Ich packe meinen Koffer
Kofferpacken ist ja nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung, wohl aber die Auswahl der Urlaubslektüre. Meinetwegen könnte ich diesmal einfach alle meine Schlafanzüge und einen Stapel Bücher einpacken, mehr bräuchte ich nicht, aber wir haben ja noch was viel besseres dabei, nämlich die Patenkinder und ihre Eltern. Wir werden also viel draußen sein und spielen, auch mal irgendwohin fahren, und dann ist
Ian McEwan: Abbitte
Jonathan Franzen: Die Korrekturen
Feridun Zaimoglu: Liebesbrand
Kirsten Fuchs: Die Titanic und Herr Berg
Jenny Erpenbeck: Heimsuchung
Katharina Hagena: Der Geschmack von Apfelkernen
Cesare Pavese: Der schöne Sommer
ein bisschen viel. Zumal wenn man die Seitenzahlen der ersten beiden bedenkt.
Was davon muss unbedingt mit, was lasse ich hier? Oder muss noch was anderes mit? Jemand einen Rat?
Und: Welcher kluge Mensch hat neulich gesagt, ich solle Karen Duves "Taxi" lesen, sie habe meinen Humor? Weiß ich nicht mehr, freue mich aber noch nachträglich über das Kompliment. Wenn es hier demnächst also ein bisschen stiller wird: lest doch einfach Taxi, wunderbares Buch.
Zeitschriften
Alle lesen Zeitschriften, alle wissen Bescheid, ich kenne sogar Leute, die für Zeitschriften schreiben oder dort gar fest angestellt sind, und so kriege ich gelegentlich Anfälle von „muss ich mir doch mal angucken“. Das Ergebnis ist immer dasselbe. Also, Frauenzeitschriften jetzt.
Zum Beispiel auf der Internetseite einer solchen. Da stolpere ich schon auf der Startseite über den Teaser zu einem Artikel über Fußpflege: „Fußpflege ist nur was für alte Menschen? Von wegen, schöne gepflegte Füße sind absolut in, gerade im Frenchlook“, steht da. Ich habe natürlich keine Ahnung, was „Frenchlook“ ist, reime mir aber zusammen, dass es sich um offene Schuhe handeln muss, verstehe allerdings nicht, warum man nicht einfach „offene Schuhe“ sagt, wenn man offene Schuhe meint. Vielleicht ist es doch was anderes, immerhin weiß ich, dass es für Fingernägel diese Mode gibt, die sich „French Nails“ nennt, man wird das theoretisch auch mit Fußnägeln machen können, aber das würde lange Fußnägel bedeuten, und daran mag ich nicht mal denken. Ich nehme also vorsichtshalber lieber an, es handle sich einfach um offene Schuhe. In denen schöne gepflegte Füße also absolut in sind. Wisst ihr. Ich glaube ja, das ist nur so eine Modeerscheinung, wartet mal noch zweidrei Jahre, dann kommen Hornhaut und Dreckränder unter abgeknibbelten Zehennägeln wieder ganz groß raus. (Oder wenigstens hässliche gepflegte Füße, um hier auch noch einen kleinen Klugschiss zum Thema fehlende Kommas loszuwerden.)
Anderes Beispiel, andere Zeitschrift, auf Papier, Thema: Wie man in einer Beziehung die Sache mit dem Geld regelt. Der Artikel ist voll mit „Sie müssen unbedingt“ und „Sie dürfen auf keinen Fall“ und gipfelt in dem Satz: „Er wird sowieso nie verstehen, wieso Sie noch das fünfte Paar schwarze Stiefeletten brauchen.“ Ich verstehe auch nicht, wieso jemand fünf Paar schwarze Stiefeletten braucht, ich verstehe nicht, wieso man, wenn man das fünfte Paar schwarze Stiefeletten trotzdem gerne hätte, sich nicht sagen kann: „natürlich brauche ich das nicht, ich möchte aber trotzdem“ und das dem Partner auch vermitteln, dafür braucht man ja nicht mal groß Selbstironie oder so was, und ich verstehe vor allem nicht, wieso diese Sorte Witzchen über Männer und Frauen nicht schon lange tot ist. Die war doch schon in den sechziger Jahren nicht witzig, schickt sie doch bitte ans Schlechte-Witze-Endlager Mario Barth und werft ihn mit Beton an den Füßen in einen tiefen See. Ehrlich, so was macht mich fassungslos, nicht mal in einer Männer-, sondern in einer Frauenzeitschrift, ich war im Ernst der Meinung, darüber wären wir längst hinaus.
Zwei Beispiele aus zwei Zeitschriften, pars pro toto, so geht es mir immer, ich blättere eine Zeitschrift durch, stelle fest, dass ich das alles entweder uninteressant oder zum Aufregen dumm finde, und werfe das Heft in die Ecke. Vielleicht bin ich auch einfach zu uninteressiert. Prominente interessieren mich nicht, es ist mir herzlich wurscht, ob Cameron Diaz sich die Nase hat richten lassen und wer mit wem wo gesehen wurde und was dabei anhatte; mein Modeinteresse kann ich befriedigen, indem ich auf der Straße die Augen aufmache, für mein Kosmetikinteresse reicht mir meist der nächstbeste Drogeriemarkt, und die Psychologie meiner Beziehung lasse ich mir auch nicht gern von einer mir unbekannten Journalistin erklären. Bleibt nicht viel übrig, ich bin wohl schlicht nicht die Zielgruppe. Kann ich mit leben.
Die einzige Zeitschrift, in der ich je mehrere Artikel mit Interesse zu Ende gelesen habe, war Brand Eins. Was natürlich keine Frauenzeitschrift ist. Vielleicht kaufe ich die noch mal. Jetzt habe ich mir erstmal eine Vanity Fair gekauft, probeweise, ich hab mich aber noch nicht getraut reinzugucken.
Aus für Übersetzerkollegien?
Die EU gibt sich alle Mühe, noch die letzten hartnäckigen Anhänger der euopäischen Idee zu verprellen. Wie heute bekannt wurde, hat die Brüsseler Kommission für Kultur, Bildung und Sport letzte Woche den Förderungsantrag einer Gruppe von sieben europäischen Übersetzerzentren abgelehnt. Dazu der Verbund der europäischen Literaturübersetzerverbände, CEATL (Conseil Européen des Associations de Traducteurs Littéraires):
Presseerklärung
Kulturpolitik in Europa: Ein Umschlag ohne Buch
Europäische Union stellt Literaturübersetzer ins Abseits
Seit vielen Jahren ermöglichen die europäischen Übersetzerzentren Literaturübersetzern aus der ganzen Welt den Aufenthalt im Land ihrer Autoren, die Vertiefung ihrer Sprach- und Landeskenntnisse, die Teilnahme an Fortbildungsseminaren sowie konzentriertes Arbeiten an anspruchsvoller Literatur jenseits aller Alltagssorgen. Letzte Woche nun hat die Europäische Union (die sich ihre internen Übersetzungen schätzungsweise eine Milliarde Euro pro Jahr kosten lässt) entschieden, die europäischen Übersetzerzentren nicht mehr zu fördern. Zugleich gibt die Union im Rahmen des Programms “Kultur 2007-2013” mehr als 400 Millionen Euro für die Förderung der europäischen Kultur aus, vor allem für Großprojekte wie internationale Filmproduktionen.
Der Europäische Rat der Literaturübersetzerverbände CEATL ist empört über diese Entscheidung, die im krassen Widerspruch zur Idee eines vielsprachigen und multikulturellen Europas steht, in dem die Arbeit von Literaturübersetzern eine grundlegende Voraussetzung für das gegenseitige Verständnis ist, und zwar nicht nur in der Literatur, sondern auch in Philosophie, Wissenschaft, Kunst, Kino und Theater.
Dabei hat die Europäische Union 2008 zum „Jahr des interkulturellen Dialogs“ erklärt und will dem Literaturübersetzen als bedeutendstem Ausdruck dieses Dialogs Anfang 2009 ein internationales Symposium widmen. Der CEATL besteht darauf, daß die Internationalen Übersetzerzentren – vor dreißig Jahren vom berühmten Beckett-Übersetzer Elmar Tophoven nach dem Modell des mittelalterlichen Toledo erfunden – im Mittelpunkt des „interkulturellen Dialogs“ stehen und als Leuchtturmprojekte der Europäischen Kultur die Unterstützung und Förderung seitens der Europäische Union verdienen. Sonst bleibt die Idee einer Europäischen Kultur und des interkulturellen Dialogs leer wie ein Umschlag ohne Buch.
(via VfLL-Blog)
Shoppen
Wir wollen ein Geburtstagsgeschenk für die Schwägerin kaufen, sie hat sich ein Strandhandtuch gewünscht. Da geht man kurz zu Karstadt und sucht das schönste aus, fertig, das ist einfach. Theoretisch. Praktisch kommen wir erst an der Abteilung mit den Kochtöpfen vorbei, Kochtöpfe wollen wir schon seit einer Ewigkeit kaufen, es ist allerdings immer wieder daran gescheitert, dass man eine Wissenschaft daraus machen kann, und dass Verkäufer das auch tun, sie drängen einem Ihr ganzes Topfwissen auf, obwohl man gesagt hat, dass man das nicht will, dass man eigentlich einfach nur Töpfe kaufen möchte. Aber. Ein Glasdeckel ist hübsch, kann man in den Topf gucken, allerdings haben die so einen Rand, unter dem sich leicht der Dreck festsetzt. Ich hätte gern einen Stieltopf dabei, ohne das wirklich begründen zu können, manche Topfsets haben aber keinen. Und dann sind die einen etwas günstiger, haben dafür aber keinen doppelt gemufften Federkernboden und sind nicht so gut für Induktionsherde, und das dritte Set hat diese neuartige Beschichtung, allerdings keinen Stieltopf dabei, es ist endlos, immer wieder sind wir unverrichteter Dinge gegangen. Dass wir damals nach nur dreimal Gucken eine Waschmaschine gekauft haben, lag nur daran, dass die alte wirklich kaputt war und wir dringend eine brauchten, Töpfe hingegen können wir auch weiterhin die alten nehmen. Heute haben wir Glück, wir stehen vor einem Sonderangebot, vier Töpfe in vier Größen, davon ein Stieltopf. Ein Verkäufer fragt, ob er helfen kann, ich sage, wir brauchen Töpfe, haben aber keine Lust, eine Wissenschaft daraus zu machen, da sagt er: dann nehmen Sie die. Preis-Leistung spitzenmäßig, sonst auch alles super, Alternativen: keine, wenn Sie nicht Profiköche sind. Ich frage, ob er WMF-Verkäufer sei oder Karstadt-Verkäufer, da lacht er und sagt, WMF-Verkäufer, aber das ist uns dann doch egal. Wir kaufen die Töpfe, es wird nicht Abend, es wird nicht Morgen, zehn Minuten, der erste Kauf.
Unglaublich! Wir schleppen das schwere Topfset zu den Handtüchern, und uns packt das Grauen. Auf Dreivierteln der übergroßen Handtücher steht das Wort „Sauna“. Warum, um alles in der Welt? Auf keinem steht „Strand“ oder „Freibad“ oder „Badezimmer“. Der Rest ist scheußlich oder einfarbig, wir wollen bunt, da fällt der Strandschmuddel nicht so auf.
Wir befinden uns seit zwanzig Minuten in diesem Kaufhaus, also quasi gar nichts für ein Kaufhaus, und ich bin trotz des erstaunlichen Erfolgserlebnisses mit den Töpfen kurz vor Vollkrise. Die Luft ist schlecht, wie immer, es ist voll, wie immer, es läuft irgendeine Musik, das ist mir das größte Rätsel, wie kann man auf die Idee kommen, Musik würde Leute zum Bleiben und Kaufen animieren, mich jedenfalls katapultiert sie oft gleich wieder raus, unerträglich, und dann auch noch meistens zu laut. Außerdem kriege ich vom Shoppen schlagartig Rückenschmerzen und Durst, ich will raus. Der arme Mann schleppt das Topfset.
Im Erdgeschoss hat er eine Eingebung und fragt am Infoschalter, ob wir das Topfset hierlassen können. Es gibt Schließfächer, dritter Stock, also wieder hoch, Rücken, Durst, quengel. Wir gehen ohne Topfset noch in vier oder fünf andere Geschäfte, kaufen schließlich doch das Handtuch, das wir im Dritten gesehen haben, und müssen dann nur noch zu Karstadt zurück, in den dritten Stock, das Topfset abholen. Macht drei anstrengende Stunden für ein Handtuch, inklusive Kaffeepause und Kollateralerfolg Topfset, Rückenschmerzen und Durst. Die schlechte Laune weicht langsam der Erleichterung, dass es vorbei ist und wir Töpfe und ein Handtuch haben. Ich bin total erschöpft. Dass Menschen freiwillig „bummeln“ gehen, ja, das Shoppen gar als eine Art Hobby betrachten, wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben.
Und ich habe hier nichtmal von Hosen gesprochen.
Geschenkdynamik
Wir seien eingeladen, meldet der Mann, zwei seiner Kollegen würden gemeinsam Geburtstag feiern, und es gebe erfreulicherweise Sammelgeschenke. Er habe bereits vier Euro je Geschenk an Kollegin Susanne bezahlt, die sich um alles weitere kümmere. Das ist natürlich großartig, man wird eingeladen, kauft sich mit ein paar Euro von den lästigen Pflichten frei und braucht dann nur noch hinzugehen und zu feiern.
Wenige Tage später kommt der Mann aus der Schule und berichtet, Susanne sei siedendheiß ein veritables Problem bewusst geworden: es sei ja immerhin denkbar, dass jemand nur von einem der beiden Feiernden eingeladen wurde. Oder nur einen der beiden beschenken möchte. Und sie wolle natürlich auf keinen Fall jemanden zwingen, sich an beiden Geschenken zu beteiligen, klappere also nun alle, die bereits eingezahlt haben, noch einmal ab, um sich zu vergewissern, dass sie auch wirklich undsoweiter. Überraschenderweise wollen sich doch alle an beiden Geschenken beteiligen.
Am Abend der Party lauert Susanne uns bereits im Flur auf. Ihr müsst noch die Karten unterschreiben! Machen wir, klar, gerne. Ansonsten ist sie einigermaßen verzweifelt. Sie hat ihre Liste, auf der sie sich aufgeschrieben hat, wer alles an den Geschenken beteiligt ist, zu Hause vergessen. Und jetzt weiß sie nicht, ob alle unterschrieben haben. Oder ob vielleicht jemand noch nicht da ist, den sie vergessen hat, oder womöglich gar nicht erst kommt, aber trotzdem Geld in den Topf geworfen hat, denn wenn ja, müsste man ja für denjenigen mitunterschreiben, aber sie hat den Überblick verloren. Sie kann sich auch nicht mehr erinnern, ob Frank, der längst da ist, sich nun beteiligt hatte und unterschriftsberechtigt ist oder nicht, und sie will ihn auch nicht einfach fragen, das sei peinlich, meint sie. Birgit erkennt die Tragweite des Problems, ist voll des Mitleids mit Susanne, und hat schließlich die rettende Idee: Susanne erinnere sich doch vielleicht an die Gesamtsumme, die sie pro Geschenk gesammelt und ausgegeben habe, und wenn sie die durch vier teile, müsse doch die Anzahl der Unterschriften herauskommen. Die beiden rechnen, zählen Unterschriften, dividieren, es kommt irgendwas heraus, da fällt Susanne ein, dass manche ja allein sind und manche als Paar am Geschenk beteiligt waren, also für eine Einzahlung zwei Unterschriften geleistet haben, allerdings sind einige der Unterschriften nicht lesbar, sodass sich auch nicht mehr feststellen lässt, wer jetzt quasi doppelt, als Paar …
Ich warte nicht, bis ihnen auch noch aufgeht, dass es total ungerecht ist, dass manche als Paar zwei Mal vier Euro eingezahlt haben, also zu zweit, und manche allein. Ich muss schnell weg, Douglas Adams anrufen, damit er die Geschenkdynamik als Beschleuniger in seine Bistr-O-Matik einbaut.
Lustige Friseurnamen, Teil 658713

Postkarte von A. aus Japan. Danke!
(Falls zufällig jemand nicht so gut Japanisch kann: das ist tatsächlich ein Friseurschild. Auf Japanisch steht da "arutokurûku", was, wenn man die kurzen Us vernuschelt und nur das lange richtig ausspricht, ungefähr die japanische Aussprache für "altklug" ist.)
Wenn man nichts zu sagen hat:
einfach mal die Klappe halten.
*seufz*