich stehe von der Liege auf, lege die Decke ab, und urplötzlich wird mir ziemlich kalt. Die Reikigeberin sagt, ihr wird jetzt endlich wieder warm, sie habe nämlich an jeder Handposition einen Schwall Kälte von mir abgekriegt. Das erschreckt mich, ich habe nur Wärme gespürt; wie jetzt, Kälte? Von mir? Bin ich so kalt? Das, äh, wollte ich nicht so gerne hören. Neinnein, sagt sie, das bedeute nur, dass zwischen uns Energie geflossen sei, das sei ganz normal. Nicht ganz so normal sei, dass es bei wirklich sämtlichen Handpositionen so war, normalerweise sei es überall unterschiedlich. Wenn ich es schon interpretieren wolle, dann solle ich es so sehen, dass mein Energiehaushalt besonders ausgeglichen sei, denn es war überall gleich kalt.
Seitdem versuche ich, mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass ich eben ein eiskalter Typ bin. Die Vorstellung macht mich ein bisschen unentspannt.

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Sonntag, 7. Februar 2010
Schon wieder ein Hilferuf

Erst vor wenigen Wochen sammelten die Übersetzer für eine Kollegin, die in Not geraten war. Es kam erfreulich viel Geld zusammen, und ich freue mich, dass wir ihr wenigstens finanziell ein wenig Linderung verschaffen konnten. Jetzt ist der nächste Fall bekannt geworden – ebenfalls eine renommierte Kollegin, die nicht mehr weiß, wie sie über die Runden kommen soll. 2001 wurde sie brutal überfallen und ausgeraubt, seitdem wurde sie wegen drohender Querschnittslähmung am Rücken operiert, viermal an den Händen operiert, war wegen einer Stoffwechselerkrankung zweimal ein halbes Jahr im Krankenhaus, lag zweimal mit Lungenentzündung darnieder; dazu kamen – man möchte fast sagen: logischerweise – Depressionen, Burn Out, psychotherapeutische Behandlungen. Jeder Gang zur Mülltonne ist eine Anstrengung, inzwischen ist sie als 100% schwerbehindert eingestuft.
Was von all dem in welcher Weise mit dem Überfall zusammenhängt, sei einmal dahingestellt, wer würde das beurteilen wollen. Die Opferkasse sagt: nichts davon, und zahlt nichts. Die Zeiten, in denen sie nichts verdienen konnte, waren in diesen neun Jahren natürlich beträchtlich, das Erstaunliche ist, dass die Kollegin es trotzdem immer wieder geschafft hat zu arbeiten und hervorragende Übersetzungen abzuliefern (und dass sie sich ihren Humor bewahrt hat, das ist wirklich großartig). Aber das reicht natürlich nicht, um während der Krankenhauszeiten die Miete zu zahlen etc, sprich: es haben sich Schulden angesammelt, bei Banken, Freunden und Verwandten. Und wenn sie auf einen bequemeren Rollstuhl und auf einen Schreibtischstuhl spart, der sich auf ihren veränderten Buckel einstellen lässt, geht natürlich die Waschmaschine kaputt.
Es ist, mit Verlaub, schlicht zum Kotzen, dass man keinerlei Möglichkeit hat, sich als freier Künstler (das betrifft ja nicht nur die Übersetzer) so abzusichern, dass man längere Krankheitszeiten überbrücken kann. Jetzt also wieder: Spendensammlung unter den Kollegen, die es zumeist auch nicht besonders dicke haben. Wenn sich noch jemand beteiligen möchte, gebe ich die Kontonummer gerne per Mail weiter (ibogdan kringel gmx punkt de). Ach ja: Kleinvieh macht auch Mist. Und ein einzelner Tropfen auf den heißen Stein ist ebenso willkommen wie ein steter solcher. Und auch bitte gerne weitersagen. (Falls es das Vertrauen erhöht: das Konto läuft auf meinen Namen, ich habe es extra zu diesem Zweck eingerichtet, und was darauf eingeht, geht selbstverständlich komplett an die Kollegin. Eine Spendenquittung kann ich leider nicht ausstellen.)
Und ich sage jetzt schon mal Danke, auch im Namen der Kollegin. Wär doch gelacht, wenn wir nicht wenigstens einen Rollstuhl für sie zusammenbekämen. Und vielleicht die Mietschulden. Und eine Waschmaschine. Und einen Bürostuhl. Und die anderen Schul… schon gut.

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Samstag, 6. Februar 2010
Alstereis rettet die Welt

So eine zugefrorene Alster erhöht die Naherholungsfläche der Stadt ja beträchtlich. So groß wie Monaco sei die Alster, erzählen sie einem bei Alsterrundfahrten im Sommer, und im Winter gibt es jetzt also zusätzliche Spazierfläche in der Größe Monacos. Das ist nicht nichts, im Gegenteil, das ist ganz schön viel, für etwas, das da sonst nicht ist. So viel Platz plötzlich! Mitten in der Stadt! Einfach so zum Rumlaufen! Als wäre da plötzlich ein riesiger Park, nur ohne Bäume. Und ohne Wege, alle laufen einfach durcheinander, laufen Schlittschuhe oder Langlaufski, fahren sogar mit dem Fahrrad rüber, lassen sich auf dem Schlitten ziehen, bauen Schneemänner, herrlich. Urlaub mitten in der City, von überall aus prima zu erreichen.
Das ist so schön, dass man es am liebsten immer hätte. Warum eigentlich nicht? Man könnte die Alster doch einfach dauerhaft kühlen. Kann ja so schwierig nicht sein, ordentlich Kühlschränke reinwerfen, im übertragenen Sinne jetzt, da gibt es ja Möglichkeiten, und zack, die Alster ganzjährig auf minus vier Grad kühlen. Wunderschön! Man könnte das ganze Jahr über Schlittschuh laufen. Eine Ecke abtrennen für Eishockey, ansonsten einfach so lassen. Da wird sogar Hundekacke egal, die friert einfach fest, es macht gar nichts, wenn man reintritt. Wenn es im Sommer richtig heiß ist, wäre das zudem eine herrliche Abkühlung. Gut, wahrscheinlich müsste man die Leute davor warnen, sich nackt aufs Eis zu legen, weil sie dann festfrieren, man müsste sich schon mindestens auf ein Handtuch oder so was legen. Aber das kriegen die Hamburger bestimmt schnell raus, wir sind ja nicht doof. Es würde auch den Handtücher- und Picknickdeckenverkauf ankurbeln, das darf man ja auch nicht außer Betracht lassen. In regelmäßigen Abständen Picknickdeckenverkaufsstände um die Alster zu platzieren, dürfte ja kein Problem sein. Zack, Umsatz angekurbelt, Wirtschaftskrise behoben. Und für das sommerliche Stadtklima wäre so eine riesige Eisfläche großartig, sie würde ja die gesamte Stadt ein bisschen abkühlen – denn mal ehrlich, wer jetzt über die Kälte schimpft, schimpft doch im Sommer eh wieder über die Hitze. Mit einer gefrorenen Alster kein Problem mehr.
Wenn man eine Fläche, die so groß ist wie Monaco, dauerhaft tieffrieren würde, würde das wahrscheinlich auch weit über die Stadtgrenzen Hamburgs hinaus die Temperaturen senken. Man muss ja auch mal global denken: Die Welt würde ein kühlerer Ort, und Hamburg wäre die Stadt, die endlich und als einzige wirklich etwas gegen die globale Erwärmung tut! Hanseaten gegen den Klimawandel! Die Augen der gesamten Welt würden sich auf Hamburg richten, man könnte kleine Alstereisstückchen als Devotionalien verkaufen (gegen Aufpreis auch zum Selberhacken), andere Städte würden ebenfalls ihre Seen tieffrieren, aber so ein Masch- oder Chiemsee kommt natürlich gegen die Alster nicht an. Hamburgs Platz in der Weltklimageschichte wäre unanfechtbar. Und wenn erstmal andere Städte und Gewässer folgen, würden von der ganzen verströmten Kälte die Polkappen wieder einfrieren, die Eisbären hätten wieder genügend Platz, die ganze Nahrungskettentragödie würde rückwärts laufen. Hamburg könnte die Welt retten, wenn wir nur die Alster tiefkühlen würden.

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Freitag, 5. Februar 2010
Bitte

Kann mir heute Abend jemand "Die Vorleser" aufnehmen? Wenn man genau hinguckt, kann man den lustigen Mann und mich vielleicht bei einem Kameraschwenk übers Publikum sehen. Wir können aber leider nicht selbst gucken, wir haben schon wieder etwas noch Besseres vor. Danke!

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Dienstag, 2. Februar 2010
Alstereis 2

SMS: Seid Ihr zufällig auch auf der Alster?
Antwort: Ja, bin ich, allerdings allein. Treffen?

Wie findet man sich im Gewühl, auf der riesigen Fläche unter tausenden von Leuten? Ich habe eine ziemlich grüne Jacke an, kid37 sagt, er hat seinen toten Bären umgelegt. Wir sehen uns sofort. Wir haben keinen Plan, nichts Bestimmtes vor, sondern laufen einfach los, über die Alster, über den festgetretenen Schnee auf der Eisdecke. Auf Schlitten werden Kinder herumgezogen oder Picknickkörbe und Glühweinkanonen, an vielen Stellen sind Schlidderbahnen freigefegt, die Kinder rutschen auf den Knien. Manche Leute haben tatsächlich Schneeschaufeln dabei, um den Schnee vom Eis zu schippen, damit sie schliddern können oder Schlittschuhlaufen, immer in derselben Acht. Ich erzähle Kid, dass ich irgendwo im Internet gelesen habe, es seien sogar Leute mit Fahrrädern über die Alster gefahren. Wir bewundern einige Schneemänner, eine Schneefrau auch, mit großen Brüsten, die Männer lassen sich mit ihr fotografieren. Wir gehen einfach weiter, zwischendurch schneit es immer wieder, es ist überhaupt grau, deswegen werden auch die Fotos nichts, aber es ist so herrlich, ganz Hamburg ist da und vergnügt sich, wer braucht schon ein Alstereisvergnügen mit Buden und so einem Quatsch, die würden das Vergnügen nun wirklich nicht erhöhen. Da, sagt Kid, Fahrrad! Ich weiß nicht, was es ist, warum das alles so zauberhaft ist, der Perspektivwechsel allein kann es nicht sein, denn auch im Sommer kann man mit allerhand Booten auf der Alster herumschippern und hat denselben Blick auf die Stadt, nur in wärmer. So kalt ist es übrigens gar nicht, man gewöhnt sich ja, außerdem habe ich tolle Schuhe und eine tolle Jacke, mir ist nicht kalt. Wir gehen weiter, und am anderen Ende der Alster verlassen wir das Eis und gehen ein Stück Straße und am Ufer entlang wieder zurück, weil wir nicht genau wissen, wo wir sind und wo wir Bus oder Bahn nach Hause kriegen, also gehen wir doch wieder aufs Eis und einfach den ganzen Weg zurück. Am Ende waren wir drei Stunden auf der Alster und sind glücklich und nassgeschneit und haben rote Wangen und Schniefnasen und finden, es braucht noch gar nicht Frühling zu werden, sondern vielleicht noch mal schönes Wetter und Sonne und mehr kalt, um noch länger etwas von dieser Zauberhaftigkeit zu haben.

Liebe Stadt Hamburg, bitte keine Buden auf die Aster, das ist doch albern. Budenvergnügen gibt’s in Hamburg genug. Und so eine Alster hat doch auch ihren Stolz.

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Sonntag, 31. Januar 2010
Is a book

Judith Schalansky: Atlas der abgelegenen Inseln. Fünfzig Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde

„Das Paradies ist eine Insel. Die Hölle auch.“

Der „Atlas der abgelegenen Inseln“ wurde von der Stiftung Buchkunst zum schönsten Buch des Jahres 2009 gekürt, und wenn die es nicht getan hätte, dann hätte ich es getan.
Judith Schalansky stellt auf jeder Doppelseite eine Insel vor, zumeist solche, von denen man noch nie gehört hat, und auf die man in der Tat niemals gelangen wird. Auf der rechten Seite findet sich jeweils eine Karte der Insel (alle im selben Maßstab) und auf der linken Seite ist der Name der Insel angegeben, teilweise auch mehrere Namen oder Namen in unterschiedlichen Sprachen, ihre Größe, die Einwohnerzahl, ein paar Zahlen.
Und darunter ein Text, eine Miniatur von etwas mehr als einer halben Seite, auf der keineswegs die wichtigsten Fakten über die Insel zusammengefasst werden, sondern ziemlich willkürlich ein Punkt herausgegriffen wird. Und das macht einen Teil der Zauberhaftigkeit dieses Buches aus: dass es die Unvollständigkeit zum Stilmittel erhebt und einfach über jede Insel irgendwas erzählt. Das kann ein Schnappschuss von einem historischen Ereignis sein oder die Beschreibung eines Tiers, das es nur dort gibt, oder eine geografische Besonderheit oder die verlassene Wetterstation. Ein Detail.
Der andere Teil der Zauberhaftigkeit dieses Buchs liegt in seiner Ausstattung: das schönste Buch des Jahres 2009 ist ungefähr DIN A 4 groß und von außen blau, mit Leinenrücken und orangefarbenem Schnitt. Innen hat die rechte Seite mit der Insel einen blauen Hintergrund, Landkarten-Meeresblau eben, die linke hat Text, schwarz auf weiß, mit einigen orangefarbenen Details; die Autorin befasst sich sonst mit Typografie, und das sieht man natürlich. Und als wäre das alles noch nicht genug, riecht das Buch auch noch unglaublich gut.
Man kann wunderbar ein bisschen darin blättern, sich hier und da festlesen, sich an Papier, Duft und Optik erfreuen, nebenbei ein bisschen erratische Bildung mitnehmen und immer wieder zwischendurch ein Loch in die Luft gucken und sich fragen, wie es sein mag, auf einer Insel zu leben, auf der außer einem selbst nur noch drei weitere Menschen wohnen. Oder ob die Verschleppten je zurückkehren durften. Oder ob Dore die Baronin umgebracht hat. Und es möchte einem schier das Herz brechen, dass es tatsächlich eine Insel mit dem Namen Einsamkeit gibt. „Die Einsamkeit liegt im Nordpolarmeer.“

Geht hin und kauft. Für ein so aufwendig und liebevoll gemachtes Buch sind 34,- € nicht mal viel.

Ich weiß noch nicht, an welchen Regalplatz das Buch kommt. Ich möchte es eigentlich gar nicht ins Regal stellen, es soll immer irgendwo herumliegen. Und dann will ich es immer wieder in die Hand nehmen und drin herumlesen. Und dran riechen.

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Freitag, 29. Januar 2010
Pssst! Heute mal nur zuhören.

Elisabeth Schwarzkopf als Susanna: "Giunse Alfin Il Momento" aus Le Nozze de Figaro von Wolfgang Amadeus Mozart. London, 1952.

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Mittwoch, 27. Januar 2010
Is a book

Shane Jones (Chris Hirte): Thaddeus und der Februar
Mit Zeichnungen von Ria Brodell

Der Roman fängt so an:

Thaddeus
Wir saßen auf dem Berg und sahen den Ballons zu. Die Flammen in den Ballons erhitzten die Hüllen, bis sie in Neonfarben blühten. Die Kinder spielten Vorhersage.
Sie zeigten auf Löcher am Himmel und warteten. Manchmal blühten alle Ballons gleichzeitig und bildeten ein Lichterzelt über der Stadt, unter deren Dächern die Traurigkeit des Februars wuchs.
Nächte wie diese werden bald nicht mehr sein, flüsterte mir Selah ins Ohr.

Die Traurigkeit des Februars liegt über der Stadt. Der Februar herrscht schon viele hundert Tage. Als erstes wird das Fliegen verboten, die Ballons dürfen nicht mehr aufsteigen, Vögel müssen zu Fuß gehen, nichts darf mehr fliegen. Alles ist immer nur kalt und traurig. Dann verschwinden Kinder. Einige von ihnen werden später tot aufgefunden; ertrunken, erfroren. Eine Gruppe von Männern formiert sich, sie nennen sich Der Ausweg und suchen nach einem ebensolchen. Sie erklären dem Februar den Krieg. Thaddeus schließt sich ihnen an, sie probieren alles mögliche, um wieder Wärme und Licht in die Stadt zu bringen, das Eis zu schmelzen, den Februar zu bekämpfen.
Das Buch ist recht aufwendig gemacht, es arbeitet stellenweise mit unterschiedlichen Schriftgrößen und Seitenlayouts, und dann gibt es noch die Illustrationen von Ria Brodell. Ich verstehe nichts von Kunst, ich teile Bilder in „schön“ und „nicht so schön“ ein, was natürlich reine Privatgeschmackssache ist, und diese hier finde ich nicht so schön. Das ist allerdings ganz passend, denn der Februar ist halt auch nicht schön. Nur grau und traurig, wie die Bilder.
Ach, das ist jetzt schwierig: das ist ein liebevoll gemachtes Buch, wunderbare Gesamtidee und auch viele großartige kleine Ideen drin, gut übersetzt ist es auch, illustriert, eigentlich also alles toll, aber ich kann mit Märchen leider schlicht nichts anfangen.
Soll heißen: für Märchenliebhaber ist das bestimmt sehr schön. Bei Amazon gibt es ein kleines Video dazu.

Im Regal hat Shane Jones illustre Nachbarn, nämlich Uwe Johnson und James Joyce.

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Dienstag, 26. Januar 2010
Von den Risiken und Nebenwirkungen des Übersetzens

Übersetzen geht ja nicht spurlos an einem vorüber. Man ist doch sehr beschäftigt mit so einem Buch, auch über die eigentliche Arbeit hinaus; man liest Verwandtes, hört auf youtube die Musik, die im Buch eine Rolle spielt, fährt mit Google Street View durch die Straße, in der es spielt, man lächelt, wenn die Figuren glücklich sind, man weint, wenn etwas Trauriges passiert, und man bekommt Appetit, wenn sie etwas Leckeres kochen.
Als ich vor ein paar Jahren das zweite jüdische Buch in Folge übersetzte, wurde mein Hühnersuppeverlangen übermächtig, und ich kochte Hühnersuppe. Zum ersten Mal in meinem Leben, und obwohl das Arbeit ist. Mir mit Kochen Arbeit zu machen, ist ja normalerweise nicht meine Art. Und seitdem tue ich es immer wieder, selbstgekochte Hühnersuppe ist aus meinem Leben gar nicht mehr wegzudenken, ich könnte darin baden, was habe ich nur früher ohne Hühnersuppe gemacht?
Im Moment bin ich, was die Übersetzung angeht, in den amerikanischen Südstaaten. Es ist immer Sommer und warm, alles blüht – das macht mir ausnahmsweise nichts aus, denn im richtigen Leben freue ich mich, auf der Alster herumlaufen zu können – und: es wird dauernd gebacken. Und zwar immer wieder Cinnamon Rolls. Zimtschnecken.

Ich habe dieses Rezept benutzt. Sie sind ein klein wenig trocken, finde ich. Mir kam schon der Teig ein bisschen trocken vor. Und ich wusste nicht, was genau „weiche Butter“ ist und habe sie geschmolzen und dann auf den ausgerollten Teig gekippt. Keine Ahnung, ob das richtig war, oder ob es womöglich der Grund für die Trockenheit ist. Aber lecker sind sie, ich werde weiter üben.

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Kommentare
Anderthalbfache Unterstützung!
Christl Klein, vor 4 Jahren
Hm, Tempers Kommentar ist ja
schon von 2008 - ich schätze eher nicht, dass...
isabo, vor 5 Jahren
Zettel's Ingo Maurer Hallo,
ich habe Ihren Beitrag zur Zettel's-Lampe gefunden. Da ich sie gerne...
Christiane Thomaßen, vor 5 Jahren
das ist ein hobby
von mir. antizyklisches kommentieren ;)
fabe, vor 5 Jahren
Das hier ist ja
schon eine Weile her. Hihi.
isabo, vor 5 Jahren
hier war ja neulich
stromausfall. menschen sind merkwürdig.
fabe, vor 5 Jahren
endlich endlich setzt jemand ein
Zeichen gegen das ständige Aussterben schöner Wörter! Da bin ich...
federfee, vor 5 Jahren
Lassen Sie doch vielleicht mal
Ihr Assoziationsmodul überprüfen, das spielt ja geradezu verrückt. Das...
isabo, vor 5 Jahren
Oh, vielen Dank!
isabo, vor 6 Jahren
grosses Lob Liebe Isabo,
bin ueber Meike auf Dich gestossen und finde Deine Texte ganz...
LvO, vor 6 Jahren
Der Verein lebe hoch, anderthalb
mal hoch Bin dabei.
Jolen, vor 6 Jahren
Da spricht mir wer aus
der Seele. Ich gebe mir auch schon seit Jahren...
Cuguron, vor 6 Jahren
Ha, wir haben auch nur
Fangen (hieß einfach "fanga") ohne so ein Hintertürchen gespielt....
Irene, vor 6 Jahren
Meiner hat mir nur von
dem Smiley auf seiner Krone erzählt. Und ob ich...
strandfynd, vor 6 Jahren
Bin gerade erst über das
Interview gestolpert - für mich als Auch-Japanisch-Übersetzerin doppelt und...
frenja, vor 6 Jahren
Beide haben Fahnenmasten, der linke
und der rechte Nachbar. Und beide haben die Deutschlandfahnen...
croco, vor 6 Jahren
das hier geht woanders
nicht besser, aber versuch macht kluch...
don papp, vor 6 Jahren
Ja. Ich habe aber erstens
Schimpfe bekommen für dieses wunderschöne, kühle, coole, elegante, heißgeliebte...
isabo, vor 6 Jahren
Sie wissen aber schon,
dass das hier schöner ausschaut?
leavesleft, vor 6 Jahren
Gute Entscheidung. Trennung in beruflich
und privat ist unpraktisch (für alle Beteiligten) und wenig...
textundblog, vor 6 Jahren
Jo. Dann.
isabo, vor 6 Jahren
Möchten Sie es wissen?
kinomu, vor 6 Jahren
alles gute und auf nach
drüben!
skizzenblog, vor 6 Jahren
ja ja ja!!! ES geht
es geht es geht!!! (aber halt ohne Editieren, wurscht!)...
g a g a, vor 6 Jahren
Ich GLAUBE, ich habe
das Captcha- Dings jetzt weggemacht. Kannst Du es nochmal veruschen?
isabo, vor 6 Jahren

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